Rezension: Dragon Quest I & II HD-2D Remake (PS5)

Die Nachfahren Erdricks müssen sich in Dragon Quest I & II HD-2D Remake als Helden beweisen, um das Böse zu bekämpfen.

Rund ein Jahr nach Dragon Quest III HD-2D Remake, sind die ersten beiden Teile der Rollenspiel-Reihe ebenfalls in einer Neuumsetzung in dem modernen Pixel-Stil erschienen. Wie schon bei früheren Neuauflagen, fasst Dragon Quest I & II HD-2D Remake die ursprünglich erstmals 1986 beziehungsweise 1987 in Japan für das Famicom veröffentlichten Rollenspiele zusammen. Dabei wird schnell klar, dass die Umsetzungen der beiden Rollenspiele stark an das HD-2D-Remake des dritten Teils angelehnt sind. Das gilt nicht nur für die verwendete Grafik-Engine, sondern auch hinsichtlich Gameplay, Quality-of-Life-Funktionen und Menüs.

Heldenhafte Blutlinie

Die Veröffentlichung von Dragon Quest I & II HD-2D Remake nach der Neuauflage des dritten Teils ist aufgrund der Geschichte durchaus sinnvoll. Schließlich stellt Dragon Quest III ein Prequel zu den ersten beiden Serienteilen dar und erzählt die Geschichte des legendären Helden Erdrick. In Dragon Quest I schlüpft ihr wiederum in die Rolle eines Nachfahren der Hauptfigur aus Teil drei. Als solcher ist es an euch alleine eure Berechtigung als Held zu erlangen, um den finsteren Drachenfürst, der Alefgard bedroht, aufzuhalten. Die Geschichte ist eher simpel, kann aber genauso wie die etwas komplexere Geschichte des zweiten Teils motivieren. Dragon Quest II schickt euch als Prinz von Midenhall, Nachfahre des Helden aus Teil eins und somit Erbe des Erdrick, gemeinsam mit den Prinzen und Prinzessinnen von Cannock und Mondbach, die ebenfalls von dieser Abstammung sind, aus, um den finsteren Hoheprieser Hargon aufzuhalten.

Seid ihr in Dragon Quest I alleine unterwegs, etabliert Dragon Quest II die Heldengruppe aus vier Charakteren. Da ihr jeden davon selbst benennen dürft, wird trotz der teilweise vorgegebenen Persönlichkeiten, inklusive Vertonung und Dialogen, eine etwas engere Bindung zu den Figuren geschaffen. Gerade in Teil eins sollten aber keine allzu tiefgründigen oder ausgefeilten Charaktere erwartet werden. Zumal der Protagonist in beiden Rollenspielen stumm bleibt. Um so faszinierender ist es, dass seine Verhaltensweisen inklusive Mimik und Gestik ihm trotzdem eine rudimentäre Persönlichkeit verleihen. Hier zeigt sich, wie gut Charakterisierung auch ohne Dialoge und Sprache funktionieren kann.

Klassisch-moderne Abenteuer

Wie schon in Dragon Quest III HD-2D Remake, erkundet ihr in Dragon Quest I & II HD-2D Remake die Oberwelt, besucht Städte, Dörfer, Dungeons, Ruinen und andere Orte und folgt dabei der Geschichte. Optional lässt sich eine Markierung aktivieren, die auf der Karte anzeigt, wo ihr als nächstes hin müsst. Allerdings könnt ihr auch darauf verzichten, wenn ihr lieber das klassische Spielgefühl wollt. Ähnliches gilt für weitere Einstellungen, die euch das Abenteurerleben etwas erleichtern – inklusive drei Schwierigkeitsgraden. Doch egal ob ihr darauf zurück greift oder nicht, in beiden Rollenspielen gibt es einige Geheimnisse zu entdecken und die Reise der Helden führt euch an die entlegensten Winkel der jeweiligen Welt. Das Erkunden motiviert ungemein und entwickelt eine Sogwirkung, die in Einklang mit Geschichte, Atmosphäre und restlichem Gameplay dafür sorgt, dass es schwerfällt den Controller wieder aus der Hand zu legen.

Die klassischen, rundenbasierten Kämpfe haben daran ebenfalls einen großen Anteil. Große Unterschiede gibt es bei den Auseinandersetzungen mit Monstern zwischen den beiden Dragon-Quest-Teilen nicht. Wie im Remake von Dragon Quest III, kommt es regelmäßig auf der Oberwelt oder in Dungeons zu zufälligen Begegnungen mit Gegnern. Hier bleibt Dragon Quest I & II HD-2D Remake angenehm klassisch. Auch die Runden-Kämpfe selbst fühlen sich trotz moderner Elemente schön Old School an. Ob ihr nun als Erdricks-Nachfahre in Teil eins oder als Prinzen und Prinzessinnen in Teil zwei unterwegs seid, Runde für Runde erteilt ihr euren Helden Befehle. Ihr könnt normal mit der ausgerüsteten Waffe angreifen, Fähigkeiten einsetzen, Zauber wirken oder auf Gegenstände zurückgreifen. Wie ihr vorgeht, sollte von den jeweiligen Gegnern abhängen. Gerade der zweite Teil bietet mit der vierköpfigen Heldengruppe noch etwas mehr taktische Tiefe. Zusätzlich könnt ihr für die Charaktere Verhaltensweisen festlegen. Dadurch ist es nicht erforderlich ihnen Befehle zu erteilen, sondern die Figuren agieren im Kampf anhand eurer Vorgaben eigenständig. Sogar welche Fähigkeiten und Zauber sie einsetzen sollen, könnt ihr festlegen. Gerade wenn ihr in Gebieten mit schwachen Monstern unterwegs seid oder einfach nur Leveln wollt, ist das praktisch.

Heldenhafte Weiterentwicklung

Level bedeuten natürlich auch Erfahrungspunkte, die ihr für das Besiegen von Monstern verdient. Entsprechend werden die Charaktere mit der Zeit immer stärker. Das ist angesichts des manchmal sprunghaft anziehenden Schwierigkeitsgrades auch enorm wichtig. Selbst auf der niedrigsten der drei einstellbaren Schwierigkeitsgrade kann Dragon Quest I & II HD-2D Remake ohne entsprechende Vorbereitung fordernd sein. Manchmal ist mir nicht einmal ein Unterschied zwischen dem niedrigen und dem mittleren Schwierigkeitsgrad aufgefallen. Es ist essentiell, Kämpfe zu bestreiten und Level aufzusteigen. Dadurch erlernen die Charaktere neue Fähigkeiten und Zauber. Diese können auch mit den in der Welt verteilten Schriftrollen erlangt werden. Allerdings sind diese Verbrauchsgegenstände, weshalb in Teil zwei gut überlegt sein will, wem ihr welche Fähigkeiten beziehungsweise welchen Zauber beibringt. Ebenso wichtig ist die richtige Ausrüstung. Waffen, Schilde, Kopfbedeckungen, Körperrüstung und zwei Accessoires helfen dabei, die Charaktere zu stärken, erfordern aber auch entsprechende finanzielle Mittel. Auch hier ist Teil zwei aufgrund der größeren Heldengruppe komplexer.

Beide Rollenspiele haben einige nützliche Quality-of-Life-Funktionen, die bereits aus dem Remake von Teil drei bekannt sind, spendiert bekommen. So könnt ihr euch auf Tastendruck den gerade abgespielten Dialog merken. Sehr hilfreich, wenn darin Geheimnisse verraten oder auf eine Aufgabe hingewiesen wurde. Zusätzlich bietet Dragon Quest I & II HD-2D Remake Funktionen wie automatisches Heilen über das Menü, praktische Tutorials, umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten inklusive drei Kampfgeschwindigkeitsstufen oder Spielunterstützungsfunktionen. Ebenfalls könnt ihr das Abenteuer jederzeit beenden und einen Schnellspeicherstand erstellen. Dadurch seid ihr nicht auf die automatischen Speicherpunkte oder das Speichern in der Kirche angewiesen, wenn ihr aufhören wollt. Sogar mitten in einem Dungeon ist es damit möglich, eine Pause einzulegen. Sehr schön.

Wunderschön, faszinierend und atmosphärisch

Optisch setzt das Remake der ersten beiden Dragon-Quest-Spiele wie der Titel es bereits vermuten lässt, auf Square Enix’ etablierte HD-2D-Engine, die einen schönen Pixel-Stil in HD-Auflösung mit modernen Grafikelementen vereint. Bereits in der Vergangenheit haben Spiele wie Octopath Traveler I & II, Triangle Strategy oder besonders Dragon Quest III HD-2D Remake bewiesen, wie hübsch die Spiele mit dem Grafikgerüst sind. Zumal trotz des Pixelstils gerade Wasser- und Spiegelungseffekte atemberaubend sind und selbst technisch aufwendigere Spiele in den Schatten stellen. Zudem passt die HD-2D-Engine wie schon bei Teil drei einfach wunderbar zu den Dragon-Quest-Spielen. Gemeinsam mit dem fantastischen, zeitlosen Soundtrack in seiner für das Remake neuen Form, baut Dragon Quest I & II HD-2D Remake eine faszinierende Atmosphäre auf, die viel zum großartigen Spielgefühl und dem enormen Spielspaß beiträgt. Zudem läuft die Neuauflage der beiden Rollenspiele sowohl im Performance- als auch im Qualitäts-Modus astrein und ohne irgendwelche technischen Probleme. Erstklassig! Damit haben Dragon Quest I und Dragon Quest II mehr als würdige Remakes erhalten.

Fazit

Als Japan-Rollenspiel-Fan gehört die Dragon-Quest-Reihe zwar zu Pflichttiteln, hat bei mir aber keinen so hohen Stand wie andere Genrevertreter. Bereits Dragon Quest III HD-2D Remake hat sich das geändert. Für Dragon Quest I & II HD-2D Remake gilt das erneut und vielleicht sogar noch etwas mehr. Lange hat mich kein klassisches JRPG mehr so gefesselt wie die Neuauflagen der ersten beiden Dragon-Quest-Spiele. Obwohl die Geschichten eher simpel sind, motivieren mich die Abenteuer der Nachfahren Erdricks immer wieder zum Weiterspielen, haben mich sogar derart an die PlayStation 5 gefesselt, dass ich oft viel länger gespielt habe, als ursprünglich geplant. Doch das ist nicht nur den kurzweiligen und klassischen Geschichten zu verdanken. Auch das modern-old-schoolige Gameplay hat mich begeistert, während die wunderschöne Pixel-Optik und der fantastische Soundtrack für eine faszinierende Atmosphäre sorgen. Damit gehört Dragon Quest I & II HD-2D Remake zu meinen bisher liebsten JRPGs des Jahres. Genre- und Dragon-Quest-Fans sollten sich die Neuauflage der beiden Rollenspiel-Klassiker auf keinen Fall entgehen lassen.

Kurzfazit: Motivierendes Remake von zwei zeitlosen Rollenspiel-Klassikeren, die im neuen Gewand ein faszinierendes wie fesselndes und spaßiges Genre-Erlebnis garantieren.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Quest I & II HD-2D Remake!

Details
Titel: Dragon Quest I & II HD-2D Remake
Genre: Rollenspiel
Publisher: Square Enix
Entwickler: Artdink, Square Enix
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 5 (getestet), Xbox Series X|S, Switch 2, Switch, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2025

© ARMOR PROJECT/BIRD STUDIO/SPIKE CHUNSOFT/SQUARE ENIX © SUGIYAMA KOBO

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