Rezension: Kikis kleiner Lieferservice

Um eine vollwertige Hexe zu werden, verlässt Kiki in Kikis kleiner Lieferservice ihr Zuhause und beginnt ein eigenständiges Leben in einer Hafenstadt.

Die dreizehnjährige Kiki ist eine geborene Hexe und will genauso wie ihre Mutter als solche arbeiten und leben. Dafür muss sie im Alter von dreizehn Jahren ihr Zuhause verlassen und ein Jahr lang an einem fremden Ort beweisen, dass sie alleine zurechtkommt. Als Kiki eines Tages auf den Wiesen der Hügel nahe ihres Hauses liegt und der Wetterbericht schönes und klares Wetter mit der Garantie, die Sterne zu sehen für die Nacht ankündigt, beschließt sie noch an diesem Abend aufzubrechen. Gemeinsam mit ihrer sprechenden Katze Jiji fliegt Kiki auf ihrem Besen los und erreicht nach einigen ersten Begegnungen und Strapazen eine kleine Hafenstadt. Genau davon hat Kiki geträumt und anscheinend gibt es dort noch keine Hexe. Doch die moderne Gesellschaft kommt mit einem fliegenden Mädchen nicht sofort zurecht. Zum Glück lernt Kiki die Bäckersfrau Osono kennen. Bei ihr und ihrem Mann kann Kiki nicht nur ein Zimmer mieten, sondern auch ihren eigenen fliegenden Lieferservice gründen und nebenbei in der Bäckerei aushelfen. Damit beginnt Kikis neues Leben voller spannender Lieferaufträge und neuer Bekanntschaften.

Magischer Lieferservice

Studio Ghibli adaptierte 1989 unter der Regie von Hayao Miyazaki die damals noch junge Roman-Reihe Majo no Takkyūbin von Eiko Kadono, deren erster Roman 1985 erschienen ist. Lose an die Vorlage angelehnt erzählt der auf deutsch als Kikis kleiner Lieferservice bekannte Fantasy-Coming-of-Age-Anime-Film die Geschichte der jungen Hexe Kiki – und verhalf Kiki damit noch bevor die meisten Romane über sie erschienen sind, zu großer Bekanntheit. Auf deutsch ist Kikis kleiner Lieferservice erst 2005, also fast sechzehn Jahre nach der japanischen Erstveröffentlichung, erschienen. An der Faszination für Kikis kleiner Lieferservice hat sich aber nichts geändert. Auch heute noch, fast genau siebenunddreißig Jahre nach der japanischen Erstveröffentlichung, weiß die Geschichte von Kiki zu begeistern. Zu verdanken ist das zum einen der abwechslungsreichen wie magischen Geschichte und den liebenswerten Charakteren. Vor allem Kiki wächst schnell ans Herz.

Die Protagonistin ist aufgeweckt, lebhaft, optimistisch und leicht zu begeistern. Allerdings zeigt sie im Laufe des Films auch eine wichtige Entwicklung. Kiki wächst an ihrer Aufgabe, ihren Erlebnissen, notwendigen Rückschlägen und neuen Bekanntschaften. Das gesamte Umfeld in der Hafenstadt beeinflusst sie spürbar. Ob nun Osono und ihr Mann, der Junge Tombo oder ihre verschiedenen Kunden. Dabei wird Kikis kleiner Lieferservice zeitweise durchaus ernst, aber niemals zu dramatisch oder gar düster. Vielmehr wird Kiki mit Herausforderungen konfrontiert, die sehr gut in die Geschichte passen, zu neuen Abenteuern und Begegnungen führen und ihren Horizont erweitern. Es ist wirklich schön mitzuerleben, wie sich Kiki all den unerwarteten Ereignissen stellt, Freundschaften schließt, mit ihren Sorgen ringt und versucht, ihr Ziel, eine selbständige Hexe zu werden, zu erreichen.

Zauberhaftes Abenteuer

Maßgeblichen Anteil an der Faszination von Kikis kleiner Lieferservice hat die angenehme Erzählweise. So lässt sich die Geschichte grob in Akte oder Kapitel einteilen, die fließend ineinander übergehen: Von ihrem Aufbruch über ihre Ankunft in der Hafenstadt und ihren ersten Aufträgen bis hin zu großen Problemen und dem fulminanten Finale. Auf Action wird dabei weitgehend verzichtet. Stattdessen lebt Kikis kleiner Lieferservice von den alltäglichen Abenteuern, denen sich Kiki als Hexe mit einem Lieferservice stellen muss. Fliegend auf ihrem Besen überbringt sie Geburtsgeschenke, Pakete und dergleichen. Natürlich hilft sie ihren Kunden und Bekannten auch bei anderen Dingen, was den jeweiligen Handlungsaspekten mehr Tiefe verleiht. Allgemein zeigt Kikis kleiner Lieferservice eine enorme Vielschichtigkeit, was sowohl für Handlung als auch Charaktere gilt.

Großen Einfluss auf die magische Atmosphäre und den fantasievollen Charme des Anime-Films hat die audiovisuelle Präsentation. Dabei ist der Ghibli-Zauber in jeder Szene zu erkennen. Obwohl Kikis kleiner Lieferservice fast siebenunddreißig Jahre alt ist, sehen die Zeichnungen noch immer fantastisch aus. Enorm detailreiche und lebendige Hintergründe und Charaktere beweisen, wie hübsch der Anime-Film ist. Dazu tragen auch die flüssigen Animationen, die Kiki und den anderen glaubhaft Leben einhauchen, viel bei. Allgemein ist Kikis kleiner Lieferservice ein optischer Hochgenuss und übertrifft dabei so manch modernen Anime. Genauso faszinierend ist der zauberhafte Soundtrack von Komponist Joe Hisaishi. Verspielte Klänge, dramatische Lieder, klassische Stücke und moderne Einflüsse gehen ineinander über und sorgen für ein Eintauchen in die Welt von Kikis kleiner Lieferservice. Ähnliches gilt für die hochwertige deutsche Synchronisation, die sich keine Schwächen erlaubt und den faszinierenden wie begeisternden Anime-Film perfekt abrundet.

Fazit

Kikis kleiner Lieferservice habe ich mittlerweile einige Male gesehen und jedes Mal kann mich die Geschichte der Jung-Hexe aufs Neue begeistern. Nachdem ich mit der deutschen Veröffentlichung der Roman-Vorlag durch Cross Cult endlich auch die Gelegenheit habe, die Ursprünge von Kiki zu erleben, wollte ich die Anime-Version von Studio Ghibli unbedingt noch einmal sehen – und an der Faszination hat sich nichts geändert. Noch immer ist Kikis kleiner Lieferservice ein magischer und charmanter Fantasy-Coming-of-Age-Anime-Film, der mit einer liebenswerten Protagonistin und einer abwechslungsreichen Geschichte fesselt. Ein zeitloses Meisterwerk, das auch siebenunddreißig Jahre nach der japanischen Erstveröffentlichung nichts von seiner Qualität verloren hat!

Kurzfazit: Kikis kleiner Lieferservice ist ein magisches und faszinierendes Erlebnis für Jung und Alt, das sich kein Anime-Fan entgehen lassen sollte.

Details
Titel: Kikis kleiner Lieferservice
Originaltitel: Majo no Takkyūbin
Genre: Fantasy, Coming of Age, Slice of Life
Regie: Hayao Miyazaki
Studio: Studio Ghibli Inc.
Produktionsjahr: 1989
Laufzeit: ca. 103 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 0
Erscheinungstermin (Blu-ray/DVD): 02. Mai 2025
Herstellerseite: Kikis kleiner Lieferservice (Blu-ray) bei Leonine Anime
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Stream: Kikis kleiner Lieferservice bei Netflix

© Hayao Miyazaki / Studio Ghibli / Eiko Kadono / Kadokawa Corporation