Rezension: Ereban: Shadow Legacy (PS5)

Um mehr über ihre Herkunft zu erfahren, schließt sich Ayana in Ereban: Shadow Legacy dem Widerstand gegen die Helios Corporation an.
Fast genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung für den PC, ist Ereban: Shadow Legacy im April 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erschienen. Das Debüt-Werk von Baby Robot Games verknüpft Stealth-Gameplay mit Platforming und einer eigenständigen Mechanik. Zudem wurden die Konsolen-Versionen technisch ein wenig aufgewertet und angepasst. Am grundlegenden Spielprinzip oder Inhalt hat sich jedoch nichts verändert, sodass weiterhin die zwar spannende, aber manchmal etwas zu oberflächlich erzählte Science-Fiction-Geschichte, die bereits von der PC-Version bekannt ist, erzählt wird. Dabei überzeugt Ereban: Shadow Legacy mit einem atmosphärischen Szenario.
Schattenhaftes Schleichen
Nach einer großen Energiekrise, die die Helios Corporation beenden konnte, hat der Konzern die Macht übernommen. Ayana, die vermutlich letzte Ereban, geht auf ein Angebot des Unternehmens ein, da ihr versprochen wird, dass sie mehr über ihre Herkunft erfahren kann. Allerdings will Helios die besonderen Fähigkeiten von Ayana für eigene Zwecke nutzen. Mit Hilfe der Rebellen kann Ayana entkommen und schließt sich eher unfreiwillig dem Kampf gegen Helios an. Schließlich scheint der Konzern wirklich etwas über den Verbleib der Ereban zu wissen und die Rebellen sind Ayanas einzige Chance, an die Informationen zu gelangen. Gerade zu Beginn fällt auf, dass Ayana mit schnippischen Kommentaren ihren Widerwillen über ihre Zusammenarbeit mit den Rebellen etwas zu oft kundtut. Allgemein ist die Protagonistin scheinbar unnahbar, wächst aber trotzdem mit der Zeit ans Herz. Das gilt auch für andere Figuren, obwohl Ereban: Shadow Legacy weder bei der Geschichte noch der Charakterdarstellung übermäßig glänzt. Viele Dialoge dienen lediglich der Erklärung von Fakten und die Handlung braucht nicht nur etwas, um in Fahrt zu kommen, sondern plätschert zeitweise auch vor sich hin. Gelungene Wendungen und die trotzdem ausreichend sympathischen Charaktere gleichen das aber etwas aus.
Beim Gameplay setzt Ereban: Shadow Legacy im Kern auf bekannte Stealth-Mechaniken. Ayana ist nicht in der Lage zu kämpfen. Die Kampfroboter der Helios Corporation können lediglich schleichend von hinten oder per Sprungangriff von oben ausgeschaltet werden. Entsprechend wichtig ist es, verborgen zu bleiben, überlegt zu agieren und Feinde zu umgehen. Die linearen, aber manchmal weitläufigeren Level bieten dafür genug Möglichkeiten. Zumal Ayana als Ereban über eine besondere Fähigkeit, die das zentrale Gameplay-Element darstellt, verfügt: sie kann mit den Schatten verschmelzen. Überall wo kein Licht hinfällt, kann Ayana in Boden oder Wände, aber nicht Decken, eintauchen und entlang gleiten. Dadurch eröffnen sich neue Wege, etwa wenn beweglicher Schatten ausgenutzt wird, um heimlich einen Abgrund zu überqueren. Doch Vorsicht vor Suchscheinwerfern; sobald Ayana ins Licht kommt, löst sich ihre Fähigkeit und sie verlässt die Schatten. Unpraktisch, wenn das in der Nähe von Gegnern oder zu großer Höhe passiert. Gitter kann Ayana zudem als Schatten durchqueren, wodurch sich ebenfalls neue Wege ergeben.
Ungenutzte Möglichkeiten
So spannend die Schattenmechanik klingt, so unausgereift ist sie. Zwar funktionieren die Ansätze wirklich gut, doch Baby Robot Games ist etwas zu zögerlich im Umgang mit dem besonderen Merkmal von Ereban: Shadow Legacy. Gerade Rätsel gibt es viel zu wenige und die meisten sind lediglich Türöffner oder dergleichen. Wirkliche Kopfnüsse oder ein kreativer Umgang mit Licht und Schatten bleibt aus. Das ist gerade angesichts des Potentials von Ayanas Fähigkeit bedauerlich. Zumal es in den Leveln einige Geheimnisse zu entdecken gibt, die gut versteckt sind, was zum Erkunden motiviert. Rätsel hätten hier noch mehr Abwechslung und ein spannenderes Gameplay bedeutet. Auch angesichts der Verbesserungen für Ayanas Fertigkeiten und Werkzeuge. Mit gefundenen Ressourcen lassen sich Hologramm-Werfer und ähnliche praktische Geräte genauso wie die Schattenfähigkeit verstärken. Das fällt aber zu oberflächlich aus und bleibt hinter den Möglichkeiten zurück.
Allgemein nutzt Ereban: Shadow Legacy das vorhandene Potential zu wenig. Da können auch kleinere Nebenquests und Sammelgegenstände sowie die Wertungen am Ende eines Levels, die zum erneuten durchspielen animieren, wenig ändern. Doch nicht falsch verstehen: trotz der ungenutzten Möglichkeiten und dem sich daraus ergebenden etwas zu sehr am Genre-Standard liegenden Stealth-Gameplay, ist Ereban: Shadow Legacy spaßig. Setting, Geschichte, Charaktere und Gameplay sind kurzweilig und wissen bis zum Ende zu motivieren. Je nach Spielweise seid ihr etwa fünf bis zehn Stunden beschäftigt bis ihr den Abspann seht. Wollt ihr wirklich alles, inklusive der unterschiedlichen Enden, sehen, dürft ihr noch einige Stunden darauf rechnen. Grafisch und technisch überzeugt der Stealth-Platformer ebenfalls. Der leicht comichafte Grafikstil ist schick und passt zur Stimmung, Ruckler oder Bugs sind während des Tests ebenfalls nicht aufgefallen. Dazu gesellt sich eine passende Musik und Sounduntermalung sowie eine sehr gute englische Synchronisation, bei der besonders die Sprecherin von Ayana überzeugt. Die deutschen Untertitel sind ebenfalls gelungen.
Fazit
Ereban: Shadow Legacy hat schon bei der PC-Veröffentlichung mein Interesse geweckt. Mit der PlayStation-5-Version konnte ich den Stealth-Platformer nun nachholen, bin aber nicht vollends überzeugt. Zwar hatte ich nach einem etwas zähen Anfang durchaus Spaß mit Ayanas Geschichte und dem Schleichen durch die Level, aber einige Schwächen trüben den positiven Eindruck. Besonders das ungenutzte Potential ist bedauerlich. Die Schatten-Fähigkeit könnte deutlich kreativer genutzt werden und mehr Rätsel hätten ebenfalls für Abwechslung gesorgt. Trotzdem sollten Genre-Fans dem Debüt-Werk von Baby Robot Games eine Chance geben.
Kurzfazit: Trotz Schwächen und ungenutztem Potential, ist Ereban: Shadow Legacy ein motivierender und spaßiger Stealth-Platformer mit durchaus spannender Science-Fiction-Geschichte, gelungener Protagonistin und stimmungsvollem Setting.
Vielen Dank an Selecta Play & Baby Robot Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ereban: Shadow Legacy!
Details
Titel: Ereban: Shadow Legacy
Genre: Stealth, Platformer
Publisher: Selecta Play
Entwickler: Baby Robot Games
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 5 (getestet), Xbox Series X|S, PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 16. April 2026
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