Rezension: Tales of Xillia Remastered (Xbox Series X)

Jyde Mathis und Milla Maxwell versuchen in Tales of Xillia Remastered die Welt vor der gefährlichen Nutzung der Naturgeister zu bewahren.

Während Fans von Bandai Namcos Tales-of-Reihe seit Tales of Arise aus dem Jahr 2021 auf einen neuen Teil warten, spendiert der japanische Publisher und Entwicklern früheren Serienteilen weiter fleißig Neuauflagen. Nach Tales of Symphonia Remastered und Tales of Graces f Remastered, ist Ende Oktober 2025 mit Tales of Xillia Remastered ein weiteres Spiel der Reihe zurückgekehrt. Ursprünglich 2011 in Japan beziehungsweise 2013 in Europa und Nordamerika ausschließlich für die PlayStation 3 erschienen, ist die Neuauflage des Rollenspiels für alle gängigen System erhältlich. Dabei setzt Bandai Namco auf gewohnte grafische und technische Verbesserungen sowie einige Quality-of-Life-Anpassungen. Außerdem sind fast alle Zusatzinhalte, bei denen es sich vorwiegend um Kostüme für die Charaktere handelt, enthalten.

Gewohntes, aber spannendes Abenteuer

Tales of Xillia Remastered ist in der Welt Rieze-Maxia, in der die Kraft der Naturgeister deutlich zu spüren ist, angesiedelt. Allerdings schwankt das Gleichgewicht und einige Mächtige wollen die Naturgeister für ihre Zwecke nutzen. Das will Milla Maxwell, die menschliche Verkörperung des großen Naturgeistes Maxwell, verhindern. Deshalb begibt sie sich ins Königreich Rashugal, um die Lanze von Kresink, die die Kraft der Naturgeister nutzt, zu zerstören. Dabei trifft sie auf den Medizinstudenten Jyde Mathis, der genauso wie Milla von unvorhergesehnen Entwicklungen überrascht wird. Als Kriminelle wegen Hochverrats gesucht, bleibt ihnen nur die Flucht, womit ein Abenteuer zur Rettung der Naturgeister, des Gleichgewichts und der Welt beginnt.

Wie fast alle Tales-of-Spiele nutzt Tales of Xillia für die Geschichte wieder die grundlegende Thematik der Weltrettung und verbindet diese mit politischen Machenschaften, finsteren Intrigen, zwielichtigen Antagonisten und einer übernatürlichen Macht. Das ist spannend erzählt und beweist einmal mehr, dass auch bekannte Konzepte immer wieder neu gestaltet werden können. Die beste Geschichte der Reihe erzählt Tales of Xillia dabei zwar nicht, motivierend sind die Ereignisse rund um Milla und Jyde aber durchgehend, zumal das Abenteuer mit einigen unerwarteten Wendungen, überraschenden Entwicklungen und abwechslungsreichen Momenten aufwartet. Zudem profitiert Tales of Xillia von der interessant gestalteten Welt, ihrer Historie, den sympathischen Charakteren und den serientypischen Skits. Letzte sind Unterhaltungen zwischen den Figuren, die per Knopfdruck eingeleitet werden können. Diese vermitteln mehr von ihrer Persönlichkeit, ihren Beziehungen und sind oft witzig geschrieben.

Wahl des Protagonisten

Eine Besonderheit von Tales of Xillia sind die beiden Hauptfiguren. Bevor ihr beginnt, habt ihr die Wahl, ob ihr die Geschichte als Jyde oder Milla erleben wollt. Je nachdem, wie ihr euch entscheidet, habt ihr einen anderen Protagonisten, was den Blickwinkel beeinflusst und in manchen Szenen, in denen sie getrennt voneinander unterwegs sind, relevant für den Inhalt wird. So beginnt Jydes Geschichte etwas früher und liefert mehr Hintergründe zur Welt, weshalb er sich für einen ersten Durchgang des Rollenspiels eher anbietet als Milla. Ob sich ein zweimaliges Durchspielen nur aufgrund der beiden Hauptfiguren lohnt, müsst ihr selbst entscheiden. Allzu große Unterschiede gibt es trotz der erwähnten abweichenden Szenen eher selten. Trotzdem profitiert der Wiederspielwert spürbar von der Wahl der Hauptfigur.

Ansonsten handelt es sich bei Tales of Xillia um einen gewohnten Vertreter der Rollenspiel-Reihe. Anders als in früheren Teilen wie Tales of Symphonia, wird allerdings auf eine Oberwelt verzichtet. Stattdessen sind die verschiedenen Städte, Dörfer, Gebiete und Dungeons direkt miteinander verbunden. Entsprechend müsst ihr diese durchqueren, um an euer Ziel zu gelangen. Die Weltkarte für Schnellreisen wird erst nach einigen Stunden freigeschaltet. Bis zu diesem Punkt verläuft Tales of Xillia, abgesehen von ein paar Nebenquests allerdings komplett linear, weshalb das kaum zu bemerken ist. Außerdem funktioniert der Aufbau der Welt wirklich gut und die verschiedenen Umgebungen laden trotz ihres eher begrenzten Umfangs ein wenig zum Erkunden ein. Schließlich winken Materialien und Schatztruhen. Während Erstere genauso wie Geld für die Erweiterung der Geschäfte benötigt werden, enthalten Truhen Ausrüstung oder Items.

Verbundene Action

In den Gebieten außerhalb von Dörfern und Städten begegnet ihr genretypisch zahlreichen Gegnern. Diese sind direkt zu sehen und bei Berührung wechselt ihr in die Kampfarena. Hier laufen die Auseinandersetzungen wie von der Reihe gewohnt in Echtzeit ab. Dabei bewegt sich euer Charakter auf einer Linie, es ist allerdings möglich, in die dreidimensionale Tiefe auszuweichen und Gegner zu umgehen. Neben Standardangriffen setzt ihr die als Artes bezeichneten Spezialangriffe und Zauber ein, nutzt besonders starke Attacken und versucht die Schwächen der Gegner zu nutzen. Neu beim sogenannten Dual-Raid-Linear-Motion-Battlesystem ist die Möglichkeit, zwei Gruppenmitglieder miteinander zu verbinden. Dadurch unterstützen sie sich im Kampf, agieren gemeinsam und können starke Komboaktionen durchführen. Ein interessantes System, das den Kämpfen mehr taktische Tiefe verleiht.

Strategisches Vorgehen ist außerdem bei der Entwicklung der Charaktere gefragt. Während Jyde, Milla und die anderen wie üblich Erfahrungspunkte sammeln, im Level aufsteigen und dadurch stärker werden, erhalten sie zudem Fähigkeitenpunkte. Diese können in den charakterspezifischen Liliumkugeln investiert werden, um Orbs freizuschalten. Jeder Orb gewährt verschiedene Effekte wie mehr Lebenspunkte, einen höheren Angriff oder eine bessere Verteidigung. Sind alle Eckpunkte einer Wabe ausgefüllt, erhalten die Charaktere neue Artes und andere Fähigkeiten, die spürbaren Einfluss haben. Mit der Zeit werden weitere Liliumkugeln freigeschaltet, wodurch eine noch individuellere Anpassung möglich ist. Alternativ lassen sich die Fähigkeitenpunkte per Knopfdruck automatisch verteilen, was die Einsteigerfreundlichkeit des Rollenspiels erhöht.

Gewohnte Aufhübschung, sinnvolle Qualitätsanpassungen

Wie bereits erwähnt, hat Bandai Namco Tales of Xillia Remastered die üblichen grafischen Verbesserungen spendiert. Entsprechend hat das Rollenspiel eine höhere Auflösung und schärfere Texturen als noch auf der PlayStation 3. Das fällt besonders bei den farbenfrohen, detailreichen Charaktermodellen auf. Die Hintergründe und Umgebungen hingegen wirken weiterhin etwas farbarm und erinnern trotz grafischer Verbesserungen an ihre PlayStation-3-Herkunft. Wirklich negativ ist das aber nicht, da die Optik insgesamt charmant ist und viel zur dichten Atmosphäre beiträgt. Diese profitiert ebenso vom herausragenden Soundtrack und der sehr guten japanischen Sprachausgabe sowie der guten englischen Vertonung. Eine deutsche Synchronisation liegt nicht vor, dafür wissen die deutschen Texte zu überzeugen. Technisch ist Tales of Xillia Remastered ebenfalls gelungen. Das Rollenspiel läuft auf der Xbox Series X durchgehend mit sechzig Bildern pro Sekunde.

Genauso wie bei den grafischen und technischen Anpassungen, bewegen sich die Quality-of-Life-Neuerungen im üblichen Rahmen. So gibt es nun automatische Speicherpunkte, was gerade Abschnitte, in denen die festen Speicherpunkte weit voneinander entfernt sind, für Entspannung sorgt. Außerdem lassen sich Kämpfe direkt wiederholen. Die vielleicht wichtigste Neuerung ist aber der Grade-Shop. War dieser ursprünglich erst nach einmaligem Durchspielen verfügbar, könnt ihr eure Spielerfahrung von Anfang an mit den darin enthaltenen Einstellungen anpassen. Die Optionen reichen dabei von der Höhe der erhaltenen Erfahrungspunkte über die erlangte Menge an Geld bis hin zur Stärke eurer Angriffe oder die Kosten von Fähigkeiten in den Liliumkugeln. Damit lässt sich der Schwierigkeitsgrad abseits der eigentlichen Einstellungen spürbar beeinflussen. Einmal vor Spielstart aktiviert, lassen sich die meisten Grade-Shop-Optionen jederzeit wieder deaktivieren, aber nicht im Nachhinein aktivieren, weshalb ihr vor Spielstart gut überlegen solltet, ob ihr darauf zurückgreifen wollt. Eine praktische Möglichkeit, Tales of Xillia Remastered so zu erleben, wie ihr es wollt, ist der Grade-Shop spätestens beim zweiten Durchgang in jedem Fall.

Fazit

Tales of Xillia habe ich 2013 bereits auf der PlayStation 3 gespielt und obwohl das Rollenspiel nicht zu meinen Favoriten der Reihe gehört, habe ich mich auf das Remaster gefreut. Schließlich war es rund zwölf Jahre nicht möglich, die Geschichte von Milla und Jyde abseits der PlayStation 3 zu erleben. Die Neuauflage ändert das und bringt das Rollenspiel mit grafischen und technischen Verbesserungen sowie sinnvollen Quality-of-Life-Anpassungen zurück. An der Qualität von Geschichte, Charaktere und Gameplay hat sich wenig geändert und noch immer weiß Tales of Xillia als spannendes Rollenspiel für zahlreiche Stunden zu fesseln. Die aufgehübschte Grafik und die verbesserte Technik sorgen für ein modernes Spielgefühl. Ob ihr Tales of Xillia erneut oder erstmals erleben wollt, das Remaster ist die perfekte Gelegenheit dafür. Fans japanischer Rollenspiele erhalten ein spannendes Abenteuer, das durchgehend motiviert.

Kurzfazit: Sehr gute Neuauflage des PlayStation-3-Rollenspiels, das bei Geschichte, Charakteren und Gameplay noch genauso überzeugt wie vor zwölf Jahren und von grafischen, technischen und spielerischen Verbesserungen profitiert.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tales of Xillia Remastered!

Tales of Xillia™Remastered & ©Bandai Namco Entertainment Inc. ©MUTSUMI INOMATA ©KOSUKE FUJISHIMA