Rezension: Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Blu-ray)

Makoto erhält in Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, die Fähigkeit, in die Vergangenheit zu reisen, und beeinflusst diese nach ihren Vorstellungen, ohne die Konsequenzen zu bedenken.
Eine Vorzeigeschülerin ist Makoto Konno nicht. Sie verschläft oft und schafft es fast jeden Tag nur knapp pünktlich in der Schule zu sein. Bei Tests schneidet sie schlecht ab und eine Vorstellung für ihre Zukunft hat sie auch nicht. Statt sich darüber Gedanken zu machen, verbringt sie ihre Freizeit viel lieber mit ihren beiden Freunden und Klassenkameraden Chiaki und Kousuke. Nach der Schule spielen die drei immer Baseball und quatschen über alles mögliche. Als Makoto an einem sowieso von Unglück bestimmten Tag im Chemielabor einen kleinen Unfall hat, erhält sie die Fähigkeit, durch die Zeit zu springen – und das buchstäblich. Dadurch entgeht sie in einer heiklen Situation knapp ihrem eigenen Tod. Als sie erkennt, was ihr nun möglich ist, nutzt Makoto die Sprünge in die Vergangenheit, um unangenehme Situationen, Missgeschicke oder verhauene Tests zum Besseren zu wenden. Sogar das Schicksal ihrer Freunde beeinflusst sie. Allerdings bedenkt Makoto nicht, dass andere unter den Veränderungen leiden könnten. Außerdem muss Makoto erkennen, dass sie mit jedem Sprung in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verändert. Schon bald droht ihr die Kontrolle zu entgleiten.
Endloser Sommer
Mit dem Science-Fiction-Coming-of-Age-Anime-Film Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, etablierte sich der zuvor an bekannten Franchises wie Digimon und One Piece beteiligte Mamoru Hosoda erstmals als großer Regisseur. Basierend auf einem Roman von Paprika-Autor Yasutaka Tsutsui erzählt Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, eine nachdenkliche und emotionale Geschichte über persönliche Entscheidungen und wie diese das Leben, die eigene Persönlichkeit und die Zukunft prägen. Dafür greift die Geschichte die Frage auf: Was wäre, wenn eine Teenagerin ihre Vergangenheit frei anpassen könnte? Auf dieser Grundlage aufbauend wird Makoto Konno als normale Jugendliche, die mit Schule und Privatleben zu kämpfen hat, vorgestellt. Während sie im Unterricht und bei Tests strauchelt, hat sie viel Spaß dabei, Zeit mit ihren beiden Freunden Chiaki und Kousuke zu verbringen. Außerdem regt sie sich über ihre kleine Schwester, die einfach ihren Pudding gegessen hat, auf oder hat keine Lust etwas bei ihrer Tante abzugeben. Gerade diese Grundlage ist wichtig, um die Wirkung von Makotos bald errungener Fähigkeit, durch die Zeit zu springen, noch besser hervorzuheben. Schließlich erhält die eher gedankenlose und auf die Gegenwart und ihren reinen Spaß fokussierte Makoto plötzlich die Möglichkeit, alles nach ihren Vorstellungen zu verändern.
Zwar erkennt sie ihre Fähigkeit erst durch einen fast tödlichen Unfall, anschließend nutzt Makoto die ihr gebotenen Zeitsprünge aber, um Missgeschicke, peinliche Situationen oder misslungene Tests zu umgehen. Dazu passt, dass sie an einem von Unglück geprägten Schultag vorgestellt wird. Sie verschläft, kommt fast zu spät zum Unterricht, verbockt den Überraschungs-Test komplett, sorgt für Chaos in der Kochstunde inklusive Stichflamme, wird in der Pause unsanft umgeworfen und stürzt schließlich auch noch im Chemielabor. Natürlich passt Makoto all das an, was jedoch folgenreicher ist, als es anfangs scheint. Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, schafft es wunderbar Makotos leichtfertigen Umgang mit den Zeitsprüngen in Einklang mit der nachdenklichen Grundstimmung zu bringen. Dabei fungiert etwa Makotos Tante Kazuko als lehrende und ruhige Stimme, ohne Makoto etwas vorzuschreiben. Gleichzeitig wird offensichtlich, wie schnell die Fähigkeit, die Vergangenheit anzupassen, zum Selbstzweck werden kann. Ein unangenehmer Moment kann schnell anders wiederholt werden – wieder und wieder und immer wieder.
Zeitloses Erwachsenwerden
Natürlich dient die Geschichte dazu, Makotos Werdegang und ihre Entwicklung zu erzählen. Die Zeitsprünge dienen als Mittel des Erwachsenwerdens der Protagonistin. Angesichts ihrer Fähigkeit verändert sie sich im Laufe des fast hundertminütigen Films mehrmals. Sie hat Erkenntnisse, versucht ihren Freunden zu helfen und handelt allgemein nicht immer Eigennützig. Gerade für Kousuke und Chiaki, aber auch für andere Personen wie ihre Freundin Yuki, ist Makoto schnell zur Stelle. Dass dabei nicht alles gelingt, ist nur natürlich und es ist interessant und spannend mitzuerleben, welchen Folgen ihrer Entscheidungen sich Makoto stellen muss. Dabei setzt der Science-Fiction-Coming-of-Age-Film auf genau die richtige Mischung aus Humor, Drama und Romantik. Jedes dieser Elemente ist essentiell für die Handlung und trägt maßgeblich zur Faszination des Films bei. Allgemein wird immer deutlicher, weshalb Mamoru Hosoda heute zu den wichtigsten und besten Anime-Regisseuren und -Autoren zählt. Bis zum Ende bleibt Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, ein mitreißender, fesselnder und wunderschöner Coming-of-Age-Film.
Einen großen Anteil an der Wirkung der Geschichte hat die audiovisuelle Präsentation. Trotz des Alters von mittlerweile fast zwanzig Jahren, weiß Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, optisch noch immer mit detailreichen Zeichnungen, individuellen Charakteren und flüssigen Animationen zu begeistern. Das zuständige Anime-Studio Madhouse hat bereits damals ein Händchen für visuelle Opulenz bewiesen. Das gilt auch in schnellen Szenen oder der Einbindung einiger weniger CGI-Elemente, die sich sehr gut in das Gesamtbild einfügen. Genauso maßgeblich für die Stimmung ist die gelungene Musikuntermalung, die perfekt die sommerliche Atmosphäre sowie die jeweiligen Momente und Ereignisse der Geschichte unterstreicht. Abgerundet wird Das Mädchen, das durch die Zeit sprang von einer hochwertigen deutschen Synchronisation, die schon bei der deutschen Erstveröffentlichung im September 2007 überzeugen konnte.
Fazit
Es ist schon über zehn Jahre her, seit ich Das Mädchen, das durch die Zeit sprang zuletzt gesehen habe. Deshalb waren meine Erinnerungen an den Film eher vage und ich war gespannt, wie mir die Geschichte von Makoto heute gefällt. Schnell hat mich der Science-Fiction-Coming-of-Age-Film in seinen Bann gezogen und die Ereignisse um Makotos Zeitsprünge sowie ihr langsames Erwachsenwerden, haben mich wirklich fasziniert. Das Mädchen, das durch die Zeit sprang ist gleichermaßen ein witziger, dramatischer, romantischer und nachdenklicher Film, der sich mit der Auswirkung persönlicher Entscheidungen und Taten sowie den Folgen, wenn diese nicht dauerhaft wären, befasst. Ein interessanter Aspekt, der dem rund hundertminütigen Film eine tiefgründige und fast schon philosophische Note verleiht. Gleichzeitig fasziniert Das Mädchen, das durch die Zeit sprang als sommerliches Abenteuer einer Jugendlichen, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden auf besondere Weise lernt, was es bedeutet Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Ein zeitloser Anime-Klassiker!
Kurzfazit: Faszinierender Science-Fiction-Coming-of-Age-Film, der eine nachdenkliche Geschichte mit großartigen Charakteren erzählt. Ein Anime-Meisterwerk und ein zeitloser Genre-Klassiker!
Vielen Dank an KSM Anime & Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Mädchen, das durch die Zeit sprang!
Details
Titel: Das Mädchen, das durch die Zeit sprang
Originaltitel: Toki o Kakeru Shōjo
Genre: Science-Fiction, Coming of Age
Regie: Mamoru Hosoda
Studio: Madhouse Inc.
Produktionsjahr: 2006
Laufzeit: ca. 98 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 19. März 2026
Herstellershop: Das Mädchen, das durch die Zeit sprang bei Anime Planet
© 2006 TOKIKAKE Film Partners
© KSM Anime / Plaion Pictures GmbH
Lesetipp: Rezension: Scarlet (4K-UHD/Blu-ray)
Lesetipp: Rezension: Belle (Blu-ray)
Lesetipp: Rezension: Der Junge und das Biest (Blu-ray)
Lesetipp: Rezension: Summer Wars (Blu-ray)







