Rezension: Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden – Legacy Edition (Switch 2)

Waldläufer Eradan, Elbin Andriel und Zwerg Farin stellen sich in Der Herr der Ringe: Der Krieg im Nord Legacy Edition dem Kampf gegen Saurons Handlanger Agandaûr.

Ein Action-Rollenspiel in der Welt von Der Herr der Ringe, das sich den Geschehnissen im Norden Mittelerdes parallel zur Geschichte aus Büchern und Filmen annimmt klingt interessant? Das war schon 2011 so als Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden für PlayStation 3, Xbox 360 und PC erschienen ist. Fast fünfzehn Jahre später hat Aspyr der Schnetzelorgie eine Neuauflage spendiert. An der eher überschaubaren Qualität hat sich in der Legacy Edition allerdings nichts geändert. Noch immer leidet die Atmosphäre an schwachen Dialogen, der mäßigen deutschen Vertonung und dem Verzicht auf die Synchronsprecher der Filme. Doch auch das Gameplay hat sich im Vergleich zum Original kaum verbessert, zumal alte Probleme noch immer vorhanden sind.

Kämpfe im Norden

Die Geschichte von Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden klingt grundsätzlich spannend. Zu Beginn des Abenteuers treffen der Waldläufer Eradan, Elbin Andriel und Zwerg Farin in Bree auf Aragorn. In seinem Auftrag sollen sie einigen Waldläufern zur Hilfe eilen und mehr über die Machenschaften von Saurons Handlanger Agandaûr herausfinden. Diese Ausgangslage entwickelt sich langsam zu einem Konflikt um den Norden Mittelerdes und einem direkten Feldzug des Trios gegen Agandaûr. Dabei werden einige bekannte Orte wie Bree oder Bruchtal besucht und neben Aragorn treten auch andere bekannte Figuren wie Elrond oder Bilbo auf. Es steckt also viel Potential in der Geschichte, das aber zu großen Teilen nicht genutzt wird. Oft plätschert die Handlung vor sich hin oder wirkt unpassend. Zwar zieht das Action-Rollenspiel manchmal auch spürbar an und zeigt, was möglich wäre, doch solche Lichtblicke sind leider zu selten. Zumal bereits der Einstieg so zäh ausfällt, dass viele Der-Herr-der-Ringe-Fans in den ersten Stunden der etwa zwanzig Stunden langen Kampagne abbrechen dürften.

So ärgerlich die schwache Geschichte ist, so sehr könnte gelungenes Gameplay die Macken zumindest ein wenig ausgleichen. Grundsätzlich weiß Der Krieg im Norden hierbei durchaus zu überzeugen. In Städten erhaltet ihr Quests und helft den Bewohnern der Örtlichkeiten. Wirklich bedeutsam sind jedoch die Abschnitte abseits der Städte. Hier erkundet ihr linear gehaltene Level in denen ihr auf zahlreiche Orks trefft. Mit Schwert, Axt, Bogen und Zaubern schnetzelt ihr euch durch die Gegnerhorden. Dabei spritzt reichlich schwarzes Blut. Habt ihr ausreichend Feinde besiegt winkt ein Levelaufstieg. Bei diesem dürft ihr drei Punkte auf die Attribute verteilen, was Einfluss auf die Ausrüstung hat, die der jeweilige Charakter tragen darf. Außerdem könnt ihr die Fähigkeiten des Helden-Trios stärken. Leider fühlen sich die Auseinandersetzungen nie wirklich gut an. Selbst für ein fünfzehn Jahres altes Spiel, ist die Steuerung zu behäbig. Das wäre noch akzeptabel, wären eure Begleiter nicht so stupide und Gegner nicht so unfair. Da hilft es wenig, dass ihr jederzeit zwischen Eradan, Andriel und Farin wechseln könnt – es kommt einfach nur selten Spielspaß auf.

Abenteuer zu dritt

Etwas anders verhält es sich im Koop-Modus. Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden ist eindeutig darauf ausgelegt, das Abenteuer zu dritt zu bestreiten. Das fällt schon im Hauptmenü auf. Umso besser ist es, dass die Legacy Edition neben der Möglichkeit lokal gemeinsam den Kampf gegen Agandaûr aufzunehmen, auch über einen Online-Modus verfügt. Einige Schwäche, wie etwa die Problematik der Intelligenz eurer Mitstreiter oder die Wiederbelebung eines gefallen Charakters, werden im Koop-Modus ausgeglichen. Schließlich agiert hier keine simple Computer-Intelligenz, sondern ein echter Mensch. Zwar bleiben einige offensichtliche Schwächen trotzdem erhalten, dennoch ist das Action-Rollenspiel mit zwei Freunden oder online auch Fremden wesentlich angenehmer und der Spielspaß etwas höher. Wirklich gut ist Der Krieg im Norden deshalb aber auch nicht und für Koop-Runden finden sich auf der Switch 2 bessere Spiele.

Immerhin läuft Der Krieg im Norden auf der Switch 2 flüssig. Das trägt maßgeblich zur Spielbarkeit bei. Allerdings war das Action-Rollenspiel schon 2011 grafisch eher mittelmäßig und daran hat sich wenig geändert. Es ist offensichtlich, dass die Legacy Edition vor allem eine hochgerechnete Auflösung und ähnliche technische Anpassungen an die aktuellen Systeme spendiert bekommen hat. Optisch sieht das zwar besser aus als vor fünfzehn Jahren, ansprechend ist Der Krieg im Norden aber noch immer nicht. Dafür sind die Umgebungen zu eintönig, die Texturen zu matschig und die Charaktermodelle zu kantig. Zusätzlich bleibt in Dialogen oft die Lippenbewegung aus und es kommt vor, dass sich zwei Figuren mit der selben Stimme unterhalten. Gemeinsam mit den sowieso schwachen Dialogen alles andere als hilfreich für die Atmosphäre. Diese profitiert dafür vom stimmungsvollen Soundtrack, der besonders in den Kämpfen mit wuchtigen Klängen überzeugt – zumindest wenn ihr die Lautstärke aufdreht. Der Krieg im Norden, besonders die deutsche Vertonung, ist sehr leise. Aber das ist kaum etwas, das den Spielspaß trübt.

Fazit

Obwohl ich Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden bereits 2011 auf der PlayStation 3 gespielt habe, hatte ich bei der Ankündigung der Legacy Edition ein deutlich besseres Action-Rollenspiel-Erlebnis in Erinnerung. Entsprechend schnell stellte sich bei mir eine leichte Ernüchterung ein, als mir wieder bewusst wurde, wie gering der Spielspaß wirklich ist. Zwar gibt es ein paar starke Momente, doch diese können die zahlreichen Schwächen kaum ausgleichen. Angesichts des vorhandenen Potentials ist das wirklich bedauerlich. Schließlich wären mit einigen sinnvollen Verbesserungen viele Probleme bereits behoben. Damit meine ich nicht einmal die atmosphärischen Mängel bezüglich Synchronisation, sondern das Gameplay. Bei besserer Spielbarkeit wären auch die eher mittelmäßige Geschichte und die veraltete Grafik zu verkraften. Doch so bleibt Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden wie schon 2011 ein schwaches Spiel, das seine Lizenz nur bedingt nutzen kann. Schade. Lediglich große Der-Herr-der-Ringe-Fans, die das Action-Rollenspiel ausschließlich im Koop-Modus spielen wollen, sollten einen Blick wagen.

Kurzfazit: Schwaches Der-Herr-der-Ringe-Action-Spiel, das weder bei Gameplay, Story noch Atmosphäre und Charakteren überzeugt und lediglich im Koop-Modus etwas Spielspaß aufkommen lässt.

Vielen Dank an Aspyr Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden – Legacy Edition!

Details
Titel: Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden – Legacy Edition
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Aspyr Media
Entwickler: Aspyr Media, Snowblind Studios (Original)
Spieler: 1-3
Syteme: Switch 2 (getestet), Switch, PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, PC
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 18. August 2026

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