Rezension: Der Junge und das Biest (Blu-ray)

Waisenjunge Kyuta gelangt in Der Junge und das Biest in das Reich der Tiermenschen und wird Schüler des Bärenmenschen Kumatetsu.

Nachdem seine Mutter bei eine Unfall gestorben ist, soll der neunjährige Ren bei Verwandten unterkommen. Doch er will sich dieser Entscheidung nicht beugen, haut ab und treibt sich auf den Straßen Tokyos herum. Eines Tages begegnet er einem seltsamen Fremden, der aussieht wie ein Bärenmensch. Als dann auch noch die Polizei hinter ihm her ist, folgt der Junge dem unbekannten Biest und findet sich in der phantastischen Stadt Jutengai wieder. Diese wird ausschließlich von Tiermenschen bewohnt. In der Stadt herrscht bei Kyutas Ankunft großes Treiben, da der Großmeister von Jutengai seinen Rücktritt und die Wiedergeburt als Gott verkündet hat. Bei dem Auswahlprozess für seine Nachfolge gilt der angesehene Iozen als Favorit, aber auch Kumatetsu, jener Fremde, dem Ren in die unbekannte Welt gefolgt ist, ist ein Kandidat. Allerdings benötigt der einzelgängerische und griesgrämige Kämpfer einen Schüler – und meint diesen in Ren, den er aufgrund seines Alters Kyuta nennt, gefunden zu haben.

Fabelhafte Tierwelt

Nach Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Summer Wars und Ame & Yuki: Die Wolfskinder war Der Junge und das Biest 2015 der vierte große und namhafte Film von Scarlet- und Belle-Regisseur Mamoru Hosoda. Bereits 2016 von Universum Anime, heute Leonine Anime, auf deutsch veröffentlicht, spendiert KSM Anime dem Fantasy-Coming-of-Age-Abenteuer-Film eine Neuauflage. Dabei beweist Der Junge und das Biest das Händchen von Mamoru Hosoda für spannende, wendungsreiche und kreative Geschichten, lebendige, einzigartige Welten und liebevoll ausgearbeitete Charaktere. Besonders die beiden Hauptfiguren, Kyuta und Kumatetsu, sind großartig geschrieben und wachsen schnell ans Herz. Kumatetsu mit seiner grimmigen, reizbaren und einzelgängerischen Art und der freche, selbstbewusste, aber trotzdem klar kindliche Kyuta ergänzen sich perfekt. Das Zusammenspiel von Meister und Schüler ist überaus amüsant und zugleich bewegend. Obwohl – oder gerade – weil die beiden sich fast immer streiten und anschreien, ist früh die tiefe Bindung zwischen ihnen, die sich langsam aufbaut und wächst, zu erkennen.

Zudem wird mit der Zeit immer deutlicher, dass es nicht nur Kyuta ist, der von Kumatetsu lernt, sondern auch umgekehrt verändert sich der grimmige Bärenmenschen durch den Jungen. Schließlich muss er lernen, nicht mehr immer nur an sich zu denken und seine Lehrmethoden an die Fähigkeiten und Kenntnisse des neunjährigen Kyuta anzupassen. Die achtjährige Lehrzeit ist dabei in tolle Bilder verpackt und wird zum Teil ausführlich, aber auch genau richtig mit Zeitsprüngen, die durch schnell wechselnde Jahreszeiten dargestellt werden, erzählt. Dabei wird auch das sich entwickelnde familiäre Band zwischen Kumatetsu und Kyuta deutlich. Die beiden Hauptfiguren verbindet nicht nur die Rolle als Meister und Schüler, sondern genau betrachtet auch als Vaterfigur und Adoptivsohn. Allgemein setzt Der Junge und das Biest auf Familie und familiäre Bande als wichtiges Thema, wobei die Art des Vaterseins im Mittelpunkt steht. In Jutengai findet Kyuta gleich mehrere, sehr unterschiedliche Vaterfiguren. Neben dem leicht reizbaren Kumatetsu ist das auch der ruhige, gefasste Mönch Hyakushubo oder der eher sorglose Tatara. Auch der Großmeister mit seiner besonderen Bindung zu Kumatetsu und Iozen nehmen wichtige Rollen in der Handlung ein.

Wandelnde Bande

Später lernt Kyuta die junge Kaede kennen, die ebenfalls großen Einfluss auf seine Entwicklung hat und viel zum Erwachsenwerden des Jungen beiträgt. Hier zeigen sich nicht nur die Coming-of-Age-Elemente, sondern auch die Romantik-Einflüsse von Der Junge und das Biest. Diese sind jedoch nicht oberflächlich oder störend, sondern sehr gut in die Handlung eingeflochten und ein natürlicher Bestandteil von Kytuas Werdegang. Ähnliches gilt für Kumatetsu, dessen Beziehung zu Kyuta mit der Zeit von äußeren Einflüssen genauso wie vom Älterwerden des Jungen beeinflusst wird. Daran zeigt sich, wie gut geschriebene Geschichte und Charaktere sind. Das können auch einige vorhersehbare Wendungen nicht negativ beeinflussen, zumal Der Junge und das Biest mit zahlreichen Entwicklungen aufwartet, die überraschen und maßgeblich sowohl zum spannenden, ereignisreichen Finale als auch zum traurig-fröhlichen Ende, das perfekt zum Fantasy-Coming-of-Age-Abenteuer-Film passt, beitragen.

Optisch brilliert Der Junge und das Biest auch über zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung noch immer. Das Geschichte von Kyuta und Kumatetsu wird in atemberaubenden Bildern erzählt, die mit einem farbenfrohen Stil, lebhaften Charakterdesigns und fantasievollen Hintergründen überzeugen können. Der Kontrast zwischen dem eher mittelalterlichen Jutengai und dem modernen Tokyoter Stadteil Shibuya ist ausgezeichnet und hebt zugleich den Unterschied zwischen Menschen und Tiermenschen perfekt hervor. Zugleich besticht der Film mit einer hohen Detailliebe und hervorragenden Animationen, bei denen selbst im Hintergrund viel Lebendigkeit herrscht. Untermalt wird das Geschehen von einem stimmungsvollen und passenden Soundtrack, der auf mittelalterliche und orchestrale Klänge setzt. Die hochwertige deutsche Synchronisation haucht den Figuren glaubhaft Leben ein, wobei die Stimmen ausgezeichnet zu den jeweiligen Charakteren passen. Der Junge und das Biest ist somit audiovisuell wie inhaltlich ein Anime-Meisterwerk, dessen Alter nicht auffällt.

Fazit

Es ist mittlerweile einige Jahre her, seit ich Der Junge und das Biest zuletzt gesehen habe. Deshalb war ich gespannt, wie mir der Fantasy-Coming-of-Age-Abenteuer-Film heute gefällt. Doch wie erwartet hat sich an meiner Meinung zu Mamoru Hosodas Werk nichts geändert. Der Junge und das Biest ist noch immer ein herausragender Anime-Film, der mit einer spannenden wie mitreißenden Geschichte sowie großartigen Charakteren und erstklassigen Animationen fesselt. Ähnlich hochwertig sind der Soundtrack und die deutsche Synchronisation. Ob ihr Der Junge und das Biest bereits kennt oder nicht, kein Anime-Fan sollte sich das Meisterwerk von Mamoru Hosoda entgehen lassen.

Kurzfazit: Detailverliebter Fantasy-Coming-of-Age-Abenteuer-Anime-Film, der eine spannende Geschichte in phantastischer Welt mit großartigen Charakteren und audiovisueller Brillanz erzählt. Ein zeitloses Meisterwerk, das sich kein Anime-Fan entgehen lassen sollte!

Vielen Dank an Sony Pictures Entertainment & Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Der Junge und das Biest!

Details
Titel: Der Junge und das Biest
Originaltitel: Bakemono no Ko
Genre: Fantasy, Abenteuer, Coming of Age
Regie: Mamoru Hosoda
Studio: Chizu, Inc.
Produktionsjahr: 2015
Laufzeit: ca. 119 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Italienisch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 19. März 2026
Herstellershop: Der Junge und das Biest bei Anime Planet

© 2015 The Boy and the Beast Film Partner / Studio Chizu
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