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Jan 18 2019

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Rezension: Barakamon – Band 1 (Manga)

Im Slice-of-Life-Comedy-Manga Barakamon Band 1 verschlägt es einen jungen Kalligraphen von der Großstadt auf eine ländliche Insel.

Als ein angesehener Kurator das Werk des 23-jährigen Kalligraphen Seishu Handa als zu streng, ausdruckslos und wie aus dem Lehrbuch kopiert kritisiert, rastet der junge Mann aus. Zur Strafe wird er von seinem Vater auf eine kleine, ländliche Insel im Westen Japans geschickt. Hier soll er zur Ruhe kommen und hofft neue Impulse für seine Kalligraphie zu finden. Kaum angekommen, muss er jedoch feststellen, dass alles etwas anders ist als in der Großstadt. Die lokale Bevölkerung schreckt nicht davor zurück, ihn in ihre Gemeinschaft zu integrieren und agiert ihm gegenüber sehr offen. Besonders die siebenjährige Naru ist begeistert von Seishu und stattet ihm fast täglich Besuche ab.

Insel-Alltag

Barakamon Band 1 präsentiert sich direkt als witziger, aber bodenständiger Slice-of-Life-Manga. Die Geschichte beginnt fast direkt mit Seishu Handas Ankunft auf der Insel, die zu den westlich von Japan gelegenen Goto-Inseln in Nagasaki liegt. In kurzen Rückblicken wird knapp, aber ausreichend erklärt, weshalb Seishu von der Großstadt auf die ländlich geprägte Insel zieht. Als bloßer Rahmen für die anschließenden lustigen Alltagssituationen dient die Handlung jedoch nicht. Seishus Schaffen als Kalligraph und seine Verbannung sind für seine charakterliche Darstellung wichtig und erste Entwicklungen sind bei dem 23-jährigen zu erkennen. Fällt es ihm anfangs noch schwerer, sich an sein neues Leben und die Menschen zu gewöhnen, fügt er sich immer besser ein, legt sein etwas steifes und mitunter auch arrogantes Auftreten aber nie völlig ab. Hier dürfte sich im Laufe der 18 Bände umfassenden Reihe noch einiges ändern.

Damit ist Barakamon auch die Geschichte von Seishu Handas Selbstfindung und seiner Entwicklung als Kalligraph. Großen Einfluss darauf dürften sein neues Umfeld und insbesondere die Menschen mit denen er zu tun hat haben. Mit Naru sticht ein wahrer Wirbelwind als zweite Hauptfigur hervor. Die siebenjährige ist aufgeweckt, aktiv, neugierig, vorlaut und frech, aber zugleich auch absolut liebenswert. Schnell hat man sie – und auch viele andere Charaktere – ins Herz geschlossen. Es ist Naru, die viel Witz einbringt, aber auch bloße Alltagsereignisse mit den Dorfbewohnern und ihre Reaktionen auf Seishu sowie dessen Verwunderung sorgen für so manch amüsante Szene. Der durchaus chaotische Alltag ist immer wieder ein Schmunzeln oder Grinsen wert und das Landleben bietet mit einem Großstädter als Hauptfigur einige Möglichkeiten. Sogar der entsprechende Dialekt wird hier verwendet. Abseits von Seishu und Naru nehmen vor allem die anderen Kinder und Jugendlichen der Insel eine wichtige Rolle im Leben des Kalligraphen ein. Besonders Narus Freundin Hina, der gleichaltrige Kenta, die Mittelschülerinnen Miwa und Tama sowie Zwölftklässler Hiroshi stechen dabei hervor und könnten im Laufe der kommenden Bände noch größere Auftritte haben. Genauso wie Naru sind sie alle auf ihre Weise sympathisch und bringen Abwechslung mit sich.

Bei den Zeichnungen fallen zwar kleinere Schwächen auf, doch insgesamt können die mit einem Fokus auf die Figuren ausgelegten Bilder überzeugen. Die Charaktere sind gelungen umgesetzt und haben alle ihre Eigenheiten, darunter auch einige etwas schrullige. Dazu kommen die zwar teilweise recht spärlich eingesetzten, insgesamt aber schönen Hintergründe und Umgebungen, die in manchen Momenten hervorragend in Szene gesetzt werden. Dank der guten, aufgeräumten Panel-Anordnung wird der angenehme Lesefluss sehr gut unterstützt, so dass Barakamon Band 1 eine willkommene Kurzweiligkeit erhält.

Fazit

Barakamon stand auf meiner Liste der Wunsch-Manga-Lizenzen ziemlich weit oben. Deshalb hat mich die Ankündigung von Altraverse wirklich gefreut und der erste Band hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Die kurzweilige und bodenständige Slice-of-Life-Geschichte ist witzig und hat liebenswerte, abwechslungsreiche Figuren. Große Dramen oder Ereignisse gibt es dabei im Grunde nicht. Wie es im Genre sein sollte, wird vorwiegend der neue Alltag von Seishu Handa erzählt und wie er sich auf der ländlich geprägten Insel zurecht findet. Natürlich bringt die Handlung, mit den Gründen für den Umzug des Kalligraphen, genügend Möglichkeiten für kommende Probleme oder etwas größere Storyelemente mit sich. Das ist auch notwendig, im ersten Band liegt der Fokus aber zu Recht auf dem Insel-Leben und den Charaktere. Schnell habe ich Naru, Seishu und die anderen ins Herz geschlossen und freue mich darauf sie im nächsten Band wiederzusehen. Manga-Fans mit einem Hang für amüsante Alltagsgeschichten sollten zugreifen.

Kurzfazit: Spaßiger Slice-of-Life-Manga, dem die liebenswerten Figuren und witzigen Alltagssituationen Leben einhauchen und für einen sympathisch-angenehmen Lesefluss sorgen.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Barakamon – Band 1!

Details
Titel: Barakamon – Band 1
Originaltitel: Barakamon
Genre: Slice of Life
Verlag: altraverse
Story/Zeichnungen: Satsuki Yoshino
Seiten: 208
Preis: 8,00 €
ISBN: 978-3-96358-218-9
Verlagsseite: Barakamon – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 17. Januar 2018

© Satsuki Yoshino / Square Enix Co., LTD. / altraverse

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