Rezension: Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums (Comic)

Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums widmet sich der im Solo-Film nicht erzählten Zeit des bekannten Schmugglers an der imperialen Akademie.

Han Solo ist auf den Straßen Corellias im Dienste von Proxima und ihrer Bande aufgewachsen. Als ihm – wie schon in Solo: A Star Wars Story erzählt wird – die Flucht gelingt, muss er sich dem Imperium anschließen. Sein Ziel ist es, zurückzukehren und seine Freundin Qi’ra zu finden. Im Film wurde erzählt, was aus Han geworden ist, der Comic Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums beginnt zwar auf Corellia, widmet sich aber vorwiegend der Zeit von Han auf Cardia in der imperialen Akademie. Einfach hat der freigeistige, arrogante Jüngling es dort nicht.

Rebellischer Kadett & Bonus-Western

Nach einem kurzen Blick auf Hans Zeit auf Corellia sowie eine verkürzte Adaption seiner Flucht aus Solo: A Star Wars Story, widmet sich Han Solo – Kadett des Imperiums schon nach wenigen Seiten der imperialen Ausbildung der Titelfigur. Wer sich schon immer gefragt hat, was Han Solo an der Akademie erlebt hat und was zwischen seiner erfolgreichen Flucht von Corellia und seinem Dasein als Infanterist auf Mimban geschehen ist, erhält mit dem Comic-Sammelband eine Antwort. Allerdings fällt diese recht simpel aus. Wenig überraschend ist Han ein rebellischer Kadett, der manchmal so sehr gegen die Vorschriften arbeitet, dass er fast schon dumm wirkt. Das ist dann auch nicht mehr immer mit seinem losen Mundwerk oder der Arroganz des späteren Schmugglers zu begründen. Viel mehr soll Han aus der Masse der Kadetten hervorstechen und gleichzeitig Wohlwollen und Missgunst unter seinen Kameraden erfahren.

Leider wirken manche Szenen dadurch recht konstruiert. Etwa ist es fraglich, weshalb Han trotz Diebstahls eines TIE-Jägers und versuchter Flucht von der Akademie nur aufgrund vermeintlich guter Flugfähigkeiten nicht hingerichtet wird. Sicher, ein Ausbilder findet gefallen an Han und sieht sich selbst in ihm – was ebenfalls ein Klischee ist – aber spätestens sein weiteres Verhalten sollte zumindest dazu führen, dass er als einfacher Infanterist in den Kampf geschickt wird. Zu offensichtlich ist Hans Unfähigkeit Befehle zu befolgen. Manche Situation mag dennoch in Ordnung gehen und kann durchaus mit Hans Glück, Zufall oder Wohlwollen seines Umfeldes begründet werden. Bedauerlicherweise kann die Geschichte auch ohne die Probleme beim Aufbau nicht vollends überzeugen. Die Figuren sind weitgehend Stereotypen, die Handlung oft eher belanglos oder bestenfalls durchschnittlich. Erst gegen Ende wird es kurzzeitig etwas spannender. Hier zeigt sich dann auch das Potenzial, das ein Comic über Hans Zeit als imperialer Kadett hat, aber weitgehend ungenutzt bleibt. Angesichts der vielen Klischees und Stereotypen ist ein grausamer Kadett, der Han hasst, genauso wenig überraschend wie eine Figur, die irgendwann beginnt am Imperium und dessen Methoden zu zweifeln. Wirklich schade, hier wäre mehr drin gewesen, so bleibt ein bestenfalls durchschnittlicher Star-Wars-Comic.

Ergänzt wird die fünfteilige Kadett-des-Imperiums-Reihe vom US-Einzelheft Beckett, das sich dem aus Solo: A Star Wars Story bekannten Charakteren Tobias Beckett, Val und Rio Durant widmet. Gemeinsam planen die Drei einen Diebstahl und die Übergabe ihrer Beute. Angelehnt an klassische Western, ist die Geschichte dreigeteilt und wird mit passenden Kapitelcovern eingeleitet. Dass jeweils ein anderer Zeichner verantwortlich ist, fällt dabei nur bedingt störend auf. Allerdings bleiben die Bilder, genauso wie bei der Hauptgeschichte des Sammelbands, im üblichen Standardbereich. Dafür kann das kurze Beckett-Abenteuer etwas mehr überzeugend als der Akademie-Handlungsbogen.

Fazit

Da Han Solos Zeit an der imperialen Akademie in Solo: A Star Wars Story nicht weiter thematisiert wurde, haben bereits Comic- und Roman-Adaption des Films einen Mehrwert geliefert. Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums gewährt einen noch genaueren Einblick, weshalb ich gespannt war, was Han als imperialer Kadett erlebt hat. Auch weil die Ausbildung des Imperiums ein interessanter Faktor im Star-Wars-Universum ist. Leider hat mich der Sammelband nur bedingt überzeugen können. Sicher, ich habe den Comic am Stück gelesen und habe mich nicht gelangweilt, aber wirklich unterhaltsam ist die Geschichte nicht. Zu viele Standards, Klischees und Stereotypen werden bedient. Zu oft wirkt die Handlung konstruiert und gezwungen auf einen Punkt zugeschnitten. Verschenktes Potenzial, wie sich zum Ende zeigt. Schade drum, hier wäre mehr möglich gewesen. Immerhin bietet das Beckett-Einzelheft einen schönen kleinen Bonus, der etwas unterhaltsamer ausfällt. Mehr als ordentlicher Star-Wars-Comic-Durchschnitt wird hier aber auch nicht geboten. Nur wer unbedingt wissen möchte, was Han in der imperialen Akademie erlebt hat, sollte zugreifen.

Kurzfazit: Belangloser, durchschnittlicher Star-Wars-Comic, dessen Geschichte teilweise konstruiert wirkt und auf viele Klischees und Stereotypen zurückgreift. Verschenktes Potenzial.

Vielen Dank an Panini für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums!

Details
Titel: Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums
Originaltitel: US-Star Wars: Imperial Cadet TPB
Genre: Science-Fiction
Verlag: Panini
Autor: Robbbie Thompson
Zeichner: Leonard Kirk
Seiten: 160
Preis: 20,00 €
Verlagsseite: Star Wars: Han Solo – Kadett des Imperiums bei Panini Comics
Erscheinungsdatum: 24. September 2019

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