Rezension: Sound! Euphonium – Staffel 1

Kumiko schließt sich in Sound! Euphonium Staffel 1 dem Schulorchester der Kitauji-Oberschule an und stellt sich mit neuen und alten Freunden den harten Proben.

Schon seit der Grundschule spielt Kumiko Oumae im Schulorchester das Euphonium. Nach ihrem Eintritt in die Kitauji-Oberschule ist sie allerdings unsicher, ob sie bei der Musik bleiben soll. Dazu trägt auch eine Erfahrung von ihrem letzten Mittelschul-Wettbewerb bei. Damals hat sie mit ihren Mitschülerinnen zwar Gold gewonnen, wurde aber nicht für den nationalen Wettbewerb ausgewählt. Auf die frustrierte Reaktion von Trompeterin Reina Kousaka, hat Kumiko mit der Frage reagiert, ob sie wirklich gedacht hat, dass sie weiterkommen. Als sich Kumiko von ihren neuen Klassenkameradinnen Hazuki Katou und Sapphire Kawashima, genannt Midori, dazu überreden lässt, dem Schulorchester-Klub doch einen Besuch abzustatten, trifft sie dort zu ihrer Überraschung Reina, die ebenfalls dem Orchester-Klub beitreten soll. Trotz ihrer Angst, Reina gegenüberzutreten, schließt sich auch Kumiko mit Hazuki und Midori dem Orchester an. Für frischen Wind in dem eher mittelmäßigen Klub sorgt der neue Lehrer Noboru Taki, der von den Orchester-Mitgliedern aufgrund des von ihnen gewählten Ziels, die Teilnahme am nationalen Kansai-Wettbewerb, einiges abverlangt. Schon bald kommt es zu ersten Konflikten im Orchester.

Musikalische Herausforderung

Bereits in der Frühlings-Season 2015 veröffentlichte das renommierte und für viele beliebte Anime bekannte Studio Kyoto Animation die erste Staffel von Sound! Euphonium. Die dreizehn Episoden und Bonus-OVA folgen dem Orchester-Klub der Kitauji-Oberschule und vor allem den Neulingen in diesem. Allerdings beginnt die Geschichte noch vor dem Oberschuleintritt von Protagonistin Kumiko Oumae beim letzten Wettbewerb des Mittelschul-Orchester-Klubs, dem sie angehört hat. Damals kam es zu einer für sie noch immer belastenden Situation, in der sie ihre Mitschülerin Reina Kousaka mit einer unbedachten Äußerung verärgert hat. Natürlich trifft sie an der Kitauji-Oberschule wieder auf Reina, die sich genauso wie Kumiko, die anfangs zögert, dem Orchester-Klub anschließt. Gemeinsam mit Kumiko gehören auch ihre Klassenkameradinnen und neuen Freundinnen Hazuki Katou und Sapphire Kawashima, die Midori genannt werden will, sowie Kumikos Kindheitsfreund Shuichi Tsukamoto dem Orchester an.

Beim Ersteindruck könnte Sound! Euphonium gerade aufgrund der teilweise niedlichen Charakterdesigns an den Musik-Anime-Hit K-On!, der ebenfalls von Kyoto Animation stammt, erinnern. Allerdings unterscheiden sich die beiden Serien deutlich – und das nicht nur bei der Musikart. Sound! Euphonium erzählt zwar auch eine Alltagsgeschichte mit humorvollen Einlagen, versteht sich aber weitaus mehr als bodenständiges und weitgehend realitätsnahes Drama mit Coming-of-Age-Elementen. So werden die Proben und Herausforderungen des Orchesters wesentlich realistischer dargestellt. Vor allem die Entscheidung der Mehrheit der über sechzig Mitglieder, den nationalen Kansai-Wettbewerb als Ziel auszugeben, sorgt dafür, dass die Vorbereitungen deutlich anstrengender und Zeitaufwändiger werden. Der neue Lehrer Noboru Taki verlangt Kumiko und den anderen einiges ab, was auch zu Frust und Konflikten führt.

Vielschichtig und glaubhaft

Gleichzeitig konzentriert sich Sound! Euphonium auf die Beziehungen der Figuren untereinander. Besonders Kumikos Verbindung zu Reina wird von Anfang an hochgehalten und nimmt im Verlauf der ersten Staffel eine immer wichtigere Rolle ein. Doch auch Hazuki, Sapphire und Shuichi sind wichtige Charaktere. Ihnen schließen sich weitere zentrale Personen des Orchesters an. Darunter Klubleiterin Haruka Ogasawa, ihre Stellvertreterin Asuka Tanaka, die auch Leiterin der Basssektion, der Kumiko, Hazuki und Sapphire angehören, Kumikos und Shuichis Kindheitsfreundin Aoi, Trompeterin Kaori und ihre Bewunderin Yuuko sowie zahlreiche weitere Figuren. Das Ensemble der Alltagsdrama-Musik-Serie ist groß, doch jede Figur erhält passend zur Bedeutung für die Geschichte genau das richtige Maß an Aufmerksamkeit. Dabei überzeugen sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren mit einer glaubhaften und vielschichtigen Darstellung sowie gelungenen Entwicklungen. Gerade letztere zeigen die präsenten Coming-of-Age-Elemente der Serie und tragen viel zur Darstellung der Figuren bei. Charakterliche Schwächen zeichnen Kumiko und die anderen genauso aus wie verborgene Seiten ihrer Persönlichkeiten, wodurch sie mit der Zeit immer mehr von sich offenbaren und dadurch ans Herz wachsen, aber mitunter auch Abneigung wecken und trotzdem stets menschlich bleiben.

Die harten Proben und anstrengenden Herausforderungen werden von ruhigen Alltagsszenen sowie humorvollen Einlagen passend aufgelockert. Zudem werden auch klassische Schul- und Jugendthemen wie Romantik in die Geschichte eingeflochten. All das fügt sich überaus natürlich zusammen und ergibt eine glaubhafte und realitätsnahe Alltagserzählung über ein bodenständig dargestelltes Schulorchester. Dabei brilliert Sound! Euphonium gleichzeitig mit einer erstklassigen Inszenierung und packenden Erzählweise sowie dichter Atmosphäre. Obwohl Musik dabei eine große Rolle spielt, bleiben komplette Auftritte des Orchesters eine Besonderheit, was diese noch mehr hervorhebt. Vielmehr ist es die Anstrengung, die Instrumente zu beherrschen, Lieder zu lernen und sich zu verbessern, die die Kernthematik der Serie hervorheben. Damit bleibt Sound! Euphonium bis zum Ende, das bereits die zweite Staffel vorbereitet, stets abwechslungsreich, mitreißend und fesselnd. Die Bonus-OVA erzählt zudem eine schöne zusätzliche Geschichte mit Hazuki in der Hauptrolle. Zusätzlich fasziniert Sound! Euphonium mit wunderschönen Zeichnungen und Animationen. Die Alltagsdrama-Musik-Anime-Serie besticht mit visueller Brillanz und beweist einmal mehr das Können von Kyoto Animation. Ähnliches gilt für den stimmungsvollen Soundtrack, der nicht nur bei den fantastischen Opening- und Ending-Songs begeistert. Zudem hat Crunchyroll der ersten Staffel über elf Jahre nach der Erstveröffentlichung endlich eine lange überfällige, hochwertige deutsche Synchronisation spendiert. Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Vertonung der beiden Nachfolgestaffeln und der Filme ebenfalls nicht zu lange auf sich warten lassen.

Fazit

Sound! Euphonium Staffel 1 hat mich bereits vor Jahren das erste Mal begeistert. Damals noch auf japanisch mit deutschen Untertiteln, wurde ich schon nach der ersten Episode in den Bann der Alltagsdrama-Musik-Anime-Serie gezogen. Als ich die dreizehn Episoden und die OVA mit deutscher Synchronisation erneut angesehen habe, hat sich an der Faszination für die Geschichte des Orchesters der Kitauji-Oberschule nichts geändert. Die musikalische Herausforderung weiß in Einklang mit dem Alltag der Hauptfiguren zu überzeugen. Dabei begeistern Kumiko, Reina, Hazuki, Sapphire und die anderen als realitätsnahe, glaubhafte und vielschichtige Charaktere mit hervorragender Entwicklung. Hier zeigen sich die Coming-of-Age-Elemente, die gemeinsam mit ruhigen Slice-of-Life-Szenen sowie humorvollen Situationen für genau die richtige Abwechslung sorgen. Gleichzeitig begeistert Sound! Euphonium mit einer herausragenden audioviusuellen Umsetzung. Spätestens mit der deutschen Synchronisation sollte sich kein Genre-Fan Sound! Euphonium entgehen lassen! Bitte Crunchyrol, liefert möglichst schnell deutsche Vertonungen für Staffel zwei und drei sowie die Filme nach.

Kurzfazit: Faszinierende Alltagsdrama-Musik-Anime-Serie, die glaubhaft die Geschichte eines Schulorchesters mit Coming-of-Age- und Slice-of-Life-Elementen verknüpft und mit vielschichtigen Charakteren sowie herausragender audiovisueller Umsetzung begeistert.

Details
Titel: Sound! Euphonium – Staffel 1
Originaltitel: Sound! Euphonium
Genre: Alltagsdrama, Musik, Coming of Age
Regie: Tatsuya Ishihara
Studio: Kyoto Animation Co., Ltd.
Produktionsjahr: 2015
Laufzeit: ca. 336 Minuten
Sprachen: Japanisch, Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und weitere
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: 12+
Erscheinungstermin: 07. April 2015 bis 01. Juli 2015
Streaming: Sound! Euphonium bei Crunchyroll

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