Rezension: Valkyrie Elysium (PS5)

In Odins Auftrag versucht eine Walküre im Action-Rollenspiel Valkyrie Elysium die Welt zu retten.

Seit 2008 in Japan und 2009 in Europa Valkyrie Profile: Covenant of the Plume für den Nintendo DS erschienen ist, war es abgesehen von einem Mobile-Ableger still um die Rollenspiel-Reihe. Umso überraschender ist die Rückkehr in die Welt der nordischen Götter im Action-Rollenspiel Valkyrie Elysium, das nicht mehr von Tri-Ace, sondern von Soleil Inc. entwickelt wurde. Vorwissen zu den drei Valkyrie-Profile-Teilen oder dem Mobile-Ableger Valkyrie Anatomia ist nicht erforderlich. In Valkyrie Elysium schlüpfen wir in die Rolle einer gerade erst geschaffenen Walküre und sollen im Auftrag von Odin den Untergang der Welt verhindern. Der Göttervater ist nach einem langen Krieg schwer gezeichnet und verwundet, weshalb ihn seine Kräfte verlassen haben. Es ist deshalb unsere Aufgabe, nach Midgard zu gehen und dort Untote und Monster zu bezwingen sowie Seelen zu läutern. Nur so kann Odin seine Macht zurückerlangen und die Welt gerettet werden.

Simpel, aber gelungen

Wirklich tiefgründig ist die Geschichte von Valkyrie Elysium nicht. Zwar werden einige durchaus interessante Fragen in die Erzählung eingeflochten und besonders die Walküre zeigt deutliche Charakterentwicklung, wodurch sie mehr Persönlichkeit erhält, doch eine wirklich faszinierende oder mitreißende Geschichte sollte nicht erwartet werden. Dennoch hat uns die Handlung ausreichend motiviert, um immer weiterspielen zu wollen. Wir wollten einfach wissen, was die Walküre als nächstes erwartet und worauf der Kampf um die Welt letztlich hinausläuft. Tatsächlich birgt Valkyrie Elysium sogar ein paar Überraschungen und wartet mit vier verschiedenen Enden auf. Diese sind ausschließlich von späten Entscheidungen abhängig und wirklich gelungen. Wer Valkyrie Elysium vollständig erleben will, sollte sich die Zeit nehmen, alle möglichen Ausgänge der Geschichte zu sehen. Deshalb sei an dieser Stelle dazu geraten, genau darauf zu achten, was dafür erforderlich ist, um eventuell nicht mehr mit dem bestehenden Spielstand erspielbare Enden zu vermeiden. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen Bug, was natürlich die Möglichkeit, dass Abschlüsse nicht mehr erreicht werden können, um so bedauerlicher macht, ohne sich zwingend negativ auszuwirken.

Als Action-Rollenspiel bietet uns Valkyrie Elysium ein recht geradliniges, auf lineare Level fokussiertes Gameplay. Auf eine große, zusammenhängende Welt wurde verzichtet. Stattdessen wählen wir über eine Weltkarte in Walhalla das Kapitel aus, das wir spielen wollen. Anschließend befinden wir uns in der zugehörigen Region und durchstreifen die entsprechenden, sehr linear aufgebauten Umgebungen. Gestört hat uns dieser Umstand nicht, da die Level ausreichend Abwechslung bieten, angenehm weitläufig sind und mit kleinen Abzweigungen, Sammelgegenständen, Schätzen und allerlei mehr auch unseren Entdeckergeist ausreichend befriedigen. Sicher, grundsätzlich bleibt der Spielablauf stets unverändert. Das bedeutet, wir schreiten als Walküre im Level voran, kämpfen häufig gegen Monster und Untote, sammeln Schlüssel ein oder lösen kleinere Rätsel und kämpfen erneut und erneut und erneut. Ja, Kämpfe sind ein sehr zentraler Bestandteil von Valkyrie Elysium. Da diese aber spaßig sind und dank unterschiedlicher Waffen und Fähigkeiten auch ausreichend Tiefgang bieten, hat uns das zu keiner Zeit gestört.

Temporeiche Walküre

Egal ob wir ein Schwert, eine Lanze oder eine andere Waffe nutzen, die Grundlagen sind immer identisch, doch jede Waffe fühlt sich anders an. Wir reihen leichte und starke Angriffe zu Kombos aneinander, setzen Magie ein und rufen bis zu zwei Einherier an unsere Seite, die für begrenzte Zeit mit uns kämpfen. Während wir neue Waffen und Zauber in Schatztruhen finden, müssen wir Einherier im Laufe der Geschichte erst treffen und als Verbündete gewinnen. Dadurch sind sie Teil der Handlung und werden mit eigenen Persönlichkeiten und Hintergrundgeschichten als Kameraden der Walküre inszeniert. Das bringt nicht nur erzählerische Abwechslung, sondern ist auch eine gelungene Verbindung von Geschichte und Gameplay.

Besiegen wir in den rasanten Kämpfen Gegner, hinterlassen diese unterschiedliche Seelen und Juwelen. Diese benötigen wir sowohl für die Verbesserung unserer Waffen, als auch um in den drei Fertigkeitsbäumen Angriff, Verteidigung und Hilfe neue Fähigkeiten freizuschalten. Dabei handelt es sich meist um passive Aktionen. Aktive Fertigkeiten und neue Kombo-Möglichkeiten werden hingegen durch eine höhere Waffenstufe freigeschaltet. Zusätzlich verbessert sich unser Können mit einer Waffe, so dass wir im Umgang mit dieser besser werden. Auf klassische Erfahrungspunkte und Levelaufstiege verzichtet Valkyrie Elysium allerdings. Vermisst haben wir das aber nicht, da sich das Verbesserungssystem dynamisch, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich, anfühlt. Dafür werden unsere Einherier am Ende eines Kapitels, abhängig von der Anzahl ihrer Beschwörungen, stärker. Neue Fähigkeiten erhalten sie hingegen durch das Absolvieren von Nebenquests.

Midgards Geschichten

Diese zusätzlichen Aufgaben schalten wir durch Gespräche mit anderen Charakteren frei. Neben unseren Einheriern können das etwa rastlose Seelen oder Bewohner Midgards sein. Allerdings erfüllen wir die Nebenquests nicht direkt nach Erhalt im laufenden Kapitel. Stattdessen wählen wir sie wie die Geschichtsmissionen über die Weltkarte aus. Das mag manchmal etwas umständlich wirken, passt aber zum Spiel und hat uns letztlich nicht gestört. Zumal die kleinen Geschichten der Nebenquests für etwas mehr Tiefe und Einblicke in die am Rande des Abgrunds stehenden Welt und ihre Bewohner gewähren. Allzu viel Abwechslung oder gar großartig geschriebene Handlungsbögen sollten hier aber ebenfalls nicht erwartet werden. Dafür sind die Nebenquests aber genauso kurzweilig wie die Story-Kapitel. Es ist gerade diese Leichtgängigkeit, die uns immer wieder dazu bringt, in Valkyrie Elysium abzutauchen. Die spaßigen Kämpfe und die vielleicht nicht tiefgründige, aber dennoch ausreichend spannende Geschichte sind unterhaltsam genug, um uns bis zum Ende zu motivieren.

Grafisch setzt Valkyrie Elysium auf einen eher realistischen Stil, der vom leicht anime-angelehnten Charakterdesign begleitet wird. Starke Outlines bei den Figuren sorgen dafür, dass sie sich stärker von den schick gestalteten Umgebungen absetzen, ohne wie Fremdkörper zu wirken. Zwar mag Valkyrie Elysium optisch keine neuen Maßstäbe zu setzen, dennoch hat uns der Stil des Action-Rollenspiels wirklich gefallen. Die optische Darstellung passt einfach zum Spiel und unterstützt gemeinsam mit der stimmungsvollen Musik und Sounduntermalung die gelungene Atmosphäre. Da fallen kleinere Macken wie gelegentlich nicht vorhandene Lippensynchronität oder nicht ganz perfekte Animationen kaum auf. Zumal Valkyrie Elysium wirklich flüssig läuft. Mit der guten deutschen Texte sowie einer sehr guten japanischen und englischen Vertonung, wird Valkyrie Elysium gekonnt abgerundet.

Fazit

Lange Zeit galt die Valkyrie-Reihe als tot. Lediglich ein mittlerweile eingestellter Mobile-Ableger im Jahr 2016 beziehungsweise in Europa 2019, hielt den Namen noch eine Zeitlang hoch. Umso gespannter war ich auf die Rückkehr der Rollenspiel-Reihe. Immerhin sind seit Valkyrie Profile: Covenant of the Plume knapp vierzehn Jahre vergangen und mit Soleil Inc. ist ein neues Studio für den fünften Serienteil verantwortlich. Enttäuscht hat mich Valkyrie Elysium nicht. Zwar ist das Action-Rollenspiel kein neuer Genre-Hit, dafür aber überaus kurzweilig und unterhaltsam. Die schnellen Kämpfe sind wirklich spaßig und die vielleicht nicht tiefgründige, aber interessante und spannende Geschichte weiß zu motivieren. Deshalb habe ich mich gerne mit der Walküre zur Rettung der Welt aufgemacht. Genre- und Valkyrie-Fans sollten sich das Action-Rollenspiel unbedingt näher ansehen.

Kurzfazit: Spaßiges Action-Rollenspiel, das zwar etwas Abwechslung vermissen lässt, dafür mit schnellen Kämpfen und einer gelungenen Geschichte unterhält.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Valkyrie Elysium!

Details
Titel: Valkyrie Elysium
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Square Enix
Entwickler: Soleil Inc.
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 5 (getestet), PlayStation 4, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 23. September 2022