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Mai 14 2017

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Rezension: Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova (Blu-ray)

Am 15. Mai erscheint Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova als limitierte Komplettbox mit allen 12 Episoden bei KSM Anime.

In der nahen Zukunft, Teile der Landmassen sind unter anderem durch die Erderwärmung verloren gegangen, taucht plötzlich eine Bedrohung für die Menschheit auf: die Nebelflotte. Selbstständig agierende Kriegs-Schiffe und U-Boot gegen deren überlegene Technologie die menschlichen Kriegsmaschinerie nichts entgegen zu setzen hat. In Folge des Kampfes verliert die Menschheit die Kontrolle über die Meere und sämtliche Kommunikationswege zwischen den Staaten werden gekappt. Siebzehn Jahre später erhält der Marineoffizierskadette Gunzō Chiaya mit einigen Kameraden Zugang zu einem Geheimnis der japanischen Marine. Das gekaperte Nebelflotten-U-Boot I-401 erwacht durch die Berührung des gedankenvollen Jungen und offenbart sich ihm kurz darauf in Gestalt des Mädchens Iona. Die Personifizierung des feindlichen U-Boots hat nur einen Befehl: „Finde Gunzō Chiaya und folge ihm.” Gemeinsam mit einigen Kameraden treten sie in den Kampf gegen den Nebel.

Kaltstart

Angesichts der Story-Beschreibung und des Trailers lässt sich leicht annehmen, dass Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova in den ersten Episoden die Konzentration auf die Zusammenfindung von Gunzō, Iona und der restlichen Crew der I-401 legt. Doch dem ist nicht so. Statt sich mit langen Einführungen und Erklärungen aufzuhalten, steigt die Serie nach einem kurzen Prolog mit den wichtigsten Informationen zur Weltlage in die Action ein. Noch bevor ein Rückblick auf die Ereignisse zwei Jahre zuvor, erläutert wie Gunzō und Iona sich getroffen haben, darf ein erster Kampf zwischen I-401 und einem einfachen Kreuzer der Nebelflotte bewundert werden. Bereits hier fällt auf, dass Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova kein handgezeichneter, sondern ein komplett durch CGI entstandener Anime ist.

Die zwei Jahre zwischen Serienbeginn und Rückblick werden abseits von Erwähnungen in Dialogen nicht berücksichtigt. Damit setzt die Geschichte zu einem Zeitpunkt an, zu dem Gunzō, Iona und die restliche Crew der I-401 schon seit einiger Zeit zusammen kämpfen und Erfahrung gesammelt haben. Wie es dazu kommt, dass sich Sou, Kyouhei, Iori und Shizuka den beiden Protagonisten anschließen ist irrelevant. Die sympathische Besatzung der I-401 ist einfach da und befolgt die Befehle ihres Kapitäns – wenn auch nicht immer ohne amüsante Widerworte oder Beschwerden. Unlogisch erscheint diese Loyalität jedoch zu keinem Zeitpunkt. Das liegt einmal an der Art der Interaktion der Charaktere und zum anderen an kurzen Auftritten fast aller Crewmitglieder im Rückblick auf Gunzōs Zeit an der Marineakademie. Demnach kann darauf geschlossen werden, dass es sich bei ihnen um Freunde des Kapitäns der I-401 handelt.

Bewusstseinsfragen

Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova ist mit seinen zwölf Episoden in Sachen Geschichte eher einfach gehalten. Gunzō und die anderen kämpfen unter ihrem eigenen Befehl gegen die Nebelflotte, nehmen Aufträge an und versuchen ihre eigenen Ziele und Wünsche zu erreichen. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufgabe einen neuen Sprengkopf, der gegen die Nebelflotte helfen soll, von Japan nach Amerika zu bringen. Fertig. Mit groß komplizierten oder komplexen Nebenhandlungen oder Hintergrundgeschichten hält sich Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova nicht auf. Und das ist auch gut so. Der Unterhaltungswert ist gegeben, die Handlung spannend und interessant. Zu viele zusätzliche Aspekte würden hier nur unnötige Abweichungen einbringen. Außerdem ist es dadurch möglich den Fokus auf den eigentlichen Mittelpunkt der Serie zu legen: die Charaktere und ihre Entwicklung.

Wer hier nun annimmt, dass damit Iona und Gunzō gemeint sind, liegt nur teilweise richtig. Der Kapitän der I-401 ist recht schnell erklärt und kommt ohne größere Entwicklung daher. Sein Vater starb im Kampf gegen die Nebelflotte, er ist ein Außenseiter, intelligent und taktisch versiert. Stattdessen nehmen die als Mental Models bezeichneten Avatare der Schiffe und U-Boote zentrale Rollen ein. Ihre Entwicklung ist es, die den größten Reiz an Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova ausmachen. Wirklich neu ist die Thematik von lebenden Computern, die Gefühle simulieren und ihre eigene Existenz in Frage stellen und sich langsam entwickeln nicht. Gerade durch Iona, Takao und Kongou ist die gelungen. Takao hat bereits in Episode zwei ihren ersten Auftritt und könnte als dritte Hauptfigur bezeichnet werden. Ihre Entwicklung ist mit am besten nachzuvollziehen. Kongou hingegen tritt als Antagonistin und starre Verfechterin der Nebelflotte auf. Allerdings sind es nicht nur diese drei. Neben ihnen treten weitere Mental Models auf und nehmen wichtige Rollen ein. So überrascht die Serie im zweiten Drittel sogar damit, die Konzentration zeitweise gänzlich von Gunzō, Iona und den anderen zu lösen und stattdessen das Schicksal zweier Mental Models zu verfolgen. Das ist gerade deshalb großartig, weil die Serie dadurch eine unerwartete Wendung nimmt und massiv an Qualität gewinnt.

Wandlung

Allgemein ist auffällig wie stark sich Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova entwickelt. Wirkt es nach den ersten vier Episoden so, als würde ein klares Konzept verfolgt, das zwar gute Action verspricht, aber etwas zu simpel ausfällt, durchbricht die Serie dieses bereits kurz darauf. Die anschließend geschaffene Spannung und Qualität kann bis zum Ende gehalten werden. Das gelingt durch unerwartete Wendungen, die den weiteren Verlauf der Serie bestimmen und immer wieder überraschen. Da verzeiht man der Serie gerne die seichte Geschichte. Ergänzt wird diese gekonnt von den etwas eigenartig wirkenden Romantik-Elementen, die meist in witzigen Szenen verpackt sind und den zwar eher kleinen, aber durchaus gelungenen Comedy-Anteil sinnvoll ergänzen, genutzt.

Wie bereits erwähnt hat Studio Sanzigen bei der Umsetzung von Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova auf klassische Animationstechniken verzichtet und stattdessen einen CGI-3D-Look erschaffen. Mancher Anime-Fan wird der Serie schon deshalb kaum eine Chance geben: zu unrecht! Gerade anfangs wirken ein paar Bewegungen und Details zwar noch befremdlich, doch schon nach kurzer Zeit hat man sich an die Optik gewöhnt und erkennt die Stärken, die sich daraus ergeben. Fast immer flüssige Animationen, stets passende Proportionen und Seeschlachten mit Effektgewitter der Extraklasse. Besonders bei letzterem kann die CGI-Technik ihre Stärke ausspielen. Aber auch bei den individuellen Charaktermodellen mit hohem Wiedererkennungswert und den Schiffen und U-Booten glänzt das Design. Unterstützt wird das Ganze von einer gelungenen bis exzellent eingesetzten Musikuntermalung und der sehr guten deutschen Synchronisation.

Fazit

Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova hat mich überrascht. Durch Trailer und Story-Beschreibung habe ich einen Standard-Action-Military-Anime mit Jugendlichen, die sich in ihrer Situation und Gruppe zurecht finden müssen, erwartet. Doch die Serie nimmt bereits von Anfang an einen anderen Weg und ignoriert mögliche Zusammenführungen oder Hintergrundgeschichten, um die Konzentration stärker auf die Entwicklung der Mental Models zu legen. Besonders überraschend dabei ist, dass es nicht so wirkt, als kämen andere Figuren zu kurz oder wären Fehl am Platz. Bedauerlich ist allerdings, dass einige zentrale Fragen nur gelegentlich angedeutet, aber niemals wirklich zu einem Bestandteil der Serie gemacht werden. Es ist zu bezweifeln, dass die filmische Zusammenfassung und Fortsetzung von Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova hier Antworten liefert, weshalb ich hoffe, dass eine zweite Staffel produziert wird. Verdient hätte die Serie es auf jeden Fall. Außerdem würde ich mich über ein Wiedersehen mit Iona, Takao, Kongou, Haruna, Kirishima, Gunzō und all den anderen freuen.

Kurzfazit: Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova ist sicherlich kein Meisterwerk, kann Anhänger von Science-Fiction-Action-Animes aber durch die spannende Geschichte und besonders die gelungene Charakterzeichnung und -entwicklung hervorragend unterhalten. Unerwartete Wendungen sorgen zudem für Überraschungen.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova!

Details
Titel: Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova
Genre: Science-Fiction, Action
Regie: Seiji Kishi
Studio: Sanzigen
Produktionsjahr: 2013
Laufzeit: ca. 291 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 15. Mai 2017
Herstellerseite: Arpeggio of Blue Steel: Ars Nova bei KSM Anime

Bilder Copyright Sanzigen / KSM Anime

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