Rezension: Meine Nachbarn der Yamadas

In kurzen Alltagsepisoden erzählt Meine Nachbarn die Yamadas vom Familienleben der Yamadas.

Die Yamadas sind eine nicht ganz so normale Durchschnittsfamilie. Vater Takashi geht arbeiten, während sich seine Frau Matsuko um den Haushalt kümmert. Dass sie nicht gut kochen kann und auch mal Dinge wie die Wäsche vergisst, erleichtert den Alltag für ihre Familie nicht unbedingt. Selbst Großmutter Shige, die auch nicht davor zurückschreckt, sich mit lärmenden Rowdys anzulegen, ist dabei nicht immer eine Hilfe. Statt mehr zu lernen, um seine Noten zu verbessern, wünscht sich Sohn Noboru eine coolere Familie. Und die naive, aber schlaue fünfjährige Tochter Nonoko beweist immer wieder Köpfchen und Schlagfertigkeit – besonders wenn es darum geht, etwas zu Essen zu erlangen. Selbst als sie im Einkaufszentrum vergessen wird, verzweifelt sie nicht. Dafür ist Noboru genervt, als seine Mutter und Großmutter zu auffällig seinem Telefonat lauschen. Und selbst erschöpft, versucht Takashi zur Arbeit zu kommen.

Chaotisches Familienleben

Der im Juli 1999 erstmals in Japan erschienene Slice-of-Life-Comedy-Anime-Filme Meine Nachbarn die Yamadas ist ein ungewöhnlicher Film im Portfolio des bekannten Studios Ghibli. Statt auf eine magische Fantasy-Geschichte, konzentriert sich Meine Nachbarn die Yamadas auf das gewöhnliche Leben der titelgebenden Familie. In mehreren kurzen Episoden, werden Abschnitte aus dem Alltag von Vater Takashi, Mutter Matsuko, Sohn Noboru, Tochter Nonoko und Großmutter Shige erzählt. Dabei geht es häufig ziemlich chaotisch und fast immer aberwitzig zur Sache. So zeigen die Yamadas exzentrische Charakterzüge und fallen mit einigen herrlichen Verhaltensweisen auf. Ganz so abgedreht wie der freche Shin-chan aus Crayon Shin Chan, geht es in Meine Nachbarn die Yamadas zwar nicht zu, weniger lustig ist der Film aber nicht.

In rund hundert Minuten dürfen die Yamadas in ihrem Leben begleitet werden. Dabei stehen gleichermaßen der Alltag zu Hause wie auch besondere Momente im Mittelpunkt der Geschichte. Dabei betont der Film das einfache und vermeintlich normale Leben der Hauptfiguren, die trotz allem reichlich Eigenheiten offenbaren. So kommt es schon mal vor, dass Takashi, Matsuko, Noboru und Shige die fünfjährige Nonoko im Einkaufszentrum vergessen und das erst auf der Fahrt nach Hause merken. Wie sie die Erkenntnis aufnehmen, ist genauso witzig wie Nonokos Umgang mit der ganzen Situation. Genauso witzig wird es, wenn Sohn Noboru von einer cooleren Familie träumt oder Mutter Matsuko ihr mangelndes Talent für den Haushalt beweist.

Charmantes Familienleben

Natürlich dürfen auch Jahreszeitenwechsel und gemeinsame Familienaktivitäten nicht fehlen – oder das Ausbleiben solcher. So ist der Fernseher, wie es sich gehört, wichtiger als die Begeisterung von Vater Takashi für den ersten Schneefall. Auch die Beziehungen der fünf Familienmitglieder zueinander werden thematisiert und auf amüsante Weise dargestellt. Dabei überzeichnet Meine Nachbarn Yamadas so manche Szene, setzt auf die Einbindung folkloristischer Weisheiten oder etwas träumerisch dargestellten Erinnerungen. Hier zeigt sich die gewohnte Ghibli-Magie, die auch sonst aus jeder Pore des Films strömt. Regisseur Isao Takahata beweist mit Meine Nachbarn die Yamadas, dass Studio Ghibli auch völlig andere Anime-Filme großartig umsetzen kann. Dabei basiert die Geschichte auf Mangas von Hisaichi Ishii, die auch als Vorlage für die 2001 von Toei Animation umgesetzt Anime-Serie Nono-chan, die mit Nonoka als Hauptfigur ebenfalls vom Leben der Yamadas erzählt, aber bisher leider nicht auf deutsch erschienen ist.

Optisch unterscheidet sich Meine Nachbarn die Yamadas deutlich von anderen Anime. So setzt der Film auf einen sehr vereinfachten, skizzenhaften Zeichenstil, der an klassische Hanafuda-Karten, die auch direkt eingeflochten sind, erinnert. Dadurch agieren die Figuren oft auf fast weißer Fläche, die lediglich noch von anderen Objekten gefüllt ist. Gleichzeitig strotzen manche Szenen vor Details und heben hervor, wie vielschichtig und wunderschön Meine Nachbarn die Yamadas visuell umgesetzt ist. Zugleich besticht der Slice-of-Life-Comedy-Film mit flüssigen Animationen, einem lebhaften Soundtrack und einer hochwertigen deutschen Synchronisation.

Fazit

Meine Nachbarn die Yamadas ist einer der ungewöhnlichsten, aber vielleicht auch witzigsten Filme von Studio Ghibli. Die Adaption der Mangas von Hisaichi Ishii erzählt eine lustige Alltagsgeschichte rund um das Leben der titelgebenden Familie Yamada. Dabei besticht der Film vor allem mit den exzentrischen Hauptfiguren, die schnell ans Herz wachsen. Es ist wirklich witzig, Takashi, Matsuko, Noboru, Nonoka und Shige in ihrem Alltag zu begleiten und allerlei verrückte und chaotische Situationen mitzuerleben. Gleichzeitig besticht Meine Nachbarn die Yamadas mit einem einzigartigen Zeichenstil, der trotz der Einfachheit für eine lebendige und detailreiche Darstellung der Szenen sorgt und zugleich mit flüssigen Animationen überzeugt. Dabei trägt die Inszenierung der verschiedenen Alltagsepisoden viel zum großartigen Humor bei und ich musste angesichts des verrückten Chaos der Familie Yamada immer wieder lachen. Ein besonderer Ghibli-Film, der auf eigene Weise die besondere Magie des Studios verkörpert.

Kurzfazit: Witziger und charmanter Slice-of-Life-Comedy-Film, der eine episodenhafte Alltagsgeschichte über die liebenswerten Hauptfiguren erzählt und mit reichlich Humor sowie besondere Magie spaßige Genre-Unterhaltung garantiert.

Details
Titel: Meine Nachbarn der Yamadas
Originaltitel: Hōhokekyo Tonari no Yamada-kun
Genre: Slice of Life, Comedy
Regie: Isao Takahata
Studio: Studio Ghibli Inc.
Produktionsjahr: 1999
Laufzeit: ca. 104 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Englisch, Französisch und weitere
Untertitel: Deutsch, Japanisch, Englisch, Französisch und weitere
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Stream: Meine Nachbarn die Yamadas bei Netflix

© Hisaichi Ishii / Hataka Jimusho / Studio Ghibli / NHD