Rezension: Silent Hill: Townfall (PS5)

Simon Ordell wird in Silent Hill: Townfall in der schottischen Hafenstadt St. Amelia mit unerklärlichen Grauen und erschreckenden Geheimnissen konfrontiert.
Das mittlerweile dritte Jahr in Folge hat Konami Ende September beziehungsweise Anfang Oktober ein neues Silent-Hill-Spiel veröffentlicht. Nachdem die einst erfolgreiche und beliebte Survival-Horror-Reihe durch eher mittelmäßige Spiele ihren Ruf verloren hat und eine Wiederbelebung, von der nur der kleine Appetithappen P.T. Erahnen lässt, was hätte werden können, hat Silent Hill zur alten Stärke gefunden. Und ja, die mit Entscheidungsmöglichkeiten versehene Streaming-Serie Silent Hill: Ascension und Silent Hill: The Short Message aus den Jahren 2023 und 2024 ignoriere ich hier bewusst. Erst mit dem von Bloober Team entwickelten Remake von Silent Hill 2, kehrte die Reihe im Oktober 2024 wirklich zurück. Ende September 2025 folgte das actionlastige, in einem japanischen Dorf angesiedelte Silent Hill f und mit Silent Hill: Townfall ist ein weiterer Teil außerhalb der ursprünglich titelgebenden amerikanischen Kleinstadt erschienen. Theorien zur wahren Bedeutung von Silent Hill gibt es mittlerweile viele, doch schon Silent Hill f hat bewiesen, dass die Survival-Horror-Spiele auch abseits des klassischen Schauplatzes funktionieren. Silent Hill: Townfall geht dabei einen anderen Weg als Silent Hill f. Statt auf Action und Kämpfe setzt das vom schottischen Studio Screen Burn Interactive entwickelte Survival-Horror-Spiel auf Stealth-Gameplay, Rätsel und eine First-Person-Perspektive.
Stimmungsvolle Mysterien
Zu Beginn von Silent Hill: Townfall wird Simon Ordell an das Ufer der schottischen Kleinstadt St. Amelia gespült. Er hat eine Kanüle samt Schlauch für einen Tropf an der Hand und weiß nicht, weshalb er hier ist. Gleichzeitig verrät das Survival-Horror-Spiel nichts über den Protagonisten. Stattdessen werden Stück für Stück Geheimnisse aufgebaut, rätselhafte Ereignisse inszeniert und schließlich Antworten geliefert. Am Ende sind die Enthüllungen zufriedenstellend und die verschiedenen Enden ermöglichen unterschiedliche Offenbarungen sowie Interpretationen. Dabei geht Silent Hill: Townfall thematisch neue Wege, verknüpft diese aber mit klassischen Silent-Hill-Elementen. Um Spoiler zu vermeiden, soll an dieser Stelle nicht viel mehr zur Geschichte verraten werden. Es sei aber gesagt: Story und Charaktere gehören zur größten Stärke des Survival-Horror-Spiels und finden problemlos einen berechtigten Platz in der Reihe.
Das ist ein wenig auch dem großartig umgesetzten Schauplatz zu verdanken. St. Amelia ist grafisch wunderschön umgesetzt und unglaublich atmosphärisch. Die Nebelverhangenen Straßen, die detailreichen Gebäude, das Spiel mit Farben und die unglaubliche Soundkulisse, erlauben ein enorm immersives Erlebnis, das von der First-Person-Perspektive zusätzlich unterstützt wird. Gleichzeitig versteht es Screen Burn Interactive erstklassig das Gefühl der 1990er-Jahre zu wecken. Schließlich spielt Silent Hill: Townfall 1996 und das ist überall zu spüren. Ob nun anhand des CRTVs den Simon nutzt, einem Pager oder Rätsel die beispielsweise auf Disketten setzen. Großartig und absolut stimmungsvoll. Selbiges gilt für die fantastische englische Vertonung sowie die schauspielerische Leistung. Jovan Adepo als Simon, Terry O’Quinn als Richard und vor allem Kezia Burrows als Zoe sind großartig und haben großen Anteil daran, dass die Charaktere so gut funktionieren und so glaubhaft und nahbar sind.
Spannende Grundlagen, frustrierende Feinheiten
Wie bereits erwähnt, nutzt Silent Hill: Townfall eine First-Person-Perspektive, was wunderbar zu dem Survival-Horror-Spiel passt. Dadurch ist es noch leichter, in die düsteren und beklemmenden Straßen und Gebäude von St. Amelia einzutauchen und die Atmosphäre beim Erkunden der Kleinstadt wirken zu lassen. Aber natürlich seid ihr in St. Amelia nicht alleine unterwegs. Relativ bald trefft ihr auf ein erstes, schaurig gestaltetes Monster – und nein, Kämpfe stehen nicht im Mittelpunkt. Ja, es ist möglich sich zu wehren. Holzlatten, Rohre und später auch Schusswaffen helfen dabei, die teilweise sehr zahlreich auftretenden Monster zu beseitigen. Dabei gilt es zu bedanken, dass Munition knapp ist und Nahkampfwaffen nicht lange halten. Es ist offensichtlich, dass Silent Hill: Townfall will, dass ihr schleicht. Entsprechend präsent ist das Stealth-Gameplay. Der bereits angesprochene von Simon genutzte CRTV, ein kleiner tragbarer Fernseher, dient dazu, Gegner durch Hindernisse zu erspähen und anhand von Signalen ihre ungefähre Richtung zu erfahren. Es ist aber nur möglich ein Monster gleichzeitig auf diese Weise im Blick zu behalten. Wollt ihr euch auf ein anderes Monster fokussieren, müsst ihr die Frequenz wechseln. Es gilt also vorsichtig zu sein und das Vorgehen gut zu planen.
Angesichts der festen Routen der Monster ist es sogar sehr gut möglich zu beobachten und abzuschätzen, welcher Weg wann sicher ist. Entdecken euch die Gegner durch Geräusche oder Sichtfeld, doch ist es meist besser zu flüchten. Nur dann verlassen sie ihre Routen und kehren auf diese wieder zurück, sobald sie euch aus dem Blick verloren haben. Das mag mechanisch und unnatürlich wirken, unterstützt aber das Stealth-Gameplay. Verstecke helfen euch dabei, Gegnern zu entgehen. Spannend bleibt das Schleichen aber trotzdem. Gleichzeitig kann es aber auch sehr nervig werden. Wenn ihr immer wieder vom selben Gegner an der gleichen Stelle entdeckt werden, kann das frustrieren – zumal es nur eingeschränkt möglich ist, sich im Kampf gegen die Monster zu wehren. Sicher, ihr könnt die Gegner töten und Schaden einstecken. Heilgegenstände sind zwar selten, aber vorhanden und bestimmte Infusionsbeutel ermöglichen es sogar, nach einem Tod an Ort und Stelle ins Leben zurückzukehren. Einsetzen möchtet ihr diese aber nur im Notfall.
Nerviger Verfolger, knackige Kopfnüsse
Während die üblichen Standard-Gegner trotz des Frustfaktors ertragbar sind, ist da ein Monster, das weitaus stärkere Nerven erfordert. Das sogenannte „The Weight“ oder „Das Gewicht“ kann nicht getötet werden, folgt keiner direkten Route, scheint immer zu wissen, wo ihr euch aufhaltet, bleibt vor eurem Ziel manchmal minutenlang stehen und tötet euch sofort. Frust ist vorprogrammiert – oder war es zumindest. Konami hat mit Update 1.4.0 das Monster glücklicherweise entschärft. Auch die anderen Gegner sowie andere frustrierende Faktoren wurden überarbeitet. Das löst zwar nicht alle Probleme des Stealth-Systems, trägt aber trotzdem spürbar zum Spielspaß bei. Und das ist gut so, schließlich ist Silent Hill: Townfall ein wirklich gutes Survival-Horror-Spiel.
Das zeigt sich auch bei den Rätseln. Screen Burn Interactive hat schon bei früheren Spielen wie Stories Untold und Observation bewiesen, dass das Studio ein Händchen für gute Rätsel hat. Silent Hill: Townfall unterstreicht das erneut. Zwar bewegen sich die meisten Kopfnüsse im gewohnten Genre-Rahmen, sind aber teilweise anspruchsvoller als in Resident Evil oder früheren Silent-Hill-Spielen. Die Rätsel setzten häufig auf den Einsatz der bereits erwähnten 1990er-Jahre Technik. Ob nun Disketten entpackt werden müssen oder die richtige Frequenz bei einem Video eingestellt werden muss, das Flair des Jahres 1996 ist großartig und wird hervorragend für die Rätsel genutzt. Allerdings sind einige der Knobelaufgaben, gerade im letzten Viertel, auch etwas zu kompliziert und können angesichts ihrer Dauer ein wenig frustrieren. Konami hat mit dem Update 1.4.0 zwar auch hier Verbesserungen vorgenommen, perfekt sind trotzdem nicht alle Rätsel.
Fesselnd, trotz Macken
Am grundlegenden Spielspaß ändert das aber nichts – zumindest, wenn ihr mit dem sehr präsenten Stealth-Gameplay zurechtkommt. Wer ungeduldig ist, Gegner lieber bekämpft oder bei nervigen Monstern schnell frustriert ist, könnte irgendwann von Silent Hill: Townfall enttäuscht sein. Abhilfe schafft allerdings die fesselnde Geschichte, die einige ernste Themen anspricht, genauso wie die großartigen Charaktere und die dichte Atmosphäre sowie der lebendige Schauplatz. Alleine, um zu erleben, was es mit den Vorkommnissen in St. Amelia auf sich hat und weshalb Simon dort ist, lohnt es sich, Silent Hill: Townfall zu spielen. Fans der Survival-Horror-Reihe werden hierbei voll auf ihre Kosten kommen. Mit etwa zehn bis fünfzehn Stunden Spielzeit, ist Silent Hill: Townfall auch angemessen lang. Optionale Sammelobjekte, die tiefer in die Geschichte eintauchen lassen sowie mehrere Enden, können noch länger an das Survival-Horror-Spiel binden.
Fazit
Obwohl ich oft Probleme mit Horror-Spielen habe, versuche ich mich gerne an neuen Genrevertretern. Besonders wenn sie versprechen, einer bekannten Reihe eine neue Richtung zu verleihen. Deshalb kehre ich auch immer wieder gerne zu Silent Hill zurück. Silent Hill: Townfall hat mich mit der eher story-getriebenen Ausrichtung sofort angesprochen. Schon nach wenigen Minuten war ich von der dichten Atmosphäre und der wunderschön gestalteten Kleinstadt St. Amelia gefesselt. Die packende Geschichte und die großartigen Charaktere haben mich ebenfalls bald für sich gewonnen. Leider hat das Gameplay einige Macken offenbart. Gerne hätte ich mehr Möglichkeiten gehabt, für mich zu entscheiden, ob ich schleiche oder kämpfe – und sei es als optionale Einstellung beim Schwierigkeitsgrad. Das Umgehen der Gegner ist zwar spannend und stimmungsvoll, kann aber auch schnell nervig und frustrierend werden. Besonders dieses berüchtigte Monster hat mich einige Nerven gekostet. Wie stark sich die Anpassungen des Updates 1.4.0 auswirken, kann ich nicht genau sagen, aber die Entscheidung ist definitiv richtig. Weitaus mehr als das Schleichen haben mich die Rätsel motiviert. Tatsächlich hätte ich Silent Hill: Townfall auch komplett ohne aktives Schleichen und Kämpfen und mit reinen Story- beziehungsweise Zwischensequenz-Monstern genossen. Atmosphäre, Geschichte, Charaktere und Rätsel sind für mich die großen Stärken und haben dafür gesorgt, dass mich das Survivel-Horror-Spiel nicht mehr losgelassen hat. Genre- und Silent-Hill-Fans sollten trotz der Macken unbedingt einen genauen Blick wagen.
Kurzfazit: Fantastisch geschriebenes, atmosphärisches und charakterstarkes Survival-Horror-Spiel, das mit einer erstklassigen Inszenierung und Erzählweise fesselt, aber trotz durchaus spaßigen Spielablauf unter einigen Gameplay-Macken leidet und trotzdem packenden Genre-Spielspaß garantiert.
Details
Titel: Silent Hill: Townfall
Genre: Survival-Horror
Publisher: Konami, Annapurna Interactive
Entwickler: Screen Burn Interactive
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 5 (getestet), PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 24. September 2026
©Konami Digital Entertainment
© 2026 Annapurna Games, LLC
© 2026 Screen Burn Interactive Ltd. „Screen Burn“ is a registered trademark of Screen Burn Interactive Ltd.











