Rezension: Dororo – Vol. 1 (Blu-ray)

Hyakkimaru begibt sich in Dororo Volume 1 auf die Jagd nach den Dämonen, die ihm als Baby seine Körperteile geraubt haben.

Dürre, Hungersnot und Krieg belasten das Land. Um seine Macht wiederherzustellen und die schweren Zeiten zu überwinden, schließt Fürst Daigo einen Pakt mit den Blutteufeln. Als Gegenleistung bietet er den Dämonen an, sich zu nehmen, was sie wollen. Bei der Geburt seines Sohnes, weiß Daigo, dass sein Angebot angenommen wurde. Das Kind kommt ohne Arme, Beine, Haut, Augen, Mund und Nase zur Welt. Ausgesetzt, wird der Junge von Dr. Jukai gerettet und aufgezogen. Von dem Prothesenbauer mit künstlichen Gliedmaßen und darin verborgenen Schwertern ausgestattet, zieht Hyakkimaru eines Tages los, um seine fehlenden Körperteile zurückzugewinnen. Dafür jagt er die Dämonen, die ihn einst beraubt haben. Mit jedem Monster, dass er tötet gewinnt er einen Teil seines Körpers zurück. Auf seinen Reisen trifft Hyakkimaru das Waisenkind Dororo, das ihn fortan begleitet und unterstützt.

Dämonenjagd

Etwa vierzig Jahre nach der ersten Anime-Serien-Adaption der in vier Bänden abgeschlossenen Manga-Vorlage aus dem Jahr 1967, haben die Studios Tezuka Productions und Mappa Dororo 2019 eine neue Umsetzung spendiert. Die im feudalen Japan angesiedelte Geschichte beschäftigt sich mit Glauben, Dämonen, der Suche nach dem eigenen Selbst und den Folgen der Kriege. Im Mittelpunkt steht Hyakkimaru, dem aufgrund eines Paktes seines Vaters mit Blutteufeln bei seiner Geburt zahlreiche Körperteile geraubt wurden. Arme, Beine, Augen, Nase, Ohren, selbst sprechen kann der umherziehende Krieger nicht. Nur die Gabe, die Seele von Lebewesen zu sehen und daran ihre Absichten zu erkennen, ermöglicht ihm die Jagd auf jene Dämonen, die ihm einst seine Körperteile geraubt haben. Dororo Volume 1 beginnt mit jener schicksalhaften Nacht in der Hyakkimaru als Sohn von Fürst Daigo geboren wird. Auch der Pakt mit den Blutteufeln und welche Folgen dieser hatte, wird behandelt. Damit zeichnet Dororo schon zu Beginn einen blutigen, harten Weg, der sich durch die ersten sechs Episoden der vierundzwanzigteiligen Serie zieht.

Kurz nach dem Einstieg, werden einige Jahre übersprungen. Hyakkimaru ist älter und bereits auf der Jagd nach den Dämonen. Auf seiner Reise rettet er das aufgeweckte Waisenkind Dororo, das ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Gekonnt werden Hyakkimarus Ansichten und Gedanken durch einen Erzähler vermittelt. So etwa die Tatsache, dass der junge Krieger Dororo weder sieht noch hört und sich wundert, dass eine gute Seele solange an seiner Seite bleibt. Ein gelungener Kniff, da Hyakkimarus nicht sprechen kann und er somit auch in seinen Gedanken stumm bleibt. Damit übernimmt Dororo den sprechenden Part des wunderbar miteinander interagierenden Hauptfigurenduos. Ergänzt werden die beiden von hervorragend eingebundenen, gut geschriebenen Nebencharakteren. Egal ob diese nur in einer Episode auftauchen oder wiederkehrende Rollen einnehmen, sie alle tragen mit dazu bei, dass die Geschichte so lebendig wirkt.

Beklemmende Konsequenz

Allerdings fallen in den ersten sechs Episoden auch ein paar Schwächen auf. Die Handlung fällt teilweise eher simpel aus und folgt gerade in der ersten Hälfte vorwiegend dem in der Geschichte enthaltenen Konzept. Hyakkimaru und Dororo finden einen Dämon, dieser wird bekämpft und der junge Krieger erhält eines seiner Körperteile wieder. Aufgewogen wird das aber davon, dass Hyakkimaru sich erst an die zurückgewonnen Teile seines Körpers gewöhnen muss. Besonders die beiden letzten Episoden zeigen wie stark ihn das beeinflussen und beeinträchtigen kann. Hier zeigt sich die Stärke der Grundprämisse.

Gleichzeitig fällt auf, wie stark und wichtig die Nebencharaktere tatsächlich sind. Wirken zuvor manche Ereignisse noch minimal konstruiert – etwa wenn ein vor fünf Jahren in den Krieg gezogener Mann gerade dann zu seiner Schwester zurückkehrt, wenn diese auf die beiden Protagonisten trifft – zeigen sich immer deutlicher die Folgen des Krieges. Dabei stehen nicht Fürsten, Samurai oder Soldaten, sondern einfache Menschen im Fokus. Die Wirkung ist dadurch nur umso intensiver und kann teilweise wirklich mitnehmen. Aufgesetztes Drama bleibt glücklicherweise aus, auch wenn manche Entwicklung und Wendung in Teilen vorhersehbar ist. Der Spannung schadet das zu keiner Zeit und besonders die wirklich heftigen Ereignisse erzielen trotzdem ihre volle Wirkung. Deshalb ist Dororo Volume 1 sicherlich nicht für jeden geeignet. Zu brutal wird die Serie aber glücklicherweise nicht, was gleichzeitig dazu beiträgt, dass jede Szene umso wirkungsvoller ausfällt. Zu verdanken ist das auch den vielleicht nicht immer perfekten, im Stil aber sehr gut passenden Animationen, Charakter- und Monsterdesigns sowie der gelungenen Musikuntermalung. Die sehr gute deutsche Synchronisation trägt ihren Teil dazu bei, dass die Charaktere lebendig und glaubhaft wirken und runden Dororo Volume 1 wunderbar ab.

Fazit

Schon 1968 beziehungsweise 1969 hat der vierteilige Manga Dororo eine Anime-Umsetzung in Film und Serie erhalten. Die Neuadaption der Geschichte von Hyakkimaru und dem Waisenkind Dororo zeigt in den ersten sechs Episoden, dass die Rachegeschichte auch heute noch spannend, mitreißend und beklemmend ist. Obwohl die Serie zeitweise etwas simpel wirkt, gelingt es regelmäßig mit harten, konsequenten Wendungen zu überzeugen. Dabei fällt Dororo Volume 1 blutig, aber nicht zu brutal aus. Vielmehr bleibt die Serie lediglich realistisch, was Geschichte, Setting und Charaktere zusätzlich unterstreichen. Gerade die Mischung aus spannender Handlung, gelungenem Szenario und glaubhaften Figuren hat mich schnell gefesselt und bis zum Ende überzeugt. Dass manche Wendung heftig ist, ist angesichts der Geschichte wenig überraschend. Deshalb dürfte Dororo nicht jedem gefallen. Genre-Fans und alle, die Anime-Serien im feudalen Japan mögen, sollten aber unbedingt einen Blick wagen.

Kurzfazit: Spannende Abenteuer-Drama-Serie im feudalen Japan, die von ihren glaubhaften Charakteren lebt und trotz zeitweise seichter Handlung mit konsequenten, teils harten Wendungen überzeugt.

Vielen Dank an AniMoon Publishing für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dororo – Vol. 1!

Details
Titel: Dororo – Vol. 1
Originaltitel: Dororo
Genre: Abenteuer, Drama, Action
Regie: Kazuhiro Furuhashi
Studio: Tezuka Productions Co. Ltd., Mappa Co. Ltd.
Produktionsjahr: 2019
Laufzeit: ca. 144 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Extras: Schuber, Stoffbeutel, Trailershow
Erscheinungstermin: 27. März 2020
Herstellerseite: AniMoon Publishing

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