Rezension: Alice im Wunderland: Dive in Wonderland

Lise trifft in Alice im Wunderland: Dive in Wonderland in einer magischen Welt auf ein kleines Mädchen und erlebt auf der Suche nach sich selbst ein unerwartetes Abenteuer.

Für Studentin Lise ist die Jobsuche frustrierend. Vorstellungsgespräche verlaufen nicht wie erhofft oder werden im Vorfeld wieder abgesagt. Dabei passt sich Lise doch nach allen Möglichkeiten den Wünschen und Vorstellungen der Unternehmen an. Um den Kopf frei zu bekommen, beschließt sie, einer Bitte ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter nachzukommen und ihr riesiges Anwesen, das Schauplatz für ein besonderes Projekt werden soll, aufzusuchen. Dort soll Lise als Testperson das Wunderland-Erlebnis, von dem ihre Großmutter immer geträumt hat, agieren. Schon bald findet sie sich in einer märchenhaften Umgebung wieder und trifft tatsächlich auf Alice aus Lewis Carrolls Geschichte. Gemeinsam verfolgen sie das weiße Kaninchen, das Lises in einen Apfel verwandeltes Smartphone gestohlen hat und erleben allerlei Verrücktes. Aber Lise wird auch mit ihren eigenen Vorlieben, Wünschen, Zielen und sich selbst konfrontiert.

Besuch im Wunderland

Adaptionen von Lewis Carrolls Klassikern Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln gibt es einige – auch als Anime. Das Studio P.A. Works hat sich dem bekannten Stoff angenommen und die Vorlage für den im August 2025 in Japan und im Januar 2026 in Deutschland erstmals veröffentlichten Anime-Film Alice im Wunderland: Dive in Wonderland neu interpretiert. Erzählt wird die Geschichte von Studentin Lise, die aktuell von der nicht erfolgreichen Jobsuche frustriert ist. Selbst die Tipps einer Influencerin, die einer ihrer Freundinnen zu einem Job verholfen haben, bringen sie nicht weiter. Dabei wird relativ früh deutlich, dass Lise unentschlossen ist und versucht klare Aussagen zu dem, was ihr gefällt, zu vermeiden. Vielmehr versucht sie sich anzupassen, um nicht anzuecken. Eine recht typische Charaktereigenschaft für Coming-of-Age-Anime, allerdings auch eine durchaus realistische, gerade in Bezug auf die Jobsuche. Trotzdem scheinen immer wieder Teile ihrer Persönlichkeit hervor, etwa wenn sie abends im Bett auf ihrem Smartphone einen Zombie-Shooter spielt.

Diese Einleitung dient allerdings nur dazu, Lises aktuelle Situation zu erläutern. Statt sich zu lange damit aufzuhalten, besucht Lise recht bald das Anwesen ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter. Diese hat ihr Vermögen dafür aufgewendet, ein einzigartiges Wunderland-Erlebnis zu erschaffen. Schon der noch nicht fertiggestellte Park des Anwesens, den Lise bei ihrer Ankunft durchschreitet, hebt die Magie von Lewis Carrolls’ Alice im Wunderland hervor. Aber Lise gelangt natürlich nicht rein auf klassische Weise ins Wunderland. Vielmehr soll sie als Testperson für das große Projekt dienen und erhält dafür ein spezielles Gerät, das ihre Sicht verändert. Hier greift der Film auf moderne und futuristische Technologien inklusive virtueller Realitäten. Zurück. Wirklich relevant ist das aber nur selten, da sich die in Kapitel aufgeteilte Geschichte trotzdem vorwiegend auf Lises Abenteuer im Wunderland konzentriert.

Gemeinsam im Wunderland

Alleine ist die Protagonistin dabei nicht unterwegs. Schon kurz nach ihrer Ankunft im Wunderland trifft sie wenig überraschend auf die freche und lebhafte Alice. Die Einbindung der Hauptfigur der Romanvorlage ist nicht nur angesichts der Verbindung zur ursprünglichen Geschichte, sondern auch als Kontrast zu Lise wichtig. Während Lise sich schnell Sorgen macht, keine Entscheidungen treffen kann und auf der Suche nach sich selbst ist, ist Alice selbstbewusst und spontan. Gerade dieser Unterschied sorgt auch dafür, dass die beiden Hauptfiguren von Alice im Wunderland: Dive in Wonderland so gut zusammen funktionieren. Gleichzeitig ist es glaubhaft umgesetzt, dass die Studentin und das Mädchen zusammenwachsen und sich miteinander anfreunden. Zwar geschieht das relativ schnell und einige Szenenübergänge könnten etwas weniger plötzlich sein, wirklich negativ wirkt sich das aber nicht auf die Geschichte aus. Zumal die meisten etwas größeren Szenenwechsel mit der Überleitung in ein neues Kapitel gekonnt kaschiert werden.

Natürlich dürfen aus Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln bekannte Schauplätze und Figuren nicht fehlen. Ob nun die Herz-Königin, der verrückte Hutmacher oder die Grinsekatze, zahlreiche bekannte Figuren haben einen Auftritt für die Geschichte – wenn auch auf etwas andere Weise als im Original. Schließlich nutzt Alice im Wunderland: Dive in Wonderland einige moderne Elemente und so gibt es auch im Wunderland Influencer oder einen Rap. Ob das wirklich passt, ist Geschmackssache, amüsant ist der Fantasy-Coming-of-Age-Film aber meistens. Zum Ende zieht die Geschichte natürlich noch an, wird ernster und düsterer und konfrontiert Lise mit ihren Schwächen. Das ist angesichts der Ausrichtung der Geschichte erwartbar und auch das Ende weiß nur bedingt zu überraschen. Schlimm ist das nicht, da der schön gezeichnete und animierte Anime-Film mit viel Charme kurzweilig unterhält. Die sehr gute deutsche Synchronisation trägt genauso wie die stimmungsvolle Musikuntermalung ihren Teil dazu bei.

Fazit

Ob eine Adaption von Alice im Wunderland kreativ ist oder nicht, ist im Grunde unwichtig, wenn die Umsetzung unterhalten kann. Auf Alice im Wunderland: Dive in Wonderland trifft das für mich zu. Die modernisierte Geschichte erhält mit Studentin Lise einen interessanten neuen Aspekt, der zusätzliche Coming-of-Age-Elemente in die Handlung einbaut. Das verleiht dem Anime-Film mehr Eigenständigkeit. Zumal das Duo aus Lise und Alice wirklich herrlich und liebenswert ist. Es ist spaßig, die beiden bei ihrem Abenteuer im Wunderland zu begleiten und gleichzeitig mitzuerleben, wie sich Lise ihren Sorgen stellen muss. Wirklich neu sind die Ansätze dabei zwar nicht, aber das stört mich nicht, da das Gesamtwerk als Film überzeugt. Zudem wird ausreichend Abwechslung, lockerer Humor und eine magische Welt samt märchenhaften Figuren geboten. Fans charmanter und kurzweiliger Anime-Filme sollten einen Blick wagen.

Kurzfazit: Modernisierte Adaption von Alice im Wunderland, die mit liebenswerten Charakteren, kurzweiliger Geschichte, lockerem Humor, gut eingebundener Coming-of-Age-Elemente und magischer Welt charmante Anime-Film-Unterhaltung garantiert.

Details
Titel: Alice im Wunderland: Dive in Wonderland
Originaltitel: Fushigi no Kuni de Alice to: Dive in Wonderland
Genre: Fantasy, Abenteuer, Coming of Age
Regie: Toshiya Shinohara
Studio: P.A. Works Co., Ltd.
Produktionsjahr: 2025
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin (ADN): 01. Juni 2026
Streaming: Alice im Wunderland: Dive in Wonderland bei ADN
Alice im Wunderland: Dive in Wonderland bei ADN (Prime Video)

©“Dive in Wonderland“ Production Committee