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Mrz 10 2017

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Rezension: Death Parade – Vol. 1 (DVD)

Universum Anime hat mit Death Parade Vol. 1 den Auftakt einer Mystery-Serie mit philosophischem Einschlag veröffentlicht.

Willkommen im Quindecim. In diesem mysteriösen Nachtklub begrüßt der Barkeeper Decim stets zwei Menschen, die nicht wissen, wie sie dort hingelangt sind oder was es mit ihrem Aufenthalt in der Bar auf sich hat. Der gefühllos und unbeteiligt wirkende Decim fordert die beiden frisch eingetroffenen zu einem Spiel um ihr Leben auf. Erst nach Beendigung des Spiels kann der Nachtklub wieder verlassen werden. Was die jeweiligen Besucher nicht wissen: Sie sind bereits tot. Das Quindecim dient gleichzeitig für verstorbene als Zwischenebene, auf der entschieden wird, wohin sie ihr weiterer Weg führt – in den Himmel oder die Hölle. Um das zu entscheiden, treten die Kandidaten in Freizeitspielen wie Darts oder Bowling gegeneinander an. Während dieser seelischen Stresstests zeigen sich langsam die charakterlichen Abgründe der Kontrahenten. Zur Seite steht Decim bei seiner Aufgabe als Schiedsrichter neuerdings eine namenlose Assistentin, die eine andere Sichtweise auf die zu beurteilenden Menschen hat.

Spiel um die Seele

Die 12-teilige von Studio Madhouse umgesetzte Mystery-Serie Death Parade basiert auf der im Original-Ton mit Untertiteln als Bonus auf der Disc befindlichen OVA Death Billiards. Erzählt wird von den Ereignissen im Quindecim, einem surreal wirkenden Nachtklub, in dem der monoton und gefühllos wirkende Barkeeper Decim zwei frisch Verstorbene begrüßt und sie in einem Spiel um ihr weiteres Schicksal gegeneinander antreten lässt. Interessant dabei ist, dass die Kontrahenten nicht wissen, was mit ihnen geschehen ist und wie sie in das Quindecim gelangt sind. So ist ihnen auch unbekannt, dass sie tot sind, weshalb es Decim möglich ist, sie zu einem Spiel um ihr Leben aufzufordern. Diese Do-or-Die-Spiele basieren auf eigentlich harmlosen Freizeitbeschäftigungen. In der ersten Episode etwa, tritt das Ehepaar Takashi und Machiko in Dart gegeneinander an.

Besonderheit ist, dass in fast jedem der drei in Volume 1 stattfindenden Spiele die notwendigen Utensillien Teile der Körper der Kontrahenten repräsentieren. Im Fall von Takashi und Machiko sind auf den Dartscheiben die Organe des jeweils anderen dargestellt. Bei einem Treffer erleidet die entsprechende Person große Schmerzen. Schnell offenbaren sich in den Spielen seelische und charakterliche Abgründe. Death Parade spielt mit den Eindrücken, die über Charaktere vermittelt werden und macht es für den Zuschauer schwer, selbst zu entscheiden, wer welches Schicksal verdient hat. Denn auch wenn von Himmel und Hölle die Rede ist, geht es eigentlich darum, wessen Seele eine Wiedergeburt verdient hat. Allmächtig ist Decim dabei nicht, wie bereits in der zweiten Episode – die auf interessante Weise einen anderen Blickwinkel auf die Ereignisse um Takashi und Machiko wirft und dabei die namenlose Assistentin und Decims Chefin Nona einführt – deutlich wird.

Schwierige Thematiken

Death Parade nutzt die Spiele, die im Grunde auch als Seelentribunale bezeichnet werden können, um zahlreiche emotionale Facetten der frisch Verstorbenen und damit ihre wahre Natur aufzuzeigen. Häufig geht die Serie auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren ein und scheut es nicht, ernste und schwierige Themen anzusprechen. Hier zeigt sich Death Parade bereits im ersten Drittel als überaus mutig und abwechslungsreich. Mal sind die Schicksale und Erinnerungen der unfreiwilligen Besucher des Quindecim tragisch, mal schockieren sie und immer ist für die nötige Überraschung gesorgt. Egal ob bei den wahren Hintergründen der Figuren oder der Art des Todes.

Allerdings liegt die Konzentration in den ersten vier Episoden fast ausschließlich auf den Spielen. Die große Haupthandlung, die sich offensichtlich und wie in Episode zwei deutlich wird um die namenlose Assistentin dreht, bleibt weitgehend im Hintergrund. Abseits der Vorstellung der Figuren und der notwendigen Grundlagen der Geschichte, sind es die Schicksale der frisch Verstorbenen, die zumindest vorerst die Serie dominieren. Das sorgt dafür, dass abgesehen von der zweiten Folge ein leicht episodenhafter Eindruck entsteht. Es bleibt abzuwarten wie sich Death Parade in dieser Hinsicht entwickelt. Allerdings lassen die Andeutungen sowie das sehr gute Intro nicht nur auf eine größere Rolle der Haupthandlung in den kommenden Episoden hoffen. Auch weitere, relevante Charaktere dürften Einfluss auf die in Teilen bereits erkennbar moralische Komplexität und Vielschichtigkeit der Geschichte haben. Doch auch Volume eins fasziniert mit den schicksalhaften Spielen und den darin verwickelten Figuren. Gleichzeitig wecken Decim und seine namenlose Assistentin die Neugier auf den Fortgang der Serie.

Doch Death Parade kann nicht nur inhaltlich überzeugen. Dank flüssiger Animationen, gelungener Effekte, einem eigenständig wirkenden Charakterdesign und dem überraschend scharfen DVD-Bild, überzeugt die Mystery-Serie auch optisch auf ganzer Linie. Studio Madhouse versteht es selbst einfachste Spiele durch Schnitte oder Perspektivwechsel spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Der jazzige Lounge-Soundtrack fügt sich hervorragend ein und sorgt für eine entspannte Nachtklub-Atmosphäre. Abgerundet wird das positive Gesamtbild von der auf ganzer Linie überzeugenden deutschen Synchronisation. Als Decim ist Benjamin Völz, Stammsprecher von Keanu Reeves und Matthew McConaughey zu hören. Auch die anderen Sprecher stehen dem bekannten Profi in nichts nach und verkörpern ihre Rollen hervorragend. Neben der OVA Death Billiards finden sich auf der in einer Amaray-Standard-Hülle verpackten Disc noch Preview-Clips zu den Episoden zwei bis fünf.

Fazit

Seit der Lizenzbekanntgabe durch Universum Anime bin ich gespannt auf Death Parade. Das Konzept der Mystery-Serie klingt überaus interessant und ungewöhnlich. Schon nach kurzer Zeit bestätigt sich dieser Eindruck. Allerdings bleiben gerade die Hauptfiguren in den ersten vier Episoden etwas blasser, als erwartet. Das ist nicht negativ gemeint, da ich trotz der stärkeren Konzentration auf die frisch Verstorbenen einen guten Eindruck von Decim, seiner stummen Assistentin und sogar der nur vergleichsweise kurz auftretenden Nona bekommen habe. Gerade deshalb wünsche ich mir für den weiteren Verlauf der Serie eine größere Konzentration auf die bisher fast nur angedeutete Hauptgeschichte. Doch das alles ist Meckern auf hohem Niveau, da Death Parade bereits mit den ersten vier Episoden überzeugt. Die eigentlich einfachen Spiele, sind in einer spannenden, surrealen Variante umgesetzt und offenbaren immer wieder die Abgründe der menschlichen Seele. Wichtig dabei ist, dass auch ernste Themen aufgegriffen werden. Auch diesem Aspekt verdanken die einzelnen Handlungsstränge es, dass sie mit unerwarteten Wendungen überraschen können. Gerne hätte ich direkt die nächsten Episoden angesehen, um zu wissen, mit welchen Verstorbenen es Decim und seine Assistentin noch zu tun bekommen und was es eigentlich mit der namenlosen Frau auf sich hat. Um so mehr freue ich mich auf Volume 2.

Kurzfazit: Death Parade zeigt sich zum Auftakt als spannende Mystery-Serie mit moralisch komplexer, vielschichter Geschichte und scheut dabei auch ernste Themen nicht. Damit gelingt es immer wieder zu überraschen und gleichzeitig durch Andeutungen neugierig auf die Hauptgeschichte zu machen.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Death Parade – Vol. 1!

Details
Titel:  Death Parade – Vol. 1
Genre: Mystery, Drama, Fantasy
Regie: Yuzuru Tachikawa
Studio: Madhouse
Produktionsjahr: 2015
Laufzeit: ca. 87 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Death Billiards (OmU), Preview-Clips Folge 02-05
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 10. März 2017
Herstellerseite: Death Parade – Vol. 1 bei Universum Anime

Bilder: ©Yuzuru Tachikawa. ©MADHOUSE/NTV/VAP

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