Vorschau: Anomalith

Ende Oktober erscheint Anomalith und führt Reona Minazuki auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin in gefährliche Anomalien.

Mit Anomalith erscheint am 29. Oktober 2026 ein Third-Person-Shooter- und Action-Adventure von FuRyu und WEG Games. Dabei fällt schnell auf, dass Anomalith an vorherige Spiele von FuRyu erinnert, weshalb es schnell als typisches Spiel des japanischen Publishers und Entwicklerstudios abgetan werden könnte. Dennoch hat Anomalith nach der Ankündigung und zusätzlich nach der Veröffentlichung besonders in Nordamerika und Europa viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sogar so viel, dass selbst FuRyu über die Resonanz überrascht war. Anhand der Demo, die ungefähr zwei Stunden Spielzeit bietet, lässt sich das Actionspiel bereits recht gut einschätzen. Gemeinsamkeiten mit früheren FuRyu-Titeln wie The Caligula Effect, Monark, Reynatis oder der CRY-Reihe sind nicht nur visuell offensichtlich. Gleichzeitig setzt sich Anomalith aufgrund des Genres ab und erhält ausreichend Eigenständigkeit.

Geheimnisvolle Anomalien

Angesiedelt ist Anomalith in einem Japan, das von plötzlich auftauchenden Anomalien heimgesucht wird. Diese nehmen kleine Bereiche oder ganze Gebäude ein und verändern diese. Wer in einer Anomalie gefangen ist, droht zu mutieren und seine Menschlichkeit zu verlieren. Um die Anomalien zu erforschen, gegen die dortigen Wesen zu kämpfen und hoffentlich eine Lösung für die seit Jahrzehnten auftretenden Vorfälle zu finden, begeben sich sogenannte Diver in die gefährlichen Gebiete. Die Geschichte folgt der siebzehnjährigen Reona Minazuki, die als Diver-Neuling nach gerade einmal zwei Wochen Training auf ihre erste Mission geschickt wird. Reona ist kühl und wirkt angesichts der Gefahren teilnahmslos. Allerdings zeigen sich bereits in der Demo weitere Ansätze ihrer Persönlichkeit, darunter ihre tiefe Verbundenheit zu anderen Menschen und ihr absoluter Wille, alle zu retten. Trotzdem bleiben die Protagonistin und die anderen Figuren im Ersteindruck eher eindimensional und in festen Rollen gefangen. Angesichts früherer FuRyu-Spiele besteht jedoch die berechtigte Hoffnung, dass hier noch angemessene Wandlungen und Entwicklungen stattfinden.

Ähnliches gilt für die Geschichte, die zwar bereits einige spannende Ansätze offenbart, aber bisher nur schwer einzuschätzen ist. Allerdings ist das Setting gut umgesetzt und überaus vielversprechend. Zumal Reona offensichtlich persönliche Gründe hat, die Anomalien zu erkunden. Dabei setzt Anomalith auf eine dystopisch-melancholische Stimmung, wie sie bereits aus früheren FuRyu-Spielen, besonders der CRY-Reihe, bekannt ist. Thematisch setzt Anomalith neben den Geheimnissen der Anomalien auf das Bewahren der Menschheit, die Bedeutung von Leben und Tod, Verlust und persönliche Entscheidungen aus der Vergangenheit, die zur Belastung werden. So hat Reona kein allzu gutes Selbstbild. Woran das liegt, wird in der Demo noch nicht deutlich, doch dieser Aspekt weckt zusätzliche Hoffnung, dass die Charaktere noch mehr Tiefe erhalten.

Actionreiche Erkundung

Beim Gameplay setzt Anomalith auf eine klare Struktur aus Action, Ressourcen sammeln und dem roten Faden folgen. Zumindest in der Demo bleiben die Level überschaubar und linear, allerdings umfasst die Anspiel-Version neben dem Tutorial-Abschnitt nur eine weitere Mission. Es ist also durchaus möglich, dass spätere Anomalien umfangreicher ausfallen. Bisher beschränkt sich das Erkunden aber maximal auf kleine optionale Bereiche in denen zusätzliche Gegenstände und Ressourcen gefunden werden können. Ansonsten stellt sich Reona mit Pistole, Maschinengewehr oder Schrotflinte den Monstern. Gutes Zielen ist sinnvoll, das Schwachstellen wie der Kopf mehr Schaden verursachen. Zumindest ab dem mittleren der fünf Schwierigkeitsgrad scheint es außerdem sinnvoll zu sein mit Munition sparsam umzugehen. Zwar kam es nie zu wirklicher Knappheit, diese lässt sich aber spätestens bei dem durchaus fordernden Boss erahnen.

Allerdings greift Reona nicht nur zu Schusswaffen. Aufgrund der Auswirkungen der Anomalien und ihrer hohen Resistenz gegen die Mutation kann sie auf besondere Kräfte zurückgreifen. Dadurch verfügt sie über einen eher simplen Nahkampfangriff sowie die Möglichkeit, Attacken von Gegnern abzuwehren. Wirklich gut fühlt sich das Kontern jedoch nicht an. Zwar blitzen Gegner entsprechend auf, den richtigen Moment für eine korrekte Verteidigung zu finden, ist aber vergleichsweise schwer. Manche Feinde, wie der Boss, erfordern allerdings fast zwingend, dass ihre Angriffe abgewehrt und mit einem Nahkampfangriff gekontert werden. Wie stark sich das auswirkt, bleibt noch abzuwarten, doch sollte die Abwehr weiterhin so schwammig bleiben, könnte das am Spielspaß kratzen. Ein Fähigkeitenbaum, in dem offensichtlich Reonas Mutationstalente verbessert werden können, stimmt jedoch ein wenig hoffnungsvoll.

Anpassungen und bekannte Optik

In der Basis des Anomaly Zone Countermeasure Office, für das Reona arbeitet, kann mit anderen Figuren gesprochen werden oder in der Werkstatt Waffen und Ausrüstung hergestellt, angepasst und verbessert werden. Dafür werden die in den Anomalien gesammelten Ressourcen benötigt. Waffen lassen sich in den Kategorien Schaden, Kritische Schadenrate, Feuerrate und Nachladegeschwindigkeit aufwerten. Zusätzlich können Mods installiert, Artefakte angebracht und das Aussehen angepasst werden. Abgesehen von der optischen Erscheinung der Waffen, hat alles Einfluss auf die Funktionsweise und eventuelle Zusatzfunktionen. Einschätzen lässt sich allerdings noch nicht alles, da die Möglichkeiten in der Demo eingeschränkt sind. Allerdings soll Anomalith eine große Anzahl an Optionen für die Waffen bieten. Ähnliches gilt auch für Reonas Ausrüstung. Die Kleidung hat Einfluss auf die Verteidigung und vom Rucksack hängt ab, wie groß das Inventar während Missionen ist. Auch hier soll es zahlreiche Möglichkeiten geben, Reona einzukleiden. Da die Kleidung das Erscheinungsbild der Protagonistin beeinflusst, kann abseits der tatsächlichen Ausrüstung auch rein die Optik jedes Teils bearbeitet werden.

Optisch sollte von Anomalith wie bei anderen FuRyu-Spielen kein grafisches Meisterwerk erwartet werden. Tatsächlich erinnert das Action-Spiel an vorherige Titel und bleibt dem Stil etwa von Crymachina oder Reynatis treu. Bedeutet, die Charaktere sind durchaus detailreiche Anime-Figuren und auch die Umgebungen sind stimmungsvoll gestaltet, oft aber auch etwas leer. Die grafische Qualität erinnert dabei eher an frühe PlayStation-4-Zeiten als an moderne Spiele. Lediglich einige Effekte stechen etwas hervor. Dafür läuft Anomalith in der Demo sowohl auf der Switch 2 als auch auf der PlayStation 5 flüssig. Zudem ist die Soundkulisse stimmig, die Musik von Elden-Ring- und Bloodborne-Komponistin Yuka Kitamura atmosphärisch und die japanische Vertonung sehr gut. Auf deutsche Texte wurde leider verzichtet, dafür weiß die englische Übersetzung zu überzeugen. Ein herausragender Action-Hit wird Anomalith sicherlich nicht, doch wer Double-A-Produktionen mag, sich mit dem Stil anfreunden kann und Interesse an der Geschichte hat, sollte unbedingt einen Blick wagen. Besonders Fans vorheriger FuRyu-Spiele dürften wieder Spaß haben.

Prognose

Anomalith ist im positiven wie negativen Sinn ein typisches FuRyu-Spiel. Vor allem Geschichte, Charaktere und Atmosphäre stimmen mich trotz Schwächen nach der Demo neugierig. Zudem ist das Third-Person-Shooter-Gameplay angenehm kurzweilig und motivierend. Sicher, einige Gameplay-Mechaniken müssen noch beweisen, dass sie für längere Zeit funktionieren und sich nicht abnutzen. Ebenso muss die Geschichte noch Fahrt aufnehmen und die Charaktere brauchen mehr Tiefe. Trotzdem ist mein Ersteindruck sehr gut und ich bin nach der Demo sogar noch gespannter auf die Vollversion als zuvor. Lediglich grafisch könnte sich FuRyu weiterentwickeln, auch wenn ich den grundlegenden Stil mag. Genre-Fans mit einem Hang zu Nischentiteln sollten die Veröffentlichung von Anomalith am 29. Oktober im Blick behalten.

Kurzprognose: Trotz Schwächen und nicht ganz zeitgemäßer Grafik, interessanter Third-Person-Action-Adventure-Shooter, der mit motivierendem Gameplay sowie spannenden Story- und Charakter-Ansätzen Neugier weckt.

Details
Titel: Anomalith
Genre: Third-Person-Shooter, Action-Adventure
Publisher: FuRyu Corporation
Entwickler: FuRyu Corporation, WEG Games
Spieler: 1
Syteme: Switch 2, PlayStation 5, PC
Altersfreigabe: 16
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2026

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