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Rezension: Clive Barker’s Hellraiser: Revival (Xbox Series X)

Aidan stellt sich in Clive Barker’s Hellraiser: Revival den Schrecken des Labyrinths, den Mächten der Zenobiten und einem Kult, um seine Freundin Sunny zu retten.

Obwohl der 1988 erstmals erschienene, in Deutschland zeitweise indizierte, Hellraiser: Das Tor zur Hölle nicht die Bekanntheit eines Halloween, Freitag der 13. oder Nightmare on Elm Street genießt, genießt der Horrorfilm Kultstatus. Bis 2018 sind neun Fortsetzungen und 2022 ein Remake beziehungsweise eine erneute Verfilmung des Romans Das Tor zur Hölle (engl. The Hellbound Heart) von Clive Barker, der beim Original selbst Regie geführt hat. Obwohl die Romanvorlage mittlerweile rund vierzig Jahre alt und der Film kaum jünger ist, hat es bisher keine Videospiel-Umsetzung zu Hellraiser gegeben. 2021 haben Pinhead und Chatterer als Download-Content für Dead by Daylight schließlich ihr Debüt in einem Videospiel gefeiert, der Zusatzinhalt ist allerdings mittlerweile nicht mehr erhältlich. Mit Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist Anfang Oktober 2026 nun auch das erste eigenständige Videospiel zum Franchise erschienen – mit kreativer Beteiligung von Clive Barker und Pinhead-Original-Darsteller Doug Bradley als Stimme der wohl bekanntesten Hellraiser-Figur.

Blutig, erotisch, abstoßend

Hellraiser: Revival warnt zum Spielstart vor einigen harten Inhalten – und das zurecht. Bis kurz vor Release des Horrorspiels war unsicher, ob eine USK-Freigabe erfolgt. Tatsächlich musste nach einem Einspruch gegen eine vergebene Altersfreigabe eine erneute Prüfung durchgeführt werden. Zwar wurde Hellraiser: Revival schließlich ab achtzehn freigegeben, doch gerade heutzutage wird daran deutlich, dass es Elemente geben muss, die zu bedenken geben. In dem Horrorspiel erwartet euch ein enormer Grad an Brutalität, reichlich Blut, Verstümmelungen, Körper die zerfetzt werden, Erotik, Sex im Einklang mit einvernehmlicher Gewalt, BDSM und die Darstellung grotesk verunstalteter Körper. Selbst ein vom Fleisch befreiter Körper oder wie eben jenes von den Knochen gerissen wird, ist zu sehen. Findet ihr das zu abstoßend, solltet ihr von Hellraiser: Revival die Finger lassen. Natürlich ist auch wieder Body-Horror dabei – eines der zentralen Elemente des Franchises, das allgemein stark auf Gelüste und Fetische setzt.

Lasst euch aber nicht zu sehr von Gewaltgrad und Erotik abschrecken. Es gibt zwar einige wirklich harte und mitunter eklige Szenen, meist bleibt das Horrorspiel aber im Rahmen anderer Titel. Lediglich die Kombination mit Erotik, Sex und BDSM ist unüblich und kann durchaus Einfluss auf die Wirkung und Darstellung nehmen. So beginnt Hellraiser: Revival mit einer Sexszene von Aidan und Sunny, in deren Verlauf Nadeln und Schläge Anwendung finden und schließlich die Puzzlebox, ein uraltes Artefakt, zum Einsatz kommt. Unwissend gelingt es ihnen, die Puzzlebox während ihres Aktes zu aktivieren und dadurch einen Weg ins Labyrinth, eine Art Höllendimension, zu öffnen. Sunny verschwindet darin und Aidan sucht nach ihr. Einige schaurige Momente später sind sie wieder in ihrem Bett, doch die Zenobiten, angeführt von Pinhead, tauchen auf und zerfetzen die willige Sunny mit Ketten direkt von Aidans Augen, der anschließend von einer Sekte gefangen genommen wird. Es ist nun an Aidan, dem Kult zu entkommen und schließlich Sunny zu retten. Dafür geht er sogar einen gefährlichen Pakt ein.

Frustrierendes Gameplay

Bei Geschichte, Atmosphäre und Charakteren kann Hellraiser: Revival durchweg überzeugen. Sicher, das Genre wird nicht neu erfunden und einigen bekannte Elemente aus Horrorspielen und -filmen kommen zum Einsatz. Trotzdem wird eine spannende und motivierende Handlung mit gut geschriebenen Figuren geboten. Vor allem Aidan und Sunny, aber auch die namhaften Kultmitglieder und die Zenobiten erhalten mehr Tiefe als es anfangs zu erwarten ist. Gleichzeitig trumpft Hellraiser: Revival mit einer überaus dichten Atmosphäre auf. Im Einklang mit der stimmungsvollen Grafik, die vor allem die Schauplätze eindrucksvoll in Szene setzt, und der schaurigen Soundkulisse inklusive sehr guter englischer Vertonung, lässt Hellraiser: Revival nicht mehr so schnell los. Zumindest theoretisch. Denn das Horrorspiel leidet teilweise unter dem Gameplay.

Kämpfe fühlen sich nicht wirklich gut an. Weder das Schlagen mit Knüppeln, Messern und dergleichen noch das Schießen mit Pistole, Schrotflinte und Co hat die richtige Wucht. Stets wirken die Auseinandersetzungen schwammig, was gerade in manchen Szenen massiv für Frust sorgen kann. Vor allem die eigentlich teilweise eindrucksvollen, aber zum größten Teil nervig gestalteten Bosskämpfe leiden zusätzlich darunter. Eine Alternative zum Kampf ist manchmal Schleichen. Heimliches Vorgehen wird sogar befördert, funktioniert aber ebenfalls nur bedingt. Umso ärgerlicher, wenn ihr gezwungen seid, lautlos vorzugehen und bei einer Entdeckung sofort sterbt. Solche Trial-&-Error-Passagen gibt es leider ein paar, aber zum Glück nicht zu viele. Besonders zweischneidig fällt das Labyrinth, in das ihr immer wieder zurückgekehrt aus, Sind Abschnitte, in denen vor allem gerätselt wird, spannend, gibt es auch Geschicklichkeits- und Verfolgerpassagen. Beide sind mehr nervig und frustig als spaßig, was auch der nicht immer gelungen Steuerung zu verdanken ist.

Nervig, aber stimmungsvoll

Frustrierend, nervig, schwammig – das klingt alles nicht so gut. Und ja, die Schwächen können spürbar den Spielspaß von Hellraiser: Revival senken und sogar dazu führen, dass ihr überhaupt keine Motivation verspürt euch auf das Horrorspiel einzulassen. Das ist mehr als verständlich. Allerdings spielt hier viel persönliches Empfinden eine Rolle. Habt ihr in den Verfolgungsszenen beispielsweise Glück und wählt die richtigen Wege oder kommt mit der schnellen Drehung gut zurecht, schafft ihr die Abschnitte schnell, wodurch der Frust ausbleibt. Ähnliches gilt für nervige Kämpfe. Außerdem lohnt sich Hellraiser: Revival aufgrund der Geschichte und des atmosphärischen Erlebnisses trotz der Schwächen für alle Genre-Fans, die sich von Brutalität, Erotik und den angesprochenen Themen nicht abgeschreckt fühlen. Natürlich müsst ihr euch mit den Schwächen arrangieren können. Damit ist Hellraiser: Revival ein sehr gutes, wenn auch teilweise durchwachsenes Horrorspiel, das es verdient hat, mit einem Nachfolger eine zweite Chance zu bekommen.

Fazit

Clive Barkers Romanvorlage habe ich nie gelesen und Hellraiser: Das Tor zur Hölle lediglich ein- oder zweimal vor Ewigkeiten gesehen. Trotzdem hat mich das erste Videospiel zum Franchise neugierig gestimmt. Schließlich genießt Hellraiser zurecht Kultstatus, auch wenn der Film vielleicht nicht perfekt gealtert ist. Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist ein düsteres, brutales und erotisches Horrorspiel-Erlebnis, das vor allem bei Geschichte, Charakteren und Atmosphäre überzeugt. Leider trüben einige Gameplay-Schwächen den Spielspaß manchmal spürbar und sorgen für Frust – sogar soweit, dass ich zeitweise keine Lust hatte weiterzuspielen. Besonders die Verfolgungssequenzen im Labyrinth haben mich frustriert und genervt, doch auch einge Kämpfe sind einfach nicht spaßig. Trotzdem würde ich Hellraiser: Revival jedem Horror-Fan, der sich mit dem hohen Gewaltgrad, erotischen Elementen inklusive BDSM und Body-Horror anfreunden kann, empfehlen. Zumindest antesten solltet ihr das erste Videospiel zum Franchise. Hoffentlich stimmen Wertungen und Verkaufszahlen, damit eine Fortsetzung die Schwächen ausbügeln kann.

Kurzfazit: Atmosphärisches Horrorspiel, das mit einem hohen Grad an Gewalt, Erotik, Sex und BDSM eine durchaus spannende Geschichte mit gelungenen Charakteren erzählt, aber unter einigen nervigen und frustrierenden Gameplay-Schwächen leidet.

Vielen Dank an Saber Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Clive Barker’s Hellraiser: Revival!

Details
Titel: Clive Barker’s Hellraiser: Revival
Genre: Survival-Horror, Action
Publisher: Saber Interactive
Entwickler: Saber Interactive
Spieler: 1
Syteme: Xbox Series X|S (getestet), PlayStation 5, Switch 2, PC
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 08. Oktober 2026