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Mai 26 2017

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Rezension: Ghost in the Shell – Arise: Border 3 + 4

Universum Anime setzt die Prequel-OVA-Reihe Ghost in the Shell: Arise rund um Motoko Kusanagis Anfänge bei Sektion 9 fort.

Ghost in the Shell: Arise erzählt in vier etwa einstündigen OVA-Filmen die Vorgeschichte von Major Motoko Kusanagi und ihrem Team, das in der Serie Ghost in the Shell: Stand Alone Complexe an ihrer Seite steht. Nach dem Knüpfen erster Kontakte und dem Aufbau des Teams, führen die als Border 3 und Border 4 bezeichneten abschließenden OVAs die Rahmengeschichte fort und erzählen gleichzeitig damit verbundene Einzelstories. Besonders die Entwicklung von Motoko Kusanagi stellt ein Bindeglied zwischen den Handlungsbögen von Ghost in the Shell: Arise dar.

Geistertränen

In der dritten OVA „Ghost Tears“, müssen Motoko, Batou und ihr Team Jagd auf Terroristen machen, deren Anschläge Newport City in Atem halten. Dabei zeigt sich eine scheinbare Verbindung zu einer Freiheitskämpfergruppe, die sich von einem, von Japan unterstützten Land lossagen wollen und schon im Krieg aktiv waren. Scheinbar ist der damalige und tot geglaubte Anführer Skylar zurück. Überzeugt davon, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, verfolgt Motoko das Ziel, herauszufinden, wer hinter der angeblichen Wiederauferstehung des Cyber-Freiheitskämpfers steckt. Gleichzeitig stellt Togusa eine Verbindung zwischen zwei Anschlägen her und trifft dabei auf Motokos Liebhaber Hose. Hat der Cyber-Techniker etwas mit den Terroristen zu tun?

Ghost in the Shell: Arise Border 3 beginnt bereits ungewohnt. Motoko Kusanagi in einem virtuellen Meer zusammen mit einem Mann, der sich als ihr Liebhaber herausstellt. Die anfängliche Vermutung, dass die Protagonistin durch eine Beziehung mehr Tiefe verliehen bekommen soll, verflüchtigt sich relativ schnell. Amüsante Kommentare von Batou und Unterhaltungen des Teams über Motokos Liebesleben stellen diesen Aspekt der Geschichte zu sehr in den Vordergrund. Auch wenn das ein wichtiger Teil der Handlung ist und sowohl für eingespielten Humor als auch Motoko betreffende Entwicklungen genutzt wird, wirkt der romantische Fokus etwas zu stark und fällt dadurch zeitweise nervend auf. Besonders weil die starke, selbstständige Hauptfigur dadurch in manchen Momenten wie so viele andere klischeebehaftete Anime-Charaktere im Angesicht eines für sie interessanten Menschen erscheint. Das mag menschlich sein, passt aber nur bedingt zur Figur und wirkt etwas aufgesetzt.

Glücklicherweise kann Ghost Tears trotz dieses zentralen und für die Handlung wichtigen Aspekts auf andere Weise überzeugen. Wie von Ghost in the Shell gewohnt, stehen Cyberisierung, Viren, Hacking und die philosophische Thematik rund um Cyborgs und biologische Menschen genauso im Mittelpunkt wie die üblichen gesellschafts- und sozialkritischen Elemente. So wird in beiden OVAs von Ghost in the Shell: Arise Volume 2 der Handel mit Wasser thematisiert. Den Machern gelingt es, mit diesen unterschiedlichen Elementen eine durchaus spannende und interessante Geschichte zu erzählen. Diese mag nicht so intelligent sein wie andere Teile des Ghost-in-the-Shell-Kosmos, kann aber trotzdem unterhalten und fügt sich durch Motokos Entwicklung und die Andeutungen bezüglich der Rahmenhandlung gut in das Gesamtkonzept ein.

Geteilter Geist

Anschließend ermitteln Motoko und ihr Team in „Ghost Stands Alone“ bezüglich eines Anschlags, den sie selbst mit erlebt haben. Die Unterzeichnung eines wichtigen Wirtschaftsvertrages über den Wasserhandel endet mit einem brutalen Massaker an Demonstranten. Verantwortlich dafür scheint ein Virus, der die Ghosts der anwesenden Polizisten übernommen und sie wahllos um sich hat schießen lassen. In dem Blutbad bleibt ein Mädchen zurück, das scheinbar für die grauenvolle Tat verantwortlich ist. Allerdings stellen sich schnell einige Fragen. Ist sie wirklich die Drahtzieherin hinter dem Attentat? Verbergen sich in ihrem Ghost tatsächlich zwei Persönlichkeiten? Und was hat es mit dem Fire-Starter-Virus auf sich?

Ghost Stands Alone präsentiert sich schon in den ersten Minuten als einen deutlichen Schritt nach vorne im Vergleich zur dritten Arise-OVA. Im Mittelpunkt steht ein kleines Mädchen, dessen Ghost scheinbar zwei Persönlichkeiten beherbergt. Außerdem hat sie Verbindungen zu einem Virus, der die Manopulation von Erinnerungen und Wahrnehmung durch das Cyber-Brain eines Menschen ermöglicht. Diese Thematik zieht sich durch Ghost in the Shell und ist durch den Fire-Starter-Virus, der erneut eine wichtige Rolle einnimmt, eines der wichtigsten Handlungselemente der Arise-OVA-Reihe. Damit funktioniert Ghost Stands Alone perfekt als Abschluss der vierteiligen Reihe, ohne dabei alle Fragen zu beantworten.

Besonders interessant bleibt der Aspekt, welchen Einfluss die Cyberisierung des Menschen haben kann. Ein Virus bringt Polizisten dazu auf Demonstranten zu schießen, weil diese als Bedrohung wahrgenommen werden. Schon im ursprünglichen Ghost in the Shell wurde die Manipulation von Cyborgs thematisiert, so dass sich die erneute Nutzung gut in die Reihe und das Universum einfügt. Zusätzlich gelingt es dem Team hinter Ghost in the Shell: Arise durch gelungene Action, effektreiche Szenen und weitgehend flüssige, aber manchmal etwas unschöne Animationen auch Abseits der philosopischen mit deutlicher Sozial- und Gesellschaftskritik unterlegten Geschichte zu unterhalten. Lediglich das offene Ende könnte ein wenig stören, dürfte aber im kommenden Ghost in the Shell – Arise: Pyrophoric Cult aufgelöst werden.

Fazit

Schon nach den ersten beiden OVAs von Ghost in the Shell: Arise, war ich mir sicher, dass die Film-Reihe nicht an den Kultstatus des Franchises heranreichen wird. Dieser Eindruck wurde durch Border 3 und Border 4 bestätigt. Besonders der dritte Kurzfilm um Motoko Kusanagis Vergangenheit kann aufgrund der etwas zu starken Konzentration auf klischeebehaftete Romantik nur teilweise überzeugen. Trotz der spannenden Geschichte und typischen Ghost-in-the-Shell-Elemente, fällt die Art wie die Beziehung der Hauptfigur zu Akira Hose umgesetzt ist negativ auf. In eine gänzlich andere Richtung geht „Ghost Stands Alone“, die abschließende OVA von Ghost in the Shell: Arise. Überraschend nah am Franchise-Kern, überzeugt die Geschichte mit vielschichtigen Elementen und einer gutgeschriebenen Handlung, die als vorläufiger Abschluss Sinn macht und den roten Faden der OVA-Reihe stärker in den Mittelpunkt rückt. Alleine für diesen Teil lohnt es sich, das Ghost-in-the-Shell-Prequel anzusehen. Unterhaltungswert haben alle vier Border und als Ergänzung des Franchises sowie Erzählung über Major Motoko Kusanagis Vergangenheit funktionieren sie.

Kurzfazit: Eine ordentliche und grandiose OVA-Episode schließen Ghost in the Shell: Arise spannend und mit intelligenten Aspekten bei der Geschichte ab, schaffen es aber trotz positiver Ansätze erneut nicht, an die vergangene Brillianz anzuknüpfen. Dennoch nicht nur für Fans sehenswert!

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghost in the Shell – Arise: Border 3 + 4!

Details
Titel:  Ghost in the Shell – Arise: Border 3 + 4
Genre: Science-Fiction, Action
Regie: Kazuchika Kise (Border 3), Susumu Kudou (Border 4)
Studio: Production I.G.
Produktionsjahr: 2013
Laufzeit: ca. 112 Minuten (DVD), ca. 116 Minuten (Blu-ray)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Booklet border:3 Ghost Tears (nur Erstauflage), Booklet border:4 Ghost Stands Alone (nur Erstauflage), Ghost in the Shell ARISE border:less project, Kurzfilm “Logicoma Heart“, Kurzfilm „Logicoma Root“, Memory of GR – Making Of ARISE -, Original Trailer und Spots
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 26. Mai 2017
Herstellerseite: Ghost in the Shell – Arise: Border 3 + 4 bei Universum Anime

Bilder: © Shirow Masamune・Production I.G/KODANSHA・GHOST IN THE SHELL ARISE COMMITTEE. All Rights Reserved.

Lesetipp: Rezension zu Ghost in the Shell – Arise: Border 1 + 2

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