Rezension: The Ribbon Hero

Nachdem Prinzessin Sapphire ihre Heimat verloren hat, stellt sie sich in The Ribbon Hero als Princess Knight dem zerstörerischen Wesen Nergal.

Vor langer Zeit erschien ein Monster, das die Menschheit Nergal taufte. Zerstörerisch wütete Nergal und jeder Versuch, ihn aufzuhalten, scheiterte. Prinzessin Sapphire muss ebenfalls miterleben, wie ihr Königreich der Wut Nergals zum Opfer fällt. Die Menschen werden von der Fäulnis befallen, während Schloss und Stadt zerstört werden. Obwohl sie kämpfen will, bleibt Sapphire, auch auf Bitten ihrer kurz darauf sterbenden Mutter, nichts anderes übrig als gemeinsam mit ihrer alten Vertrauten, der Erfinderin Zirco, zu fliehen. Sieben Jahre später erreichen die beiden Goldland. Ein Königreich, das vom mächtigen Papst regiert wird und in dem jeglicher Widerstand gegen Nergal, den König der Asche, bestraft wird. Um zu überleben, beginnen Sapphire und Zirco in der Kristallmine zu arbeiten. Als diese von Nergal angegriffen wird, erwacht in Sapphire eine unbekannte Macht und sie verwandelt sich in Princess Knight. Mit ihren neuen Kräften beschließt sie, Goldland vor Nergal zu beschützen. Doch ihre Taten wecken Aufmerksamkeit. Kann Sapphire die Menschheit beschützen und Nergal besiegen oder ist sie wie alle vor ihr zum Scheitern verurteilt?

Heldin mit Schleife

Regisseur Yuki Igarashi adaptiert mit seinem Studio Outline im ersten eigenständigen Film The Ribbon Hero lose die Manga-Reihe Ribbon no Kishi beziehungsweise Princess Knight des legendären Mangaka Osamu Tezuka. Dabei ist der Fantasy-Action-Abenteuer-Film jedoch vorwiegend von der Vorlage inspiriert und erzählt die Geschichte nicht eins zu eins nach. Angesiedelt ist The Ribbon Hero in einer Welt, die seit langer Zeit von dem zerstörerischen Wesen Nergal heimgesucht wird. Jeder Versuch, Nergal zu bezwingen, ist bisher gescheitert und zahlreiche Helden, Menschen und Länder sind dem König der Asche bereits zum Opfer gefallen. The Ribbon Hero beginnt mit Prinzessin Sapphire, die verletzt im zerstörten Schloss ihres Königreichs aufwacht. Bei ihr ist lediglich ihre alte Vertraute, die Erfinderin Zirco. Alle anderen Menschen im Schloss scheinen bereits der Fäulnis anheim gefallen zu sein – dazu zählen auch Sapphires Eltern. Nur kurz kann sie noch mit ihrer Mutter sprechen, bevor sie trotz ihres Wunsches gezwungen ist zu fliehen und mit anzusehen, wie Schloss und Stadt endgültig von Nergal zerstört werden.

Der Prolog von The Ribbon Hero ist entsprechend düster und stellt Protagonistin Sapphire sowie Zirco ausreichend vor. Vor allem soll ein Eindruck für die Gefahr, die von Nergal ausgeht, geschaffen werden. Gleichzeitig ist Sapphires tragische Vergangenheit ein wichtiger Aspekt ihrer Charakterisierung und der Geschichte. Zudem werden erste Andeutungen ihrer späteren besonderen Kräfte eingeflochten. Bevor sich Sapphire jedoch erstmals in Princess Knight verwandelt und den Kampf gegen Nergal aufnimmt, widmet sich der Film der Etablierung des eigentlichen Schauplatzes. Sieben Jahre nach dem Sturz ihres Königreichs erreichen Sapphire und Zirco Goldland. Dieses wird vom mächtigen Papst, der den König der Asche als Strafe für die Menschheit betrachtet, regiert. Obwohl The Ribbon Hero einige übliche Fantasy-Klischees verwendet, ist die Ausgangslage durchaus spannend. Leider wird das vorhandene Potential nicht komplett genutzt. Das liegt auch an der Einteilung in Akte, die manchmal zu etwas sprunghaften Szenenwechseln führen.

Stimmungsvoll trotz Schwächen

Zusätzlich leidet The Ribbon Hero unter einem etwas zu seichten Spannungsaufbau sowie der mangelnden Tiefe. Letzteres gilt in Teilen für die Geschichte, aber vor allem für viele Figuren. Sapphire ist noch recht ordentlich ausgearbeitet, weist nachvollziehbare Beweggründe für ihr Handeln auf, muss sich ihrer Vergangenheit stellen und versuchen zu wachsen. Das funktioniert trotz stereotypischer Eigenschaften recht gut. Auch Zirco oder Gasthaustochter Pine, die Sapphire kurz nach ihrer Ankunft in Goldland kennenlernt, sind noch relativ gut ausgearbeitet. Dafür wissen andere Nebenfiguren weniger zu überzeugen und stellen eher Standard-Akteure dar. Das gilt vor allem für den als eine Art Antagonist agierenden Papst, der abseits seines engen Glaubensverständnisses kaum Persönlichkeit erhält. Da glänzt sein Untergebener, der Ritter Velvet, noch etwas mehr, ohne vollständig überzeugen zu können. Doch nicht falsch verstehen: den Charakteren mag es an Tiefe mangeln, trotzdem kann The Ribbon Hero durchaus unterhalten. Das ist der zwar in Teilen etwas skurrilen, aber stets kurzweiligen und mitunter spannenden Geschichte, der sympathischen Protagonistin und einem nicht unmerklichen Charme zu verdanken.

The Ribbon Hero schafft es trotz offensichtlicher Schwächen eine angenehme, düstere und manchmal sogar fesselnde Stimmung aufzubauen. Zudem trumpft der Fantasy-Action-Abenteuer-Film mit einigen gut inszenierten Kämpfen auf. Da können die bereits erwähnten gelegentlichen holprigen Szenenwechsel zum Übergang von einem Akt auf den nächsten nur wenig dran ändern. Ebenso überzeugt The Ribbon Hero mit brillianten Animationen und Zeichnungen. Besonders die Designs der wichtigsten Figuren sind individuell gestaltet und passen perfekt zu den jeweiligen Charakteren. Zusätzlich wird mit reichlich Effekten, einigen aufwändigen Szenen und rasanten Bewegungen gearbeitet. Lediglich der Kontrast zwischen dem monströsen, in CGI animierten Nergal und den restlichen Zeichnungen sticht manchmal stark heraus. Besonders wenn Sapphire sich Nergal im Kampf stellt. Wirklich negativ ist das aber nie. Untermalt wird der Film von einem stimmungsvollen Soundtrack, der sehr gut passt und viel zur Atmosphäre beiträgt. Die hochwertige deutsche Synchronisation rundet The Ribbon Hero ab.

Fazit

Die Vorlage von Osamu Tezuka habe ich mangels Möglichkeit bisher nicht gelesen. Schließlich ist Ribbon no Kishi bisher leider nicht auf deutsch erschienen. Immerhin gibt es für Interessierte unter dem Titel Princess Knight eine englische Veröffentlichung der Manga-Reihe. The Ribbon Hero basiert nur lose auf dem Werk von Osamu Tezuka, weshalb der Film nur wenige Rückschlüsse auf die Vorlage hinterlässt. Dafür kann die Fantasy-Action-Abenteuer-Geschichte unabhängig betrachtet werden. Das erste eigene Werk des Studios Outline hat allerdings mit ein paar Problemen zu kämpfen. So leidet der Film manchmal unter sprunghaften Szenenwechseln, mangelnder Tiefe und einigen eindimensionalen Charakteren. Dafür schafft es die zwar einigen Genre-Standards unterworfene Protagonistin, die Geschichte zu tragen. Zudem garantieren Handlung, einige gelungene Wendungen sowie die gut inszenierte Action in Einklang mit den schönen Zeichnungen und Animationen trotzdem durchaus spannende Fantasy-Unterhaltung. Entgegen meiner Erwartungen, hat mir The Ribbon Hero trotz ein paar etwas schleppender Momente insgesamt gut gefallen. Dabei sind es weniger Wendungen und Antagonisten als das Szenario sowie Sapphires Entwicklung und die damit verbundenen Coming-of-Age-Elemente, die mich überzeugt haben. Natürlich tragen auch die Kämpfe und der trotz aller Schwächen vorhandene Charme viel zum Unterhaltungswert bei. Dennoch ist es schwierig, The Ribbon Hero ausnahmslos zu empfehlen. Wer sich nicht an den genannten Schwächen stört, sollte dem Fantasy-Action-Abenteuer-Film eine Chance geben.

Kurzfazit: Trotz Schwächen unterhaltsamer Fantasy-Action-Abenteuer-Film, der eine kurzweilige Geschichte mit sympathischer Protagonistin erzählt.

Details
Titel: The Ribbon Hero
Originaltitel: The Ribbon Hero
Genre: Fantasy, Abenteuer
Regie: Yuki Igarashi
Studio: Outline
Produktionsjahr: 2026
Laufzeit: ca. 109 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Englisch u.a.
Untertitel: Deutsch u.a.
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 08. August 2026
Streaming: The Ribbon Hero bei Netflix

©ツインエンジン / Netflix