Rezension: Star Wars Zero Company (Xbox Series X)

Hawks und seine Söldner der Zero Company sollen in Star Wars Zero Company im Auftrag des republikanischen Geheimdienstes die Separatisten-Sekte Spirale aufhalten.
Star Wars trifft auf XCOM. So lässt sich am besten Star Wars Zero Company von Entwicklerstudio Bit Reactor beschreiben. Dabei waren an der Entwicklung des rundenbasierten Strategiespiels ehemalige Mitarbeiter von XCOM-Studio Firaxis Games beteiligt. Darunter der Art Director der modernen XCOM-Spiele, der als Bit-Reactor-Gründer und Creative Director von Star Wars Zero Company für das reine Singleplayer-Strategiespiel in einer weit, weit entfernten Galaxie verantwortlich war. Auf einen Mehrspieler-Modus verzichtet das von Electronic Arts veröffentlichte Spiel und auch Mikrotransaktionen wurden nicht implementiert. Stattdessen konzentriert sich Star Wars Zero Company auf eine durchaus spannende Geschichte sowie das taktische Gameplay.
Söldner im Dienste der Republik
In der Rolle von Hawks, Geschlecht, Spezies und Aussehen legt ihr in einem Charakter-Editor selbst fest, agiert ihr als Anführer der titelgebenden Söldnergruppe Zero Company. Dabei war Hawks einst ein Captain im Dienst der Republik, ist aber nach einer verheerenden Niederlage in den Klonkriegen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Aber seine Fähigkeiten sind noch immer bekannt und so wird der Geheimdienst der Republik auf Hawks und die Zero Company aufmerksam. Der Verbindungsoffizier Bennic beauftragt die Söldner damit, gegen die geheimnisvolle Sekte Die Spirale, die im Dienst der Separatisten Planeten für eine anschließende Invasion schwächt, vorzugehen. Die lineare Geschichte ist zwar nicht immer herausragend, weiß aber trotzdem mit ausreichend Spannung, einigen Überraschungen und gelungenen Wendungen zu fesseln.
Zudem überzeugt Star Wars Zero Company mit den sehr gut geschriebenen Charakteren. Obwohl ihr Hawks Erscheinungsbild, Spezies und Geschlecht selbst festlegt, ist die Persönlichkeit der Hauptfigur klar vorgegeben. Das ist gut so, da die Interaktion mit den anderen Mitgliedern der Söldnergruppe spürbar davon profitiert. Zwar bleiben Dialoge mit Antwortmöglichkeiten aus, doch das Strategiespiel verzichtet bewusst auf derartige Rollenspiel-Elemente. Stattdessen werden die vielschichtigen Figuren mit der Zeit immer ausführlicher vorgestellt, so dass sie mit ihren Eigenheiten ans Herz wachsen. Das gilt gleichermaßen für die leicht selbstverliebte, etwas zynische und bestimmte Runa wie für den Klonsoldaten Tricks, der schon unter Hawks bei der Republik gedient hat und aufgrund seiner Verletzungen aus dem Dienst ausgeschieden ist. Allgemein präsentiert Star Wars Zero Company einige großartige Charaktere. Zumindest gilt das für die Story-relevanten Figuren. Zusätzlich rekrutierte Einheiten haben zwar ebenfalls vorgegebene Persönlichkeiten und wissen zu überzeugen, sind aber weniger ausgearbeitet als die zentralen Akteure.
Taktische Missionen
Beim Gameplay erinnert Star Wars Zero Company sofort an XCOM und vergleichbare rundenbasierte Strategiespiele. Mit einem Trupp aus bis zu vier Charakteren zieht ihr los, um eure Missionen zu erfüllen. Aus der leicht versetzen Vogelperspektive überblickt ihr die jeweiligen Schlachtfelder und befehligt eure Einheiten. Das Grundprinzip ist simpel: Jeder Charakter verfügt über drei Aktionspunkte, die bestmöglich für Bewegung, Angriff und Fähigkeiten genutzt werden wollen, um Feinde auszuschalten und das jeweilige Missionsziel zu erreichen. Letztere reichen vom Besiegen aller Gegner über die Rettung von Geiseln, das Erreichen von Fluchtpunkten oder das Sabotieren von Anlagen bis hin zum Verteidigen bestimmter Stellungen für eine bestimmte Anzahl an Runden. Manchmal reihen sich sogar mehrere Einsätze direkt aneinander und es warten gelegentlich Bosse, die besondere Taktiken erfordern, auf euch. Allerdings ist die Vielfalt an Missionszielen insgesamt etwas gering und auch bei den Gegnern hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet. Ebenso wären ein paar mehr Bosse wünschenswert gewesen. Doch das ist angesichts des fantastisch funktionierenden Gameplays meckern auf hohem Niveau.
Zumal ihr nicht einfach eine Mission nach der anderen angeht. Zwischen den Einsätzen findet ihr euch in eurer Den genannten Basis wieder. Hier könnt ihr mit euren Kameraden reden, die Basis verbessern, neue Söldner rekrutieren, im Schwarzmarkt einkaufen, verdiente Fokuspunkte in die überschaubaren Skillbäume der Einheiten investieren oder verletzte Einheiten auf die Krankenstation schicken. Letzteres ist essentiell, da drei Verletzungen den permanenten Tod bedeuten. Optional lässt sich der Permadeath aber deaktivieren. Das ist neben den Schwierigkeitsgraden gerade für Genre-Neulinge eine gute Möglichkeit, um die Herausforderung anzupassen. Zusätzlich bringt euch Star Wars Zero Company die Gameplay-Mechaniken Stück für Stück bei. Hilfreiche Tutorials ziehen sich durch die ersten Stunden. Das sorgt zwar dafür, dass der Einstieg, auch bei der Geschichte, etwas langsam ist, dafür zieht das etwa vierzig Stunden lange Strategiespiel mit der Zeit immer mehr an.
Erforderliche Planung
Ebenfalls im Den könnt ihr am Holotisch auf die Galaxiskarte zugreifen. Hier könnt ihr unter anderem die nächste Mission auswählen. Zusätzlich stehen euch verschiedene Einsätze zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Aufträge, die in Textform kurz abgehandelt werden. Aber unterschätzt die Einsätze nicht. Die kleinen Nebengeschichten sind teilweise wirklich interessant und erfordern wichtige Entscheidungen, die Einfluss auf eure Belohnungen und die Folgen der Einsätze haben. Damit ihr Einsätze absolvieren könnt benötigt ihr jedoch Information. Diese neben Credits zusätzliche Währung erhaltet ihr vorwiegend durch das abschließen von Story- und Nebenmissionen. Doch Vorsicht: sowohl Einsätze als auch Missionen haben eine Ablaufzeit. Mit jedem absolvierten Kampf schreitet die Zeit um einen Zyklus voran. Entsprechend ist es nicht möglich alle Einsätze und Missionen abzuschließen. Gerade wenn wichtige Storyeinsätze anstehen, gilt es schwere Entscheidungen zu treffen und im Zweifelsfall sogar Bitten eurer Kameraden zu ignorieren.
Wie wichtig das Zusammenspiel der Charaktere ist, wird abseits der Zwischensequenzen in kurzen Dialogen im Den deutlich. Zudem steigert sich mit der Zeit die Beziehung der Figuren zueinander. Besonders gemeinsam im Einsatz befindliche Einheiten, finden zueinander. Das hat auch Einfluss auf das Gameplay, da bei jedem Aufstieg des Beziehungslevels eines von drei Trainings absolviert werden darf, wodurch sich verschiedene Werte wie die maximale Gesundheit, der kritische Schaden oder die Bewegungsreichweite verbessern. Abseits der Skilltrees eine nützliche Methode, um eure Einheiten zu stärken. Da ihr die Spezialisierung der Einheiten zudem jederzeit anpassen dürft, lädt Star Wars Zero Company zum Experimentieren ein. Schließlich kann es großen Einfluss haben, ob ihr einen Mediziner dabei habt oder nicht. Auch die anderen Klassen haben nützliche Fähigkeiten, weshalb gute Planung wichtig ist.
Atmosphärische Inszenierung
Ebenfalls erwähnt werden sollte, dass ihr euch in eurer Basis in der Third-Person-Perspektive bewegt. Diese kommt allerdings nicht nur hier zum Einsatz. Bei vielen Story-Missionen könnt ihr zuvor ebenfalls schlauchige Level direkt erkunden. Die Perspektive wechselt, wenn es zum Kampf kommt, nahtlos in die Draufsicht und wieder zurück, sofern eine Mission nach einer Auseinandersetzung noch nicht endet. Das ist gerade deshalb faszinierend, weil ihr die teilweise zerstörbare Umgebung nach eurem Kampf aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten könnt. Daran zeigt sich auch, wie gut inszeniert Star Wars Zero Company ist. Das Strategiespiel schafft es hervorragend eine dichte Star-Wars-Atmosphäre aufzubauen, was sicherlich auch dem fantastischen Soundtrack zu verdanken ist. Ebenfalls weiß die deutsche Sprachausgabe durchaus zu überzeugen.
Grafisch fängt Star Wars Zero Company auf der Xbox Series X das Geschehen stimmungsvoll ein. Zwar ist das Strategiespiel visuell sicherlich nicht der herausragendste Titel des Jahres, dennoch weiß die Optik mit typischen Star-Wars-Umgebungen, Raumschiffen und Figuren zu gefallen. Allerdings trüben kleinere Macken den Gesamteindruck. So kommt es gerade in Zwischensequenzen manchmal zu kleinen Rucklern. Diese fallen besonders im Qualitätsmodus auf. Im Performancemodus läuft das Strategiespiel flüssiger. In Zwischensequenzen gelegentlich erst später nachladende Texturen oder verzögert auftauchende Figuren und Objekte treten in beiden Modi auf, haben aber kaum einen Einfluss auf Atmosphäre oder Spielspaß. Ähnliches gilt für den manchmal hängenden Spielablauf, bevor eure Gegner ihre Züge durchführen. Das alles klingt wahrscheinlich weitaus negativer als es sich wirklich auswirkt, zumal Star Wars Zero Company mit dichter Atmosphäre, spannender Geschichte, sympathischen Charakteren und spaßigem Gameplay fesselt.
Fazit
Ein Star-Wars-Strategiespiel im XCOM-Stil? Damit habe ich vor der Ankündigung von Star Wars Zero Company nicht gerechnet, doch seit der ersten Vorstellung habe ich mich auf den Titel von Bit Reactor gefreut. Nachdem ich Star Wars Zero Company gespielt habe, kann ich nun sagen: meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Das Strategiespiel verbindet eine durchaus spannende Geschichte mit taktischem Gameplay und braucht sich dabei nicht vor dem großen Vorbild XCOM oder anderen ähnlichen Genrevertretern verstecken. Vielmehr gehört Star Wars Zero Company für mich zu den derzeit besten rundenbasierten Strategiespielen und übertrumpft in manchen Punkten sogar das großartige XCOM 2. Besonders die vielschichtigen Charaktere habe ich schnell ins Herz geschlossen, während mich die dichte Atmosphäre samt fantastischem Soundtrack als Star-Wars-Fan begeistert haben. Das spaßige Strategie-Gameplay rundet Star Wars Zero Company schließlich perfekt ab. Kleinere technische und grafische Macken haben mich dabei kaum gestört. Sowohl Strategie- als auch Star-Wars-Fans, die keine absolute Abneigung gegen das jeweils andere haben, sollten sich Star Wars Zero Company auf keinen Fall entgehen lassen.
Kurzfazit: Packendes rundenbasiertes Strategiespiel, das großartige Star-Wars-Atmosphäre mit einer spannenden Geschichte, vielschichtigen Charakteren und spaßigem Gameplay verknüpft.
Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars Zero Company!
Details
Titel: Star Wars Zero Company
Genre: Strategie
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Bit Reactor, Respawn Entertainment, Lucasfilm Games
Spieler: 1
Syteme: Xbox Series X|S (getestet), PlayStation 5, PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 27. August 2026
© 2026 Electronic Arts Inc.












