Rezension: Mittelerde: Mordors Schatten – Game of the Year Edition (Switch 2)

Nach seinem Tod sucht der gondorische Waldläufer Talion an der Seite eines elbischen Geistes in Mittelerde: Mordors Schatten Game of the Year Edition Rache.

Zwölf Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung für PlayStation 4, Xbox One und den PC, hat Aspyr das Open-World-Action-Adventure Mittelerde: Mordors Schatten als Game of the Year Edition für Switch 2 veröffentlicht. Wie schon 2014 führt die zwischen Der Hobbit und Der Herr der Ringe angesiedelte Geschichte in der Rolle des Waldläufers Talion in das offene Mordor. Dort sucht Talion nach Rache für die Ermordung seiner Familie und für seinen eigenen Tod. Denn Talion ist genauso wie seine Frau, sein Sohn und zahlreiche andere beim Kampf am schwarzen Tor gefallen. Doch die Kräfte eines elbischen Geistes, der selbst nicht weiß wer er ist, haben ihn zurückgebracht – und holen ihn immer wieder ins Leben, sollte er erneut sterben. Schon 2014 wirkte die Geschichte von Mittelerde: Mordors Schatten wie eine hochproduzierte Fanfiction, die nicht in allen Punkten in den Mythos von J.R.R. Tolkien passt, dafür aber unterhaltsam ausfällt. Natürlich dürfen bekannte Figuren wie Gollum ebenfalls nicht fehlen. Die Switch-2-Umsetzung lässt leider wirkliche Verbesserungen im Vergleich zur PlayStation-4-Version vermissen.

Rachefeldzug

Früh fällt auf, dass die Geschichte von Mittelerde: Mordors Schatten etwas holprig erzählt ist. Zwar funktioniert der Blick auf Talions Ermordung und wie er den Tod seiner Familie miterlebt hat, doch seine Wiedererweckung und seine Verbindung zum elbischen Geist wirken anfangs etwas plötzlich. Wirklich negativ wirkt sich das aber glücklicherweise nicht aus. Obwohl sich die Geschichte langsam entfaltet, mehr Tiefe erhält und durchaus spannend ist, zeigen sich Schwächen bei einigen Nebencharakteren. Oft ist eindeutig zu erkennen, dass es sich um ein zwölf Jahre altes Spiel handelt. Allerdings gilt das nicht nur erzählerisch, sondern auch bei der Welt. Grundsätzlich ist die kleine, überschaubare Open World eine willkommene Abwechslung zu den riesigen, vollgepackten und dennoch teilweise leer wirkenden Schauplätzen moderner Spiele. Zumal Ziele schnell erreicht sind und scheinbar überall etwas passiert. Bald stellt sich aber heraus, dass es abseits der Hauptmissionen an Abwechslung mangelt. Viele Nebenquests sind sich zu ähnlich und auch sonst steckt die Welt vor allem voll mit Feinden.

Als Gegner warten vorwiegend Orks und Uruk-Hai in verschiedenen Variationen auf euch. Dazu gesellen sich Bestien wie Wölfe oder riesige Trolle. Auf Dauer mangelt es aber an Abwechslung. Dafür wissen die Kämpfe, die sich eindeutig an dem ebenfalls von Warner Bros. Interactive veröffentlichten Batman Arkham Asylum orientieren, zu überzeugen. Temporeich schwingt Talion sein Schwert und seinen Dolch und schnetzelt sich durch Gegnerhorden. Gezielte Angriffe, Spezialattacken, blutige Finishing-Moves und gelegentlich ein Griff zum Bogen garantieren viel Variation im Kampf, der sich trotz der etwas vollgepackten Steuerung wirklich gut spielt. Die Auseinandersetzungen sind eine der größten Stärken von Mittelerde: Mordors Schatten. Einen großen Anteil daran hat das bis heute leider nur in dem Open-World-Action-Adventure und seinem Nachfolger verwendete und durch ein Patent noch einige Jahre geschützte Nemesis-System.

Aufsteigende Rivalen

Beim Nemesis-System handelt es sich um eine Spielmechanik, die tief in Mittelerde: Mordors Schatten verankert ist. So verfügt Saurons Armee über Hauptleute, die Talion zur Strecke bringen will. Diesen sind wiederum weitere Ork-Offiziere unterstellt. Töten wir einen der namhaften Orks, können andere aufsteigen und ihren Platz einnehmen. Außerdem führen die Orks untereinander Machtkämpfe aus, so dass sich auch ohne eure Einmischung die Rangfolge in Saurons Armee verändern kann. Weitaus wichtiger ist aber, dass sich Orks an Talion erinnern. Flieht etwa ein Ork-Offizier aus einem Kampf und überlebt somit, reagiert er bei einer erneuten Begegnung entsprechend.

Ebenso wenn ihr euch zurückzieht oder gar sterbt. Gerade wenn es einem Ork gelingt, euch zu töten, bedeutet das steigende Macht und eine höhere Position in Saurons Armee. Sogar zuvor namenlose, einfache Soldaten können dadurch zu Offizieren werden. Manchmal überleben sogar von euch getötete Orks und tragen später Narben, die von eurem vorherigen Kampf zeugen. Es ist wirklich spannend mitzuerleben, wie sich Saurons Armee durch Talions Handeln oder Untätigkeit verändert. Orks, die euch erfolgreich besiegen konnten, werden zudem als Racheziele angezeigt. Starken und Schwächen sorgen dafür, dass jeder Ork ein wenig anders ausfällt und Persönlichkeit zeigt, während ihr die jeweiligen Eigenschaften für euren Vorteil nutzen könnt.

Bekannte Mechaniken, kaum Verbesserungen

Ansonsten präsentiert sich Mittelerde: Mordors Schatten als recht typisches Open-World-Action-Adventure der 2010er-Jahre. Elbische Türme dienen dazu, die Karte aufzudecken, Missionssymbole locken euch an bestimmte Orte und wann ihr der Geschichte folgt, ist euch überlassen. Lediglich die überschaubare Spielwelt schränkt die Freiheit ein wenig ein, bietet aber ausreichend Erkundungsmöglichkeiten. Zumal es auch einige Sammelobjekte ins Spiel geschafft haben. Darunter auch Runen, mit denen ihr euer Schwert, euren Dolch und euren Bogen mit Effekten versehen könnt. Da Talion Erfahrungspunkte sammelt und im Level aufsteigt, darf ein eher überschaubarer Fähigkeitenbaum genauso wenig fehlen wie für Geld aufwertbare Attribute. Es ist der allgemeine Spielfluss, der dafür sorgt, dass nie Langeweile aufkommt und schon bald eine Spirale entsteht, die euch nur noch den nächsten Ork-Offizier jagen lässt – und den nächsten, und den nächsten bis wieder eine Stunde vergangen ist. Trotz der vorhandenen Schwächen zeigt sich daran, dass Mittelerde: Mordors Schatten auch zwölf Jahre nach der Erstveröffentlichung noch immer reichlich Spielspaß bietet.

Umso bedauerlicher ist es, dass für die Switch-2-Version kaum Anpassungen vorgenommen wurden. Sicher, alle zuvor veröffentlichten DLCs sind in der Game of the Year Edition enthalten. Dazu zählt auch die „Der Helle Herrscher“-Kampagne, in der ihr als Elben-Geist alleine loszieht, ansonsten handelt es sich aber eins zu eins um die PlayStation-4-Fassung. Statt sechzig Bilder pro Sekunde, liegt die Bildwiederholrate nur bei dreißig FPS und ist nicht immer flüssig. Schon die PC-Version von 2014 konnte das besser und das Steam Deck schafft sechzig FPS. Zusätzlich ist die Auflösung auf 1080p begrenzt. Dazu gesellt sich eine bei den Texturen eingeschränkte Weitsicht, flimmernde Objekte und manche matschige Textur. Hier wäre definitiv mehr möglich gewesen. Am Spielspaß ändert das aber glücklicherweise nur wenig, wenn ihr euch mit der veralteten Grafik und Technik anfreunden könnt. Ein Vorteil ist natürlich der Handheld-Modus, der genauso gut oder schlecht läuft wie am Fernseher.

Fazit

Auf der PlayStation 4 hat mich Mittelerde: Mordors Schatten 2014 begeistert. Selbst die ein wenig an Fanfiction erinnernde Geschichte hat mich nicht gestört, sondern eher gefesselt. Das gelingt zwar zwölf Jahre später nicht mehr ganz so gut, dennoch weiß die Geschichte des Open-World-Action-Adventures trotz erzählerischer Macken noch immer zu überzeugen. Zudem hat mich das Gameplay wieder schnell gepackt. Ob ich nun die zwar überschaubare, aber gelungene offene Karte von Mordor erkunde, in temporeichen Kämpfen Orks bezwinge, mir neue Rivalen erschaffe oder doch der Geschichte folge, stets verleitet mich Mittelerde: Mordors Schatten dazu noch ein wenig länger zu spielen. Umso bedauerlicher finde ich es, dass die grafische und technische Umsetzung eher mäßig ist. Im Vergleich zur PlayStation-4-Version läuft das Open-World-Action-Adventure zwar gut und sieht auch ordentlich aus, aber eben nicht mehr. Nur dreißig FPS, eine 1080p-Auflösung und keine erkennbaren grafischen Verbesserungen lassen eine eher einfache Portierung vermuten. Entsprechend überrascht es nicht, dass Aspyr auf den Zusatz „Remaster“ verzichtet hat. Wer sich daran jedoch nicht stört, erhält ein noch immer spaßiges wie motivierendes und atmosphärisches Open-World-Action-Adventure im Der-Herr-der-Ringe-Universum.

Kurzfazit: Lediglich ordentliche Portierung eines technisch und grafisch nicht aufgewerteten Open-World-Action-Adventures, das auch nach zwölf Jahren mit Gameplay, Atmosphäre, Welt und Geschichte fesselt und motiviert.

Vielen Dank an Aspyr Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mittelerde: Mordors Schatten – Game of the Year Edition!

Details
Titel: Mittelerde: Mordors Schatten – Game of the Year Edition
Genre: Action-Adventure
Publisher: Aspyr Media
Entwickler: Aspyr Media, Monolith Productions (Original)
Spieler: 1
Syteme: Switch 2 (getestet)
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 30. September 2026

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