Rezension: Sing „Yesterday“ for me – Vol. 1 (Blu-ray)

Rikuos Leben wird in Sing „Yesterday“ for me Volume 1 von der exzentrischen Haru und seiner heimlichen Liebe Shinako aufgewirbelt.

Seit Rikuo Uozumi vor einem halben Jahr die Universität abgeschlossen hat, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Für einen richtigen Beruf kann er sich nicht begeistern und so arbeitet er aktuell in einem kleinen Supermarkt. Dort trifft er eines Tages beim Füttern der Krähen auf die exzentrische achtzehnjährige Haru, die offensichtlich großes Interesse an Rikuo hat. Unsicher wie er mit ihr umgehen soll, entwickelt sich zwischen ihnen eine zurückhaltende Bekanntschaft. Als Rikuo zu einem Alumni-Treffen seiner ehemaligen Kommilitonen eingeladen wird, erfährt er, dass seine heimliche Liebe und beste Freundin aus Uni-Zeiten, Shinako Morinome, wieder zurück ist und nun als Lehrerin arbeitet. Obwohl er das Alumni-Treffen meidet, kommt es zum Wiedersehen mit Shinako und Rikuos Gefühlswelt gerät durcheinander. Sein bisheriges ruhiges Leben als gesellschaftlicher Außenseiter scheint durch Haru und Shinako vorbei zu sein. Doch schmerzhafte Erinnerungen aus der Vergangenheit werfen bereits ihre Schatten voraus.

Gemächliches Alltags-Drama

Basierend auf Kei Toumes von 1997 bis 2015 erschienener Manga-Reihe Yesterday o Utatte, hat das Animestudio Doga Kobo in der Frühjahrssaison 2020 die im Original gleichnamige, zwölfteilige Serienadaption umgesetzt. Sing „Yesterday“ for me Volume 1 umfasst die erste Serienhälfte und erschafft schon zum Auftakt eine melancholische Stimmung, die sich durch alle sechs Episoden zieht. Rikuo Uozumi hat nach dem Uni-Abschluss keinen richtigen Beruf gefunden und hält sich lieber mit Gelegenheitsjobs über Wasser, da er einfach nicht weiß, was er wirklich arbeiten möchte. Schon hier wird deutlich, dass Sing „Yesterday“ for me gesellschaftliche Themen anspricht und sich als ruhiges Alltagsdrama versteht. Entsprechend gemächlich und unaufgeregt bleibt die Serie. Daran ändern selbst die romantischen Verwicklungen und unterschiedlichen Verbindungen der Charaktere nichts. Selbst als Rikuo seine heimliche Liebe aus Uni-Zeiten, Shinako Morinome, wiedersieht, bleibt die Serie angenehm bodenständig. Allgemein setzt Sing „Yesterday“ for me auf nachvollziehbare, realistische Figuren und eine ebenso glaubwürdige Geschichte.

Große Wendungen sollten nicht erwartet werden. Stattdessen konzentriert sich Sing „Yesterday“ for me Volume 1 auf den Aufbau der Beziehungen von Rikuo zur exzentrischen Haru, die offensichtlich an ihm interessiert ist, und zu Shinako, die seine Liebe nicht annehmen möchte. Dabei verbergen die drei Hauptfiguren ihre persönlichen Erfahrungen und Schmerzen voreinander. Ein zentrales Thema der Serie ist das Festhalten an der Vergangenheit und der dadurch verlorene Blick auf das Hier und Jetzt. Dank der Ansiedlung in den späten neunziger Jahren erhält Sing „Yesterday“ for me dabei eine ganz eigene Stimmung, die über reine Melancholie hinausgeht. Gerade, weil die Charaktere so glaubhaft sind, fällt es leicht, sich in sie hineinzuversetzen, mit ihnen zu fühlen und ihre Gedanken nachzuvollziehen. Sobald die ersten Geheimnisse auf angenehm unspektakuläre Art enthüllt werden, ist es leicht zu verstehen, weshalb die jeweilige Person so ist, wie sie ist und was sie geprägt hat. Das gilt sowohl für Rikuo als auch für Shinako, Haru und einige relevante Nebenfiguren wie Shinakos jüngerer Kindheitsfreund Ro.

Etwas auffällig ist jedoch, dass die Serie relativ häufig mit kleinen Zufällen arbeitet. So stehen oft mehrere Charaktere irgendwie in Verbindung zueinander. Erstmals fällt das bei Rikuo, Haru und Shinako auf. Während die Verbindungen zwischen Rikuo und den beiden jungen Frauen verständlich sind, ist es schon ein ziemlicher Zufall, dass die beiden sich ebenfalls kennen und eine leicht belastete Vergangenheit haben. Solche Aspekte sind aber leicht zu akzeptieren, da sie gut in die Geschichte eingebunden werden und immer einen Mehrwert für Figuren und Handlung darstellen. Schließlich trägt beispielsweise die Bekanntschaft zwischen Haru und Shinako auch dazu bei, dass ihr Umgang miteinander anders ist als wären sie Fremde, was wiederum Einfluss auf Rikuo nimmt, der mit beiden Frauen eine jeweils eigenwillige Freundschaft führt. Anzumerken ist hier noch, dass selbst diese vermeintlichen Zufallsverbindungen immer nachvollziehbar sind und niemals unrealistisch oder übertrieben wirken. Auch hier bleibt Sing „Yesterday“ for me angenehm bodenständig. Dadurch gelingt es der Serie, sich erst recht als glaubhaftes, ruhiges und melancholisches Alltagsdrama über Liebe, Leben und die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft zu etablieren. Abgerundet wird das von den schönen, oftmals detailreichen Bildern, flüssigen Animationen und einer hochwertigen deutschen Synchronisation, die den Charakteren glaubhaft Leben einhaucht.

Fazit

Sing „Yesterday“ for me Volume 1 stellt den Auftakt einer besonderen, seltenen Anime-Serie dar. Das Alltagsdrama befasst sich mit glaubwürdigen und dennoch sehr abwechslungsreichen Charakteren, die alle ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Dabei setzt die zwölfteilige Serie, deren erste Hälfte im ersten Volume enthalten ist, nicht nur auf besonders junge Charaktere, sondern rückt mit Rikuo einen Protagonisten mit Uni-Abschluss, der bereits im Arbeitsleben verhaftet ist, in den Mittelpunkt. Vor allem, weil er als Hauptfigur nicht weiß, welcher Beruf der richtig für ihn wäre, erhält Sing „Yesterday“ for me Volume 1 früh das zentrale Thema. Doch auch die auf den ersten Blick fester in der Gesellschaft verankerte Shinako und die junge Oberschulabbrecherin Haru sind eindeutig auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Daraus ergibt sich eine melancholische Stimme, die gemeinsam mit der bodenständigen und glaubwürdigen Umsetzung von Geschichte und Charakteren viel zur Einzigartigkeit der Serie beiträgt. Gerade das hat mich von Anfang an an Sing „Yesterday“ for me Volume 1 fasziniert. Sicher, es gibt ein paar konstruierte Verbindungen zwischen verschiedenen Charakteren. Negativ wirkt sich das aber zu keiner Zeit aus, da die Glaubwürdigkeit der Serie niemals gestört wird. Damit ist Sing „Yesterday“ for me Volume 1 ein realistisches Alltagsdrama mit nachvollziehbaren Hauptfiguren, das auf jegliche unnötige Aufregung oder Wendung verzichtet. Wer sich darauf einlassen kann, erhält ungewöhnliche Anime-Unterhaltung. Aber es lohnt sich definitiv der Serie eine Chance zu geben.

Kurzfazit: Bodenständiger Drama-Serienauftakt der mit nachvollziehbaren Charakteren, einer glaubwürdigen Alltagsgeschichte und angenehm melancholischer Stimmung ungewöhnliche Anime-Unterhaltung bietet.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sing „Yesterday“ for me – Vol. 1!

Details
Titel: Sing „Yesterday“ for me – Vol. 1
Originaltitel: Yesterday o Utatte
Genre: Drama, Slice of Life, Romantik
Regie: Yoshiyuki Fujiwara
Studio: Doga Kobo
Produktionsjahr: 2020
Laufzeit: ca. 150 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Poster
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 0
Erscheinungstermin: 21. April 2022
Herstellerseite: Sing „Yesterday“ for me – Vol. 1 bei Kazé Anime

©Kei Toume/SHUEISHA, SING“YESTERDAY”FOR ME COMMITTEE