Rezension: Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg (Switch)

Alchemie-Studentin Marie muss in Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg in fünf Jahren eine Examensprüfung bestehen.

Am 23. Mai 1997 erschien Atelier Marie: The Alchemist of Salburg für die erste PlayStation. Das Rollenspiel von Gust stellte den Anfang der Atelier-Reihe, die nach über sechsundzwanzig Jahren vierundzwanzig Hauptteile und zahlreiche Ableger sowie Portierungen und Remaster umfasst. Pünktlich zum Jubiläum haben Gust und Koei Tecmo ein Remake des Reihenerstlings, das am 13. Juli 2023 für die Nintendo Switch, PlayStation 4 und PlayStation 5 erschienen ist, angekündigt. In ein neues optisches Gewand verpackt und mit neuen Inhalten, bringt Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg die Geschichte der titelgebenden Alchemie-Studentin erstmals außerhalb Japans. Dabei sei direkt zu Beginn angemerkt, dass Atelier Marie Remake trotz des durchaus ordentlichen Umfangs und hohen Spielspaßes spürbar simpler ist als spätere Atelier-Teile. Das betrifft das Gameplay genauso wie Geschichte und Welt.

Besondere Examensprüfung

Atelier Marie Remake erzählt von der Alchemie-Studentin Marlone, genannt Marie, die trotz ihres Talents die schlechteste Schülerin an der Akademie von Salburg ist. Um trotzdem den Abschluss zu schaffen und ein Examen als Alchemistin zu erhalten, muss sie eine besondere Prüfung der strengen Professorin Ingrid bestehen. Dafür soll Marie ein eigenes Atelier in der Stadt führen, Aufträge annehmen und innerhalb von fünf Jahren etwas mit Alchemie erschaffen, das den Ansprüchen ihrer Professorin entspricht. Gelingt ihr das, besteht sie die Prüfung. Schon zu Beginn deutet Atelier Marie Remake an, dass das Rollenspiel auf große Abenteuer oder den Kampf gegen einen bösen Dämonen verzichtet. Stattdessen konzentriert sich Atelier Marie Remake auf die persönliche Geschichte der Hauptfiguren und ihren Weg zur Alchemistin. Entsprechend entspannt und leichtgängig ist die Handlung, verzichtet dabei jedoch nicht auf ernste Themen wie Krieg oder Verlust. Vordergründig bietet Atelier Marie Remake jedoch genau die Slice-of-Fantasy-Life-Geschichte, die auch spätere Teile der Reihe ausgemacht hat, wenn auch mit etwas größerem Abenteuer-Anteil.

Dabei setzt Atelier Marie Remake stark auf die gut geschriebenen, sympathischen und vielschichtigen Charaktere, mit denen wir es als Marie zu tun bekommen. Das Rollenspiel wird stark von Events, deren Bedingungen wir jederzeit in einer Liste einsehen können, geprägt. Entsprechend erleben wir regelmäßig irgendwelche Ereignisse rund um Marie oder die anderen Bewohner Salburgs. Einige Events sind dabei eng mit der Hauptgeschichte verknüpft und stellen etwa eines der verschiedenen Enden dar. Andere wiederum sehen wir nur, wenn wir die notwendigen Grundvoraussetzungen erfüllen. Dazu zählt etwa, mit einem bestimmten Charakter ausreichend befreundet zu sein oder an einem bestimmten Tag einen Ort aufzusuchen. Dank der Eventliste, können wir versuchen möglichst alle Ereignisse zu sehen. Allerdings schließen sich einige wenige, vor allem zwei Enden, gegenseitig aus.

Überlegte Zeiteinteilung

Zudem sollten wir natürlich auch darauf achten, die von Professorin Ingrid regelmäßig erhaltenen Aufgaben zu erfüllen. Im normalen Modus haben wir dafür nur eine bestimmte Anzahl an Tagen Zeit, im Unlimited Modus fällt diese Zeitbegrenzung weg. Hier können wir auch länger als fünf Jahre spielen, um erfolgreich das Examen abzuschließen. Dafür stehen drei Events im Unlimited Modus nicht zur Verfügung. Da minimale Änderungen ausgereicht hätten, um die Probleme mit der nicht vorhandenen Zeitbegrenzung zu lösen, ist der Wegfall der Events für uns unverständlich. Zumal sie teilweise wichtige und interessante Details zu Charakteren verraten. Dennoch lohnt sich der Unlimited Modus für alle, die auf etwas Zeitdruck verzichten wollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine zeitlichen Einschränkungen gibt. Manche Events werden nur an einem bestimmten Datum ausgelöst. Wir müssen alle notwendigen Bedingungen bis zu diesem Tag erfüllt haben und das kann knapp werden. Zusätzlich sind Aufträge und Nebenquests oft mit einem eher engen Tageslimit versehen.

Das fällt noch stärker ins Gewicht, weil Atelier Marie Remake nicht wie spätere Atelier-Teile in Stunden, sondern in Tagen rechnet. Entsprechend vergehen auf dem Weg zu Orten außerhalb von Salburg mehrere Tage für Hin- und Rückreise. Auch das Einsammeln von Zutaten und jeder Kampf kostet einen Tag. Entsprechend gut sollten wir jeden Ausflug in die umliegenden Gebiete genau planen. Schließlich wollen wir kein Event verpassen, nur weil wir gerade außerhalb von Salburg unterwegs sind. Eine zusammenhängende Welt bietet das Rollenspiel allerdings nicht. Stattdessen wählen wir die Gebiete über eine Karte aus und reisen anschließend dorthin. Allzu umfangreich fallen die jeweiligen Orte nicht aus. Jedes Gebiet besteht lediglich aus zwei, drei kleinen Abschnitten, in denen wir Zutaten sammeln können und auf Gegner treffen. Gestört hat uns die überschaubare Größe der Gebiete jedoch nicht.

Einfach, aber spaßig

Atelier Marie Remake ist durch solche Details immer wieder anzumerken, dass es sich um das Remake eines PlayStation-1-Spiels handelt. Das gilt auch für das grundlegende Gameplay sowie den Umfang. Das Alchemie-System fällt eher simpel aus. Aus einer schick gestalteten Übersicht wählen wir die nach vier Elementen sortierten Rezepte aus. Haben wir uns entschieden, können wir noch festlegen, wie viele Objekte wir gleichzeitig herstellen wollen. Das kann auch sinnvoll sein, da manchmal keine vollständige Zutat für die Herstellung verbraucht wird. Auf diese Weise kann es sein, dass wir für zwei Objekte nur eine Ingredienz verbrauchen. Ähnliches gilt für Tage, weshalb es bei vorhandener Zeit praktischer ist, mehrere Objekte gleichzeitig herzustellen. Das ist aber alles. Wir müssen die Zutaten nicht platzieren oder auf Qualität achten. Einzig Maries Erschöpfung spielt noch eine Rolle und hat Einfluss auf die Erfolgsrate. Doch obwohl spätere Teile komplexere Möglichkeiten, mehr Items und qualitative Unterschiede bieten, hat uns das Alchemie-System gefallen und wir haben stets versucht, möglichst effizient Objekte herzustellen.

Abseits von Events und Geschichte, die einen großen Teil von Atelier Marie Remake ausmachen, sind Kämpfe das zweite große Gameplay-Element neben der Alchemie. Sind wir in Gebieten außerhalb Salburgs unterwegs, treffen wir überall auf verschiedene Monster, Banditen oder Tiere. Berühren wir diese, wechselt das Geschehen in einen klassisch rundenbasierten Kampfbildschirm. Hier dürfen wir Marie und ihren maximal zwei Begleitern Befehle erteilen. Wann wer an der Reihe ist, wird stets am rechten unteren Bildschirmrand angezeigt. Unsere Charaktere dürfen normale Angriffe ausführen, verteidigen, Items einsetzen oder Fähigkeiten nutzen. Letztere verbrauchen Magiepunkte und mit Levelaufstiegen können Charaktere neue erlernen. Mehr bieten die Kämpfe nicht. Nacheinander beharken wir uns mit den Gegnern und versuchen, den Sieg davon zu tragen. Anschließend erhalten wir Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und werden so stärker. Fähigkeitenbäume oder dergleichen gibt es nicht. Auch die Anzahl an Waffen und Rüstungen ist überschaubar. Negativ auf den Spielspaß wirkt sich das jedoch nicht aus. Wie alles an Atelier Marie Remake, sind auch die Kämpfe angenehm kurzweilig und passen wunderbar zur entspannten Grundstimmung des Rollenspiels.

Allgemein gelingt es Atelier Marie Remake hervorragend einen angenehmen Spielfluss aufzubauen, der vor allem von der ruhigen Alltagsgeschichte, den sympathischen Figuren und der sanften Grundstimmung getragen wird. Das wird nicht jedem gefallen, Fans der Atelier-Reihe, die diesen Aspekt mögen, werden aber viel Freude mit dem Rollenspiel haben. Unterstützt wird die Atmosphäre zudem von der putzigen Grafik. Wie im Original ist das Geschehen aus einer versetzten Draufsicht dargestellt. Die Charaktere sind in einem niedlichen Chibi-Anime-Stil gehalten, was genauso wie die farbenfrohen Umgebungen perfekt zum Spiel passt. Dazu gesellen sich der stimmungsvolle, meist fröhliche Soundtrack sowie die sehr gute japanische Sprachausgabe. Allerdings sind nicht alle Dialoge vertont. Zudem wissen die englischen Texte zu überzeugen. Auf eine deutsche Übersetzung wurde wie gewohnt bei der Atelier-Reihe leider verzichtet. Dem Spielspaß schadet das bei entsprechenden Sprachkenntnissen nicht.

Fazit

Als Fan der Atelier-Reihe habe ich mich bereits auf Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg gefreut. Endlich ist der erste Teil der Rollenspiel-Reihe auch außerhalb Japans verfügbar. Das Remake ist zudem hervorragend umgesetzt, bleibt dem Original treu und modernisiert dieses trotzdem sinnvoll. Die entspannte Alltagsausrichtung von Atelier Marie Remake passt zum Spiel und ist genau das, was ich erwartet habe. Das Rollenspiel beweist, dass nicht immer große Abenteuer oder weltrettende Kämpfe notwendig sind, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Dazu tragen auch die sympathischen Figuren sowie Nebengeschichten viel bei. Auch das vielleicht etwas simple Gameplay bei Alchemie und Kämpfen, gefällt mir wirklich gut, da ich durch Zeitplanung und Events auch abseits davon genug zu tun habe. Der Unlimited Modus ist zudem eine willkommene Ergänzung für Fans der neueren Atelier-Spiele, die keine Lust auf Zeitbegrenzung haben. Bedauerlich finde ich allerdings, dass drei Events hier nicht zur Verfügung stehen. Mit kleinen Anpassungen, wären diese auch im Unlimited Modus möglich gewesen. Das ist aber meckern auf hohem Niveau und schadet dem Spielspaß nicht. Wer bei einem Rollenspiel keine zu komplexen Gameplay-Systeme oder eine aufsehenerregende, actionreiche Geschichte braucht, sollte Atelier Marie Remake unbedingt eine Chance geben. Fans der Atelier-Reihe sollten sowieso zugreifen, um die Anfänge der Alchemie-Rollenspiele zu erleben.

Kurzfazit: Entspanntes Rollenspiel-Remake, das trotz simplem Gameplay mit einer schönen Geschichte, interessanten Charakteren und angenehmer Atmosphäre viel Spielspaß bietet.

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg!

Details
Titel: Atelier Marie Remake: The Alchemist of Salburg
Genre: Rollenspiel
Publisher: Koei Tecmo
Entwickler: Gust
Spieler: 1
Syteme: Nintendo Switch (getestet), PlayStation 5, PlayStation 4
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2023