Rezension: Actraiser Renaissance (PS4)

Als wiedererstarkende Gottheit stellen wir uns in Actraiser Renaissance an der Seite der Menschen und eines Engels dem Bösen entgegen.

Actraiser ist ursprünglich im Dezember 1990 in Japan und im März 1993 schließlich in Europa für das Super Nintendo Entertainment System erschienen. Am 24. September hat Square Enix überraschend ein Remake des ungewöhnlichen Genres-Mixes aus Action-Plattformer und Göttersimulation angekündigt und direkt für PlayStation 4, Nintendo Switch und PC veröffentlicht. In Actraiser Renaissance ist es weiterhin unsere Aufgabe, als selbstbenannter Gott den bösen Dämon Tanzra zu besiegen und die Menschheit in sechs Ländern wieder erblühen lassen. Dabei ist das Gameplay klar in zwei Bereiche eingeteilt: die Action-Level und die Göttersimulations-Parts.

Auferstandende Gottheit

Am Anfang von Actraiser Renaissance steht einer der Action-Abschnitte. Als zurückgekehrte Gottheit, schlüpfen wir in eine Statue und bahnen uns unseren Weg durch den ersten Level. Dabei schnetzeln wir allerlei Dämonen und bezwingen am Ende einen Bossgegner. Ähnliche Abschnitte erwarten uns zu Beginn und zum Abschluss eines jeden Landes, das wir besuchen. Stets müssen wir als schwertschwingender Krieger, Dämonen besiegen und die Level springend und laufend durchqueren. Die Auftaktlevel jedes Landes dienen dazu, dieses von den Dämonen zu befreien, damit sich wieder Menschen niederlassen können. Ist das geschafft, wechselt das Geschehen in die Vogelperspektive.

Aus dieser betrachten wir das aufzubauende Land. Statt unserer Gottheit schlüpfen wir nun in die Rolle eines Engels, der als Gottes Bote dient. Mit gerade einmal zwei Einwohnern und unserem Tempel heißt es, jedes Land von Grund auf neu zu errichten. Dafür entfernen wir störende Hindernisse wie Bäume, Felsen, Sümpfe und dergleichen mit Wundern. Anschließend dürfen wir die Menschen führen und festlegen, wo sie Straßen anlegen. An diese errichten unsere Gläubigen selbstständig Wohnhäuser, Felder und Werkstätten. Verschachtelte und komplizierte Menüs wie sie in vielen Göttersimulationen üblich sind, suchen wir glücklicherweise vergeblich. Actraiser war schon im SNES-Original bewusst simpel gehalten, was aber keineswegs negative Auswirkungen hat. Im Gegenteil. Dadurch fühlen sich die Strategie-Parts angenehm kurzweilig, wenn auch manchmal etwas zu anspruchslos, an. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich ein angenehmer Spielfluss, der uns die Zeit vergessen lässt.

Göttliche Eingriffe

Um die Göttersimulationsabschnitte etwas interessanter zu gestalten, verteidigen wir die Stadt gegen, aus Monsterhöhlen erscheinende Dämonen. Dafür setzen wir den Bogen des Engels ein, den wir in jedem Strategie-Level spielen. Haben wir genug unserer göttlichen Macht zurück erlangt, machen sich die Menschen daran, die Monsterhöhlen zu versiegeln. Hier sind dann wieder wir gefragt. In kurzen Action-Parts bezwingen wir Dämonen und die Kugeln aus denen sie schlüpfen. Sind wir erfolgreich, schrumpft die Bedrohung für unser Land und weniger Dämonen erscheinen.

Für zusätzliche Abwechslung sorgen zudem die neuen Tower-Defense-Elemente. Regelmäßig im Verlauf der Geschichte stürmen zahlreiche Monster auf unser Land zu und bedrohen Menschen, Gebäude und besonders unseren Tempel. Es ist an uns zuvor eine begrenzte Zahl an Festungen zu errichten, um die Dämonen aufzuhalten. Dabei fallen jedoch die Einschränkungen etwas störend auf. Wir haben weder die Möglichkeit Straßen, denen viele der Angreifer folgen, zu verlegen oder zu beseitigen, noch können wir Festungen wirklich frei errichten. Nur an wenigen vorgesehenen und nicht logisch nachvollziehbaren Orten, können wir etwa Torfesten errichten. Eine genaue Planung wird dadurch erschwert. Immerhin schadet das dem allgemeinen Spielspaß kaum.

Zusätzlich zu unseren Festungen verfügt jedes Land über einen Helden oder eine Heldin. Diese Einheit dürfen wir während den Tower-Defense-Gefechten an jeden Ort unserer Stadt schicken, um dort gegen die Dämonen zu kämpfen. Später dürfen wir, eine aufgeladene Bewöhrungsleiste vorausgesetzt, auch Helden anderer Länder zur Hilfe rufen und diese ebenfalls an wichtigen Verteidigungspunkten positionieren. Das sorgt für zusätzliche Freiheit und ermöglicht uns zumindest ein wenig auf die nahenden Monster direkt während einer Schlacht zu reagieren. Ansonsten haben wir lediglich die Möglichkeit unsere Wunder wie Blitze oder Stürme einzusetzen. Diese fügen manchen Monstern mehr, anderen weniger Schaden zu. Allerdings dauert es nicht nur etwas, bis wir sie wieder verwenden dürfen, sondern auch unsere Magiepunkte sinken und Auffrischung erhalten wir eher selten über die Felder unserer Stadt.

Gewöhnungsbedürftig, aber gelungen

Wie bereits erwähnt entwickelt Actraiser Renaissance einen überaus angenehmen Spielfluss, was auch der wunderbaren Mischung aus Action-Level, Göttersimulationsabschnitt und wieder Action-Level zu verdanken ist. Gerade in den Strategie-Parts werden wir aber häufig von den ausufernden, wenn auch meist für sich genommen eher kurzen, Gesprächen rausgerissen. Immer wieder melden sich die Bewohner unseres Landes mit einem Anliegen. Statt diese mit einem Symbol am Tempel zu markieren, werden wir ohne, dass wir Einfluss darauf hätten und unabhängig davon was wir gerade machen, direkt in den Dialog befördert. Diese sind mit Standbildern und Textboxen versehen. Auf Animationen oder Sprachausgabe wurde komplett verzichtet. Das ist ein wenig bedauerlich, da die Präsentation der Geschichte deshalb ein wenig trocken wirkt. Ordentlich erzählt wird die Handlung aber trotzdem. Ein wenig zu verdanken ist das auch den Helden, die noch eine persönliche, wenn auch stets etwas ähnliche, Seite in die Ereignisse eines Landes bringen. In erster Linie geht es aber immer darum, dass wir einen bösen Untergebenen von Tanzra bezwingen müssen, um die Welt endgültig von dem mächtigen Dämon zu befreien.

Wenig überraschend wurde Actraiser Renaissance für das Remake optisch aufgefrischt. Allerdings erwartet uns keine modernisierte Pixel-Grafik mit Anlehnung an das SNES-Original. Genauso wenig wurde auf schicke gezeichnete Figuren und Umgebungen gesetzt, wie sie das Intro vielleicht erahnen lassen. Stattdessen erwarten uns eine vorgerenderte 2,5D-Grafik, die eher an PlayStation-1-Zeiten oder die 2000er-Jahre erinnert. Trotzdem hat uns die Optik schon nach kurzer Zeit wirklich gefallen. Actraiser Renaissance erhält dadurch etwas eigenständiges und fast schon erfrischend Klassisches. Der Stil passt nach kurzer Eingewöhnungszeit zum Spiel und setzt sich gerade von den zahlreichen Retro-Pixel-Titeln der letzten Jahre ab. Zudem läuft der Action-Göttersimulations-Mix auf PlayStation 4 und PlayStation 5 absolut flüssig. Untermalt wird das Geschehen vom grandiosen neu eingespielten Soundtrack von Komponist Yuzo Koshiro (u.a. Streets of Rage, Etrian Odyssey). Wahlweise dürfen wir auf die SNES-Original-Musik wechseln, so dass auch Retro-Fans ihre Freude an den treibenden und pompösen, lediglich in den Strategieabschnitten etwas zu simplen und eintönigen Stücken haben werden. Eine wunderbare Abrundung für den ungewöhnlichen, spaßigen Genre-Mix, der heute noch genauso überzeugt wie in den 1990er-Jahren.

Fazit

Auf dem SNES habe ich Actraiser leider genauso verpasst wie bei der Virtual-Console-Veröffentlichung auf der Nintendo Wii. Umso mehr habe ich mich auf das überraschend veröffentlichte Remake gefreut. Schließlich war Actraiser auf dem SNES das erste Spiel von Entwicklerstudio Quintet, die mit Soul Blazer, Illusion of Time und Terranigma einige der besten Rollenspiele der 1990er veröffentlicht haben. Actraiser Renaissance hat mich mit dem ungewöhnlichen Mix aus Action-Leveln und Göttersimulation schnell in seinen Bann gezogen. Egal ob ich nun als von Gott beseelte Krieger-Statue Dämonen schnetzel oder als Engel die Menschheit zu neuer Größe führe, stets war ich motiviert, hatte Spaß und wurde vom angenehmen Spielfluss mitgerissen. Oft habe ich mich dabei erwischt, dass ich nur noch eine Quest, nur noch eine Monsterhöhle oder nur noch den nächsten Action-Level abschließen wollte und am Ende weitaus länger gespielt habe, als geplant. Das zeigt für mich, wie erstklassig das Gameplay funktioniert und ineinander greift und wie unterhaltsam der Kampf gegen das Böse ist. Sicher, die Geschichte ist eher simpel und manches Spielelemente, wie etwa die Tower-Defense-Abschnitte, könnten noch etwas feinschliff vertragen, doch das ist Kritik auf hohem Niveau und trübt den Spielspaß zu keiner Zeit. Stattdessen motiviert Actraiser Renaissance jederzeit und ist einfach ein fesselndes und spaßiges Action-Strategie-Erlebnis, das auch heutzutage noch wunderbar funktioniert.

Kurzfazit: Gelungenes Remake eines motivierenden SNES-Klassikers der mit ungewöhnlichem Genre-Mix überzeugt und fesselnden Spielspaß garantiert.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Actraiser Renaissance!

Details
Titel: Actraiser Renaissance
Genre: Action, Strategie
Publisher: Square Enix
Entwickler: Square Enix, Sonic Powered Co. Ltd., Quintet
Spieler: 1
Syteme: PS4 (getestet), Switch, PC, Android, iOS
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 24. September 2021