Rezension: Make a Girl

Akira erschafft in Make a Girl das Robotermädchen Nr. 0 als seine Freundin, in der Hoffnung, durch sie die Effizienz seiner Forschung zu verbessern.

Oberschüler Akira Mizutamari ist besessen von seinen Forschungen. Fest entschlossen, das Erbe seiner genialen, verstorbenen Mutter anzutreten, widmet er sich fast ausschließlich seiner Arbeit. Mit seinen Erfindungen treibt er nicht nur seine Lehrer, sondern auch seine Klassenkameradin Akane regelmäßig zur Weißglut. Doch Akira will mit allen Mitteln, die bereits existierenden Roboter mit dem Code seiner Mutter verbessern. Als er von seinem Freund Kunito hört, dass dieser eine Freundin hat und seitdem bei seiner Arbeit noch effizienter ist, beschließt Akira, sich selbst eine Freundin zu bauen. Die Aufgabe von Nr. 0 ist es, ihn zu lieben und ihm ein erhofftes Power-up zu geben. Aber kann das wirklich funktionieren? Und sind programmierte Gefühle echt? Unterstützung erhält Akira nicht nur von Kunito und Akane, sondern auch von Studentin Eri und deren Professor Shoichi Takamine, der eine enge Bindung zu Akira und dessen verstorbener Mutter hat.

Gebaute Freundin

Ende Januar 2025 ist der Originalanime Make a Girl von Regisseur Genshou Yasuda und Studio Xenotoon erstmals in Japan erschienen. Die Geschichte ist in einer nahen Zukunft angesiedelt, in der bereits Roboter, die als Unterstützung im Alltag dienen, existieren. Akira, der Sohn der verstorbenen Wissenschaftlerin Inaba Mizutamari, die maßgeblich an der Erschaffung von Robotern beteiligt war, will mit allen Mitteln das Erbe seiner Mutter antreten. Dabei fällt früh auf, dass Akira ausschließlich für seine Forschung lebt, weltfremd ist und alles aus wissenschaftlicher und analytischer Perspektive betrachtet. So überrascht es nicht, dass er die Aussage seines Freundes Kunito, durch seine Freundin könne er effizienter arbeiten, wortwörtlich nimmt. Deshalb erhofft sich Akira ebenfalls ein Power-up und somit endlich einen Weg aus seinen festgefahrenen Forschungen, wenn er eine Freundin hat. Diese baut er kurzerhand selbst. Dass er damit einen künstlichen Menschen schafft, was an sich bereits genial ist, ist ihm kaum bewusst.

Zwar lässt sich Make a Girl nicht viel Zeit bis Nr. 0 ihren ersten Auftritt hat, dennoch stellt der Science-Fiction-Anime-Film zuvor Akira und einige weitere wichtige Figuren ausreichend vor. Zwar erhalten weder der Protagonist noch seine Freunde Kunito, Akane und Eri wirklich viel Tiefe, für den Einstieg ist das aber ausreichend. Leider bessert sich die Darstellung der Charaktere im Laufe des Films eher minimal. Lediglich Akira und Nr. 0 wandeln sich während der Geschichte sehr offensichtlich, das ist aber manchmal ziemlich hart und nicht immer nachvollziehbar umgesetzt. Zudem ist Akira lange Zeit komplett unsympathisch. Erst nach etwa einem Drittel wird er etwas nahbarer. Das passt zwar zur Geschichte und einigen wichtigen Entscheidungen, erschwert aber den Einstieg in den Film. Immerhin bringen Kunito, Akane und vor allem Nr. 0 dringend benötigten Charme in die Handlung. Entsprechend passt es auch, dass Nr. 0s anfängliche Entwicklung im Fokus steht.

Interessante Themen, ungenutztes Potential

Obwohl Make a Girl einige durchaus interessante Fragen stellt, bleibt der Film über weite Strecken hinter dem vorhandenen Potential zurück. Dabei steht die Beziehung von Akira und Nr. 0 im Mittelpunkt und gehört zumindest teilweise sogar zu den Stärken des Films. Schließlich ist es durchaus interessant mitzuerleben, wie sich die beiden unter dem Einfluss des jeweils anderen entwickeln. Ob dabei mit Blick auf Nr. 0 alles technisch logisch ist, ist irrelevant. Weitaus wichtiger ist die Thematik, wie real ihre Gefühle sind und wie wichtig ihre Programmierung ist. Sogar die Möglichkeit, den vorgegebenen Grundlagen von Robotern zu entgehen und welcher Preis dafür erforderlich ist, spricht Make a Girl an. Leider bleibt dabei zu viel Potential liegen. Dabei ist die grundsätzliche Science-Fiction- und Romantik- sowie Coming-of-Age-Geschichte von Akira und Nr. 0 durchaus gelungen.

Allerdings setzt Make a Girl auch auf einige Handlungselemente, die zwar durchaus prägend für Akira und Nr. 0 sind, aber viel zu wenig ausgearbeitet werden. Das gilt auch für den möglichen Antagonisten, einen Dieb von fortschrittlichen Robotern. Die Rolle des potenziellen Gegenspielers für Akira und Nr. 0 ist viel zu klein und dient lediglich dazu, bestimmte Ereignisse einzuleiten. Zudem ist die Auflösung der Geschichte nicht in allen Aspekten geglückt. Während manche Enthüllungen irgendwann vorhersehbar sind, bleibt Make a Girl trotz reichlich eindeutig präsentierter Antworten einige Details schuldig. Dabei ist das Ende nicht einmal schlecht. Besonders weil es mit Erwartungen spielt. Vollends überzeugen kann der Abschluss des in gelungenem CGI animierten Films jedoch nicht. Auch hier zeigt sich, dass Make a Girl viel Potential liegen lässt. Immerhin rundet der Abspann mit einigen zusätzlichen Szenen die Geschichte noch etwas ab.

Fazit

Bevor ich Make a Girl gesehen habe, wusste ich nur relativ wenig über den Science-Fiction-Anime-Film. Lediglich einen Trailer habe ich gesehen und dieser hat etwas andere Erwartungen geweckt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Make a Girl deshalb schlechter ist. Die Geschichte von Akira und Nr. 0 ist über weite Teile lediglich ruhiger und weit weniger actionlastig als erwartet – was durchaus positiv ist. Trotzdem hat mich das Originalwerk von Regisseur Genshou Yasuda nur teilweise überzeugt. Die grundlegende Prämisse ist durchaus interessant und grundsätzlich auch gut umgesetzt. Gerade die Fragen über die Echtheit von Nr. 0s Gefühlen sind interessant. Leider lässt Make a Girl hier genauso wie bei der restlichen Geschichte viel Potential liegen. Zumal die Hauptfiguren überaus wichtig sind, aber nicht immer überzeugen können. Gerade Akira weckt, sicherlich bewusst, anfangs kaum Sympathien. Dadurch mag seine Entwicklung besser zur Geltung kommen, wird aber zugleich etwas zu kantig inszeniert. Unnötige Handlungselemente und eine zwar durchaus gelungene Auflösung inklusive übertrieben wirkendem Ende hinterlassen schließlich einen noch ernüchternderen Eindruck. Doch nicht falsch verstehen: wirklich schlecht ist Make a Girl nicht. Aber eben auch nicht zwingend gut. Vielmehr handelt es sich um einen ordentlichen Science-Fiction-Anime-Film, der einige interessante Aspekte zeigt und viel Potential liegen lässt. Schade.

Kurzfazit: Durchwachsener Science-Fiction-Film, der viel Potential ungenutzt lässt und lediglich ordentliche Genre-Unterhaltung bietet.

Details
Titel: Make a Girl
Originaltitel: Make a Girl
Genre: Science-Fiction, Romantik, Coming of Age
Regie: Genshou Yasuda
Studio: Xenotoon Inc.
Produktionsjahr: 2025
Laufzeit: ca. 92 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Herstellershop: Make a Girl (Blu-ray) im Leonine Shop
Make a Girl (DVD) im Leonine Shop

© Yasuda Gensho / Xenotoon / Make a Girl Project
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