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Rezension: Castlevania: Belmont’s Curse (Xbox Series X)

Rose Belmont versucht in Castlevania: Belmont’s Curse die im Jahr 1499 über Paris hereinbrechende Finsternis aufzuhalten.

Über zwölf Jahre mussten Castlevania-Fans auf einen neuen Teil der Action-Adventure-Reihe, die mit Castlevania: Symphony of the Night das Metroidvania-Genre mitgeprägt hat, warten. Seit Castlevania: Lords of Shadow 2 hat Konami lediglich drei Collections, die ältere Spiele zurück gebracht haben, warten. Lediglich ein Remake des ursprünglich als Arcade-Automat veröffentlichten Haunted Castle als Teil der Castlevania Dominus Collection stellte eine kleine Neuveröffentlichung dar. Mit Castlevania: Belmont’s Curse kehrt die Reihe endlich wieder zurück – und das nicht nur mit einem 2D-Side-Scrolling-Action-Adventure, sondern auch zur ursprünglichen Timeline, die die Lords-of-Shadow-Spiele nicht berücksichtigt haben. Verantwortlich für Belmont’s Curse sind die für Dead Cells und The Rogue Prince of Persia bekannten Studios Evil Empire und Motion Twin. Gemeinsamkeiten zu den beiden Roguelikes sind vor allem beim comichaften Grafikstil, der Musik und einigen knackigen Geschicklichkeits-Abschnitten festzustellen. Trotzdem handelt es sich bei Belmont’s Curse um kein Roguelike, sondern um ein klassisches Metroidvania.

Finsternis über Paris

Paris im Jahr 1499. Trevor Belmont wurde vom Bischof von Notre Dame in die französische Hauptstadt gerufen, da sich etwas Dunkles in den Straßen ausbreitet. Ein Monster zieht umher und raubt die Seelen der Menschen. Begleitet wird Belmont, der als letzter des Vampirjäger-Clans gilt, von seiner bisher unbekannten Tochter Rose. Während Trevor aufbricht, um den Bischof zu treffen, erkundet Rose die Straßen von Paris und will mehr über die Finsternis herausfinden. Rose stellt die Hauptfigur in Belmont’s Curse dar und der auf ihr lastende Fluch gibt dem neuen Castlevania-Teil seinen Titel. Gleichzeitig ist auffällig, dass sich die Geschichte stark an Castlevania III und somit an die Geschichte von Trevor Belmont, Sypha Belnades und Alucard anlehnt. Passend dazu trug der erstmals 1989 in Japan veröffentlichte NES-Titel den Untertitel Dracula’s Curse. Chronologisch fügt sich das PS2-Spiel Castlevania: Curse of Darkness dazwischen. Verweise auf die Geschichte von Hector Belmont sowie Leon Belmont aus dem chronologisch ersten Teil, dem ebenfalls für PS2 erschienenen Castlevania: Lamnent of Innocence, verleihen Belmont’s Curse einen festen Platz in der Reihe.

Dabei überzeugt das Metroidvania mit einer durchaus interessanten Handlung. Zwar erfindet Roses Abenteuer in Paris die Reihe nicht neu und setzt auf einige bekannte Thematiken, ausreichend motivieren kann die Geschichte aber trotzdem. Zu verdanken ist das vor allem Rose als sehr gut geschriebene Protagonistin mit Stärken und Schwächen. Verletzlich, unsicher und von ihrem Fluch geplagt, will sie sich ihrem Vater beweisen und sich dem Belmont-Clan als würdig erweisen. Entsprechend sind Roses Gedanken und Entscheidungen maßgeblich für die Geschichte und einige Wendungen. Allerdings ist sie nicht gänzlich alleine. So fängt Rose besiegte Bosse in den magischen Tarotkarten ihrer Mutter ein. Da der erste Boss bereits früh auftritt, handelt es sich hierbei um keinen großen Spoiler. Besonders die ersten drei Bosse, die für den Fortschritt zwingend bezwungen werden müssen, werden durch ihre Verbindung zu Rose immer wieder für Dialoge genutzt. Daraus entsteht eine unerwartete Dynamik, die sowohl Rose als auch den drei anderen Figuren mehr Tiefe verleiht als gedacht. Etwas bedauerlich ist, dass andere Charaktere und optionale Bosse weitaus weniger Aufmerksamkeit bekommen – und dass, obwohl sie viel Potential zeigen.

Motivierend und frustrierend

Wie bereits erwähnt, setzt Belmont’s Curse auf eine 2D-Seitenansicht und klassische Metroidvania-Elemente. Das bedeutet, während der Erkundung von Paris erhält Rose mit der Zeit neue Fähigkeiten und Werkzeuge mit deren Hilfe zuvor unzugängliche Bereiche betreten werden können. So wird früh im Spiel nach dem bezwingen des ersten Bosses die Arkanpeitsche freigeschaltet. Dabei handelt es sich um eine Art Enterhaken mit dem sich Rose zu bestimmten Halterungen oder Gegnern ziehen kann. An Ringen wiederum kann sie mit Hilfe der Arkanpeitsche schwingen. Ein großer Gewinn für die sowieso sehr gute Beweglichkeit von Rose. Allerdings fällt auf, dass Roses Möglichkeiten gerade zu Beginn stark eingeschränkt sind. Es fühlt sich zwar bereits mit der Arkanpeitsche so an, dass viele Möglichkeiten offen stehen, doch erst wenn ihr weitere Fähigkeiten freischaltet, entwickelt sich der großartige Spielfluss und es ist möglich mit Rose geschwind durch die ordentlich gestalteten Level zu rasen. Diese Beweglichkeit ist zwingend notwendig, weil Belmont’s Curse auf zahlreiche Geschicklichkeits-Passagen setzt.

Regelmäßig versperren Dornen, riesige Sägeblätter und andere tödliche oder schädliche Fallen den Weg. In solchen Fällen ist es erforderlich, ganze Abschnitte zu absolvieren, ohne in eines der Hindernisse zu geraten. Gelingt das nicht, müsst ihr von vorne beginnen. Besonders einige optionale, aber auch einige erforderliche Geschicklichkeits-Abschnitte sind so knackig, dass enormer Frust aufkommt. Hier schwankt der Schwierigkeitsgrad eindeutig zu stark und obwohl Castlevania schon im ersten Teil auf dem NES ähnliche Herausforderungen hatte, erinnert Belmont’s Curse dabei eher an Dead Cells als an die Konami-Reihe. Doch trotz diesem Manko, weiß das Metroidvania immer wieder aufs Neue zu motivieren – auch wenn der Anspruch nicht geringer wird und einige Abschnitte regelrechte Fingerakrobatik erfordern, trotz der sehr guten Steuerung.

Wehrhafte Vampirjägerin

Natürlich muss sich Rose gegen zahlreiche Gegner zur Wehr setzen. Dafür greift sie zu Beginn auf ein einfaches Langschwert zurück. Relativ bald finden sich, zumindest bei entsprechender Erkundung, weitere Waffen. Insgesamt sieben verschiedene Arten mit jeweils vier unterschiedlichen Waffen warten darauf gefunden zu werden. Je nach Einstufung ist der Angriffswert der Waffe bestimmt, so dass sich für fast jeden Waffentyp jeder Stärkegrad finden lässt. Ob ihr nun zu Langschwert, Lanze oder Fäustlingen greift beeinflusst spürbar das Kampfverhalten von Rose, da jede Waffenart eine Besonderheit hat. So können Lanzen geworfen werden und Doppelschwerter ermöglichen Kombos, wenn im richtigen Moment erneut angegriffen wird. Und keine Sorge: trotz Arkanpeitsche, findet ihr auch eine klassische Peitsche als Waffe für Rose. Ein Muss für ein Castlevania-Spiel!

Etwas bedauerlich ist, dass die Gegnervielfalt überschaubar ausfällt. Es gibt zwar ein paar verschiedene Typen mit unterschiedlichen Varianten, wirklich groß ist die Anzahl an Feinden aber nicht. Dafür überzeugen die sehr gut gestalteten, wenn auch teilweise wirklich schweren Bosse deutlich mehr. Jeder Boss muss erlernt werden, um die Eigenheiten zu erkennen und den Sieg zu erringen. Grundsätzlich ist das bereits beim ersten Versuch möglich, leicht wird das aber nicht. Allerdings fällt der Anspruch bei den Bossen ziemlich schwankend aus. So stellt der erste Boss bereits eine größere Herausforderung dar, spätere Diener Draculas sind hingegen vergleichsweise einfach zu besiegen. Ein weiteres Indiz für die nicht ganz durchdachte Schwierigkeitsgrad-Balance, die insgesamt zu stark schwankt. Trotz nicht einstellbarem Schwierigkeitsgrad gibt es Möglichkeiten, die Herausforderung zu verringern. In den Einstellungen kann der Benuterdefinierte Modus“ aktiviert werden. Dieser erlaubt Einstellungen wie die Festlegung des ausgeteilten Schadens, des von Gegnern oder Fallen verursachten Schaden oder die erhaltenen Erfahrungspunkt. Sogar die maximale Anzahl an Tränken für die Heilung kann von standardmäßig drei auf bis zu sechs erhöht werden. Ebenso ist es möglich, den Respawn vor Bosstüren statt an Speicherpunkten sowie die Option „kein Sterben“ zu aktivieren. Einfluss auf den Erhalt von Erfolgen oder Trophäen hat die Aktivierung des „benutzerdefinierten Modus“ nicht.

Verringerte Mechaniken

Spätestens seit Symphony of the Night wird Castlevania von vielen Fans der Reihe mit Rollenspiel-Elementen in Verbindung gebracht. Viele Nachfolger des PlayStation-Klassikers haben darauf aufgebaut. Belmont’s Curse schwächt die Rollenspiel-Elemente hingegen ab. Zwar sammelt ihr wie bereits erwähnt Erfahrungspunkte und steigt im Level auf, eine große Anzahl an Attributen gibt es jedoch nicht. Lediglich Angriff und Abwehr von Rose steigen mit der Zeit an. Zusätzlich lassen sich beide Werte durch in der Spielwelt versteckte Folianten aufwerten. Lebenspunkte und Mana werden hingegen mit Tapfer- beziehungsweise Klugherzsplittern erhöht. Sammelt ihr jeweils vier Stück, wächst die entsprechende Leiste ein wenig. Zusätzlich verzichtet Belmont’s Curse auf Ausrüstung wie neue Kleidungsstücke. Stattdessen kann Rose bis zu drei Relikte, die passive Boni gewähren, ausrüsten. Auf diese Weise lässt sich neben der Waffenwahl der Spielstil ein wenig beeinflussen.

Eine weitere große Besonderheit sind die Arkana. Dabei handelt es sich um Roses Tarotset in dem sie unter anderem besiegte Bosse einfängt. Sobald ihr einen Boss bezwungen und in die zugehörige Tarotkarte gebannt habt, erhaltet ihr die Kraft des jeweiligen Charakters. Der erste Boss schaltet den Zauber „Heiliges Kreuz“ frei. Dieser erlaubt es Rose ein großes Kreuz zu werfen, das Gegnern Schaden zufügt. Insgesamt fünfzehn Arkana und somit Zauber können in Belmont’s Curse freigeschaltet werden – viele davon sind genauso wie die Bosse optional. Zudem ist jedes Arkana mit bis zu drei Werken der Gnade verbunden. Dabei handelt es sich um besondere Bedingungen, die bei Erfüllung die Möglichkeit geben eine Verbesserung für den jeweiligen Zauber freizuschalten. Obwohl es sich bei den meisten Werken der Gnade um simple Aufgaben wie das Besiegen einer bestimmten Anzahl einer Gegnerart oder die Verwendung des Zaubers handelt, erhöht sich die Motivation, die Arkana zu wechseln.

Stimmungsvolle Präsentation

Ansonsten gestaltet sich Belmont’s Curse in vielerlei Hinsicht als typisches Metroidvania bei dem der Fortschritt dafür sorgt, dass ihr weiterkommt. Ausreichend abwechslungsreiche Gebiete und verschiedene Geheimnisse sorgen zudem dafür, dass es unterhaltsam ist, jeden Winkel zu entdecken. Etwas ärgerlich ist jedoch, dass beide Schnellreise-Möglichkeiten nicht sofort freigeschaltet sind und sogar verpasst werden können. Während der Fährmann, der in jedem Gebiet einen Anleger hat, der angefahren werden kann, sobald ihr einmal dort wart, kaum zu übersehen ist, ist die zweite Schnellreisefunktion weitaus kompliziert freizuschalten. Dabei ist diese wesentlich praktischer, wenn auch unnötig kompliziert. Eine einfache Schnellreise über die Karte gibt es leider nicht, was sich als unnötige Einschränkung gerade im späteren Spielverlauf und wenn ihr versucht die letzten Geheimnisse zu lüften, um alles zu entdecken. Zumal ebenfalls auf eine automatische Rückkehr zum letzten Speicherpunkt verzichtet wurde. Entsprechend ist es manchmal fast sinnvoller zu sterben und ohne Fortschrittsverlust beim letzten Spiegel des Lebens fortzufahren als sich den bereits absolvierten Geschicklichkeits-Passagen erneut zu stellen. Allerdings ist das bereits meckern auf hohem Niveau.

Überzeugen kann Belmont’s Curse eindeutig bei der dichten Atmosphäre. Früh fesselt das Metroidvania und schafft es trotz der bunten Comic-Grafik eine düstere Stimmung aufzubauen. Bei der Optik wiederum werden sich die Geister scheiden. Ob der gewählte Stil gefällt oder nicht ist eindeutig Geschmackssache. Sicher ist aber, dass Belmont’s Curse sehr detailliert gestaltet ist. Figuren wie Hintergründe strotzen nur so vor Feinheiten. Zudem sieht das Metroidvania auf der Xbox Series X wirklich gut aus und läuft jederzeit flüssig. Ähnlich verhält es sich auf der PlayStation 5 und dem PC. Die Nintendo-Switch-Version, eine dedizierte Switch-2-Fassung liegt nicht vor, hat ein paar visuelle Abstriche, profitiert dafür aber vom Handheld-Modus. Zudem werden auf der Switch 2 sechzig Bilder pro Sekunde erreicht, auf der Switch liegt die Bildwiederholrate bei dreißig. Ebenfalls umstritten ist der sehr gute und stimmungsvolle Soundtrack. Qualitativ braucht sich dieser definitiv nicht zu verstecken. Allerdings passen nicht alle Lieder und Klänge perfekt zur Castlevania-Reihe beziehungsweise können als Fremdkörper im Vergleich zu den Vorgängern betrachtet werden. Damit verleiht die Musik Belmont’s Curse jedoch eine eigene Identität, ohne auf bekannte Elemente der Reihe zu verzichten. Gegen jeden Zweifel erhaben ist die englische Sprachausgabe, bei der jede Figur fantastisch und atmosphärisch vertont ist und die audiovisuelle Präsentation des Metroidvanias perfekt abrundet. Ebenfalls überzeugen können die deutschen Texten. Damit gelingt Castlevania ein sehr gutes, wenn auch nicht perfektes Comeback.

Fazit

Nach der Ankündigung von Castlevania: Belmont’s Curse war die Vorfreude groß. Besonders nachdem klar war, dass es sich um ein Metroidvania und kein Roguelike handelt. Viel zu lange mussten Fans wie ich auf einen neuen Teil warten und deshalb konnte ich es kaum erwarten, mit Rose die Finsternis in Paris zu bekämpfen. Überrascht hat mich, dass Belmont’s Curse teilweise sehr kontroverse diskutiert wurde – aus verständlichen wie unverständlichen Gründen. Für mich ist das 2D-Action-Adventure ein wirklich motivierendes und spaßiges Spiel. Sowohl Geschichte als auch Charaktere und Gameplay motivieren mich zahlreiche Stunden mit dem Erkunden der Gebiete zu verbringen. Natürlich gibt es auch Schwächen. Vor allem die zu häufigen und teilweise viel zu anspruchsvollen Geschicklichkeits-Passagen haben mich einige Nerven gekostet. Zudem schwankt die Balance des Schwierigkeitsgrades zu stark und die Schnellreise-Möglichkeiten könnten besser sein. Dafür haben mich die verringerten Rollenspiel-Elemente nicht gestört. Schließlich hat nicht jeder Castlevania-Teil auf diese gesetzt und Belmont’s Curse findet innerhalb der Reihe eine eigene Identität. Das gilt auch für Grafikstil und Musik, die mir persönlich sehr gut gefallen – vor allem die Optik. Letztlich konnte ich kaum mit Belmont’s Curse aufhören, ohne dass ich alles entdeckt und alle drei Enden erreicht hatte. Hoffentlich setzt Konami wie bei Silent Hill auf das Konzept wechselnder Studios, so dass uns bald ein weiteres, kreativ abweichendes Castlevania erwartet. Castlevania- und Metroidvania-Fans sollten Belmont’s Curse trotz der Schwächen eine Chance geben.

Kurzfazit: Motivierendes Metroidvania, das trotz Schwächen bei Gameplay, Leveldesign und Schwierigkeitsgrad-Balance eine fesselnde Rückkehr der Castlevania-Reihe mit ausreichend spannender Geschichte, gelungenen Charaktere und reichlich Spielspaß bietet.

Vielen Dank an Konami für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Castlevania: Belmont’s Curse!

Details
Titel: Castlevania: Belmont’s Curse
Genre: Metroidvania, Action-Adventure
Publisher: Konami
Entwickler: Evil Empire, Motion Twin
Spieler: 1
Syteme: Xbox Series X|S (getestet), Switch, PlayStation 5, PC
Altersfreigabe: 16
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2026

© Konami Digital Entertainment

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