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Jun 29 2018

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Rezension: Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel – Band 1 (Manga)

Yumeko stellt sich in Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel Band 1 an ihrer neuen Schule voller Begeisterung den Glücksspiel-Herausforderungen.

Noten oder Sport zählen an der Hyakkaou-Privatakademie nichts. Es zählt nur eins: Erfolg im Glücksspiel. Täglich nach Schulschluss wird um hohe Summen gespielt und wer verliert, büßt nicht nur Geld, sondern auch Ansehen ein. Vielleicht sogar seinen Status als Mensch und muss fortan als Sklave dienen. Kontrolliert wird das System vom mächtigen Schülerrat. Als Yumeko Jabami neu an die Hyakkaou-Privatakademie kommt, zieht sie bald die Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Mitschüler Ryota lernt schnell, dass Yumeko nicht einfach nur ein hübsches, einfaches Mädchen ist, sondern mit ihrem Zockerwahnsinn für viel Wirbel sorgt.

Wunderschöner Glücksspiel-Wahnsinn

Ein mächtiger Schülerrat, ein seltsames Hierarchie-System, eine ungewöhnliche Vorliebe der Schüler und eine neue Schülerin die alles aufwirbelt. Grob betrachtet, verwendet Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel bekannte Zutaten. Die in Japan mittlerweile neun Bände umfassende Reihe von Autor Homura Kawamoto und Zeichner Toru Naomura, erhält durch den starken Glücksspiel-Fokus an der Hyakkaou-Privatakademie aber zumindest ein ungewöhnliches Setting. Statt in Kämpfen treten die Schüler also in diversen Spielen wie Black Jack oder Poker gegeneinander an. Oder wie im ersten Band in Abwandlungen oder gänzlich neuen Disziplinen, in denen sie ihr Geld aufs Spiel setzen. Dabei zeigt sich bereits früh ein zugrunde liegendes System. Yumeko, als neue Schülerin über die schnell überall gesprochen wird, tritt in einem ihr unbekannten Glücksspiel an und muss nicht nur die Regeln kennenlernen, sondern auch die Methoden ihrer Gegnerinnen durchschauen. Da die Duelle genauso wie die Kapitel recht umfangreich ausfallen, ohne in die Länge gezogen zu wirken, kommen allerdings keine Ermüdungserscheinungen auf. Im Gegenteil. Kakegurui Band 1 ist unerwartet spannend und schafft es exzellent, den Nervenkitzel und die angespannte Atmosphäre zu vermitteln. Außerdem nimmt die Geschichte genau in den richtigen Momenten Tempo raus, fügt ruhigere Szenen oder Erklärungen hinzu, so dass nicht nur das Schulsystem immer deutlicher wird, sondern auch für Abwechslung gesorgt ist. Zum Ende des Bandes wird die scheinbare Struktur etwas aufgebrochen, was der Geschichte spürbar zu Gute kommt.

Trotzdem bleibt manche Wendung vorhersehbar. Schlimm ist das allerdings nicht, da nicht zwingend der Ausgang eines Glücksspiels, für Spannung sorgt. Viel interessanter ist das Psychospiel, das zwischen den Kontrahenten stattfindet. Welche Taktiken finden Anwendung? Wie genau funktioniert das Spiel? Hier stechen deutlich die hervorragend geschriebenen und genau auf den Punkt gebrachten Dialoge hervor. Selten hat sich ein Schul-Drama-Manga auf so intelligente Weise von der Konkurrenz abgesetzt. Allgemein ist die überlegte und durchdachte Art von Kakegurui bei der Grundstory unerwartet, aber dadurch um so willkommener.

Im Mittelpunkt stehen dadurch natürlich noch viel mehr die Charaktere. Allen voran Yumeko als Protagonistin. Im Gegensatz zu Genre-Kolleginnen, hat sie jedoch kein hohes Ziel oder edle Absichten. Yumeko liebt einfach das Glücksspiel und das damit einhergehende Risiko. Damit ist sie eine der interessantesten Hauptfiguren seit langem – und das, obwohl oder gerade weil sie recht wahnsinnig wirkt. Ryota hingegen dient lediglich als normaler Gegenpol zu Yumeko und Stichwortgeber für den Leser. Seine Gedanken begleiten die Glücksspiele seiner neuen Mitschülerin und bringen in all die Verrücktheit einen leichten Faktor von Bodenständigkeit. Angesichts der anderen Figuren ist das vielleicht auch notwendig. Denn Yumeko ist in ihrer verrückten, abgedrehten Art nicht alleine. Fast alle anderen im ersten Band auftretenden wichtigen Charaktere, bei denen es sich ausschließlich um Schülerinnen handelt, haben etwas Wahnsinniges an sich. Egal ob Yumekos erste Gegnerin Mary oder die Mitglieder des mächtigen Schülerrats, der mit sehr individuellen Gestalten aufwarten kann. Völlig neu mag das nicht sein, doch Kakegurui setzt das Prinzip mit einem ungewöhnlichen Setting so exzellent und unterhaltsam um, dass Band eins nicht nur spannend ist, sondern auch Spaß macht und die Neugier auf die Fortsetzung weckt.

Maßgeblichen Anteil an der erstklassigen Wirkung von Figuren und Atmosphäre haben die wundervollen Zeichnungen von Toru Naomura. Jede Szene ist nahezu perfekt umgesetzt. Der Fokus liegt dabei – wie sollte es auch anders sein – auf den Charakteren. Naomura versteht es, Yumeko, Mary und die anderen Schülerinnen während ihrer Glücksspiel-Duelle ausgezeichnet in Szene zu setzen. Dabei sticht besonders die absolut erstklassige Mimik hervor. Selten zuvor habe ich so ein perfektes Spiel mit den Gesichtsausdrücken gesehen. Wahnsinn, Wut, Lust, Erregung, Freude, Gehässigkeit – Kakegurui zeichnet sich durch eine Charakterdarstellung aus, die zum Besten gehört, was es im Manga-Bereich zu finden gibt. Einige Bilder sind wahre Meisterwerke, die auf faszinierende Weise den Kontrast zwischen der Schönheit der Schülerinnen und ihrem erkennbaren Wahnsinn zeigen. Dass zusätzlich auch weniger fokussierte Momente, Nebenakteure und Hintergründe fast ausnahmslos gut ins Bild passen, die Szenerie gekonnt ergänzen und somit für ein zeichnerisch gelungenes Gesamtbild sorgen, krönt Kakegurui endgültig.

Fazit

Obwohl Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel in Japan bereits im März 2014 gestartet ist, habe ich erst durch die Anime-Adaption das erste Mal von der Reihe gehört. Nachdem ich nun den ersten Band gelesen habe, kann ich die Faszination hinter dem Werk von Homura Kawamoto und Toru Naomura nachvollziehen. Im Grundkonzept wird zwar theoretisch etwas Bekanntes geboten, durch das Glücksspiel-Setting setzt sich Kakegurui aber bereits ausreichend ab. Vielleicht ist die Geschichte im ersten Band etwas zu simpel und konzentriert sich zu stark auf Yumekos Duelle sowie Erklärungen der Situation in der Schule, doch gerade durch die Atmosphäre und die wunderbar verrückt-abgedrehten Charaktere, hat es der Manga geschafft, mich zu fesseln. Dazu tragen besonders die wundervollen Zeichnungen bei, die die Figuren exzellent in Szene setzen und den Wahnsinn in manchen Momenten regelrecht hervorspringen lassen. Dass Kakegurui außerdem noch über unerwartet intelligente und gut geschriebene Dialoge verfügt und trotz bekanntem Konzept eine interessante Geschichte mit reizvollen Charakteren zu erzählen weiß, erhöht den Lesespaß nur noch mehr. Genre-Fans, Anhänger guter Zeichnungen und jeder der ein wenig Wahnsinn bei den Charakteren mag, sollte sich Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel Band 1 nicht entgehen lassen.

Kurzfazit: Packendes Grundkonzept trifft auf verrückt-abgedrehte Charaktere in einer interessant-spannenden Schul-Story mit ungewöhnlichem Setting und erstklassigen Zeichnungen.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel – Band 1!

Details
Titel: Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel – Band 1
Originaltitel: Kakegurui
Genre: Drama, Psychodrama, Mystery
Verlag: altraverse
Artwork/Zeichnungen: Toru Naomura
Story: Homura Kawamoto
Seiten: 252
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-036-9
Verlagsseite: Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 24. Mai 2018

© 2014 Homura Kawamoto, Toru Naomura / Square Enix Co., Ltd. / altraverse

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