Rezension: Moonlighter 2: The Endless Vault (Switch 2)

Händler Will erkundet in Moonlighter 2: The Endless Vault Dungeons und führt seinen eigenen Laden.

Nach nicht ganz einem Jahr in der Early-Access-Phase, ist Anfang September die Vollversion von Moonlighter 2: The Endless Vault erschienen. Der Nachfolger des erstmals im Mai 2018 erschienenen Moonlighter knüpft an den Vorgänger an. Entsprechend baut die Geschichte auf den Ereignissen des ersten Teils auf. Ein kurzer Rückblick erläutert die wichtigsten Handlungsdetails, so dass auch Neueinstieger keine Verständnisprobleme haben. Kurz zusammengefasst: Nachdem die interdimensionale Entität Moloch Wills Heimatdorf Ryoka übernommen hat, hat der Händler und Abenteuer mit seinen Freunden Zuflucht in Tresna gefunden. Dort versucht Will erneut einen Laden aufzubauen und erkundet dafür Dungeons, um die gefundenen Relikte zu verkaufen. Zudem taucht ein großer, sprechender Tresor auf, der Will Schätze und einen Wunsch verspricht, wenn er die Herausforderungen – bestimmte Mengen an Einkünften zu erzielen – erfüllt.

Abenteuerliche Relikt-Sammelei

Beim grundlegenden Konzept setzt Entwicklungsstudio Digital Sun auf die Stärken des Vorgängers. So gilt es als Will Dungeons zu erkunden, Relikte zu finden, damit diese im Geschäft verkauft werden können. Die Dungeons betritt Will über ein Portal in Tresna, wodurch die mit der Zeit wachsende Zahl an Zielorten für eure Erkundungen leicht erklärt wird. Schließlich springt Will durch die Dimensionen, Welten und Reiche. Dabei entspricht Moonlighter 2 dem klassischen Roguelite-Prinzip, wie es zum Beispiel von Hades oder Cult of the Lamb bekannt ist. Bedeutet: Die Dungeons sind in Räume aufgeteilt, die ihr nacheinander bestreitet. Zwischen den Räumen gilt es zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu wählen und somit die Route durch den Dungeon festzulegen. Allerdings ist der Aufbau bei jedem Besuch im Dungeon anders.

Was ihr in den Räumen vorfindet, ist dank aussagekräftiger Symbole leicht verständlich dargestellt. Ob ihr nun Kämpfe bestreitet, ein Ereignis entdeckt oder euch an einen Schmied wenden könnt, Moonlighter 2 entwickelt schon bald einen Spielfluss, der dazu verleitet, nur noch einen Raum zu schaffen, nur noch den nächsten Tag abzuschließen. Das Sammeln von Relikten ist jedoch nicht einfach. Zahlreiche Gegner stellen sich Will in den Weg. Deshalb greift der Händler-Abenteuer zu verschiedenen Waffen. Anfangs nur mit einem Besen ausgestattet, erhaltet ihr bald die Möglichkeit zwischen Schwert, Großschwert, Speer und Handschuhen zu wählen. Jede Waffenart hat dabei ihre eigene Mechanik. So verliert das Großschwert bei normalen Angriffen Schärfe, die jedoch durch Spezialattacken wieder aufgeladen wird. Die Handschuhe wiederum laden bei Standardangriffen eine Leiste auf, die ihr bei voller Ladung nutzen könnt, um in den Berserker-Modus zu wechseln. Welche Waffe ihr wählt, hängt von eurer Vorliebe ab, aber Moonlighter 2 fördert mit Belohnungen den Wechsel zwischen den vier Kampfwerkzeugen.

Rasante, rudimentäre Auseinandersetzungen

Die Kämpfe selbst funktionieren recht ordentlich. Schnell greift ihr die Gegner an, weicht mit einer Rolle Attacken aus oder schleudert benommene Gegner mit eurem Rucksack von euch. Das fühlt sich durchaus gut an und mit der Zeit beherrscht ihr Waffen und Fähigkeiten immer besser. Zusätzlich kann Will einen Fernkampfangriff einsetzen, mit dem sich auch fliegende Gegner auf den Boden und somit in Reichweite eurer Waffen holen lassen. Elitegegner und Mini-Bosse bringen besondere Herausforderungen und verlangen von euch, taktisch vorzugehen. Allgemein ist Vorsicht geboten, da Will schneller das Zeitliche segnen kann als manchmal gedacht. Zum Glück könnt ihr euch mit Heiltränken heilen. Weitere Waffen und Verbesserungen von diesen garantieren, dass ihr euch immer mächtiger fühlt und Gegner leichter bezwingt.

Dazu tragen auch die permanenten und temporären Stärkungen von Will bei. Hier zeigt sich die Tiefe des Roguelite-Action-Rollenspiels. So erhaltet ihr in den Dungeons in verschiedenen Räumen die Möglichkeit, Verbesserungen zu erlangen, die nur für diesen Durchgang gelten. Der Schmied stärkt eure Waffe. Oder aber ihr besteht eine Herausforderung, um Werte wie Angriffskraft, kritischen Schaden oder Geschwindigkeit anzuheben. Wie in Roguelites üblich, verliert ihr die im Dungeon erlangten, temporären Verbesserungen, sobald ihr entweder freiwillig (was jederzeit möglich ist) oder nach einem Tod nach Tresna zurückkehrt. Anders ist es mit den zahlreichen permanenten Verbesserungen, die ihr in dem kleinen Dorf kaufen könnt. Diese haben ganz unterschiedliche Auswirkungen. Von besserer Heilung über einen größeren Rucksack bis hin zu wertvolleren Relikten gibt es einiges, was ihr freischalten könnt, um euer Dungeonabenteuer einfacher und lukrativer zu gestalten. Doch dafür benötigt ihr neben in den Dungeons gesammelten Materialien vor allem Gold – und das will erstmal verdient sein.

Taktischer Händler

In Tresna besitzt Will einen kleinen Laden, in dem er die in den Dungeons gefundenen Relikte verkauft. Allerdings passiert das nicht automatisch. Es ist an euch, die Ware zu platzieren und Preise festzulegen. Doch Vorsicht: Sind die Relikte zu teuer, kaufen eure Kunden sie nicht. Beobachtet also die in Sprechblasen dargestellten Reaktionen,um einzuschätzen, welcher Preis angemessen ist. Dabei gilt der von euch bestimmte Grundpreis ohne die Boni als Grundlage. Aufschläge auf diesen erlangt ihr etwa durch besondere Vitrinen zur Präsentation der Relikte oder an Aktionstagen bei denen bestimmte Waren besonders beliebt sind. Auch Qualität, Seltenheit und weitere Faktoren beeinflussen, zu welchem Preis ihr Relikte verkaufen könnt.

 

Dabei lassen sich auch für den Laden verschiedene Boni und Verbesserungen freischalten. So erhaltet ihr nach einiger Zeit die Möglichkeit, in den Dungeons Glibbys zu retten. Diese können anschließend für Glibby-Münzen erworben werden. Je nach in eurem Laden platzierten Glibby lässt sich ein anderer, kurzfristiger Bonus aktivieren. Stellt ihr bei den Verkäufen die Zufriedenheit der Kunden sicher und verkauft zu angemessenen Preisen, füllt sich zudem eine Leiste, die euch schließlich die Wahl zwischen verschiedenen temporären Boni für den gegenwärtigen Tag gewährt. Zusätzlich lassen sich Möbel mit bestimmten Effekten kaufen und platzieren. Damit ist das Shop-System nicht nur tiefgründig, sondern auch überaus motivierend.

Zusätzliche Aufgaben

Abseits eures Daseins als Abenteurer und Händler, knüpft ihr auch Kontakte zu den Bewohnern Tresnas. Das sind zum einen bekannte Figuren aus dem Vorgänger, die gemeinsam mit Will aus Rynoka geflohen sind und zum anderen neue Charaktere. Die meisten von ihnen gewähren Einkaufs- oder Verbesserungsmöglichkeiten. Zudem treten sie mit Bitten an euch heran. Dabei handelt es sich um Nebenquests, die meist eher simpel ausfallen, aber trotzdem Abwechslung in die Dungeonerkundung bringen. Zudem könnt ihr teilweise seltene Materialien, neue Waffen oder Baupläne für Rüstungen finden. Dank des stetigen Verkaufs von Waren erfüllt ihr mit der Zeit automatisch die Bitten des sprechenden Tresors, was wiederum neue Gameplay-Mechaniken und somit Möglichkeiten freischaltet.

Bleibt noch ein Blick auf die audiovisuelle Präsentation unddie Technik. Statt auf den Pixel-Artsyle des Vorgängers, setzt Moonlighter 2 auf einen charmanten 3D-Comic-Stil, der sehr gut passt und genauso der zauberhafte, mal treibende, mal ruhige Soundtrack die Stimmung perfekt transportiert. Das Geschehen wird dabei aus der versetzten Draufsicht dargestellt und setzt auf reichlich Liebe zum Detail. Technisch ist Moonlighter 2 leider nicht in allen Belangen überzeugend. Während das Roguelite-Action-Rollenspiel fast durchgehend flüssig läuft und kleinere Performanceeinbrüche keinen spürbaren Einfluss auf den Spielspaß haben, können die teils langen Ladezeiten nerven. Ansonsten läuft Moonlighter 2 sehr rund und präsentiert sich als großartiger Nachfolger des ersten Teils sowie als spaßiges Roguelite-Action-Rollenspiel, das sich jeder Fan des Genres näher anschauen sollte.

Fazit

Das erste Moonlighter habe ich lediglich einige Stunden gespielt – und das obwohl mich das Spielprinzip wirklich motiviert hat. Entsprechend neugierig war ich auf Moonlighter 2: The Endless Vault. Schon nach kurzer Zeit hat mich das Roguelite-Action-Rollenspiel in seinen Bann gezogen und der “Nur-noch-ein-Raum”- beziehungsweise “Nur-noch-ein-Tag”-Spiefluss haben mich nicht mehr losgelassen. Es ist wirklich motivierend, als Will die Dungeons zu erkunden, Relikte zu sammeln, diese anschließend zu verkaufen und mit dem verdienten Geld Verbesserungen zu erwerben. Dabei zeigt Moonlighter 2 unerwartet viel Spieltiefe und offenbart immer wieder neue Mechaniken. Ein weiterer Grund, weshalb ich immer wieder aufs Neue motiviert bin, weiterzuspielen und mich erneut in die Dungeons zu stürzen. Lediglich das Kampfsystem könnte im Detail etwas besser sein, doch das ist meckern auf hohem Niveau. Die charmante Grafik und der stimmungsvolle Soundtrack tragen ebenfalls viel zum Spielspaß bei, so dass kleinere Macken wie die teilweise langen Ladezeiten kaum ins Gewicht fallen. Für mich ein großartiges Roguelite-Action-Rollenspiel, das ich jedem Genre-Fan empfehlen kann.

Kurzfazit: Motivierendes Roguelite-Action-Rollenspiel, das einen fesselnden Spielfluss entwickelt und mit reichlich Charme und Spielspaß begeistert.

Vielen Dank an 11 bit studios & Digital Sun für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Moonlighter 2: The Endless Vault!