Rezension: Ayanashi – Band 1 (Manga)

Als menschenverachtender Kämpfer ist Holo in Ayanashi Band 1 in einer von Finsternis verschlungenen Welt auf der Suche nach Rache.

Seit die Welt von Dunkelheit verschlungen wurde und gefährliche Monster, genannt Oni, aufgetaucht sind, lebt die Menschheit in verborgenen, unterirdischen Städten. Nur die Ayanashi kämpfen an der Oberfläche gegen die Oni. Außerdem übernehmen sie Aufträge für die Städte, führen etwa Kurierdienste aus oder sichern Handelsrouten. Eines Tages, gelangt Holo, der die Finsternis der Welt selbst gewählt hat, unfreiwillig unter die Erde zurück. Dabei verfolgt er nur ein Ziel: den Mörder seines kleinen Bruders finden.

Menschen-hassender Beschützer

Für seine vierbändige Debüt-Reihe Ayanashi nutzt Mangaka Yukihiro Kajimoto bekannte Elemente aus den Action- und Fantasy-Genres und mischt alles zu einer spannenden Shonen-Geschichte. Die Menschheit ist in der Welt von Ayanashi gezwungen in verborgenen, unterirdischen Städten zu leben, da die Oberfläche von den gefährlichen Oni heimgesucht wird. Zum Auftakt des ersten Bandes schickt Yukihiro Kajimoto den Protagonisten Holo verletzt wieder unter die Erde. Dort wird er von den Geschwistern Sierra und Torin gefunden und gesund gepflegt. Diese anfänglich noch ruhigen Momente werden gut genutzt, um ein Gefühl für das einfache Leben der Menschen und Holo zu bekommen. Gerade der Hauptcharakter fällt mit seiner menschenverachtenden Art auf. Berührungen erträgt er nicht, hat sogar regelrecht Angst davor, weshalb er freiwillig das Exil als Ayanashi an der Oberfläche gewählt hat. Wissend, dass diese in den Städten einen eher zweifelhaften Ruf haben und mitunter gefürchtet werden.

Natürlich lässt auch die Action nicht lange auf sich warten. Noch im ersten der vergleichsweise langen Kapitel kommt es zu einem gut inszenierten Kampf gegen einen riesigen Oni, bei dem Holo erstmals zeigen kann, über welche Fähigkeiten er trotz seines noch recht jungen Alters verfügt. Gleichzeitig wird aber auch die Stimmung unter den Stadtbewohnern gegenüber Ayanashi deutlich. Obwohl Holo ihnen geholfen hat, reagieren die Menschen mit Furcht, Abneigung und Schuldzuweisung. Dass es nicht immer so ist, zeigt sich im weiteren Verlauf des Mangas, wenn Holo nach seiner Rückkehr an die Erdoberfläche auf andere Personen trifft. Darunter sowohl Ayanashi als auch Stadtbewohner. Mit Aura tritt ein kleines Mädchen auf den Plan, dessen Umgang mit Holo verdeutlicht, dass hinter der harten, abweisenden Schale des Protagonisten eine sanftere Ader verborgen liegt. Angedeutet wird das bereits durch Sierra und Torin und untermauert mit kurzen Rückblicken auf Holos kleinen Bruder Rico, der von einem einäugigen Mann ermordet wurde.

Leider weist der potenzielle Antagonist recht stereotype Eigenschaften auf und bleibt vorerst noch etwas blass. Auch sonst lässt sich nur schwer erahnen, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen soll. Viele Grundlagen werden geschaffen, doch erst zum Ende hin zeichnet sich eine etwas klarere Handlung ab, die in Verbindung mit Holos Suche nach Rache zusammenhängen könnte. Das alles gipfelt schließlich in einem spannenden, wenn auch eher üblichen Cliffhanger, der die Geschichte trotzdem noch einmal ein ganzes Stück interessanter macht. Doch auch bis hierhin kann Ayanashi Band 1 mit der gelungenen Mischung aus Charakter- und Weltvorstellung, Figureninteraktion und Action gute Fantasy-Shonen-Unterhaltung bieten. Ein weiterer Pluspunkt sind die schönen Zeichnungen, die mit schicken Charakter- und Onidesigns, düsteren Umgebungen und einem guten Panelaufbau zu gefallen wissen.

Fazit

Nicht alles an Ayanashi Band 1 mag vollkommen neu sein, doch Mangaka Yukihiro Kajimoto vereint die vorhandenen Elemente zu einem interessanten Szenario und erzählt darin eine spannende Geschichte rund um das Überleben der Menschheit und die Rache eines von Hass zerfressenen Jungen. Gerade Holo als menschenverachtender, aggressiver Protagonist mit sanfter Ader biete einige Möglichkeiten, die hoffentlich in den noch kommenden drei Bänden gut genutzt werden. Obwohl auch hier einige Standard-Elemente Verwendung finden, trägt Holo viel zur Funktionalität des Mangas bei. Doch auch sonst hat mich Ayanashi Band 1 mit einer interessanten Welt, gut inszenierter Action und gelungener Charakterinteraktion überzeugt und mit dem offenen Ende meine Neugier bezüglich der weiteren Bände geweckt. Fantasy-Action- und Shonen-Leser sollten sich Ayanashi Band 1 definitiv ansehen.

Kurzfazit: Spannender Fantasy-Action-Manga, der trotz Genre-Standards mit einem interessanten Szenario, guter Charakter- und Weltvorstellung, packender Action und neugierig stimmender Geschichte überzeugt.

Vielen Dank an Manga Cult für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ayanashi – Band 1!

Details
Titel: Ayanashi – Band 1
Originaltitel: Ayanashi
Genre: Action, Fantasy, Abenteuer
Verlag: Manga Cult
Story/Zeichnungen: Yukihiro Kajimoto
Seiten: 192
Preis: 10,00 €
ISBN:  978-3-964331-00-7
Verlagsseite: Ayanashi – Band 1 bei Manga Cult
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2019

© Yukihiro Kajimoto / Kodansha / Manga Cult c/o Amigo Grafik GbR