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Apr 20 2017

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Rezension: Invaders of the Rokujyōma!? – Vol. 1 (Blu-ray)

Kazé Anime hat mit Invaders of the Rokujyōma!? Volume 1 neuen Stoff für Fans von abgedreht-chaotischen Comedy-Harems-Serien.

Pünktlich zum Beginn der Oberschule hat Koutarou Satomi eine Wohnung gefunden. Und das zu einem Spottpreis von gerade einmal 5.000 Yen im Monat. Da ist es nur logisch, dass der Schüler auch die Warnung seines besten Freundes Kenji ignoriert und in Zimmer 106 des Corona Hauses einzieht. Lediglich ein kleiner Raum steht Koutarou für die nächsten drei Jahre zur Verfügung, doch für ihn ist das ausreichend. Das ändert sich aber schon bald, als plötzlich unerwartete und unerwünschte Besucher, die aus jeweils ganz eigenen Gründen Anspruch auf die Wohnung erheben, auftauchen. Den Anfang macht Geistermädchen Sanae, der schließlich das Magical Girl Yurika, die unter der Erde lebende Kiriha und Alien-Prinzessin Theiamillis samt Dienerin Ruthkhania folgen. Damit ist es mit der Ruhe für Koutarou vorbei. Zu allem Überfluss bereitet seine Vermieterin und Klassenkameradin Shizuka Kasagi dem Kampf um die Wohnung ein jähes Ende und zwingt alle Beteiligten eine Vereinbarung zur gewaltfreien Schlachtführung zu unterzeichnen. Fortan kämpfen Koutarou und seine neuen Mitbewohnerinnen in Spielen um jeden Quadratzentimeter der Wohnung. Doch auch Koutarous Schulalltag wird von den fünf Mädchen ordentlich durcheinander gebracht. Und dann ist da auch nach Harumi, die Vorsitzende des Strickklubs, dem Koutarou aus unbekannten Gründen beigetreten ist.

Unfreiwillige Wohn-Gemeinschaft

Die 12-teilige Anime-Serie Invaders of the Rokujyōma!? basiert auf einer gleichnamigen Light-Novel-Reihe von Takehaya und ist unter der Regie von Shin Ōnuma beim Studio Silver Link entstanden. Kazé Anime veröffentlicht die Serie auf zwei Volumes á sechs Episoden. Zum Auftakt werden die wichtigsten Figuren des relativ großen, aber dennoch überraschend überschaubaren Ensembles, sowie die Ausgangslage für den chaotischen Kampf um Wohnung 106 im Corona Haus gelegt. So werden bereits in der ersten Episode alle Invasoren eingeführt und auch die von der aufbrausend und unerwartet starken Vermieterin veranlasste Vereinbarung wird geschlossen. Dadurch steht in den kommenden fünf Episoden der Weg frei für Charakterdarstellung und -entwicklung sowie allerlei abgedrehte Situationen, die in den besten Momenten für lauthalses Lachen sorgen.

Rein vom Genre her ist Invaders of the Rokujyōma!? als relativ typische Comedy-Harems-Serie zu betrachten. Ein junger Protagonist, der von zahlreichen weiblichen Charakteren umgeben ist. Kleinere sexuelle Anspielungen und auch tiefer gehende Gefühle dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Allerdings gelingt es der Serie durch das zugrundeliegende Konzept der völlig unterschiedlichen Wohnungsinvasoren mit denen es Koutarou zu tun hat, eine angenehme Eigenständigkeit aufzubauen. Dass trotzdem Klischees und Stereotypen verwendet werden stört nicht, sondern verleiht den Charakteren eine eindeutige Persönlichkeit. So erinnert die außerirdische Prinzessin Theiamillis rein äußerlich an ein kleines Mädchen und ist gleichzeitig aufbrausend und hochnäsig, während die vollbusige Kiriha sportlich begabt, intelligent und hinterhältig ist. Mit Yurika ist auch ein typischer Pechvogel und Tollpatsch in der Gruppe zu finden. Gerade wegen der Missgeschicke die ihr passieren, ist sie aber auch liebenswert und sorgt für regelmäßig amüsante Momente. Beispielsweise, wenn sie wieder einmal für eine Cosplayerin gehalten wird, weil niemand ihr glaubt, dass sie wirklich ein Magical Girl ist.

Chaotischer Alltag

Geistermädchen Sanae hingegen ist der klassische kleine-Schwester-Typ und bekommt innerhalb der ersten Serienhälfte eine etwas stärker auf sie zugeschnittene Doppelfolge spendiert. Durch diesen Kniff lernt man sie und ihre Situation nicht nur besser kennen, sondern auch die Charakterentwicklung sowie Beziehung unter den Hauptfiguren wird maßgeblich beeinflusst. Allgemein scheint es so, dass nach den drei Anfangsepisoden möglicherweise ein Konzept von Doppelfolgen, die jeweils auf eines der Mädchen konzentriert ist, verfolgt wird. Neben der Konzentration auf Sanae entsteht dieser Eindruck durch den anschließenden Beginn eines möglichen Theiamillis-Handlungsbogens. Trotz dieses Kniffs gelingt es, niemals die anderen Charaktere zu sehr in den Hintergrund rücken oder den Eindruck von Episodenhaftigkeit entstehen zu lassen. Viel mehr wirkt die Serie wie aus einem Guss, wodurch Coming-of-Age- und Slice-of-Life-Eindrücke entstehen.

Der Alltag von Koutarou und den anderen spielt in der Serie eine wichtige Rolle. Das ist bereits der grundlegenden Geschichte zu entnehmen. Allerdings wird vermieden, sich zu sehr den Spielen um die Wohnung hinzugeben. Statt dessen sind es die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander, die Invaders of the Rokujyōma!? ausmachen. Dazu zählt neben den Wohnungsinvasorinnen und Vermieterin Shizuka insbesondere Koutarous Klubchefin Harumi. Dass die beiden tiefere Gefühle füreinander haben, ist schnell klar und sorgt zumindest zeitweise für genre-übliche Umgangsformen. Allerdings sind sich Koutarou und Harumi angenehmerweise als Freunde wesentlich näher, als man anfangs vermutet und statt andauerndes Verhaspeln und der Unfähigkeit miteinander zu reden, gehören einige der besten Dialoge den beiden. Das ist erfrischend und sorgt dafür, dass die Romantik in der Serie ohne zu große Klischees auskommt. Viel mehr gelingt der Eindruck eines fast schon normalen Schulalltags. Zumindest für ein paar Sekunden. Bis Koutarou, Sanae, Yurika, Kiriha, Theiamillis und Ruth es wieder mit irgendwelchen abgedrehten Situationen zu tun bekommen. Seien es Minenfallen bei einem Schulmarathon oder die Konfrontation mit vermeintlich perversen Entführern. Für Chaos und damit verbundene Lachanfälle ist immer gesorgt.

Studio Silver Link stellt bei Invaders of the Rokujyōma!? ein Händchen für flüssige Animationen und ein individuelles Charakterdesign mit hohem Wiedererkennungswert unter Beweis. Egal ob ruhige Alltagssituationen oder actionreiche Konfrontationen, die Serie kann sich immer sehen lassen und profitiert besonders bei den Effekten und kräftigen Farben vom knackigen 1080p-Bild der Blu-ray. Der Soundtrack kann ebenfalls überzeugen, bleibt aber im Gegensatz zur deutschen Synchronisation nicht im Gedächtnis haften. Letztere wirkt anfangs durchschnittlich, weil manche Stimmen unpassend erscheinen oder etwas anstrengend klingen, doch bereits bei der zweiten Episode hat man sich daran gewöhnt und erkennt wie gut die Sprecher ihre jeweiligen Rollen verkörpern. Als Bonus liegt ein 20-seitiges Booklet bei.

Fazit

Abgesehen von der grundlegenden Geschichtsberschreibung wusste ich nicht, was mich bei Invaders of the Rokujyōma!? erwartet. Lediglich, dass allerlei unterschiedliche Wesen die Wohnung eines Oberschülers versuchen für sich zu beanspruchen. Doch bereits das klang nach chaotischem Spaß und ich wurde nicht enttäuscht. Invaders of the Rokujyōma!? ist in der ersten Serienhälfte abgedreht komisch und schafft es gleichzeitig, ein bereits nach kürzester Zeit überaus liebenswertes Ensemble zu etablieren. Dass dieses so groß ist, fällt durch das individuelle Charakterdesign nicht ins Gewicht und zu keiner Zeit gibt es Probleme Figuren auseinander zu halten. Selbst bei einigen Nebenfiguren, die beim Gesicht etwas minimalistischer dargestellt werden, sind stets Eigenheiten vorhanden. Positiv ist außerdem, dass sich die ersten sechs Episoden nicht komplett auf das Spiel-um-die-Wohnung-Konzept verlassen. Stattdessen dienen diese eher dazu, die Charaktere vorzustellen, bevor es um die Festigung ihrer Beziehung zueinander geht. Dadurch ist jederzeit für Abwechslung gesorgt, ohne dass der chaotische-abgedrehte Humor samt kleinerer sexueller Anspielungen, der genre-tyischen Romantik und Slice-of-Life-Einlagen zu kurz kommen. Daraus ergibt sich eine unterhaltsame Mischung, bei der kleinere Schwächen kaum auffallen. Invaders of the Rokujyōma!? sollten sich Genre-Fans und Anhänger von Serien wie Love Hina, Nisekoi oder Sekai Seifuku nicht entgehen lassen.

Kurzfazit: Unterhaltsamer Auftakt einer abgedrehten Comedy-Harems-Serie mit liebenswerten Charaktere und purem Chaos.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Invaders of the Rokujyōma!? – Vol. 1!

Details
Titel: Invaders of the Rokujyōma!? – Vol. 1
Genre: Comedy, Fantasy
Regie: Shin Ōnuma
Studio: Silver Link
Produktionsjahr: 2014
Laufzeit: ca. 150 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch (DTS-HD MA 2.0)
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 10. Februar 2017
Herstellerseite: Invaders of the Rokujyōma!? – Vol. 1 bei Kazé Anime

Bilder Copyright Silver Link / Kazé Anime

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