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Jan 17 2018

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Rezension: Die rothaarige Schneeprinzessin – Vol. 1 (Blu-ray)

An Märchen orientiert erzählt Die rothaarige Schneeprinzessin Volume 1 in den ersten vier Episoden der 12-teiligen Anime-Serie von den Anfängen von Shirayukis Abenteuer.

Die junge Apothekerin Shirayuki hat einzigartiges rotes Haar, das oft mit dem Rot von Äpfeln verglichen wird. Als Raji, der Prinz von Shirayukis Heimatstadt Tanburn davon erfährt, will er sie zu seiner Konkubine machen. Doch die junge Frau möchte sich dem Adeligen nicht beugen, denn sie will ihr Leben selbst bestimmen und in Freiheit leben. Deshalb schneidet sie sich ihr langes Haar ab und flieht in das Nachbarreich. Im Wald begegnet sie dort dem jungen Zen sowie seinen Begleitern Mitsuhide und Kiki, mit denen sich Shirayuki schnell anfreundet. Prinz Raji will aber nicht auf das rothaarige Mädchen verzichten und schickt seine Handlanger hinter ihr her. Dabei setzt er auf vergiftete Äpfel, von denen aber nicht Shirayuki sondern Zen isst. Um ihn zu retten, begibt sie sich in die Hände von Raji, ahnt aber nicht, dass Zen ihr seine wahre Identität vorenthalten hat.

Romantisches Märchen

Prinzen, ein schönes Mädchen, vergiftete Äpfel. Die rothaarige Schneeprinzessin greift auf zahlreiche klassische Elemente von Märchen zurück und flechtet besonders Teile von Schneewittchen in die Handlung mit ein. Dazu zählen auch Zitate oder Anspielungen. Überraschend ist da nicht, dass der Name von Protagonistin Shirayuki auf dem japanischen Namen von Schneewittchen, Shirayuki-hime, basiert. Eine direkte Umsetzung des bekannten Märchens ist die Anime-Serie aber nicht. Stattdessen basiert die beim Studio Bones unter der Regie von Masahiro Ando produzierte Serie auf der in Deutschland bei Tokyopop erscheinenden gleichnamigen Manga-Reihe von Sorata Akizuki. Trotz Parallelen zu Schneewittchen ist die Geschichte also unabhängig und bereits nach der ersten Episode nehmen die deutlichen Bezüge ab. Die Verfolgung von Shirayuki durch Raji endet nämlich abrupt, nachdem die Identität von Zen als zweitem Prinzen von Clarines enthüllt wurde.

Anschließend folgt Die rothaarige Schneeprinzessin dem neuen Leben von Shirayuki in der Hauptstadt von Clarines. Dabei spielt ihre Beziehung zu Zen eine wichtige Rolle und bereits früh ist deutlich, dass zwischen den beiden nicht nur eine enge Freundschaft besteht. Ganz der Märchen-Ausrichtung folgend, ist es eines der Kernelemente der Handlung, dass ein einfaches Mädchen langsam einem Prinzen näher kommt und sich in dessen Umfeld bewegt. Allerdings wird Shirayuki dabei glücklicherweise nicht als hilflos oder dem Adeligen absolut verfallen dargestellt. Im Gegenteil. Die Protagonistin ist zielstrebig, willensstark und selbstbewusst. Sie versteht es sich durchzusetzen – auch gegenüber dem Adel oder Zen. Das macht sie nicht nur zu einer interessanten, sondern auch sympathischen Figur. Dass es trotzdem zu Situationen kommt in denen Shirayuki auf Hilfe angewiesen ist und von ihrem Prinzen gerettet werden muss, mag anfangs den Eindruck erwecken, dass sie letztlich doch nur die hilflose Frau in Gefahr ist, doch glücklicherweise verlässt sich die Serie nicht zu stark darauf. Ist nach den ersten beiden Episoden noch zu befürchten, dass Shirayuki alleine wegen ihrer roten Haare immer wieder bedroht oder entführt wird, geht die Serie später einen anderen Weg, wodurch auch Zen als Retter in der Not nicht mehr so stark gefragt ist. Hier zeigt sich besonders in der dritten Episode ein starker Charaktermoment für Shirayuki. Gleichzeitig verfolgt sie mit ihrem Wunsch Lehrling in der Hofapotheke zu werden ein klares Ziel, dessen erfolgreicher Ausgang jedoch bereits durch das Intro verraten wird. Etwas bedauerlich, da so zumindest ein kleiner Spannungsfaktor verloren geht.

Eines der größten Probleme von Die rothaarige Schneeprinzessin ist es, über eine seichte, vorhersehbare Handlung hinaus zu kommen. Niemals wird die Serie wirklich düster, immer wirkt alles etwas strahlend und trotz dem Ernst der aktuellen Lage irgendwie positiv. So mag es auch in den modernen Varianten bekannter Märchen sein und grundsätzlich funktioniert die Atmosphäre genauso wie die Geschichte, doch ob sich das Konzept auch über zwölf Episoden hält, bleibt nach dem ersten Volume noch abzuwarten. Trotzdem schafft es der Serienauftakt durch die gelungene Mischung, Geschichte, Stimmung, Humor, wenig Action und besonders Shirayuki als Hauptfigur zu unterhalten und das Interesse an der Serie zu erzeugen. Unterstützt wird das alles vom schönen Artdesign, das mit einigen bezaubernden Szenen sowie einem zwar nicht einzigartigen, aber gelungenen Charakterdesign und ansehnlichen Hintergründen aufwarten. Dem schließen sich die gute bis wundervolle Musik sowie die hervorragende deutsche Synchronisation an.

Fazit

Die rothaarige Schneeprinzessin ist eine der Serien bei denen ich im Vorfeld nicht genau wusste, was mich erwartet. Aufgrund der Geschichtszusammenfassung habe ich mit einem weitaus größeren Schneewittchen- und Märchen-Faktor, sowie mehr klischeebehafteter Romanze gerechnet, als die ersten vier Episoden am Ende gezeigt haben. Sicherlich, die Serie verfügt alleine aufgrund der Thematik über einen klaren Bezug zu Märchen, der allerdings keinte negativen Folgen hat, sondern stark zur zwar seichten, aber dafür sanft-schönen Atmosphäre beiträgt. Dass im Angesicht der Mädchen-trifft-Prinzen-Handlung ein wenig kitschige und klischeehafte Aspekte enthalten sind, überrascht nicht, passt aber zur Serie und nimmt niemals zu sehr überhand. Zu verdanken ist das der wirklich gelungenen Charakterisierung und Darstellung von Shirayuki, die nicht einfach nur eine Jungfrau in Nöten ist. Zwar ist das ebenfalls enthalten und es ist zu erwarten, dass die junge Protagonistin auch in den kommenden Episoden noch häufiger wegen ihrer roten Haare in Schwierigkeiten gerät, aber wenn sie weiterhin als starke Frau dargestellt wird, stört das nicht, sondern passt zur Art der Geschichte. Obwohl diese in Teilen vorhersehbar ist, hat mich Die rothaarige Schneeprinzessin Volume 1 unterhalten können, weshalb ich auch erfahren möchte, was Shirayuki noch alles erlebt. Mehr als eine gute Durchschnitts-Romantik-Märchen-Serie sollte jedoch nicht erwartet werden.

Kurzfazit: Märchen Romantik-Unterhaltung für Zwischendurch, die dank der starken Protagonistin trotz Vorhersehbarkeit und klischeehafter Elemente einen gelungenen und Interesse weckenden Auftakt bietet.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die rothaarige Schneeprinzessin– Vol. 1!

Details
Titel: Die rothaarige Schneeprinzessin – Vol. 1
Originaltitel: Akagami no Shirayuki-hime
Genre: Romantik, Fantasy, Drama
Regie: Masahiro Ando
Studio: Bones
Produktionsjahr: 2015
Laufzeit: ca. 97 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: Opening- und Ending Song Textless, Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungstermin: 24. Januar 2018
Herstellerseite: Die rothaarige Schneeprinzessin – Vol. 1 bei KSM Anime

Copyright Bones / KSM Anime

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