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Jul 11 2016

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Rezension: Orange – Band 1 (Manga)

orange-band-1-coverIm Juni startete bei Carlsen Manga die fünfbändige Slice-of-Life-Manga-Reihe Orange, die Mystery und Romance miteinander verbindet.

Als die 16-jährige Naho Takamiya einen Brief von ihrem zehn Jahre älteren Ich erhält, hält sie das alles noch für einen Scherz. Doch bereits die ersten Zeilen entsprechen der Wahrheit. Sie hat an diesem Tag, dem 6. April, das erste Mal verschlafen. Auch der neue Schüler Kakeru Naruse kommt in ihre Klasse und erhält den Platz neben ihr. Trotzdem hält sie sich aufgrund ihrer ruhigen Art nicht an den Ratschlag und gemeinsam mit ihren Freunden nehmen sie Kakeru nach der Schule mit. Erst im Verlauf der nächsten Zeit begreift Naho, dass diese Entscheidung der Grund für Kakerus anschließendes Fehlen in der Schule war. Immer mehr Ereignisse treten ein und schon bald verliebt sich die Schülerin in den einfühlsamen Neuen in der Klasse. Allerdings deutet der Brief ein schlimmes Ereignis an. Kann Naho dieses verhindern und die Zukunft verändern?

Post aus der Zukunft

Orange Band 1 beginnt mit dem Eintreffen des Briefes bei Naho. Es ist verständlich, dass die Schülerin anfangs skeptisch über den Inhalt ist und an einen Scherz denkt. Doch die tatsächlich eintretenden Ereignisse und die Übereinstimmung mit ihrem Tagebuch, machen immer deutlicher, dass der Brief wohl doch echt ist. Dabei verzichtet Zeichnerin und Autorin Ichigo Takano darauf zu erklären wie Naho überhaupt Post aus der Zukunft erhalten konnte. Weit wichtiger ist, dass ihr 26-jähriges Ich vieles bereut und verhindern möchte, dass es der 16-jährigen Naho genauso ergeht. Gleichzeitig stellt der Manga die wichtigsten Charakter bereits im ersten Kapitel gelungen vor und ermöglicht es einen groben Eindruck von der Persönlichkeit der Schüler zu erhalten. Neben Naho und Kakeru nehmen deren Klassenkameraden und Freunde Hiroto Suwa, Azusa Murasaka Takako Chino und Saku Hagita wichtige Rollen innerhalb der Geschichte ein.

Diese sechs bilden eine Clique, die zumindest zeitweise zusammen ist, die Pausen gemeinsam verbringt und sich auch außerhalb der Schule trifft. Allgemein ist Orange ein typischer Slice-of-Life-Manga der eine Lebens- und Liebesgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt stehen dabei die aufkeimenden Gefühle von Naho für Kakeru. Auch dieses Detail wurde ihr zuvor in dem Brief verraten und doch tritt es etwas unerwartet ein. Mit der Zeit gelingt es Naho dann auch Ereignisse zu verändern und Bitten aus dem Brief zu erfüllen, so dass man sich fragt, ob die Zukunft nicht bereits verändert sein müsste. Diese Frage stellt sich auch Naho selbst und es bleibt zu erwarten, dass auch diese Komponente der Geschichte noch eine Rolle spielt. Für den Moment liegt die Konzentration im ersten Band aber klar auf Naho, ihrem Umgang mit dem Brief und Kakeru.

Blick in die Zukunft

Zusätzlich zeigt Ichigo Takano die 26-jähirge Naho – mit Mann, Kind und den erwachsenen Freunden. Spätestens hier wird der Wunsch nach einem glücklichen Ende für Naho und Kakeru ein wenig in Zweifel gezogen. Man schließt die beiden Protagonisten schnell ins Herz und doch ist offensichtlich was für ein schönes Leben Naho führt, als sie den Brief schrieb. Um so interessanter sind die Gründe für ihr Vorgehen, da sie scheinbar möchte, dass ihr 16-jähriges Ich auf Kakeru aufpasst und dafür sorgt, dass Kakeru auch in zehn Jahren noch bei ihnen ist. Denn laut dem Brief ist er das nicht mehr. Dieser Fakt sorgt auch dafür, dass Naho Zweifel bekommt, ob sie sich wirklich an die Vorhersagen halten soll. Schließlich fällt es ihr schwer so zu handeln, wie es von ihr verlangt wird.

Ohne jemals große Dramatik oder Spannung aufzubauen, gelingt es Ichigo Takano durch ihre lockere Erzählweise dafür zu sorgen, dass man unweigerlich mit Naho mitfiebert. Schnell erwischt man sich dabei, wie man ihr Mut zu sprechen oder ihr helfen möchte. Es ist die Mischung aus sympathischen Figuren und glaubwürdiger Geschichte, die genau dazu beitragen. So versucht Naho zwar den Tipps aus dem Brief zu folgen, doch es gelingt nicht immer. Dadurch nimmt der Manga in der zweiten Hälfte eine Wendung, die etwas unerwartet kommt, aber logisch ist. Die starke Prägung von Nahos Gedankengängen trägt zusätzlich dazu bei, dass man der ruhigen, zurückhaltenden Schülerin einfach etwas Glück wünscht. Immer steckt sie selbst zurück, sagt nichts, um es Anderen recht zu machen. Doch genau diese Art ist es, die ein wichtiger Bestandteil der Geschichte ist und viele Entscheidungen von Naho beeinflussen. Obwohl auf ein wirklichen Cliffhanger verzichtet wird, sorgt das Ende dafür, dass man weiterlesen möchte, da die Geschichte spätestens nach dem zweiten Kapitel so sehr fesselt, dass man erfahren möchte wie es mit Naho und Kakeru weitergeht.

Weich und Ausdrucksstark

Die Zeichnungen von Ichigo Takano sind sehr weich und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Besonders die wichtigen Figuren unterscheiden sich deutlich voneinander und haben sogar bei den Gesichtern genügend Eigenheiten, um sie individuell zu machen. Das liegt auch an der ausdrucksstarken Mimik, die viel zur Geschichte beiträgt und die Gefühle der Charaktere gut vermittelt. Sei es das glückliche Lachen Kakerus, Nahos peinliche Berührtheit oder die aufgebrachte Azusa, die Darstellung der Gesichter ist ganz klar eine Stärke von Orange.

Zudem achtet die Zeichnerin auf Details sowohl in den Hintergründen als auch bei der Kleidung und legt viel Wert auf alltägliche Dinge wie etwa Lieder oder Snacks. Da dass Orange in Matsumoto in der Präfektur Nagano, der Heimat von Ichigo Takano, angesiedelt ist, baut die Mangaka kleinere, lokale Anspielungen mit in die Geschichte ein. Sei es der Name des Schnellzuges nach Tokio oder Softeis von einer bekannten Eisdiele.

Als Bonus findet sich zudem noch das unterhaltsame erste Kapitel von Spring-Colored Astronaut am Ende des Bandes. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Geschichte um die Zwillinge Chiki und Mami sowie den Schulschwarm Yui.

Fazit

Orange Band 1 ist ein guter Auftakt für die Slice-of-Life-Geschichte von Ichigo Takano. Der Mix aus Mystery und Romance funktioniert hervorragend und obwohl anfangs die Frage aufkommt wie ein Brief an das zehn Jahre jüngere Ich möglich sein soll, spielt diese schon bald keine Rolle mehr. Weit wichtiger sind die Ereignisse um die 16-jährige Naho und Kakeru sowie das sich anbahnende Schicksal. Schon früh ist durch den Brief klar, was mit Kakeru passiert. Um so interessanter ist es zu beobachten wie die zukünftige Naho versucht ihr jüngeres Ich zu ermutigen anders zu handeln, damit sie weniger bereut. Gleichzeitig bahnt sich bereits der Versuch an die Geschichte zu ändern und dafür zu sorgen, dass Kakeru auch im Alter von 26 noch bei den Freunden ist. Die gelegentlichen Ausblicke auf die erwachsene Naho sowie die Gedankengänge von beiden Ichs der Protagonistin sorgen für einen leicht nostalgischen Unterton, der sich durch den gesamten Manga zieht. Die Geschichte ist interessant erzählt und wird von liebenswerten Figuren getragen, so dass man einfach wissen möchte wie es mit Naho und Kakeru weiter geht.

Kurzfazit: Etwas andere Schul-Slice-of-Life-Lebens- und Liebesgeschichte mit interessantem Mystery-Element und liebenswerten Figuren. Hervorragender Start der Reihe.

Details
Titel: Orange – Band 1
Genre: Slice of Life, Mystery, Romance
Verlag: Carlsen Manga
Story/Zeichnungen: Ichigo Takano
Seiten: 224
Preis: 7,99 €
ISBN: 978-3-551-71324-7
Verlagsseite: Orange – Band 1 bei Carlsen Manga
Erscheinungsdatum: 30. Mai 2016

Bilder Copyright Egmont Manga

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