Rezension: Lieb mich noch, bevor du stirbst – Band 1 (Manga)

Eine verbotene Liebe, ernste Themen und schwarzer Humor bestimmen den Romantik-Comedy-Manga Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1.

Elftklässlerin Mikoto hat einem Mitschüler ihre Liebe gestanden und wurde zurückgewiesen. Mit gebrochenem Herzen will sie vom Schuldach springen. Glücklicherweise ist ihr Lehrer, Jin Haiba, zur Stelle, um sie davon abzuhalten. Der wenig durchsetzungsfähige, rauchende und zynische junge Mann redet allerdings nicht nur einfach mit ihr, sondern bringt die sicherlich nicht auf den Mund gefallene Mikoto aus dem Konzept, als er sagt „Lieb mich noch, bevor du stirbst“. Vorerst von ihrem Vorhaben zu sterben abgebracht, kommt es anschließend regelmäßig zu privaten Begegnungen von Mikoto und ihrem Lehrer.

Gratwanderung

Lieb mich noch, bevor du stirbst ist die erste Reihe von Mangaka sora, die auf deutsch veröffentlicht wird. Die in Japan mit sechs Bänden noch nicht abgeschlossene schwarze Romantik-Komödie verwendet gleich zwei Themen, die nicht jedem gefallen dürften und den reinen Unterhaltungswert in Frage stellen: eine möglicherweise romantische Beziehung zwischen Schülerin und Lehrer sowie Selbstötung. Entsprechend schmal ist der Grat auf dem Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1 wandelt. Besonders bezüglich der verbotenen Liebe könnte die Shojo-Reihe im weiteren Verlauf zu sehr romantisieren und den wahren Ernst einer solchen Beziehung vergessen lassen. Im ersten Band halten sich ein- und zweideutige Bemerkungen aber noch die Waage und gehen Hand in Hand mit dem teils sehr schwarzen Humor, den Mangaka sora immer genau richtig einsetzt. Dadurch verliert so manche Szene etwas von ihrer Wirkung, was die sich anbahnende Liebe zwischen Schülerin und Lehrer ein wenig entkräftet. Außerdem ist gerade Mikoto sehr bewusst, was eine Annäherung an Jin Haiba bedeuten würde, so dass dieser Aspekt ebenfalls thematisiert wird. Hier bleibt abzuwarten wie sich Lieb mich noch, bevor du stirbst entwickelt.

Dazu kommt fast immer irgendwie vorhandene Thema der Selbstötung. Auch nach Mikotos Vorhaben vom Schuldach zu springen, bleiben der Tod und der Wert des Lebens stets präsent. Häufig sprechen Mikoto und Jin darüber und sei es nur aufgrund eines Missverständnisses. Dabei offenbart sich relativ bald, dass die düstere, leicht pessimistische Mikoto sich gar nicht so sehr vom zynischen Lehrer Jin Haiba unterscheidet. Vielmehr wirken die beiden im Laufe des Bandes immer mehr wie Verwandte Seelen, was ihre Beziehung noch intensiver erscheinen lässt, zugleich die Situation zwischen ihnen aber noch ein wenig fragwürdiger gestaltet. Das ist gerade deshalb ein wenig schade, weil Mikoto und Jin sich als die größte Stärke von Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1 herausstellt. Die beiden Protagonisten tragen maßgeblich zu den stärksten Momenten, wenn der Fokus auf schwarzen Galgenhumor und trockene Wortgefechte der beiden gelegt wird, bei. Andere Figuren bleiben hingegen weitgehend Statisten, viele erhalten nicht einmal Namen. Mikoto und Jin stehen ganz klar im Mittelpunkt.

Um so bedauerlicher ist es, dass sich Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1 immer wieder in den üblichen Genre-Standards verliert. Trotz der gut genutzten, mal detailreichen, mal auf den Punkt gebracht einfachen Zeichnungen, wirkt der Manga zu oft so, als würden nur bekannte Romantik-Elemente aufgewärmt. Das trägt zusätzlich dazu bei, dass die Beziehung zwischen Mikoto und Jin romantisiert wird, was gerade aufgrund ihrer nicht gleichwertigen Positionen als Schülerin und Lehrer fragwürdig wirkt und eine schmale Gratwanderung darstellt. Ein wenig verstärkt wird das Ganze von der präsenten Selbstötungsthematik. Deshalb eignet sich Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1 eher für Genre-Fans, die etwas mit den düsteren, ernsten Themen anfangen können und sich nicht an der Lehrer-Schülerin-Beziehung stören.

Fazit

Nach dem Lesen von Lieb mich noch, bevor du stirbst Band 1, bin ich ein wenig unsicher, was ich von dem Manga halten soll. Auf der einen Seite steht das gelungene Protagonistenduo, der schwarze Humor und die ernsten Themen, die durchaus spannend eingebaut sind. Dem gegenüberstehen jedoch eine verbotene Liebe, die für meinen Geschmack zu sehr Gefahr läuft romantisiert und damit relativiert zu werden. Dabei würde die Geschichte auch mit zwei Schülern oder Erwachsenen problemlos funktionieren und würde die Gratwanderung bei der Beziehung vermeiden. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich Lieb mich noch, bevor du stirbst entwickelt. Da die Reihe mit aktuell sechs Bänden in Japan noch nicht abgeschlossen ist, bleibt noch viel Zeit, um den richtigen Weg zu finden. Nach dem ersten Manga bin ich aber trotz des gut eingesetzten Humors und der funktionierenden Protagonisten skeptisch, ob Lieb mich noch, bevor du stirbst die Gratwanderung gelingt.

Kurzfazit: Romantik-Manga, der mit Schülerin-Lehrer-Beziehung eine fragwürdige Gratwanderung wagt, aber mit gutem, teils schwarzem Humor, ernsten Themen und gelungenen Hauptfiguren überzeugt.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lieb mich noch, bevor du stirbst – Band 1!

Details
Titel: Lieb mich noch, bevor du stirbst – Band 1
Originaltitel: Tsuiraku JK to Haijinkyoshi
Genre: Romantik, Drama, Komödie
Verlag: altraverse
Text/Zeichnungen: sora
Seiten: 192
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-335-3
Verlagsseite: Lieb mich noch, bevor du stirbst – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 14. November 2019

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