Rezension: Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt – Band 1 (Manga)

Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt Band 1 konfrontiert Iori mit großen Änderungen und Enthüllungen.

Iori Shijima ist ein normaler Schüler. Vielleicht ist er etwas zu pedantisch, plant seinen Alltag und sein Leben rigoros und vermeidet jegliche Überraschung. Treffen mit Freunden, Hausaufgaben, Schule, alles muss seinem Plan folgen. Doch sein normaler Alltag wird plötzlich vollkommen auf den Kopf gestellt, als Raumschiffe am Himmel erscheinen und seine Auslieferung verlangen. Danach geht es schnell. Mitschüler und Passanten greifen ihn an, ein geheimnisvolles Mädchen rettet ihn und stellt sich als seine Beschützerin vor. Doch damit nicht genug, ein junger Mann in Militärkleidung behauptet, der kleine Bruder von Iori zu sein und fordert diesen auf, mit ihm zu kommen. Dabei hat Iori keine Geschwister und lebt alleine mit seiner Mutter. Als wäre das nicht genug, taucht am Himmel ein großer schwarzer Kubus auf. Dieses Atrail genannte Objekt hat vor langer Zeit fast ein Drittel der Erdmasse vernichtet. Iori weiß davon aber nichts. Genauso wenig, dass nur er in der Lage ist, mit Atrail zu kommunizieren. Nun versuchen rivalisierende Organisationen ihn für sich zu gewinnen. Doch Iori ist das alles egal, er möchte nur seinen normalen Alltag zurück.

Normalitätsende

Autor von Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt ist niemand geringeres als Goro Taniguchi, der vorwiegend mit Anime-Produktionen wie Code Geass bekannt geworden ist. Die von Mangka Akihiko Higuchi umgesetzte Science-Fiction-Geschichte ist das Manga-Debüt des Regisseurs und Skriptschreibers. Als Leser begleitet man im ersten Band fast ausschließlich Iori Shijima, der statt eines normalen Schulalltags, den Zusammenbruch seines so durchgeplanten Lebens miterleben muss. Raumschiffe, eine Auslieferungsaufforderung die ihn betrifft, Mitschüler und Passanten, die ihn angreifen, ein flinkes Mädchen, das vorgibt seine Beschützerin zu sein und ein militärisch gekleideter junger Mann, der sich als Ioris kleiner Bruder vorstellt. Ähnlich wie Iori kann die Masse an Story, Enthüllungen und Wendungen – und das nur im ersten Kapitel – auch für den Leser etwas viel werden. Glücklicherweise verstehen es Autor und Zeichner, das Geschehen im Laufe des ersten Bandes immer wieder amüsant aufzulockern. Sei es durch Szenen, die vollkommen absurd wirken oder einfach nur Reaktionen und Mimik des großen, vielfältigen und interessanten Figurenfeldes.

Damit bietet Atrail Band 1 eine gelungene Mischung aus spannender Science-Fiction, gut geschriebenen Dialogen und zahlreichen Geheimnissen, die auch über den Manga hinaus neugierig stimmen. Leider werden manche Details noch zu offen behandelt, Fragen bleiben unbeantwortet und in mancher Hinsicht ist etwas zu große Unsicherheit vorhanden. Zwar ergibt sich daraus viel Potenzial für die Zukunft, gleichzeitig wirken manche Entwicklungen dadurch etwas holprig. Wirklich schaden kann das der fesselnden Geschichte aber nicht. Dafür funktioniert der Aufbau des Mangas, trotz klarer Genre-Konventionen, zu gut. Auch, weil ein ordentlicher Humor-Faktor gegeben ist. Mit Iori wird zudem ein sehr pedantischer, zumindest in Teilen ungewöhnlicher Protagonist geboten. Jeder Tag ist genau geplant und vorgegebene Uhrzeiten müssen eingehalten werden. Selbst spontane Fragen von Freunden, ob er nach der Schule Zeit hat, funktionieren nur bei Anmeldung drei Tage vorher. Damit aber nicht genug, Iori plant bereits weitaus weiter in seinem Leben. Das macht ihn sowohl etwas anstrengend, zeichnet ihn aber auch als individuell aus. Ähnliches gilt für die anderen Figuren, die zwar weniger einfallsreich sind, sich aber gut in das Szenario und die Geschichte einfügen und einige witzige und interessante Möglichkeiten mit sich bringen. Hier darf abgewartet werden, welche Entwicklungen Handlung und Charaktere im Laufe der in fünf Bänden abgeschlossenen Reihe noch machen. Bereits der Auftaktmanga zeigt, dass mit so einigen Überraschungen zu rechnen ist.

Trotzdem kann Atrail Band 1 nicht vollends überzeugen. Zu oft erlaubt sich der Manga lange, erklärende Dialog-Szenen, zu unklar bleiben einige Elemente, da helfen auch Humor und wahrscheinlich noch kommende Antworten in den nächsten Bänden vorerst nichts. Außerdem wirken manche Wendungen etwas aufgesetzt und nicht gänzlich schlüssig. Das gilt in Teilen auch für das Ende, das trotzdem das Interesse an der Reihe erhält. Zusätzlich lebendig wirkt der Manga durch die detailreichen Zeichnungen, die sowohl Action als auch Humor und besonders die gelungene Mimik hervorragend einfangen. Leider bleiben sie aber insgesamt eher auf einem Standard-Niveau und bieten somit wenig neues. Gelungen sind die Bilder trotzdem, so dass Atrail optisch schön umgesetzt ist.

Fazit

Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt Band 1 ist ein ungewöhnlicher Manga. Bereits die Geschichte fällt mit zahlreichen Geheimnissen und Erklärungen etwas komplexer, aber immer verständlich aus. Das sich wandelnde Leben von Iori hat mich gut unterhalten, auch weil Action, Spannung und Wendungen sehr gut mit Humor angereichert sind. Dazu gesellt sich das grandiose Charakterfeld, das mit einigen witzigen, sympathischen und abgedrehten Figuren aufwarten kann. Allen voran natürlich Iori, der nichts lieber mag, als sein gewöhnliches, einfaches Leben und dieses fast schon zwanghaft durchplant. Entsprechend fallen Reaktionen seines Umfelds darauf aus. Doch auch andere Figuren können mit Vielfältigkeit und Individualität überzeugen. Fraglich bleibt, nur in welche Richtung sich Atrail in den noch kommenden vier Bänden bewegen wird. Allerdings bin ich neugieriger darauf, wie die Geschichte weitergeht und hoffe, dass die Fortsetzungen sich nicht zu sehr in Genre-Standards verlieren.

Kurzfazit: Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt Band 1 präsentiert eine ungewöhnliche Science-Fiction-Geschichte mit gelungenen Action-Szenen, spannenden Wendungen, auflockerndem Humor und einem hervorragenden Charakterfeld.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt – Band 1!

Details
Titel: Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt – Band 1
Originaltitel: Atrail – Nisekaiteki Nichijo to Senmetsu Element
Genre: Science-Fiction
Verlag: altraverse
Story: Goro Taniguchi
Zeichnungen:  Akihiko Higuchi
Seiten: 200
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-086-4
Verlagsseite: Atrail – Mein normales Leben in einer abnormalen Welt – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 22. November 2018

© Goro Taniguchi / Akihiko Higuchi / Kadokawa / altraverse