Rezension: Mimi’s Tales of Terror (Manga)

Studentin Mimi wird in Junji Itos Mimi’s Tales of Terror mit übernatürlichen Phänomenen, unheimlichen Erscheinungen und unerklärlichen Ereignissen konfrontiert.
Bisher glaubt Studentin Mimi nicht an Geister. Aber dann kommt es zu einer Häufung an übernatürlichen Phänomenen in ihrem Umfeld. Erst sieht sie mit ihrem Freund Naoto die seltsame Gestalt einer alten Frau auf einem Strommast. Anschließend verursachen die Bewohnerinnen einer Wohnung bei Mimi und anderen Nachbarn einen Schauer. Nach ihrem Umzug fühlt sich Mimi nachts stets beobachtet, dabei ist vor ihrem Fenster nur der alte Friedhof. Bei einem Spaziergang entdecken Mimi und Naoto etwas Schreckliches und am Strand kommt es zu einem schaurigen Vorfall. Als Mimi ihre Eltern besucht, lernt sie die kleine Keiko kennen, die aufgrund ihrer Familienumstände kurzzeitig von Mimis Vater und Mutter aufgenommen wurde. Aus unerklärlichen Gründen ist Keiko sehr anhänglich und schwarzer Schmutz verbreitet sich in dem Haus. Schließlich zeigt Mimis Freundin Misa ihr einen geheimnisvollen Raum und bei einer nächtlichen Abkürzung zum Bahnhof entdeckt Mimi ein gruseliges Schild.
Mimis Übernatürliche Erlebnisse
Horror-Mangaka Junji Ito adaptiert in Mimi’s Tales of Terror verschiedene Geistergeschichten aus dem Shin Mimibukuro von Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama. Dabei hat sich Junji Ito zahlreiche Freiheiten erlaubt und die auf wahren Begebenheiten basierenden Geistergeschichten nach seinen Vorstellungen interpretiert. So ist Protagonistin Mimi, die als zentrales Bindeglied für die übernatürlichen Phänomene dient, eine Schöpfung des Horror-Mangakas. Die unterschiedlich langen Kapitel erzählen jeweils eigenständige Geschichten, die jedoch aufeinander aufbauen. Zum Einstieg entdeckt Mimi auf einem Strommast eine seltsame Gestalt, die sich als alte Frau herausstellt. Nach einem kurzen Schockmoment für Mimi und ihren Freund Naoto ist die alte Frau wieder verschwunden. Daran zeigt sich, dass die Kurzgeschichten sehr gut zum Stil von Junji Ito passen und sich zugleich ein wenig von anderen Werken des Horror-Mangakas absetzen. Trotzdem bleibt der subtile Grusel und das Grauen schauriger Erscheinungen so präsent, wie es Fans von den meisten Junji-Ito-Werken gewohnt sind.
Ein gutes Beispiel dafür ist die zweite Geschichte mit dem Titel „Die Frau von nebenan“. Beginnt diese noch normal mit einer Beschwerde Mimis bei dem Nachbarn aus der Wohnung über ihr aufgrund seiner zu lauten Musik, entfalten sich bald schaurige Ereignisse über die Bewohnerinnen der Wohnung neben Mimis Nachbarn. Schon bei ihrer ersten Begegnung mit der ganz in schwarz gekleideten, riesigen Frau, schaudert es Mimi. Sie erfährt, dass in der Wohnung noch weitere, unterschiedlich große Frauen leben müssen. Die Auflösung der Geschichte beweist, wie stimmungsvoll, unerklärlich und gruselig Geistererzählungen sein können – und wie offen ein Ende bleiben darf. Etwas, das auch in späteren Kapiteln Verwendung findet und von anderen Junji-Ito-Manga bekannt ist. Nicht jede Geschichte hat einen endgültigen Abschluss. Manchmal sind es gerade die subtilen Andeutungen und offenen Geheimnisse, die maßgeblich zur Spannung beitragen. Dabei ist es Mimi und ihr Werdegang, der dennoch einen roten Faden schafft und manche Ereignisse zumindest grob miteinander verknüpft.
Mimi ist eine typische Junji-Ito-Protagonistin, die im Verlauf der Geschichten ausreichend Tiefe und Persönlichkeit erhält, aber eindeutig nur als Akteurin innerhalb der übernatürlichen Phänomene agiert. Ähnliches gilt für ihren Freund Naoto, der als einziger weiterer Charakter eine zentrale, wiederkehrende Rolle einnimmt. Andere Figuren wie Naotos Freunde Tanaka und Furusawa oder Mimis Freundin Misa treten meist nur in einem oder zwei Kapiteln auf, nehmen dort aber teilweise sehr wichtige Rollen ein. Ähnliches gilt für die direkt mit den schaurigen Ereignissen verbundenen Personen wie Mimis Nachbarn oder Familie. Natürlich baut Mimi’s Tales of Terror schon früh eine sehr dichte Atmosphäre, die bis zum Ende nicht mehr nachlässt, auf. Getragen wird die unheimliche Stimmung von Junji Itos gewohnt stilvollen und detaillierten Zeichnungen, bei denen besonders Geister, Erscheinungen und andere übernatürliche Dinge visuell herausstechen. Doch auch die Erzählweise und die gut geschriebenen Texte tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Als Bonus umfasst die Deluxe Edition von Mimi’s Tales of Terror die ebenfalls aus dem Shin Mimibukuro stammende Geschichte „Die Geisterpuppe“, die auch ohne Mimi eine überaus stimmungsvolle, gruselige und erschreckende Geistergeschichte erzählt und den Manga perfekt abrundet.
Fazit
Mimi’s Tales of Terror ist grob betrachtet zwar ein Kurzgeschichten-Horror-Manga, erhält mit Protagonistin Mimi aber ein gelungenes Bindeglied für die verschiedenen Kapitel. Mangaka Junji Ito beweist einmal mehr, weshalb er als Meister des Horrors gilt und liefert inklusive Bonus neun unheimliche Geistergeschichten, sehr frei adaptiert vom Shin Mimibukuro. Dabei muss ich zugeben, dass ich weder die urbanen Legenden noch das Werk von Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama kenne. Deshalb kann ich die Erzählungen ausschließlich in Junji Itos Version bewerten – und diese sind gewohnt fesselnd. Schon nach den ersten Seiten und somit dem ersten Kapitel wollte ich Mimi’s Tales of Terror nicht mehr aus der Hand legen. Obwohl sich die einzelnen Geschichten gut anbieten, sie nicht zwingend zusammenhängend zu lesen, wollte ich immer wissen, was Mimi als nächstes erlebt. Jedes übernatürliche Ereignis, jede unheimliche Erscheinung und jedes unerklärliche Phänomen hat mich mehr in den Bann des Horror-Mangas gezogen, sodass ich den Deluxe-Edition-Band am Stück gelesen habe. Daran zeigt sich auch, wie gut eine zentrale Hauptfigur verschiedene Horror-Kurzgeschichten miteinander verknüpfen kann. Doch auch unabhängig davon sind die neun Erzählungen überaus spannend, stimmungsvoll und fesselnd und bieten besten Junji-Ito-Lesespaß, den sich kein Fan des Horror-Mangakas oder Genres entgehen lassen sollte.
Kurzfazit: Schauriger Horror-Manga, der unheimliche Geschichten mit dichter Atmosphäre, detailreichen Zeichnungen und gelungener Protagonistin erzählt und fesselnden wie spannenden Genre-Lesespaß nach bester Junji-Ito-Machart garantiert.
Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mimi’s Tales of Terror: Der Horror nebenan!
Details
Titel: Mimi’s Tales of Terror: Der Horror nebenan
Originaltitel: Mimi no Kaidan
Genre: Horror
Verlag: Carlsen Manga
Mangaka: Junji Ito
Seiten: 230
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-551-80943-8
Verlagsseite: Mimi’s Tales of Terror bei Carlsen Manga
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2026
© 2022 Junji Ito / JI Inc. / Asahi Shimbun Publications Inc.
© 2026 Carlsen Verlag GmbH
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