Rezension: Once Upon a Witch’s Death – Band 1: Worte des Abschieds, Tränen des Anfangs (Light Novel)

Hexenlehrling Meg erfährt in Once Upon a Witch’s Death Band 1 von einem tödlichen Fluch, der auf ihr lastet, dessen Folgen sie nur mit großen Anstrengungen entgehen kann.
Meg Raspberry ist eine lebhafte, vorlaute, freche junge Hexe mit einem Hang zu seltsamen Witzen. Als Lehrling der Unsterblichen Hexe Faust, einer der sieben Weisen, genießt sie trotz ihrer geringen Bekanntheit einen gewissen Respekt. Am Morgen ihres siebzehnten Geburtstags offenbart ihr ihre Meisterin, dass Meg innerhalb eines Jahres sterben wird. Laut Faust lastet ein Fluch auf Meg, der sie nach Ablauf der Frist rasant altern lässt. Um zu überleben, bleibt Meg nur eine Methode: Sie muss den „Samen des Lebens“ erschaffen und somit unsterblich werden. Doch das ist gar nicht so einfach, schließlich benötigt sie dafür Freudentränen von Menschen. Aber wie soll sie diese erlangen? Während Meg versucht ihr Schicksal zu verändern, durchläuft sie verschiedene emotionale Phasen und findet in anderen Hexen neue Freunde. Zudem erlebt sie in ihrem Alltag weit mehr als zuvor, da sie sich mehr auf ihre Mitmenschen einlässt.
Tödliches Schicksal
Once Upon a Witch’s Death ist Anime-Fans bereits durch die Serien-Adaption, die in der Frühjahrs-Season 2025 auf Crunchyroll als Simulcast ausgestrahlt wurde, bekannt. Tokyopo hat sich neben der Manga-Umsetzung auch die Light-Novel-Vorlage gesichert. Die vier Bände umfassende Fantas-Coming-of-Age-Drama-Geschichte folgt der jungen Hexe Meg Raspberry, die als Lehrling bei der legendären Unsterblichen Hexe Faust lebt. An ihrem siebzehnten Geburtstag erfährt Meg von ihrer Meisterin, die das Waisenmädchen bereits im Kindesalter aufgenommen und großgezogen hat, dass sie bald sterben muss. Ein tödlicher Fluch lastet auf Meg und lässt sich nur mit der schwierigen und aufwendigen Erschaffung des „Samens des Lebens“ verhindern. Schon diese Ausgangslage zeigt, dass Once Upon a Witch’s Death auf eine melancholische Grundstimmung setzt. Allerdings ist die Light Novel zugleich angenehm locker, witzig, abenteuerlich und entspannt.
So folgt die Geschichte Meg, die versucht, mit der neuen Erkenntnis zurechtzukommen und Freudentränen, die zur Herstellung des „Samens des Lebens“ benötigt werden, zu erlangen. Dabei präsentiert sich Meg als vielfältige, liebenswerte Protagonistin, die so manche Ecke und Kante zeigt und auch mal mit ihrem Verhalten auf charmante Weise nerven kann. Das gilt gleichermaßen für ihr Umfeld wie für die Leser. Aber gerade das zeigt, wie gut sie geschrieben ist. Etwas, das auch für die anderen Figuren gilt. Ob Megs Meisterin Faust, ihre beste Freundin Fine oder die Hexen Inori und Sophie, jeder wichtige Charakter zeigt eine vielfältige Persönlichkeit und weiß mit zahlreichen Eigenheiten zu überzeugen. Dabei ist es nicht nur Meg, die im Laufe des ersten Bandes bereits Wandlungen und Entwicklungen zeigt. Auch andere Figuren wie Sophie werden von den Ereignissen beeinflusst.
Schicksalhafte Begegnungen
Während Megs Schicksal und ihr Versuch Freudentränen zu sammeln als roter Faden der Handlung dient, erzählt Once Upon a Witch’s Death Band 1 parallel dazu verschiedene Ereignisse aus dem Leben von Meg. Diese sind mal mehr und mal weniger direkt mit ihrer Aufgabe verbunden. So versucht Meg anfangs eher zufällig einem kleinen Mädchen aus der kleinen Stadt Lapis, in deren Nähe die junge Hexe und ihre Meisterin leben, zu helfen. Dieser erste Handlungsstrang dient eindeutig zur Etablierung von Megs Fluch und dem Sammeln von Freudentränen. Emotional, traurig und bewegen beweist Once Upon a Witch’s Death, dass die Geschichte sehr auf Gefühle und Melancholie setzt. Das gilt auch für spätere Handlungsstränge, in die stets Megs Schicksal eingeflochten ist. Allerdings kommt, auch dank Megs eigenem Verhalten, immer wieder der erwähnte Humor auf. Dadurch ist Once Upon a Witch’s Death Band 1 nie zu ernst oder düster, ohne dass die leicht bedrückende und melancholische Stimmung darunter leidet. Stets präsent ist diese aber auch nicht zwingend, was ebenfalls gut passt. Schließlich konzentriert sich selbst Meg nicht durchgehend auf ihren möglichen Tod – und das ist angesichts der Ereignisse logisch, gut und natürlich erzählt.
Allgemein schafft es Saka, mit einem sehr leichtgängigen Schreibstil einen angenehmen Lesefluss aufzubauen. Sicher, Once Upon a Witch’s Death Band 1 ist sicherlich kein anspruchsvoll geschriebener Roman, aber das ist auch nicht schlimm. Schließlich passt die Lockerheit sehr gut zu Meg, aus deren Perspektive der Großteil der Geschichte in der Ich-Erzähler-Sichtweise erzählt wird. Die manchmal etwas flapsige Ausdrucksweise ist daher auch der siebzehnjährigen Hexe geschuldet oder kann ihr zumindest zugeschrieben werden. Gleichzeitig profitiert die Light Novel von Sakas Schreibstil, da dieser jede Szene perfekt einfängt, beschreibt und klare Bilder im Kopf entstehen lässt. Die wunderschönen Illustrationen von Chorefuji tragen ebenfalls viel zur Stimmung bei. Allerdings begrenzen sich die Zeichnungen auf die Kapiteleinleitungen sowie einige besondere Momente. Das ist aber auch gut so, da sie dadurch noch mehr herausstechen. Erwähnt seien hier auch die Farbillustrationen zu Beginn der Light Novel. Das Ende von Once Upon a Witch’s Death Band 1 wird nach dem konsequenten, wichtigen, ruhigen und nachdenklichen letzten Kapitel perfekt eingeleitet und weckt mit einer Andeutung bezüglich der möglichen Zukunft für Neugier auf die Fortsetzung der vierteiligen Fantasy-Coming-of-Age-Drama-Light-Novel-Reihe.
Fazit
Da ich die Anime-Adaption von Once Upon a Witch’s Death sehr gerne gesehen habe, hat mich die Ankündigung einer deutschen Veröffentlichung der Light-Novel-Vorlage sehr gefreut. Der erste Band hat mich schnell in den Bann der Geschichte gezogen und obwohl ich die Ereignisse leicht angepasst aus der Anime-Serie kannte, war es überaus interessant auf andere und ausführlichere Weise zu erleben, wie sich Meg ihrem Schicksal stellt. Dabei setzt die Light Novel gleichermaßen auf eine melancholische Grundstimmung, reichlich bedrückende und gefühlvolle Momente sowie eine lockere Fröhlichkeit in Einklang mit leichtgängigem Humor. Daraus ergibt sich eine zwar manchmal beklemmende, aber auch witzige, angenehm und entspannte Geschichte, die maßgeblich von den vielschichtigen und hervorragend geschriebenen Charakteren profitiert. Meg trägt die Light Novel und wird dabei wunderbar von ihrer Meisterin Faust, ihrer besten Freundin Fine und den Hexen Inori und Sophie unterstützt. Weitere Figuren fügen sich ebenfalls sehr gut in die Geschichte ein und tragen ihren Teil zu den jeweiligen Handlungsbögen bei. Bis zum neugierig stimmenden Ende hat mich Once Upon a Witch’s Death Band 1 hervorragend unterhalten und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Kein Fan melancholisch-schöner Geschichte, des Genres oder der Anime-Adaption, sollte sich den Auftakt der Light-Novel-Reihe entgehen lassen.
Kurzfazit: Vielschichtige Fantasy-Drama-Light-Novel, die eine gleichermaßen ernste, melancholische, witzige, entspannte und lockere Geschichte mit großartigen Figuren erzählt. Großartiger Genre-Lesespaß!
Details
Titel: Once Upon a Witch’s Death – Band 1: Worte des Abschieds, Tränen des Anfangs
Originaltitel: Aru Majo ga Shinu made: Owari no Kotoba to Hajimari no Namida
Genre: Fantasy, Drama, Coming of Age
Verlag: Tokyopop
Story: Saka
Artwork: Chorefuji
Seiten: 310
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-7593-3018-5
Verlagsseite: Once Upon a Witch’s Death – Band 1: Worte des Abschieds, Tränen des Anfangs bei Tokyopop
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2026
© Saka / Kodakawa Corporation
© Tokyopop GmbH
