Rezension: Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof (Blu-ray)

Kitaros Leben wird in Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof von schaurigen und übernatürlichen Ereignissen und Begegnungen bestimmt.

Im Tokio der 1950er-Jahre kommt es zu einem seltsamen Vorfall: statt zu sterben, verwandelt sich ein Patient in einen Untoten. Der Firmenangestellte Mizuki, dessen Firma das Krankenhaus betreibt, soll herausfinden, was es damit auf sich hat. Scheinbar steht der Untote mit seinen neuen, seltsamen Nachbarn in Verbindung. Als diese sterben, löst sich auch der mysteriöse Patient auf. Doch damit beginnt der Schrecken erst, denn nachdem Mizuki seine Nachbarn begraben hat, kämpft sich deren ungeborenes Kind aus dem Grab. Mizuki nimmt den Jungen bei sich auf. Jahre später ist Kitaro nicht nur gefürchtet, sondern verhält sich seltsam. Der Junge ist ein Yokai und schon bald taucht er tiefer in die übernatürliche Welt ab. Begleitet von seinem Vater, der nur noch ein Augapfel mit Körper ist, versucht er zu überleben und stellt sich einigen schaurigen und surrealen Situationen und Wesen.

Skurriler Grusel-Horror

Bereits Anfang der 1960er-Jahre hat der damals noch unbekannte Mangaka Shigeru Mizuki die Geschichten des Yokai-Jungen Kitaro geschrieben und geschaffen. Bis 1969 lief die Manga-Reihe, die noch vor ihrem Ende eine erste Anime-Adaption spendiert bekam. Allerdings wandelt sich die Reihe im Laufe der Zeit. Statt düster, morbide und zynisch wurde Kitaro familienfreundlicher und leichtgängiger. Damit nähert sich die Manga-Reihe der ersten Anime-Adaption an. Dieser folgten auch nach dem Ende der Vorlage von 1971 bis 2020 weitere Serien, die sich ebenfalls an ein eher jüngeres Zielpublikum richteten. Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof hingegen orientiert sich nicht nur beim Titel am ursprünglichen Namen der Manga-Reihe, Hakabe no Kitaro, sondern auch hinsichtlich Atmosphäre, Tonalität und Ausrichtung. So sind die von Januar bis März 2008 ausgestrahlten elf Episoden düster, makaber und grotesk. Zynischer Humor und surreale Figuren bringen eine sehr klassische Grusel-Horror-Stimmung, die sich eindeutig an erwachsene Kitaro-Fans richtet. Entsprechend wurde die Serie in Japan im Nachtprogramm ausgestrahlt.

Hakaba Kitaro ist vollkommen eigenständig und setzt kein Vorwissen zur Manga-Vorlage oder anderen Anime-Adaptionen voraus. So beginnt die Serie mit den Umständen von Kitaros Geburt, die sich zumindest in Nuancen vom ebenfalls bei polyband anime erschienen Film The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von GeGeGe unterscheiden. Schon in der ersten Episode präsentiert sich Hakaba Kitaro mit einigen morbiden Szenen. Verfallene Leichen, gruselige Yokai, sich auflösende Körper, ein sich aus der Augenhöhle befreiendes Auge – die Horror-Mystery-Serie ist eindeutig düster, aber nicht blutig und brutal. Vielmehr orientiert sich Hakaba Kitaro sehr stark an der Manga-Vorlage. Dadurch wirkt die Serie in ihrer Erzählweise manchmal älter als sie ist, was sehr gut zur Tonalität der elf Episoden passt. Schließlich soll sich Hakaba Kitaro wie ein schwarz-weiß Anime in Farbe, wie alte Grusel-Geschichten über Yokai anfühlen – und das gelingt perfekt.

Surreal morbide

Dabei folgt Hakaba Kitaro dem Leben des Jungen Kitaro, der als Säugling aus dem Grab seiner Mutter steigt. Damit ist schon der Moment von Kitaros Geburt schaurig-düster. Allerdings erzählen die elf Episoden keine durchgängige Handlung. Zwar bauen die elf Episoden aufeinander auf und einige stehen in direkter Verbindung zueinander, als roter Faden dient aber meist Kitaro als Hauptfigur. Dabei ist Kitaro sicherlich kein Held. Der Junge ist ein Opportunist, der oft auf seinen eigenen Vorteil und sein Überleben aus ist. Manchmal beobachtet er missliche Lagen von Menschen einfach und dann zeigt er sich unerwartet hilfsbereit. Auf seinem Weg wird er von seinem Vater, der ein Augapfel mit Körper ist, begleitet. Außerdem nehmen Figuren wie der Firmenangestellte Mizuki, der Rattenmann oder die wunderschöne Neko wichtige Rollen in Kitaros Leben und den verschiedenen Handlungsbögen ein.

Gleichzeitig bekommt es Kitaro mit verschiedenen Yokai zu tun. Von Vampiren und Werwölfen über Geister, Dämonen und Götter ist die Bandbreite an schaurigen Wesen groß. Natürlich sorgen auch immer wieder Menschen für Probleme, mit denen sich Kitaro herumschlagen muss – und seien es nur die schwierigen Zeiten, in denen er lebt. Manchmal mag die Erzählweise etwas eigenwillig sein, doch auch das verstärkt den Eindruck einer sehr nah am ursprünglichen Manga von Shigeru Mizuki orientierten Anime-Adaption. Ebenfalls viel zur Stimmung tragen die Zeichnungen und Animationen bei. Wie bereits erwähnt, weckt Hakaba Kitaro den Eindruck eines schwarz-weiß Anime in Farbe. Das ist der grundsätzlichen Bildsprache zu verdanken. Bewusst eingesetzte Filter, die das Bild grisseliger wirken lassen als es sein müsste, ein klassischer Zeichenstil, blasse und gedeckte Farben und manchmal beabsichtigt etwas dreckige Animationen, die trotzdem sehr flüssig bleiben, verstärken den Eindruck einer alten Anime-Serie. Das passt hervorragend zu Hakaba Kitaro, da die morbide, düstere, surreale und zynische Atmosphäre spürbar davon profitiert. Schließlich findet Hakaba Kitaro ein zufriedenstellendes Ende, auch wenn noch weitaus mehr Geschichten mit dem Jungen vom Friedhof möglich und wünschenswert wären.

Fazit

Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof ist genau das, was ich mir von der elfteiligen Horror-Mystery-Serie erwartet habe. Die stark vom ursprünglichen Manga inspirierte Anime-Serie lebt von der düstern, morbiden und surrealen Atmosphäre sowie der makabren Ausrichtung, den skurrilen Charakteren und dem oft zynischen Humor. Damit richtet sich Hakaba Kitaro an ein älteres Publikum als die meisten anderen Anime rund um den Yokai-Jungen. Die schaurigen Geschichten wissen mit allerlei seltsamen Ereignissen und eigenwilligen Charakteren zu unterhalten. Gleichzeitig ist die Serie dreckig, bewusst klassisch erzählt und animiert und manchmal etwas seltsam. Doch gerade das zeichnet Hakaba Kitaro ab und beweist wie gut die ursprüngliche Ausrichtung der Manga-Vorlage war. Neben Kitaro sind es einige weitere, nicht weniger surreale Charaktere wie sein Augapfel-Vater, der Rattenmann oder Neko, die maßgeblich zu den verschiedenen Handlungsbögen beitragen. Das Ende hat mich schließlich zufriedengestellt. Dennoch würde ich mir weitere Episoden mit dieser klassischen Ausrichtung wünschen. Horror-Mystery-Fans sowie alle, die den ursprünglichen Kitaro mögen oder kennenlernen wollen, sollten sich Hakaba Kitaro nicht entgehen lassen.

Kurzfazit: Hakaba Kitaro ist morbide, grotesk, skurril, düster und zynisch und versteht es mit klassischer Ausrichtung, dichter Atmosphäre, surrealen Figuren und einzigartigen Animationen fesselnde Horror-Mystery-Anime-Unterhaltung zu garantieren.

Vielen Dank an polyband anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof!

Details
Titel: Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof
Originaltitel: Hakaba Kitarō
Genre: Horror, Mystery
Regie: Masatoshi Chioka
Studio: Toei Animation Co., Ltd.
Produktionsjahr: 2008
Laufzeit: ca. 220 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Extras: Mediabook, 28-seitiges Booklet
Erscheinungstermin: 04. September 2026
Herstellerseite: Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof (Blu-ray) bei polyband anime

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