Erster Blick: Anime-Winter-Season 2026 – Teil 2

Im zweiten Teil der Erste-Blick-Reihe werden weitere Ersteindrücke zu Anime-Serien der Winter-Season 2026 vorgestellt.

Die Anime-Winter-Season 2026 hat bereits einige neue Serien hervorgebracht. Nachdem im ersten Teil der Erster-Blick-Artikel-Reihe Ersteindrücke zu ersten Simulcasts vorgestellt wurden, widmet sich der zweite Teil weiteren Anime-Serien-Neustarts.

Im zweiten Teil wird ein erster Blick auf die Serien Dark Moon: The Blood Altar, Darwin’s Incident, High School! Kimengumi, Kaya-chan Isn’t Scary, The Invisible Man and His Soon-to-Be Wife, ’Tis Time for “Torture,” Princess: Staffel 2 und You and I Are Polar Opposites geworfen.

Dark Moon: The Blood Altar (Kuro no Tsuki: Tsuki no Saidan)

Studio: Troyca | Genre: Mystery, Romantik | Termin: Freitag um 17:30 Uhr (OmU/DE) | Stream bei Crunchyroll

Story: Soohas übernatürliche Stärke bereitet der Oberschülerin große Probleme. Denn sie wurde als Kind oft verdächtigt, ein Vampir zu sein. Seit die Existenz der blutsaugenden Wesen bekannt ist, leben die Menschen in Furcht vor ihnen. Besonders Sooha hat einen großen Hass auf Vampire. Allerdings hängt das nicht nur mit ihren Kräften, sondern auch mit einem Ereignis in ihrer Vergangenheit zusammen. Um ihrem bisherigen Umfeld zu entfliehen, hat Sooha beschlossen, die renommierte Decelis Akademie zu besuchen. Diese gilt als besonders sicher vor Vampiren, bietet aber auch in der Nacht Unterricht an. Schon kurz nach ihrer Ankunft lernt Sooha den geheimnisvollen Heli und seine Freunde kennen. Aus irgendeinem Grund fühlen sie sich zu Sooha hingezogen. Ob das mit ihrer wahren Gestalt zusammenhängt?

Ersteindruck: Dark Moon scheint das Vorhaben zu verfolgen, in den ersten beiden Episoden möglichst viele Vampir-Klischees unterzubringen wie möglich. Anders lassen sich die zahlreichen bekannten Standards kaum erklären. Allerdings ist das nicht das größte Problem des Serienauftakts. Nur bedingt überzeugende Charaktere, eine seichte Geschichte mit verschiedenen Logiklücken oder zumindest holpriger Erzählweise und eine unspektakuläre Inszenierung zeigen, dass die Mystery-Romantik-Serie vor allem auf die Kombination aus vermeintlich unschuldiger und unbedarfter Protagonistin und zahlreichen hübschen Jungs – die natürlich Vampire sind – setzt. Zu allem Überfluss kommen in der zweiten Episode Rivalen dazu, die natürlich – wie sollte es auch anders sein – Werwölfe sind. Zwar muss das alles nicht schlecht sein, aber Dark Moon schafft es kaum Spannung aufzubauen – oder auch nur Interesse an den Charakteren zu wecken. Immerhin gibt es für alle Vampir-Fans eine ordentliche deutsche Vertonung.

Darwin’s Incident (Darwin Jihen)

Studio: Bellnox Films | Genre: Drama, Science-Fiction | Termin: Mittwoch (OmU/DE) | Stream bei Amazon Prime Video

Story: Die Animal Liberation Alliance, kurz ALA, eine militante Tierschutzgruppe, überfällt maskiert und bewaffnet eine Forschungseinrichtung, um die dortigen Versuchstiere zu befreien. Unter ihnen entdecken sie eine hochschwangere Schimpansin, die droht eine Fehlgeburt zu erleiden. Nachdem sie das Tier in eine Klinik gebracht haben, stellt sich das unglaubliche heraus: das Kind ist ein Hybrid aus Mensch und Schimpanse. Als Humanzee bezeichnet, wird Charlie von Hannah und Gilbert Stein adoptiert. Fünfzehn Jahre später besucht Charlie die High School in einer kleinen US-Stadt. Dort lernt er seine Mitschülerin Lucy Eldred kennen. Aber seine Vergangenheit scheint ihn einzuholen, als die ALA wieder auftaucht und einen schweren Bombenanschlag verübt.

Ersteindruck: Überraschend spannende Science-Fiction-Drama-Serie, die die Existenz eines Halb-Mensch-Halb-Schimpansen-Hybridgen weitaus besser aufbaut als gedacht. Zwar zeigt die Geschichte in den ersten Episoden ein paar Schwächen und nicht alle Charaktere können vollständig überzeugen, dennoch fesselt der Serienauftakt. Das ist vor allem Charlie und seinen ungewöhnlichen Ansichten zu verdanken. Mehrmals wird er von Mitschülern in philosophische oder moralische Diskussionen verwickelt, auf die er Antworten gibt, die für Menschen unbegreiflich sind. Ebenso funktioniert Lucy als intelligente Schülerin, die aus logischen Gründen Interesse an Charlie hat und sich mit ihm glaubhaft anfreundet. Hier baut Darwin’s Incident ein durchaus funktionierendes Hauptfiguren-Duo, das die Serie tragen könnte, auf. Doch auch die Taten der ALA, die Vorurteile einiger Menschen und die Einflechtung aktueller Themen wie Veganismus verleihen der Science-Fiction-Drama-Serie mehr Tiefe. Es bleibt allerdings noch abzuwarten, ob sich Darwin’s Incident nicht zu sehr in moralischen Gedankenspielen verliert und die spannende Grundlage in den geplanten dreizehn Episoden durchgehend nutzen kann. Die bereits vorhandene deutsche Synchronisation ist hochwertig, lediglich die teilweise stark abweichenden Mundbewegungen können störend auffallen.

High School! Kimengumi

Studio: Animation Studio Seven | Genre: Comedy | Termin: Freitag um 17:00 Uhr (OmU) | Stream bei ADN / Stream bei ADN (Prime Video Channel)

Story: Yui Kawa wechselt im letzten Mittelschuljahr auf die Ichio Junior High. Hier will die quirlige Jugendliche viele schöne Erinnerungen sammeln. Als sie die fünf Jungs der Schräge-Visagen-Clique mit all ihren abgedrehten Eskapaden kennenlernt, ist Yui begeistert. Sofort freundet sie sich mit ihnen an und zieht ihre neue Klassenkameradin und Freundin Chie mit in den Wahnsinn. Allerdings ist die Mittelschulzeit schneller vorbei als gedacht. Doch der Spaß mit den Kimengumi ist für Yui und Chie noch lange nicht zu Ende. Schließlich wartet bereits die Oberschule.

Ersteindruck: Bereits Mitte der 1980er-Jahre wurde die Manga-Vorlage von High School! Kimengumi in sechsundachtzig Episoden und einem Film als Anime adaptiert. Die Neuauflage der Nonsense-Comedy-Serie zeigt zum Auftakt, dass der mittlerweile über fünfundvierzig Jahre alte Humor nicht mehr immer zündet. High School! Kimengumi ist hektisch, chaotisch, aufgedreht, laut und vollkommen bekloppt. Schon die erste Episode steckt voller Wahnsinn und durchgeknallten Ereignissen. Dabei stehen die oftmals nervigen, sehr lebhaften und eigenwilligen fünf Jungs der Schräge-Visagen-Clique oder auch Kimengumi gemeinsam mit Yui und Chie im Mittelpunkt. Wer sich auf den 1980er-Jahre-Humor einlässt und Nonsense-Comedy-Anime mag, kann durchaus etwas Spaß mit den ersten beiden Episoden, die bisher erschienen sind, haben. Zumindest kurzweilig ist High School! Kimengumi. Allerdings auch teilweise recht anstrengend und viele Witze entlocken höchstens ein Schmunzeln. Genre-Fans können trotzdem einen Blick wagen.

Kaya-chan Isn’t Scary (Kaya-chan wa Kowaku Nai)

Studio: East Fish Studio | Genre: Horror, Slice of Life, Drama, Comedy | Termin: Sonntag um 10:00 Uhr (OmU) | Stream bei Crunchyroll

Story: Kaya ist als Problemkind des Hanamugi-Kindergartens bekannt. Immer wieder sorgt sie für Ärger. Mehrere Erzieherinnen, die hauptsächlich für sie zuständig waren, haben bereits ihre Arbeit aufgegeben. Neuerdings ist es Chie-senseis Aufgabe, auf Kaya aufzupassen und sie von ihren Streichen abzuhalten. Aber ist Kaya wirklich ungezogen und will allen Ärger bereiten? Bald entdeckt Chie-sensei die Wahrheit: Kaya kann Geister sehen, sie mit knallharten Faustschlägen vertreiben und versucht lediglich, alle im Kindergarten vor den Gefahren zu schützen.

Ersteindruck: Die Anime-Adaption der gleichnamigen Manga-Reihe ist bereits in der ersten Episoden großartig. Erstklassig animiert, hervorragend inszeniert und punktgenau erzählt, fesselt die Horror-Slice-of-Life-Comedy-Serie schon nach wenigen Minuten. Dabei wachsen Kaya und Chie als zentrale Hauptfiguren schnell ans Herz. Es ist gleichermaßen schaurig, spannend und witzig mitzuerleben, wie sich Kaya mit den verschiedenen Geistern im Hanamugi-Kindergarten auseinandersetzt. Statt nur einen Handlungsbogen zu erzählen, nutzt die erste Episode die Möglichkeit, Kayas besondere Kräfte bei mehreren Vorfällen hervorzuheben. Das hilft enorm dabei, Kaya vorzustellen und auch Chie zu etablieren. Gleichzeitig erhält das Ende der ersten Episode dank der erzählten Ereignisse eine besonders düstere Wirkung, die für viel Spannung sorgt und Neugier bezüglich der Fortsetzung weckt. Damit hat Kaya-chan Isn’t Scary das Potential eines der Highlights der Winter-Season 2026 zu werden.

The Invisible Man and His Soon-to-Be Wife (Tōmei Otoko to Ningen Onna: Sonouchi Fūfu ni Naru Futari)

Studio: project No. 9 | Genre: Romantische Komödie, Fantasy | Termin: Donnerstag um 16:00 Uhr (OmU) | Stream bei Crunchyroll

Story: Shizuka Yakō ist blind und arbeitet als Sekretärin für den unsichtbaren Detektiv Akira Tōnome. Aufgrund ihres starken Gehörs und ihres ausgeprägten Geruchssinns kann sie ihren Chef selbst dann entdecken, wenn er für alle anderen nicht zu sehen ist. Als er austesten, wie leicht sie ihn finden kann, lädt er sie kurzerhand zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Langsam weckt die gemeinsame Zeit sanfte Gefühle und Shizuka und Akira kommen sich näher, während sie mit den anderen Angestellten der Detektei verschiedene Fälle lösen.

Ersteindruck: The Invisible Man and His Soon-to-Be Wife ist in einer modernen Welt angesiedelt, in der die Existenz eines Unsichtbaren genauso normal ist wie Tiermenschen oder Elfen. Dadurch verliert Protagonist Akira Tōnome direkt seine unerklärliche Natur als Unsichtbarer, ohne dass seine Besonderheit verloren geht. Der sanfte Einstieg in die Romantik-Comedy-Serie profitiert deutlich davon, während sich die Geschichte anfangs ausschließlich auf Shizuka und ihren Chef konzentriert. Langsam erkennt sie, dass das gemeinsame Abendessen ein Date ist, was ihre Gefühle für den Detektiv durcheinander bringt. Es ist wirklich schön mitzuerleben wie sich Shizuka und Akira in den ersten beiden Episoden langsam näher kommen, ihre Unsicherheit ausleben, sich besser kennenlernen und unterstützen. Gleichzeitig versteht es die Romantik-Comedy-Serie kurzweilige Nebenhandlungsstränge rund um die Aufgabe der Detektei und die Nebenfiguren in die Geschichte einzuflechten. Vor allem ist The Invisible Man and His Soon-to-Be Wife jedoch eine sanfte, charmante und liebenswerte Romantik-Geschichte, die mit auflockerndem Humor und den gut platzierten Fantasy-Elementen aufgewertet wird. Gerade die Besonderheiten der beiden Hauptfiguren und ihre jeweils eigene Wahrnehmung bereichern die Geschichte schon früh. Ein wirklich schöner Serienauftakt.

’Tis Time for “Torture,” Princess: Staffel 2 (Hime-sama “Gōmon” no Jikan desu Dai 2 Ki)

Studio: Pine Jam | Genre: Fantasy, Comedy | Termin: Montag um 17:00 Uhr (OmU) | Stream bei Crunchyroll

Story: Noch immer sind die Prinzessin und ihr heiliges Schwert Excalibur im Dämonenschloss gefangen. Es gibt allerdings ein Problem: Die Prinzessin hat all ihre Erinnerungen an ihre bisherige Zeit in Gefangenschaft verloren. Deshalb bereitet Großinquisitorin Torture eine besondere Folter vor – eine Wiederholung der ersten Qualen der Prinzessin, eine Scheibe knuspriges, dampfes Toast mit Honig. Wird die Prinzessin dieses Mal widerstehen können? Und kehren ihre Erinnerungen an ihre fröhliche Zeit im Dämonenschloss und all ihre Freunde noch vor dem Kuchen und dem Basketballspiel zurück?

Ersteindruck: Selten erhalten hier zweite Staffel einen Platz, ’Tis Time for “Torture,” Princess hat es jedoch verdient. Dabei setzt die erste Episode der zweiten Staffel die Fantasy-Comedy-Serie aberwitzig und gewohnt abwechslungsreich fort. Zum Auftakt wird ein Gedächtnisverlust genutzt, um noch einmal Erinnerungen an die erste Folter der Prinzessin und ihre herrliche Reaktion darauf in die Geschichte einzubauen. Natürlich überrascht es nicht, dass sie sich recht bald an alles erinnert und der Spaß im Dämonenschloss uneingeschränkt weitergeht. Schließlich muss sich die Prinzessin wieder verschiedenen Foltermethoden stellen und außerdem viel Spaß mit ihren Freunden, die gleichzeitig ihre Folterknechte sind, haben. Das ist wieder derart abgedreht und witzig, dass die kurzen Geschichten der ersten Episode regelmäßig zum Lachen verleiten und viel gute Laune verströmen. Allgemein versteht es der Staffelauftakt mit einer entspannt-fröhlichen Atmosphäre und tollem Humor zu unterhalten. Dabei dürfen die zahlreichen bekannten Charaktere sowie die Fortsetzung des Endes der ersten Staffel nicht fehlen. Ein wirklich vielversprechender Einstieg in die zweite Staffel. Wenn alles so bleibt wie erwartet, können sich Fans wieder auf eine spaßige Zeit mit der Prinzessin und all den anderen freuen.

You and I Are Polar Opposites (Seihantai na Kimi to Boku)

Studio: Lapintrack | Genre: Romantische Komödie | Termin: Sonntag um 9:30 Uhr (OmU/DE) | Stream bei Crunchyroll

Story: Miyu Suzuki ist in ihren Klassenkameraden Tani verliebt. Dabei ist der stoische, ruhige, desinteressiert wirkende Schüler ganz anders als die fröhliche, kontaktfreudige Miyu. Dennoch ist sie ganz hin und weg von ihm und nutzt jede Gelegenheit, um ihn anzusprechen. Perfekt, dass er in der Klasse neben ihr sitzt. Für ihre Freunde wirkt es allerdings so, als würde sie ihn nur mit ihren Fragen und Kommentaren nerven. Aber was denkt Tani über sie? Als sie zufällig nach der Schule zusammen nach Hause gehen, könnte sich alles verändern. Schließlich ziehen sich Gegensätze an, oder?

Ersteindruck: Die Romantik-Comedy-Serie ist lebhaft und verströmt viel Gute-Laune. Das ist besonders Protagonistin Miyu zu verdanken, die mit ihrem Verhalten für reichlich positive Stimmung sorgt. Gleichzeitig versteht es die Auftaktepisode mit romantischen Missgeschicken und Missverständnissen perfekt die beiden Hauptfiguren vorzustellen. Miyu und Tani sind komplett verschieden, aber gerade das ist es, weshalb die beiden das Potential haben ein herrliches und charmantes Duo zu werden. Dabei setzt die Geschichte auf eine gute Erzählweise und versteht es den locker-leichten, aber stets witzigen Humor perfekt einzusetzen. Besonders den Charakteren ist es zu verdanken, dass die Romantik-Comedy-Serie schon zum Auftakt so unterhaltsam ist. Die hochwertige deutsche Synchronisation trägt ihren Teil dazu bei und haucht Miyu, Tani und den anderen glaubhaft Leben ein. Zudem überrascht die erste Episode mit einem unerwarteten Ende, das eine perfekte Einleitung der Serie ist und eine vielversprechende Romantik-Komödie erahnen lässt. You and I Are Polar Opposites könnte einer der besten Genre-Vertreter der Winter-Season 2026 werden und jeder Romantik-Comedy-Fan sollte der Serie eine Chance geben.