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Dez 17 2018

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Rezension: Das Herz einer Hexe – Band 1 (Manga)

Das Herz einer Hexe Band 1 erzählt in episodenhaften Kapiteln von der Suche der Hexe Mika nach ihrem gestohlenen Herzen.

Fast fünfhundert Jahre wandert die Hexe Mika bereits auf der Suche nach ihrem Herzen umher. Gestohlen von ihrer Schwester, die Mika damit auf ewig an sich binden wollte, kann die Hexe ohne das Organ nicht sterben. Gefangen in einem unsterblichen Körper, der nicht altert, ist ihr einziger Begleiter die sprechende Laterne Lumière. Auf der Suche nach ihrer Schwester und ihrem Herzen, reist Mika umher und begegnet den verschiedensten Menschen. Dabei ist sie sich bewusst, dass ihr Ziel auch ihr Tod ist.

Episodische Reisen

Auf den ersten Blick könnte die in acht Bänden abgeschlossene Mystery-Fantasy-Reihe Das Herz einer Hexe von matoba aufgrund des kindlichen Charakterdesigns und der malerisch-märchenhaften Bilder einen falschen Eindruck erwecken. Obwohl die eher sanfte, ruhige Erzählweise eine gewisse Einfachheit begleitet, offenbart der erste Band eine weitaus erwachsenere, düsterere und vor allem melancholisch und nachdenkliche Geschichte. Die Reise von Mika ist episodenhaft gestaltet. Jedes Kapitel stellt einen Abschnitt dar und ist theoretisch unabhängig von den anderen Handlungen. Lediglich Mika und ihre Suche dienen als roter Faden, der sich durch den gesamten Band zieht. Es ist nicht einmal offensichtlich wie viel Zeit zwischen den einzelnen Erlebnissen der Hexe vergeht. So beginnt Das Herz einer Hexe Band 1 in einem verschneiten Wald, in dem Mika und die junge Reisende Karen fest zu sitzen scheinen, bis sie von einer Nonne Hilfe erhalten. Im zweiten Kapitel hingegen erreicht Mika bei frühlingshaftem oder sommerlichem Wetter ein einfaches Dorf voller Wasserräder, das unter der Herrschaft einer geldgierigen Lehnsherrin leidet.

Einzigartige Landschaften, die in wunderschönen Bilder verarbeitet werden, zeichnen Das Herz einer Hexe aus. Doch es sind nicht die Umgebungen durch die Mika und Lumière reisen, die im Mittelpunkt stehen. Vielmehr liegt der Fokus auf den Menschen, denen die Hexe und ihre Laterne begegnen. Individuelle Schicksale führen zu sanften, düsteren, mythischen, traurigen und herzergreifenden Momenten. Und trotz der leichten Niedlichkeit im Charakterdesign, das mit leuchtenden Augen besticht, bleibt der Manga melancholisch-düster, erschafft aber auch fröhliche Szenen. Gut geht trotzdem nicht jede der Geschichten, die Mika auf ihrer Reise erlebt, aus. Der Tod ist ein stetiges Thema und rückt häufig in den Vordergrund. Gleichzeitig befassen sich die Erlebnisse der Hexe nicht selten mit menschlichen Abgründen. Neben urbanen Legenden und menschengemachten Problemen zeigt sich der Manga mit blutigen Szenen und brachialen Kämpfen. Die magischen Fähigkeiten von Mika sind dabei kontrastreich dargestellt und sorgen für ein surreales Bild, das sich von der restlichen Szenerie perfekt absetzt.

Das größte Manko von Das Herz einer Hexe könnte die schlichte Erzählweise sein. Große Aufregung oder Action sind nicht vorhanden, auch Drama und Spannung fallen eher seicht aus. Dennoch versteht es matoba mit der melancholisch-düsteren, ruhigen und nachdenklichen Geschichte zu fesseln. Die Mischung aus düster und niedlich, die sich durch den ganzen Manga zieht, erschafft einen interessanten Kontrast, der gemeinsam mit den liebenswerten Figuren einen angenehmen Lesefluss aufkommen lässt. Dazu gesellt sich der detailreiche Zeichenstil, der besonders bei den aufwendigen historisch anmutenden Lolita-Gothic-Kleidern und den niedlichen Charakteren sowie den wundervollen Hintergründen zum Tragen kommt. Damit richtet sich Das Herz einer Hexe vor allem an Fans melancholisch-sanfter Geschichten, die sich am seichten, episodenhaften Erzählstil nicht stören. Das Ende verspricht außerdem etwas größere Momente, die stärker mit Mikas Vergangenheit verknüpft sind.

Fazit

Das Herz einer Hexe Band 1 hat mir ausgesprochen gut gefallen. Sanft-melancholisch erzählt der Manga die Reise von Mika in düsteren, ernsten, bewegenden oder fröhlichen Episoden, die jede eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Vielleicht fehlt es etwas an Spannung, doch dank der menschlichen Schicksale und Abgründe und dem oft thematisierten Tod, wird die Geschichte nie zu seicht. Viel mehr erzeugt Das Herz einer Hexe eine ganz eigene, unterschwellig mitreißende Atmosphäre, die perfekt zur Handlung passt. Getragen wird das Ganze von Mika und Lumière sowie den verschiedenen Figuren der einzelnen Kapitel. Schnell habe ich die Hexe und ihre Laterne ins Herz geschlossen und sie gerne auf ihrem Weg begleitet. Hervorzuheben sind auch die wunderschönen Zeichnungen von matoba, die mit dem kindlich-niedlichen Charakterstil einen interessanten, aber zum Manga passenden Kontrast zur Geschichte bilden. Das dürfte genauso wenig wie die Erzählweise nicht jedem gefallen, doch wer etwas mit melancholischen Mystery-Fantasy-Manga anfangen kann, sollte unbedingt einen Blick wagen.

Kurzfazit: Episodenhafte melancholisch-sanfte und etwas seicht erzählte Mystery-Fantasy-Geschichte, die mal düster, mal fröhlich ist und von liebevollen Charakteren und märchenhaft-malerischen Bildern getragen wird.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Herz einer Hexe – Band 1

Details
Titel: Das Herz einer Hexe – Band 1
Originaltitel: Majo no Shinzo
Genre: Fantasy, Mystery
Verlag: altraverse
Story/Zeichnungen: matoba
Seiten: 180
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-167-0
Verlagsseite: Das Herz einer Hexe – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 22. November 2018

© matoba / Square Enix / altraverse

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