Rezension: Chainsmoker Cat

Yani führt als kettenrauchender Katzen-Tiermensch in Chainsmoker Cat ein Leben in Armut und verbringt viel Zeit mit ihren genauso problembehafteten Freundinnen.

Katzenmädchens Yaniko „Yani“ Satou ist enorm süchtig nach Nikotin und lebt in einer vermüllten, verdreckten Wohnung. Aufgrund ihres gedankenlosen Verhaltens und ihrer desinteressierten Einstellung sowie vor allem ihrem extremen Zigarettengenuss, verliert Yani regelmäßig ihre Arbeit. Deshalb kann sie ihre Miete nicht bezahlen und gerät regelmäßig mit ihrem eigentlich freundlichen Vermieter Ouya Ootani, der einen starken Tiermenschenfetisch hat, aneinander. In dem heruntergekommenen Mietshaus wohnen außerdem noch weitere Katzenmädchen, die alle ihre eigenen Laster und Probleme haben. Yakuko ist Drogenabhängig und Aruko trinkt durchgehend Alkohol. Ein wenig Unterstützung erhält Yani von ihrer kleinen Schwester Imoko, die ihre geliebte Schwester fest im Griff hat und hart zu ihr sein kann – besonders wenn es ums Rauchen geht. Gemeinsam mit ihren Nachbarinnen und Freundinnen, versucht Yani das alltägliche Chaos zu bewältigen.

Rauchendes Katzenmädchen

Chainsmoker Cat ist eine derbe Alltagskomödie, die manchmal schon am Rande der Tragödie wandelt, und sich mit ernsten Themen wie Sucht und Rassismus nicht zurückhält. Gleichzeitig setzt die Adaption der in Japan noch nicht abgeschlossenen Manga-Reihe Yani Neko auf reichlich schwarzen Humor und so manche Anzüglichkeit inklusive Fäkalhumor. Dabei wird Chainsmoker Cat in den zwölf Episoden manchmal wirklich böse und setzt auf derbe Überzeichnungen sowie Darstellungen, die nicht jedem Anime-Fan gefallen werden. Deshalb gilt: könnt ihr mit deftigen Witzen, rauchenden, saufenden und drogennehmenden Charakteren sowie so manch bissigem Kommentar wenig anfangen, dürfte euch Chainsmoker Cat wenig unterhalten. Genauso verfolgt die Slice-of-Life-Comedy-Serie keinen wirklichen roten Faden. Vielmehr erzählen die Episoden verschiedene, teilweise zusammenhängende Ereignisse aus dem Leben der Figuren – und das ist bei Yani und den anderen alles andere als einfach.

Schließlich lebt Yani in eher ärmlichen Verhältnissen. Ihre Wohnung ist zugemüllt und heruntergekommen, was jedoch eindeutig mit ihrer heftigen Nikotinsucht zusammenhängt. Schon wenige Minuten ohne Zigarette können bei dem Katzenmädchen Entzugserscheinungen auslösen. Ähnlich verhält es sich bei ihrer kindlich wirkenden Nachbarin Aruko, wenn es um Alkohol geht. Glorifiziert wird Rauchen aber genauso wenig wie Alkohol- oder Drogenkonsum. Vielmehr werden die negativen Folgen sehr deutlich und teilweise überzeichnet dargestellt. Allerdings will Chainsmoker Cat keine rein gesellschaftskritische Serie sein, auch wenn entsprechende Themen durchaus angesprochen werden. So wird die Behandlung von Tiermenschen immer wieder aufgegriffen und es ist offensichtlich, dass sie trotz einer vermeintlichen Gleichstellung oft noch immer diskriminiert werden. Zwar gilt das nicht für alle, trotzdem fallen solche eindeutig rassistischen Ressentiments ansprechende Szenen auf, werden aber oft auch für den bitterbösen Humor genutzt. Verwunderlich ist das nicht, schließlich nimmt sich Chainsmoker Cat zu keiner Zeit ernst. Dadurch werden gerade noch ernste Momente schnell für derbe Witze verwendet und somit etwas entschärft oder sogar noch unterstrichen.

Problembehaftete Tiermenschen

Zugleich versteht es die Slice-of-Life-Comedy-Serie besonders, mit den Figuren zu überzeugen. Yani, Yakuko, Aruko, Imoko und die anderen Charaktere sind großartig geschrieben und zeigen im Laufe der zwölf Episoden ausreichend neue Seiten ihrer Persönlichkeit. Vor allem Blicke in ihrer Vergangenheit tragen zum besseren Verständnis bei und offenbaren teilweise, wie sie so geworden sind. Denn Yani, Yakuko und Aruko sind nicht die einzigen Bewohner des Wohnhauses mit Problemen. So versucht sich Hameko als Streamerin und leistet sich dabei immer wieder große Fehler, die ihr sogar eine Accountsperre einbringen. Außerdem kann sie extrem reagieren, wenn es um Videospiele geht. Kansai hingegen versucht immer witzig zu sein und erzählt in den falschen Momenten absolut unpassende Witze, die zudem überhaupt nicht lustig sind. Penpen hingegen ist obdachlos und versucht ihre Lage mit einer vermeintlich philosophischen Weltsicht und der Ablehnung von Besitz besser darzustellen. Mangaka Saori hingegen ist neben Vermieter Ouya der einzige Mensch in dem Wohnkomplex, steht den anderen hinsichtlich Problemen und exzentrischem Verhalten aber in Nichts nach. Vermieter Ouya wiederum hat einen starken Tiermenschenfetisch und ist schnell sexuell erregt, was sich sehr deutlich bei ihm zeigt. Dazu gesellen sich einige herrliche Nebencharaktere wie Yanis Mutter Shizue, Imokos Mitschülerin Yomuko oder Kansais Bruder Shunran.

Ein weiterer Garant für die großartige Unterhaltung sind die chaotischen, abgedrehten und oftmals bekloppten Alltagssituationen, in die Yani und die anderen geraten. Oft selbstverschuldet, manchmal durch Zufall oder Pech, strotzt Chainsmoker Cat vor wilden Ideen, die immer wieder großartigen Humor herbeiführen und zum Lachen einladen – zumindest, wenn ihr etwas mit dem Humor anfangen könnt. Dabei glänzt die Slice-of-Life-Comedy-Serie mit hervorragenden Animationen, die jede Szene perfekt zur Geltung bringen und mit flüssigen Darstellungen der Figuren, detailreichen Charakterdesigns mit hohem Wiedererkennungswert und einigen grandios inszenierten Szenen aufwarten. Dazu gesellt sich die hochwertige deutsche Synchronisation, die der japanischen Originalvertonung in Nichts nachsteht und den Figuren nicht nur glaubhaft Leben einhaucht, sondern maßgeblich zum herrlichen Humor beiträgt. Die Sound- und Musikuntermalung runden die Serie gekonnt ab und besonders Opening und Ending tragen viel zur Stimmung bei.

Fazit

Anfangs war ich ein wenig skeptisch, ob mir Chainsmoker Cat gefallen wird. Trotzdem stand die Serie auf meiner aus Zeitgründen eher kurzen Liste aus Serien, denen ich direkt eine Chance geben wollte und bei denen ich schließlich Woche für Woche dabei geblieben bin. Die Slice-of-Life-Comedy-Serie hat mich schon mit der ersten Episode mit dem derben und überaus witzigen Humor überzeugt. Es ist trotz der ernsten und harten Themen ein großer Spaß, Yani und die anderen in ihrem chaotischen Alltag zu begleiten und mitzuerleben, wie heruntergekommen sie wirklich sind. Dabei schafft es Chainsmoker Cat trotz reichlich Albernheiten und deftigen Witzen sowie sexuellen Anspielungen, Fäkalhumor und so manch etwas ekliger Szene, auch den ernsten Themen wie Sucht oder Rassismus angemessen Raum zu geben. Diese Gratwanderung ist großartig und gelingt auch dank den abgedrehten, herausragenden Charakteren. Tatsächlich hat mich Chainsmoker Cat sogar in Szenen zum Lachen gebracht, bei denen ich nicht damit gerechnet habe. Nach dem Ende hoffe ich, dass die Slice-of-Life-Comedy-Serie eine zweite Staffel erhält, um ein Wiedersehen mit Yani und den anderen zu ermöglichen. Wer etwas mit derbem und bösem Humor anfangen kann, sollte Chainsmoker Cat eine Chance geben.

Kurzfazit: Unterhaltsame Slice-of-Life-Comedy-Serie, die derben, bitterbösen Humor mit ernsten Themen und großartigen Charakteren vereint.

Details
Titel: Chainsmoker Cat
Originaltitel: Yani Neko
Genre: Alltagskomödie, Fantasy, Drama
Regie: Taku Kimura
Studio: Bibury Animation Studios
Produktionsjahr: 2026
Laufzeit: ca. 300 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch, Englisch u.a.
Untertitel: Deutsch u.a.
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 03. Juli – 25. September 2026
Streaming: Chainsmoker Cat bei Netflix

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