Rezension: Nana – Band 1 (Manga)

Nana Komatsu und Nana Osaki könnten nicht unterschiedlicher sein, doch beide entwickeln in Nana Band 1 aufgrund ihrer Beziehungen die Sehnsucht nach Tokyo zu ziehen.

Die Oberschulzeit von Nana Komatsu war von zahlreichen unerfüllten Lieben und Schwärmereien erfüllt. Seit ihrem ersten Jahr an der Oberschule hat sie sich immer wieder aufs Neue auf den ersten Blick verliebt und schließlich in dem verheirateten Asano eine Erfüllung ihrer Sehnsucht nach einer Beziehung gefunden. Zumindest scheinbar, denn mehr als eine Affäre war sie nicht und als Asano nach Tokyo versetzt wird, endet Nanas Liebe plötzlich und schmerzhaft. Als sie mit ihrer Freundin Junko die Kunst-Fachhochschule ihrer kleinen Stadt besucht, lernt sie den gutaussehenden Shoji kennen. Aber Nana will sich ändern und versucht eine Freundschaft zu Shoji und dessen Freund Kyosuke aufzubauen. Doch Teile der Clique zieht es nach Tokyo und Nana droht wieder alleine zurückzubleiben. Nana Osaki hingegen lebt in einer kleinen Hafenstadt und ist die Sängerin der beliebten Underground-Punkband Blast. Nach einer schweren Kindheit und Jugend hat sie im Leben mit ihrem Bandkollegen, dem beliebten Ren, endlich einen Platz für sich gefunden. Aber dann offenbart Ren ihr, dass er, um Profimusiker zu werden, nach Tokyo zieht, was das Ende ihrer Beziehung bedeuten würde.

Unterschiedliche Personen…

Ai Yazawas Manga-Reihe Nana gehört zu den wahrscheinlich erfolgreichsten und beliebtesten Romantik-Dramen und hat der Mangaka, die auch bekannte Werke wie Paradise Kiss, Gokinjo Monogatari oder Kagen no Tsuki: Im letzten Viertel des Mondes verfasst hat, viele Fans außerhalb Japans eingebracht. Die mit einundzwanzig Bänden noch nicht abgeschlossene, aber in Japan seit 2009 pausierte Romantik-Drama-Reihe erzählt von zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen, die ihr gemeinsamer Vorname verbindet. Nana Komatsu ist leichtgläubig, weinerlich, unselbstständig und verliebt sich schnell. Direkt zu Beginn von Nana Band 1 wird gezeigt, wie sich ihr Freund, der verheiratete und einige Jahre ältere Asano von der siebzehnjährigen Oberschülerin trennt, weil er nach Tokyo versetzt wird. Dieses Ereignis ist wichtig für den weiteren Werdegang von Nana Komatsu im Auftakt der Romantik-Drama-Reihe. So folgt der erste Teil des Mangas ausschließlich ihrem weiteren Leben.

Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Junko besucht Nana die örtliche Kunst-Fachhochschule. Dort lernt sie Shoji, einen alten Mittelschulfreund von Junko, sowie dessen Freund Kyosuke kennen. Um einen Neustart zu wagen und sich zu verändern, will Nana trotz ihres Interesses an Shoji nur mit ihm befreundet sein. Das führt zu einigen tragischen wie amüsanten Missverständnissen. Gleichzeitig wird durchaus glaubhaft erzählt, wie sich Nana, Junko, Shoji und Kyosuke entwickeln. Inklusive kleiner Zeitsprünge, unterstreicht Nana Band 1 den weitgehend glaubhaften Werdegang der jungen Erwachsenen und wie sie beginnen ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Nur Nanas weinerliche und oft hilflose Persönlichkeit kann mitunter etwas nervig sein. Allgemein fällt der erste Teil von Nana Band 1 in Teilen etwas schleppend aus, was auch den manchmal übertrieben dramatischen Entwicklungen und Wendungen zu geschuldet ist. An der grundsätzlich hohen Qualität der Geschichte ändert das aber nichts, zumal sich Nana weiter entwickelt und spätestens mit dem Abschluss ihres Handlungsbogens wird deutlich, dass lediglich ihr Prolog erzählt wurde.

…ähnliches Schicksal

Ähnlich verhält es sich bei Nana Osaki. Die Schulabbrecherin und Sängerin der beliebten Underground-Punkband Blast lebt mit ihrem Bandkollegen und Freund Ren zusammen. Dabei konzentriert sich die Geschichte gleichermaßen auf die Vorstellung der wichtigsten Figuren, die Beziehung von Nana und Ren sowie die Wendungen, die große Veränderungen im Leben von Nana, Ren und den anderen bedeuten. Dafür arbeitet Mangaka Ai Yazawa mit einigen Rückblicken, um schrittweise die Geschichte von Nana voranzubringen und wichtige Momente aus ihrem gemeinsamen Leben mit Ren hervorzuheben. Weitere Lücken werden in den Gesprächen relativ natürlich und nur selten konstruiert wirkend geschlossen. Dadurch fällt es leicht, Nana kennenzulernen, sie ins Herz zu schließen und mit ihr zu fühlen. Besonders deshalb funktioniert der zweite Handlungsbogen von Nana Band 1 besser als die Geschichte von Nana Komatsu.

Wenig überraschend setzt auch die Geschichte von Nana Osaki auf sehnsuchtsvolle Liebe, eine schmerzhafte Trennung und die geweckte Sehnsucht, aus eigener Kraft den Weg nach Tokyo zu finden. Das ist gefühlvoll erzählt und weiß gerade dank der gelungenen Inszenierung und der sympathischen Protagonistin mitzureißen. Ähnlich wie bei Nana Komatsu weckt das Ende von Nana Osakis Geschichte Neugier an der Fortsetzung, zumal auch hier lediglich der Prolog erzählt wurde. Angesichts der noch ausstehenden zwanzig Bände, bleibt reichlich Zeit für die Entfaltung der Charaktere und ihres Lebens, weshalb auch die teilweise etwas langsame Erzählweise nicht negativ auffällt. Vielmehr ist es gut, dass sich Mangaka Ai Yazawa den Figuren und ihren Anfängen ausführlich widmet. Umso interessanter wird es, wenn die Geschichte im zweiten Band weitergeht. Unterstützt wird die gefühlvolle, oft emotionale, aber auch amüsante, dramatische und leichtgängige Atmosphäre von den detailreichen Zeichnungen. Der Stil von Ai Yazawa ist sehr individuell, was besonders den Charakteren zugutekommt. Lebhafte Mimik und einige stilisierte Darstellung, besonders in humorvollen Szenen, runden die Zeichnungen gemeinsam mit besonders hervorgehobenen Bildern für wichtige Momente ab.

Fazit

Da Nana schon lange auf meiner Liste für Manga-Reihen, die ich unbedingt nachholen will, steht, ist die Neuauflage von Panini eine gute Gelegenheit, die Geschichte der beiden Nanas endlich zu lesen. Nana Band 1 war dann doch ein wenig überraschend. Die Geschichte ist etwas anders als erwartet, hat mich aber trotzdem schnell gefesselt. Das gilt auch für den Handlungsbogen von Nana Komatsu, der sich zwar etwas anstrengender liest, aber dennoch wirklich bewegend und mitreißend ist. Zumal Nana Komatsu trotz all ihrer Schwächen sympathisch und liebenswert ist – gerade aufgrund all der Dinge, die sie bisher erleben musste. Ähnliches gilt für Nana Osaki, die dank Rückblicken viel Tiefe erhält. Dass beide ein ähnlich schweres Schicksal mit Liebe und ihrem Wunsch nach Tokyo zu ziehen haben, verbindet sie. Gleichzeitig stellt Nana Band 1 lediglich den Prolog ihrer jeweiligen Geschichte dar, weshalb ich vom Nachfolger noch mehr erwarte – insbesondere das mehr als offensichtliche Treffen der beiden ungleichen Nanas. Fans vielschichtiger und tiefgründiger Romantikdrama-Geschichten, sollten Nana Band 1 unbedingt eine Chance geben. Für Fans der Reihe und von Mangaka Ai Yazawa bietet die Neuauflage die perfekte Gelegenheit, die Geschichte noch einmal zu erleben.

Kurzfazit: Gefühlvoller Romantik-Drama-Manga, der zum Auftakt den Prolog der beiden sympathischen und sehr unterschiedlichen Protagonistinnen erzählt und trotz Schwächen mit einer vielschichtigen und tiefgründigen Geschichte begeistert.

Vielen Dank an Panini für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nana – Band 1!

Details
Titel: Nana – Band 1
Originaltitel: Tonari no Neko to Koi Shirazu
Genre: Romantik, Drama
Verlag: Panini Manga
Mangaka: Ai Yazawa
Seiten: 184
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-7416-4384-2
Verlagsseite: Nana – Band 1 bei Panini Manga
Erscheinungsdatum: 26. August 2025

© 1999 Yazawa Manga Seisakusho / Ai Yazawa / Shueisha Inc.
© 2025 Panini-Verlags-GmbH