Rezension: Neck mich nicht, Nagatoro-san – Band 1 (Manga)

Nagatoro liebt es in Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 ihren Senpai auf die unterschiedlichsten Arten zu ärgern.

Eines Tages begegnet Nagatoro in der Bibliothek ihrer Schule einem schüchternen älteren Schüler. Ein gefundenes Fressen für die freche Oberschülerin und ihre Clique, die ihren Senpai mit dessen selbstgezeichneten Manga aufziehen. Er denkt noch , dass es das übliche Mobbing von Menschen ist, die sich anschließend nicht mehr an ihn erinnern, doch bereits am nächsten Tag taucht Nagatoro plötzlich im Kunstklubraum auf. Erneut beginnt sie ihn zu necken, aber scheinbar ist er der einzige, zu dem sie so ist. Und was sollen ihre gelegentlichen missverständlichen Andeutungen und Handlungen?

Neckende Oberschülerin

Seit Ijiranaide, Nagatoro-san von Mangaka Nanashi 2017 in Japan gestartet ist, erfreut sich die Reihe über die neckende Oberschülerin Nagatoro und ihren im ersten Band namenslosen Senpai großer Beliebtheit. Die Comedy-Romantik-Reihe, die Dani Books unter dem Titel Neck mich nicht, Nagatoro-san auf deutsch veröffentlicht, hat bereits eine Anime-Adaption erhalten. Dabei wirkt die Geschichte gerade zu Beginn von Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 zwar durchaus amüsant, aber auch ziemlich fies. Wie bereits die Handlungszusammenfassung erahnen lässt, hat der Senpai ordentlich unter Nagatoro zu leiden. Das geht sogar so weit, dass er aufgrund ihrer Sticheleien am Ende des ersten Kapitels in Tränen ausbricht. Hier deutet einiges auf Mobbing und daraus gewonnen Humor hin. Aber glücklicherweise gelingt es der Reihe genau in den richtigen Momenten sanfte Töne anzusprechen und beispielsweise in Zusatzzeichnungen nach einem Kapitel zu zeigen, dass Nagatoro selbst zweifelt, ob sie vielleicht zu weit gegangen ist oder dass sie unsicher ist, weshalb sie das getan hat.

Dadurch entsteht relativ bald im ersten Band das Gefühl, dass sie Interesse an ihrem Senpai hat und ihre Neckereien lediglich ihr Mittel sind, um ihm näher zu kommen. Ob hierbei bereits so früh in der Reihe von Romantik gesprochen werden kann, ist unklar. Kleinere Anspielungen diesbezüglich baut Mangaka Nanashi aber genauso regelmäßig ein wie seichte Ecchi-Elemente. Außerdem wird Nagatoro im Verlauf der Kapitel gelegentlich Opfer ihrer eigenen Taten und muss selbst unter den ungeplanten Folgen ihrer Sticheleien leiden. Natürlich versucht sie das entsprechend zu überspielen, was für einige durchaus witzige Szenen sorgt. Allgemein versteht es Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 dank des gut platzierten Humors und dem starken Fokus auf die beiden Hauptfiguren, kurzweilige Genre-Unterhaltung zu bieten. Die Neckereien gehen glücklicherweise nicht zu weit, es gibt immer wieder Momente in denen sie sogar wegfallen und stattdessen sanftere, freundlichere Töne angesprochen werden. Aufgrund der Einstufung als romantische Komödie ist zudem zu erahnen, worauf die mit dreizehn Bänden in Japan noch nicht abgeschlossene Reihe hinausläuft.

Bei den Zeichnungen liegt der Fokus wie bei der Geschichte eindeutig auf den Charakteren. Nagatoro und ihr Senpai sind detailreich gezeichnet und brillieren mit einer lebendigen Mimik und Gestik. Besonders Nagatoros freche Persönlichkeit und Senpais schüchterne Zurückhaltung sind immer wieder gekonnt umgesetzt. Unterstrichen wird das von Nebenfiguren, deren Gesichter gar nicht ausgearbeitet sind. Daran wird deutlich, wie unwichtig sie für Nagatoro sind und zugleich werden sie und Senpai noch mehr in den Mittelpunkt des Mangas gerückt. Hervorgehoben werden muss die hochwertige Umsetzung, die Dani Books Neck mich nicht, Nagatoro-san spendiert. Das fängt bereits beim sich flauschig anfühlenden Einband an und geht über, in für Manga ungewöhnlich wertiges Papier bis hin zur hervorragenden deutschen Übersetzung, die sogar Suffixe wie die san-Endung und andere gerne angepasste japanische Besonderheiten beibehält. Dadurch sticht Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 auch abseits der unterhaltsamen Geschichte hervor.

Fazit

Anfangs war ich ein wenig skeptisch, was die grundlegende Handlung von Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 angeht. Eine Oberschülerin, die ihren älteren Mitschüler unaufhörlich ärgert und dabei auch mal zu weit geht, grenzt schon stark an Mobbing im Comedy-Genre. Manchmal mag es auch so wirken und es wird schnell deutlich, dass der namenlose Senpai diesbezüglich einiges durchmachen musste. Aber Neck mich nicht, Nagatoro-san Band 1 bekommt relativ früh die Kurve und schafft es stattdessen, eine kurzweilige und witzige Comedy-Romantik-Geschichte über eine ihren Mitschüler aufziehende Oberschülerin zu erzählen. Alleine dadurch, dass Nagatoro offensichtlich in irgendeiner Weise Interesse an ihrem Senpai hat – sie es nun freundschaftlich oder romantisch – wird die Härte aus ihren Neckereien genommen. Zusätzlich lockeren regelmäßige sanfte, peinliche oder ruhige Szenen den Manga genau in den richtigen Momenten auf, so dass die Beziehung der beiden Hauptfiguren nicht ausschließlich auf den Streichen von Nagatoro basieren. Dass der Senpai sie nicht ablehnt, trägt ebenfalls dazu bei, dass der Manga als unterhaltsamer Genre-Vertreter funktioniert. Gerade für die kommenden Bände erwarte ich mir außerdem mehr Charakterentwicklung sowie eine wachsende Bindung der beiden Hauptfiguren zueinander. Sollte das erfüllt werden, hat Neck mich nicht, Nagatoro-san das Potenzial zu einer witzigen Comedy-Romantik-Reihe. Genre-Fans können ruhig einen Blick wagen.

Kurzfazit: Kurzweiliger Comedy-Romantik-Auftaktmanga der den Fokus auf das gut ausgearbeitete Hauptfigurenduo legt und mit Witz, frechen Streichen, angedeuteter Romantik sowie ruhigen Momenten unterhält.

Details
Titel: Neck mich nicht, Nagatoro-san – Band 1
Originaltitel: Ijiranaide, Nagatoro-san
Genre: Comedy, Romantik
Verlag: dani books
Story & Zeichnungen: Nanashi
Seiten: 164
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-95956-171-6
Verlagsseite: Neck mich nicht, Nagatoro-san – Band 1 bei dani books
Erscheinungsdatum: 29. April 2022

© Nanashi/Kodansha Ltd. / dani books