Rezension: Astlibra Revision (Switch)

Begleitet von einer sprechenden Krähe, begibt sich ein Junge in Astlibra Revision auf die lange Suche nach seiner Kindheitsfreundin.

Astlibra Revision wirkt auf den ersten Blick ziemlich veraltet und aus der Zeit gefallen. Schließlich erinnert das 2D-Action-Rollenspiel an zahlreiche Titel der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Vorgerenderte Umgebungen treffen hierbei auf 3D-Spirtes und eine bewusst dunklere Farbgebung. Allerdings sollte das nicht täuschen, denn hinter Astlibra Revision verbirgt sich ein episches Abenteuer und eine der vielleicht größten Überraschungen des Jahres. Fünfzehn Jahre arbeitete Solo-Entwickler Keizo an Astlibra. Die Revision-Version hat das Hack-’n’-Slash-Abenteuer nun auch auf die Nintendo Switch gebracht.

Gemächlicher Anfang, spannendes Abenteuer

Die Geschichte von Astlibra Revision beginnt recht langsam. Ein entsprechender Hinweis gibt uns die Wahl, ob wir den dialoglastigen Prolog überspringen wollen. Allerdings raten wir nicht dazu, da ihr sonst Teile der wirklich gelungenen Handlung verpasst. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass es etwas dauert, bis Astlibra Revision Fahrt aufnimmt. Bevor wir wirklich viel zu tun haben, schlüpfen wir in die Rolle eines Jungen, der nach dem Angriff eines Dämons auf sein Dorf, in einer abgelegenen Hütte erwacht. Abgesehen von einer geheimnisvollen sprechenden Krähe, die sich an nichts erinnert, ist der Junge alleine. Den Namen seiner Heimat kennt er genauso wenig wie deren Lage. Nur die Erinnerungen an seine Kindheitsfreundin Anulis sind überaus präsent. Deshalb will er sie unter allen Umständen finden. Gemeinsam mit der sich Karon nennenden Krähe bricht er zu einer langen Reise auf. Erst nach acht Jahren begegnen sie anderen Menschen. Das stellt den Beginn einer wendungsreichen, spannenden und mitreißenden Geschichte dar.

Allzu viel über die Handlung soll hier nicht verraten werden, da gerade das selbst Erleben und die Überraschungen viel zur Faszination von Astlibra Revision beitragen. Eine allzu aufwendige Erzählweise sollte jedoch nicht erwartet werden. Auf Zwischensequenzen wird abgesehen vom nach jedem Kapitel eingefügten Intro verzichtet. Stattdessen setzt das Action-Rollenspiel auf ordentliche englische Dialoge. Negativ wirkt sich das auf die Wirkung der Geschichte oder die Emotionalität der Ereignisse nicht aus. Vielmehr gelingt es Astlibra Revision mit der Zeit immer wieder aufs Neue zu fesseln und alleine aufgrund der Handlung zum Weiterspielen zu motivieren. Dazu tragen auch die durchaus gelungenen Charaktere bei.

Brachialen Kämpfe

Genau betrachtet, teilt sich Astlibra Revision in zwei Bereiche ein. Entweder sind wir nach einiger Zeit in der Stadt Rispadar unterwegs oder wir betreten die verschiedenen Regionen, die als Dungeons dienen. Hier sollte jedoch keine offene Welt oder eine Weltkarte erwartet werden. Stattdessen erhalten wir in der Gilden-Taverne von Rispadar einen neuen Story-Auftrag, der uns in ein neues Gebiet führt. Dieses können wir erst wieder verlassen, wenn wir die hier zu erfüllende Quest erledigt haben. In Rispadar und beim Händler Mokyun in den Dungeons, rüsten wir uns mit neuen Waffen, Schilden, Rüstungen und Accessoires aus oder kaufen nützliche Gegenstände wie Heilkräuter, Schlüssel oder Spitzhacken. Das dafür benötigte Geld und die erforderlichen Ressourcen erhalten wir von besiegten Gegnern, finden wir in Truhen oder erlangen wir durch den Abbau von Erzvorkommen. Das alles geschieht nebenbei, während wir die Dungeons erkunden und zahlreiche Gegner bekämpfen.

Das Kern-Gameplay von Astlibra Revision sind die brachialen Hack-’n’-Slash-Kämpfe. Auf Knopfdruck schwingen wir unsere Waffe und schnetzeln uns durch die Gegnermassen. Außerdem können wir mit der Zeit erlernte magische Bestien für Zauber herbeirufen oder Angriffsgegenstände wie Pfeile, Dolche oder einen Bumerang einsetzen. Vorwiegend schwingen wir aber unsere Waffe, setzen unseren Schild zur Verteidigung ein oder weichen nach hinten aus. Besonders auf den höheren der sechs Schwierigkeitsgrade kommen wir durch bloßes Draufschlagen nicht weit, da wir zu viel Schaden kassieren und schnell das Zeitliche segnen. Allgemein gilt aber, dass Astlibra Revision recht schnell knackig werden kann, wenn wir nicht aufpassen, zu schwache Ausrüstung tragen oder nicht ausreichend gelevelt haben. Um das Sammeln von Erfahrungspunkten kommen wir manchmal nicht herum. Glücklicherweise dürfen wir bereits abgeschlossene Gebiete jederzeit erneut betreten. Auf diese Weise können wir auch zuvor verpasste Geheimnisse nachträglich einsammeln oder unsere Ressourcen und finanziellen Mittel auffrischen. Sicher ist aber, dass die Kämpfe trotz des manchmal nicht perfekt ausbalancierten Schwierigkeitsgrades sehr spaßig und überraschend motivierend sind. Schnell entsteht ein Gameplay-Fluss, der uns regelrecht mitreißt und nicht mehr loslässt.

Stetige Verbesserung

Wie bereits erwähnt, erhalten wir für das Besiegen von Gegnern Erfahrungspunkte. Haben wir genug davon, steigen wir im Level auf und dürfen fünf Attributspunkte in sieben verschiedene Charakterwerte wie Lebenspunkte, Attacke, Verteidigung oder Magie investieren. Auf diese Weise werden wir immer stärker. Aber keine Angst vor einer möglichen falschen Verteilung, da wir diese problemlos neu vornehmen können. Neben Erfahrungspunkten erhalten wir durch das Besiegen von Gegnern auch Kristalle in sechs verschiedenen Farben. Diese benötigen wir, um in einem weitläufigen Fähigkeitenbaum, Grow genannt, weitere Stärkungen freizuschalten. Dadurch verbessern wir etwa unsere Attribute oder erhalten neue Skills. Verschlossene Türen im Fähigkeitenbaum sowie versperrte Wege führen dazu, dass wir immer wieder Abzweigungen nehmen oder an vorherige Punkte in dem Geflecht aus Verbesserungen zurückkehren müssen. Das ist derart motivierend und belohnend, dass wir uns stets darauf freuen, wenn wir wieder einige Kristalle gesammelt haben, um Fähigkeiten freizuschalten.

Damit aber nicht genug, sammeln wir auch mit unserer angelegten Ausrüstung Erfahrung. Haben wir etwa ein Schwert gemeistert, schalten sich eine neue passive Fähigkeit frei. Selbiges gilt für Schilde und Rüstungen. Diese können wir kostenlos aktivieren, solange wir das entsprechende Ausrüstungsstück tragen. Alternativ dürfen wir alle bereits erlernten Fähigkeiten auch unabhängig von unserer ausrüsten. Hier sind wir aber auf die Anzahl der uns zur Verfügung stehenden Edelsteine angewiesen. Jede Fähigkeit benötigt eine bestimmte Anzahl von diesen und nur wenn wir ausreichend freie haben, können wir sie ausrüsten. Wollen wir eine neue Fähigkeit aktivieren, haben aber nicht genügend Edelsteine zur Verfügung, können wir eine andere Fähigkeit deaktivieren, um die Anzahl freier Edelsteine zu erhöhen. Das bringt eine taktische Note ins Spiel, zumal einige Fähigkeiten wirklich nützlich sind. Andere wiederum stärken uns zwar signifikant, verfügen aber zugleich über merkliche Nachteile. Hier müssen wir gut überlegen, was am besten zu unserem Spielstil passt.

Ausgewogene Waage, stimmungsvolle Präsentation

Selbiges gilt für die Waage, die uns nach einiger Zeit zur Verfügung steht. Auf dieser dürfen wir fast alle Gegenstände, die wir im Verlauf des Abenteuers finden, platzieren. Dabei spielt das Gewicht und die daraus resultierende Ausrichtung der Waage eine Rolle. Zudem verfügt jeder Gegenstand über mögliche Boni, die wir bei Platzierung in der Waage und passender Ausrichtung erhalten. Ein System, das recht kompliziert sein kann, aber nach einiger Gewöhnungszeit trotzdem funktioniert. Zudem dürfen wir genauso wie bei den passiven Fähigkeiten Sets speichern, um jederzeit zwischen diesen wechseln zu können.

Optisch erinnert Astlibra Revision wie bereits erwähnt an vergleichbare Spiele der 2000er-Jahre. Angesichts der langen Entwicklungszeit von Solo-Entwickler Keizo ist das jedoch nachvollziehbar. Negative Auswirkungen hat das aber sowieso nicht. Vielmehr verleiht der Grafikstil Astlibra Revision eine passende Eigenständigkeit, zumal die düstere Render-Optik gut zum Action-Rollenspiel und der düsteren Atmosphäre passt. Besonders in emotionalen und dramatischen Momenten, trägt die Stimmung viel zur Wirkung der Geschichte bei. Dafür sorgt auch die teilweise sehr ungewöhnliche, aber passende Musik bei. Hören wir in der Stadt ruhige Klänge, setzt Astlibra Revision in Dungeons oft auf harte Gitarren-Stücke und verknüpft diese mit elektronischer Musik und verschiedenen Gesangsarten inklusive Hip-Hop- und Rock-Anleihen. Hier überrascht das Action-Rollenspiel nicht nur mit der Musikauswahl und dem Genre-Mix, sondern auch damit, wie gut das alles zusammenpasst. Ein weiteres Merkmal, das zeigt, wie besonders Astlibra Revision ist. Gerade Action-Rollenspiel-Fans mit einer Vorliebe für überraschende, emotionale und mitreißende Geschichten sollten sich den Genre-Geheimtipp nicht entgehen lassen.

Fazit

Astlibra Revision ist bisher komplett an mir vorbeigegangen. Erst die Veröffentlichung für die Nintendo Switch hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Bereits der Trailer wirkte sehr vielversprechend, doch das Action-Rollenspiel hat mich überrascht. Die veraltet wirkende 2D-Render-Grafik passt nicht nur hervorragend, sondern besonders die Geschichte weiß zu begeistern. Spannend, emotional, wendungsreich und mitreißend, hat mich die Handlung immer wieder dazu motiviert weiterzuspielen. Ich wollte einfach wissen, was als nächstes auf mich wartet und worauf die Geschichte hinausläuft. Das unterhaltsame und motivierende Hack-’n’-Slash-Kampfsystem, das restliche Gameplay sowie die gelungenen Dungeons tragen ihren Teil zum Spielspaß bei. Damit ist Astlibra Revision eine meiner großen Videospiel-Überraschungen in diesem Jahr. Jeder Action-Rollenspiel-Fan mit einem Faible für japanische Titel sollte Astlibra Revision unbedingt anspielen.

Kurzfazit: Packendes Japan-Action-Rollenspiel, das mit einer wendungsreichen, spannenden Geschichte, motivierendem Gameplay und stimmungsvoller Atmosphäre ein mitreißendes und überraschendes Genre-Erlebnis bietet.

Vielen Dank an Whisper Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Astlibra Revision!

Details
Titel: Astlibra Revision
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Whisper Games
Entwickler: Keizo
Spieler: 1
Syteme: Switch (getestet), PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 16. November 2023