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Rezension: Silver Pines (Switch 2)

Privatdetektiv Red Walker sucht in Silver Pines in einer verlassenen, von einer Sturmwarnung heimgesuchten Kleinstadt den Musiker Eddie Velvet.

Survival-Horror trifft auf Metroidvania-Elemente und Adventure-Rätsel angereichert mit einer an Silent Hill und Twin Peaks erinnernden Atmosphäre und Geschichte. So lässt sich Silver Pines am besten beschreiben. Klingt ungewöhnlich? Vielleicht, funktioniert aber ausgesprochen gut. Aus der 2D-Seitenansicht mit Tiefenelementen erkundet ihr als Privatdetektiv die titelgebende Kleinstadt auf der Suche nach dem Musiker Eddie Velvet. Dabei fängt die Geschichte bereits geheimnisvoll an. Ohne genau zu wissen, wie er dorthin gelangt ist, wacht Red in einem verlassenen Diner auf. Dort wartet dann bereits das erste Rätsel. Die Tür ist abgeschlossen und der Schlüssel muss erst gefunden werden. Ein sehr guter Einstieg, der sowohl die Rätselmechaniken als auch die Stimmung gekonnt vermittelt. Anschließend erhält Red am Münztelefon vor dem Diner einen Anruf seines mysteriösen Auftraggebers. Hier zeigen sich die ersten Ansätze der gut geschriebenen Dialoge, die viel zur spannenden Handlung und der fesselnden Erzählweise beitragen. Gleichzeitig dienen die Münztelefone als Speicherpunkte – sofern ihr ausreichend Kleingeld besitzt.

Düstere Erkundung

Habt ihr die ersten Schritte absolviert, öffnet sich Silver Pines langsam. Wie von anderen Metroidvanias und auch Survival-Horror-Spielen gewohnt, werden die verschiedenen Mechaniken gut näher gebracht und gleichzeitig wird die Welt komplexer, weitläufiger und frei zugänglich. Währenddessen erkundet ihr die Umgebungen und sammelt erste Gegenstände und Ressourcen ein. Großes Crating gibt es zwar nicht, doch einfache Kombinationen sind möglich. So wird aus einem grünen Heilkraut (Resident Evil lässt grüßen) und einer Flasche ein wirksamer Trank. Ein weiteres Kraut, auch in anderen Farben, verstärkt die Wirkung oder fügt andere Effekte hinzu. Ebenso können Klebeband und Schrottteile kombiniert werden um provisorische Reparaturkits zu erschaffen. Diese sind wiederum notwendig, weil Nahkampfwaffen mit der Zeit beschädigt werden. Klebeband hilft zwar schon alleine, bringt aber keine so gute Wirkung wie Reparaturkits.

Stichwort Nachkampfwaffe. Es gibt Kämpfe in Silver Pines, die Auseinandersetzungen mit den seltsamen Monstern sind jedoch keine Stärke des Survival-Horror-Metroidvanias. Gerade zu Beginn fällt außerdem auf, dass Schleichen und Ausweichen gewünscht sind. Genauso wie die eher schwammigen Kämpfe funktioniert das aber nur bedingt gut. Zumal Reds Ausdauer schnell aufgebraucht ist und die benötigt er nicht nur zum Schlagen, sondern auch, um an Gegnern unbemerkt vorbei zu huschen. Grundsätzlich funktionieren beide Mechaniken aber ausreichend gut, um den Spielspaß nicht zu beeinträchtigen. Tatsächlich ist es je nach Schwierigkeitsgrad sogar einfacher, auf Konfrontationskurs zu gehen und die Gegner mit Messer, Brecheisen und Co umzuhauen. Schusswaffen sind ebenfalls effektiv, das Zielen ist jedoch nicht einfach und Munition relativ knapp, auch hier greift die Wahl des Schwierigkeitsgrades.

Stimmungsvolle Suche

Natürlich schaltet ihr mit der Zeit neue Werkzeuge frei, die zuvor unpassierbare Wege öffnen. So lassen sich beispielsweise mit dem Brecheisen Holzbarrieren vor Türen und Zugängen zerstören. Oder dank der Taschenlampe kann Red dunkle Orte betreten. Klassisch Metroidvania, sehr gut umgesetzt und erstklassig mit den Survival-Horror-Mechaniken verknüpft. Ähnliches gilt für die eher typischen und teilweise an Resident Evil oder Silent Hill erinnernden Rätsel, die manchmal etwas komplexer ausfallen und besser in ein Adventure passen würden. Doch auch das fügt sich sehr gut ein und trägt zur Abwechslung bei. Schließlich ist es genau dieser Genre-Mix, der reichlich Spielspaß aufkommen lässt. Es ist wirklich motivierend, die titelgebende Stadt zu erkunden, Dinge zu entdecken und dadurch immer neue Bereiche betreten zu können. Auf eine gewisse Führung und leichte Linearität achtet das Survival-Horror-Metroidvania dabei berechtigterweise ebenfalls. Schließlich sollen die Spielfortschritte Hand in Hand mit der überaus spannenden und stimmungsvollen Geschichte gehen – und das gelingt sehr gut. Nie fühlt es sich so an, als würden die Mechaniken zu sehr eingeschränkt, alles ist im Sinne des Spiels logisch. Genau so muss das sein.

Zusätzlich fesselt Silver Pines mit einer enorm dichten Atmosphäre. Die düstere, verlassene und geheimnisvolle Stadt ist ein angenehm schauriger Schauplatz, der Erinnerungen an Silent Hill aufkommen lässt. Umgebungen, Beleuchtung und Effekte tragen enorm viel zur Stimmung bei und sorgen dafür, dass Silver Pines eine noch stärkere Sogwirkung entwickelt. Gleichzeitig setzt das Survival-Horror-Metroidvania beiden Figuren auf ein rotoskopie Verfahren, wodurch sich Red und die anderen Charaktere ein wenig von den Hintergründen absetzen, aber zugleich einen einzigartigen visuellen Stil mit lebendigen Animationen erhalten. Ein großes Alleinstellungsmerkmal, das ebenfalls sehr viel zur Atmosphäre beiträgt. Etwas, das auch für die großartige Musik und die beklemmende Soundkulisse gilt – oder eben die genau passend eingesetzte Stille. Red und die anderen Figuren sind sehr gut auf Englisch vertont, während die deutschen Texte ebenfalls durchweg überzeugen. Auf der Switch 2 läuft Silver Pines zudem durchweg flüssig und ohne irgendwelche Bugs oder anderen Probleme, weshalb dem stimmungsvollen und spannenden Survival-Horror-Metroidvania-Erlebnis nichts im Weg steht.

Fazit

Fast hätte ich Silver Pines verpasst. Obwohl ich das Survival-Horror-Metroidvania bereits gesehen hatte, wurde mir erst kurz vor Veröffentlichung bewusst, welche Genres vereint werden. Als Metroidvania-Fan wollte ich dem Genre-Mix deshalb unbedingt eine Chance geben, auch wenn ich bei Horror-Spielen manchmal meine Probleme habe. Silver Pines hat mich schon in den ersten Minuten gefesselt und trotz einer dichten, düsteren und beklemmenden Atmosphäre, wird nicht auf wirklich erschreckenden Horror gesetzt. Dadurch handelt es sich für mich auch mehr um ein Metroidvania mit Survival-Horror-Elementen und düsterer Stimmung. Dabei funktionieren die meisten Gameplay-Mechaniken zumindest ausreichend gut. Die großen Stärken sind aber die Rätsel und die Erkundung mit immer wieder neu zugänglichen Bereichen. Bei den Kämpfen hingegen hätte noch etwas Feinschliff gut getan, auch wenn die leichte Behäbigkeit wahrscheinlich bewusst entschieden wurde. Den Spielspaß kann das aber sowieso nicht trüben. Dafür ist Silver Pines ein zu mitreißendes, spannendes und motivierendes Survival-Horror-Metroidania-Erlebnis, das sich kein Fan der Genres entgehen lassen sollte.

Kurzfazit: Erstklassiges Survival-Horror-Metroidvania, das trotz kleiner Schwächen bei den Kämpfen mit düsterer Atmosphäre, spannender Geschichte, gelungenen Rätseln und spaßiger Erkundung motiviert.

Vielen Dank an Team17 & Wych Elm Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Silver Pines!

Details
Titel: Silver Pines
Genre: Survival-Horror, Metroidvania
Publisher: Team17
Entwickler: Wych Elm Games
Spieler: 1
Syteme: Switch 2 (getestet), PlayStation 5, Xbox Series X|S, Switch, PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 08. Oktober 2026

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