Rezension: Fred and Jeff: The Atomic Sulfate (Switch)

Die T.I.A.-Agenten Fred Clever und Jeff Smart müssen in Fred and Jeff: The Atomic Sulfate eine gefährliche Chemikalie von einem tyrannischen Diktator wiederbeschaffen.

Neben Asterix, Tim & Struppi, Spirou & Fantasio und Gilles der Gauner gehört Clever & Smart zu den großen klassischen europäischen Comic-Reihen. Ab 1958 hat Autor und Zeichner Francisco Ibáñez im spanischen Original zweihundertzweiundzwanzig Ausgaben über die beiden chaotischen Geheimagenten veröffentlicht. Das letzte Album wurde postum 2025 veröffentlicht und gilt nach Ibáñez Tod im Jahr 2023 als wahrscheinlicher Abschluss der Reihe. Bereits 1998 wurde die ursprünglich 1969 veröffentlichte erste lange Geschichte von Clever & Smart als Point-&-Click-Adventure umgesetzt. Ratalaika Games hat Fred and Jeff: The Atomic Sulfate eine Neuauflage unter anderem mit deutschen Texten spendiert.

Witzig, aber kurz

Wie erwähnt, erzählt Fred and Jeff: The Atomic Sulfate die Geschichte des ersten langen Comic-Albums der Reihe nach. Die beiden Agenten werden von ihrem Chef Mister L beauftragt, das namensgebende Atomic Sulfate wiederzubeschaffen. Dieses wurde von Doktor Bazilus entwickelt und vergrößert damit die in Kontakt kommenden Insekten enorm. Statt alles davon vernichten zu können, ist die Chemikalie in die Hände des tyrannischen Dikators von Terroria gelangt. Es ist also an Fred Clever und Jeff Smart, sich in das fremde Land zu begeben, in den Herrscherpalast einzudringen und das Atomic Sulfate zurückzuholen. Dafür gilt es, die beiden Hauptfiguren sinnvoll einzusetzen und klassische Point-&-Click-Art Rätsel zu lösen.

 

Entsprechend erkundet ihr die Umgebungen, sammelt Gegenstände ein, kombiniert diese miteinander oder setzt sie an richtigen Orten ein. Außerdem führt ihr meist sehr kurze Dialoge und nutzt die darin enthaltenen Informationen. Allzu umfangreich oder schwer fällt Fred and Jeff: The Atomic Sulfate nicht aus. Zu Beginn seid ihr auf jeweils einen Ort beschränkt und erst, wenn ihr nach kurzer Zeit den Herrscherpalast in Terroria erreicht habt, öffnet sich das Adventure ein wenig. Allzu viele Interaktionspunkte oder Gegenstände findet ihr allerdings nicht, weshalb die Rätsellösungen trotz einiger abgedrehter und humoristischer Ansätze schnell gefunden sind. Etwas nervig kann dabei sein, dass manche Abläufe, wie der Ausbruch aus dem Gefängnis, mehrmals wiederholt werden müssen. Doch selbst wenn ihr für einige Rätsel ein wenig länger braucht, bleibt die Spielzeit mit rund ein bis zwei Stunden überschaubar. Theoretisch könnt ihr das Adventure auch in unter einer Stunde beenden.

Die durchaus witzige Geschichte kann die kurze Spielzeit nur ein wenig aufwiegen. Immerhin funktioniert der typische Clever-&-Smart-Humor weitgehend und es gibt einige amüsante Anspielungen an die Comic-Reihe sowie kleine Geheimnisse zu entdecken. Diese können allerdings auch dafür sorgen, dass ihr bei Rätseln festhängt, weil ihr euch mit etwas befasst, dass für die Geschichte selbst keine Relevanz hat. Dazu gesellt sich eine eher schwammige Steuerung, die noch ärgerlicher ist, da die Interaktionspunkte sehr genau getroffen werden müssen. Grafisch weiß das Adventure mit einem charmanten Zeichenstil, der perfekt die Comic-Vorlage einfängt, zu gefallen. Das Remaster spart allerdings an Möglichkeiten. So lassen sich neben der Textsprache lediglich die spanische Vertonung deaktivieren und ein optionaler CRT-Filter einstellen. Als Bonus ist in der Galerie ausschließlich das spanische Originalhandbuch enthalten. Das Adventure läuft wenig überraschend problemlos. Ob sich Fred and Jeff: The Atomic Sulfate aber wirklich lohnt, lässt sich angesichts des geringen Umfangs nur schwer beurteilen. Lediglich große Clever-&-Smart-Fans werden sich an der kurzen Spielzeit und den Macken nicht stören.

Fazit

Die Clever-&-Smart-Comics gehören für mich zu meiner Kindheit und Jugend. Genauso wie andere europäische Alben, habe ich die Abenteuer der beiden chaotischen Agenten gerne gelesen. Dass es zu der spanischen Comic-Reihe ein Point-&-Click-Adventure gibt, wusste ich bis zur Veröffentlichung des Remasters von Fred and Jeff: The Atomic Sulfate nicht. Umso gespannter war ich darauf, was mich bei der Neuauflage des 1998 erstmals erschienen Adventures erwartet. Allerdings haben mich Gameplay und Umfang relativ bald ein wenig ernüchtert. Während der Humor funktioniert, fällt die Steuerung zu schwammig aus und die Rätsel sind insgesamt etwas zu leicht. Zudem habe ich die Geschichte bereits nach einer Stunde beendet – und das mit einer eher langsamen Geschwindigkeit. Entsprechend ist es möglich das Adventure auch schneller durchzuspielen. Das wäre weniger negativ, wenn die Rätsel mehr überzeugen könnten oder allgemein das Gameplay anspruchsvoller wäre. So bleibt ein zwar charmantes und witziges, aber auch zu kurzes und einfaches Point-&-Click-Adventure, das bei mir immerhin Nostalgie geweckt hat. Genre-Fans finden bessere Alternativen, weshalb nur Clever-&-Smart-Fans, die das Adventure nachholen wollen, einen Blick wagen sollten. Schlecht ist Fred and Jeff: The Atomic Sulfate nicht, aber auch nicht vollends überzeugend.

Kurzfazit: Kurzes Point-&-Click-Adventure, das trotz Charme, Humor und Clever-&-Smart-Nostalgie nur bedingt überzeugt und unter Gameplay-Macken leidet.

Vielen Dank an Ratalaika Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fred and Jeff: The Atomic Sulfate!

Details
Titel: Fred and Jeff: The Atomic Sulfate
Genre: Adventure
Publisher: Ratalaika Games
Entwickler: Erbe Software
Spieler: 1
Syteme: Switch (getestet), PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Xbox One
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungsdatum: 30. Januar 2026