Rezension: Das Königreich der Katzen

Oberschülerin Haru rettet in Das Königreich der Katzen einen Kater und soll plötzlich den Prinz des Katzenkönigreichs heiraten.

Haru Yoshioka ist eine normale Oberschülerin, die ein einfaches und eher langweiliges Leben führt. Schüchtern, zurückhaltend und etwas naiv, hat sie wenig Glück in ihrem Leben. Ihr angehimmelter Klassenkamerad hat bereits eine Freundin, morgens verschläft sie regelmäßig und wird dann auch noch vor ihrer Klasse bloßgestellt. Als sie auf dem Heimweg mit ihrer Freundin Hiromi sieht, wie eine Katze unüberlegt über die Straße geht, reagiert Haru ohne zu überlegen und rettet den Kater knapp davor, von einem LKW überfahren zu werden. Doch dann bedankt sich der Gerettete bei Haru und verabschiedet sich mit einer Verbeugung. Kurz darauf bekommt Haru ungewöhnlichen Besuch, da es sich bei dem Kater um den Prinzen des Königreichs der Katzen handelt. Nun soll sie nicht nur Glück haben, sondern auch noch den Katzenprinzen heiraten. Der Rat einer unbekannten Person führt Haru zum Katzenbüro. Dort hoffte sie darauf von Gentleman-Kater Baron Humbert von Gikkingen, dessen moppeligem Freund Muta und der Krähe Toto Hilfe zu bekommen. Aber die Untergebenen des Katzenkönigs sind entschlossen und holen Haru in ihr Königreich.

Zauberhaftes Katzen-Abenteuer

Nach Stimme des Herzens: Whisper of the Heart von 1995 hat Studio Ghibli im Jahr 2002 mit Das Königreich der Katzen einen weiteren Manga von Aoi Hiiragi als Anime-Film adaptiert. Dabei greift Das Königreich der Katzen einige Elemente aus Stimme des Herzens auf, ist inhaltlich aber nicht mit dem Coming-of-Age-Romantik-Film verbunden. Vielmehr sind es die Charaktere Baron Humbert von Gikkingen und Muta, die in beiden Geschichten zentrale, wenn auch abweichende Rollen einnehmen. Auf gewisse Weise kann Das Königreich der Katzen als Ergänzung zu Stimme des Herzens betrachtet werden, funktioniert aber auch eigenständig. Dabei wird eine märchenhafte Fantasy-Abenteuer-Geschichte mit Coming-of-Age-Elementen erzählt. Ein klassisches Ghibli-Werk ist Das Königreich der Katzen allerdings nicht in jeder Hinsicht.

Umgesetzt unter der Regie von Hiroyuki Morita, erzählt Das Königreich der Katzen von der 17-jährigen Haru Yoshioka, die ein eher einfaches Leben führt. Schüchtern, zurückhaltend und etwas naiv, scheint sie vom Pech verfolgt zu sein. So verschläft sie zum Einstieg in den Film direkt, muss ohne Frühstück das Haus verlassen, hat auf dem Weg zur Schule einige Missgeschicke und wird dann auch noch von ihrem Lehrer vor der Klasse bloßgestellt als sie sich heimlich in den Raum schleichen will. Besonders setzt ihr zu, dass auch ihr Schwarm, der bereits eine Freundin hat, über sie lacht. Diese Elemente erleichtern es, Haru vorzustellen, was gerade angesichts der eher überschaubaren Laufzeit von zirka fünfundsiebzig Minuten wichtig ist. Wirklich tiefgründig ist Haru zwar nicht, aber ihre Persönlichkeit wird ausreichend ausgearbeitet, um den Film zu tragen. Ähnliches gilt auch für andere wichtige Figuren, wobei besonders der Baron und Muta überzeugen.

Märchenhaftes Schicksal

Die Geschichte wiederum schreitet angemessen zügig voran und verzichtet auf unnötige Längen. Zwar führt das auch dazu, dass manche Szenen etwas rasant inszeniert sind, doch das ist angesichts der Handlung durchaus sinnvoll. Zumal sich Das Königreich der Katzen auch angemessen Zeit nimmt, um wichtige Szenen auszuarbeiten, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können. So muss sich Haru einigen schicksalhaften Entscheidungen stellen und wächst im Laufe des Films. Allerdings fällt auf, dass sie meist eher passiv agiert, was jedoch gut zu ihrer Persönlichkeit passt und ihre Entwicklung noch besser zur Geltung bringt. Außerdem wird auf einen klassischen Bösewicht verzichtet. Zwar müssen sich Haru, der Baron und Muta mit einigen Schwierigkeiten und einem Widersacher herumschlagen, doch die zweifelhaften Absichten des Katzenkönigs sind nicht aus wirklicher Bosheit geboren. Dadurch eignet sich Das Königreich der Katzen auch gut als kurzweiliger und charmanter Fantasy-Abenteuer-Film mit jüngeren Anime- und Zeichentrick-Fans.

Visuell werden die Erwartungen an ein Werk von Studio Ghibli vollkommen erfüllt. Das Königreich der Katzen ist wunderschön gezeichnet und animiert. Charaktere, Umgebungen und Hintergründe strotzen vor Details und die hohe optische Qualität des Studios wird wie gewohnt erfüllt. Ähnliches gilt für die zauberhafte Musik, die viel zur märchenhaften Atmosphäre beiträgt. Dennoch strahlt Das Königreich der Katzen nicht vollständig die übliche Ghibli-Magie aus. Wirklich negativ auf den Unterhaltungswert wirkt sich das nicht aus und es gilt auch für so manch anderen Film des Studios. Weitaus wichtiger ist, dass die Geschichte ein stimmungsvolles Fantasy-Abenteuer, das bis zum Ende unterhaltsam bleibt, erzählt – und dann doch irgendwie auf eigene Weise die Besonderheit von Studio Ghibli erkennen lässt.

Fazit

Das Königreich der Katzen mag für einige am besten in Verbindung mit Stimme des Herzens: Whispers of the Heart funktionieren. Doch der Fantasy-Abenteuer-Coming-of-Age-Anime-Film unterhält auch eigenständig. Die kurzweilige Geschichte von Haru, die den Katzenprinzen rettet und diesen anschließend heiraten soll, ist schön erzählt und setzt auf eine märchenhafte Atmosphäre. Dabei tragen die wunderschönen Zeichnungen und die zauberhafte Musik viel zur Stimmung bei. Zwar kann Protagonistin Haru nicht vollends überzeugen, versteht es aber trotzdem, die Geschichte zu tragen. Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von den anderen Charakteren, vor allem Baron und Muta, die beiden Kater sind großartig geschrieben, was auch für andere Figuren wie den Katzenkönig gilt. Vielleicht ist Das Königreich der Katzen nicht ganz so tiefgründig wie andere Filme von Studio Ghibli, dafür wird eine märchenhafte Geschichte für Jung und Alt erzählt, die bis zum Ende zu unterhalten weiß.

Kurzfazit: Zauberhafter Fantasy-Abenteuer-Coming-of-Age-Anime-Film, der eine märchenhafte Geschichte mit liebenswerten Charakteren erzählt und magische Genre-Unterhaltung für Jung und Alt garantiert.

Details
Titel: Das Königreich der Katzen
Originaltitel: Neko no Ongaeshi
Genre: Abenteuer, Fantasy
Regie: Hiroyuki Morita
Studio: Studio Ghibli Inc.
Produktionsjahr: 2002
Laufzeit: ca. 75 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Englisch, Französisch und weitere
Untertitel: Deutsch, Japanisch, Englisch, Französisch und weitere
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 0
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Stream: Das Königreich der Katzen bei Netflix

© Studio Ghibli / Aoi Hiiragi