Virtual Boy auf der Nintendo Switch & Nintendo Switch 2

Anderthalb Monate nach der Veröffentlichung des Virtual Boy für Switch und Switch 2, wirft The Lost Dungeon einen Blick auf die Hardware, den Service und die Spiele.

Als Nintendo im September 2025 die Rückkehr des Virtual Boy im Zuge der Nintendo Classics für Switch und Switch 2 angekündigt hat, war die Überraschung groß. Schließlich ist der Virtual Boy der größte Flop des Konsolenherstellers. Ursprünglich im Juli 1995 in Japan, im August 1995 in Nordamerika und im September 1995 in Brasilien erschienen, überlebte der Virtual Boy je nach Region nur knapp ein Jahr. In Japan wurde die Produktion der Tabletop-Konsole im VR-Brillen-Design mit stereoskopischem 3D bereits im Dezember 1995 eingestellt. In Nordamerika hielt Nintendo immerhin bis zum August 1996 an dem System fest. Dabei wurden weltweit lediglich rund 770.000 Exemplare verkauft und zweiundzwanzig Spiele veröffentlicht. Nach Europa schaffte es der Virtual Boy nie. Mit der Veröffentlichung der Neuauflage für Switch und Switch 2 hat sich das am 17. Februar 2026 erstmals geändert.

Notwendige Peripherie, originalgetreue Umsetzung

Schon bei der Ankündigung gab Nintendo bekannt, dass für die Nutzung der Virtual-Boy-Spiele auf Switch und Switch 2 eine zusätzliche Peripherie benötigt wird. Diese kann entweder für 19,99 Euro in einer Karton-Variante oder als Plastik-Replik mit originalem Metallständer für 79,99 Euro im MyNintendo Store gekauft werden. Allerdings solltet ihr von dem sehr stark an den ursprünglichen Virtual Boy angelehnten Replik keine eins zu eins Umsetzung der damaligen Konsole erwarten. Stattdessen erhaltet ihr vorwiegend ein Plastikgehäuse, in das ihr eure Switch oder Switch 2 steckt. Erst wenn eine der Peripherien, egal ob Karton oder Replik, erkannt wurde, könnt ihr in der gestarteten App auf die Spiele zugreifen. Wie bei den anderen Nintendo Classics wird außerdem ein Nintendo-Switch-Online-Abo benötigt. Auf eine Neuauflage des Original-Virtual-Boy-Controllers hat Nintendo bisher leider verzichtet.

Die Virtual-Boy-Nintendo-Classics-App erfüllt die üblichen Standards, die von GameCube, SNES und Co bekannt sind. Entsprechend könnt ihr ein paar rudimentäre Einstellungen vornehmen, die Steuerung selbst festlegen, Speicherstände anlegen und Zurückspulen. Zusätzlich lässt sich der für den Virtual Boy wichtige 3D-Effekt, der sehr gut funktioniert, kalibrieren. Dadurch ist es möglich, die 3D-Darstellung an eure Bedürfnisse anzupassen. Zudem verfügen die Spiele wie schon im Original über eine optionale Auto-Pause-Funktion, die nach einer halben Stunde das Spiel automatisch pausiert. Hintergrund ist, dass bereits 1995 empfohlen wurde, nach dreißig Minuten eine mindestens viertelstündige Pause einzulegen, um Kopf- und Augenschmerzen, Schwindel und andere negative Folgen zu vermeiden. Auch hier ist der Virtual Boy in der Neuauflage originalgetreu: All die körperlichen Probleme treten auch auf Switch und Switch 2 auf. Negativ ist das angesichts der eher geringen Qualität der Spiele allerdings nicht. Schließlich sind nur wenige wirklich für längere Zeit spaßig.

Beschränkte Spieleauswahl

Da die Anzahl der ursprünglich für den Virtual Boy veröffentlichten Spiele eher gering ist, wäre durchaus anzunehmen, dass Nintendo eine vollständige Veröffentlichung der Bibliothek für Switch und Switch 2 plant. Dem ist aber nicht so. Stattdessen sollen nach aktuellem Stand (Ende März 2026) lediglich vierzehn Spiele im Nintendo-Classics-Angebot des Virtual Boy erscheinen. Ergänzt werden diese von zwei Titeln, die zwar in den 1990ern bereits fertiggestellt waren, aber angesichts des Flops des Virtual Boy nie veröffentlicht wurden. Somit erhalten Nintendo-Fans zwei komplett neue Spiele. Gerade für Retro- und Videospiel-Historie-Interessierte kann das ein großer Bonus des Service sein.

Zum Abschluss sollen die neun bisher für Switch und Switch 2 erschienenen Virtual-Boy-Spiele kurz vorgestellt werden. Außerdem findet ihr unten noch eine Liste der ebenfalls angekündigten Spiele.

3-D Tetris

Eine in die dritte Dimension gebrachte Version von Tetris, bei der ihr die Blöcke nicht nur aufeinander, sondern auch auf einer Fläche nebeneinander platziert. Aufgrund der sehr langsamen Spielgeschwindigkeit, der hakeligen Steuerung und der eher mäßigen Perspektive eine schwache Tetris-Umsetzung.

 

Galactic Pinball

Bei Pinball-Spielen kann grundsätzlich zugleich alles und wenig schiefgehen. Schließlich ist das Prinzip simpel, aber alles hängt von der Ballphysik ab. Ausgerechnet diese ist in Galactic Pinball misslungen. Statt eines Balls bekommt ihr es auf den verschiedenen Pinball-Tischen mit einem Puck, der sich wie auf Eis verhält, zu tun. Damit wird die eigentliche Spielmechanik verfehlt, was sich gemeinsam mit der aufgrund der 3D-Perspektive nicht immer gegebenen Unübersichtlichkeit negativ auf den Spielspaß auswirkt.

 

Golf

Weshalb ausgerechnet eine Golf-Simulation für den Virtual Boy entwickelt wurde, ist unverständlich. Die Technik der Konsole ist kaum in der Lage sämtliche notwendigen Berechnungen akkurat durchzuführen, was zu Limitierungen in der Simulation führt. Zudem fühlt sich das Platzieren punktgenauer Schläge schlecht an. Trotzdem kann das schlicht Golf genannte Sportspiel kurzweilig unterhalten.

 

Mario Clash

Kennt ihr Mario Bros.? Das ursprünglich in Arcade-Hallen und später für den NES umgesetzte Action-Spiel lässt euch als Mario in fast hundert kleinen Leveln Gegner besiegen, um voranzukommen. Mario Clash greift das Prinzip auf und fügt eine Tiefenebene hinzu. Gegner müssen vom Vordergrund im Hintergrund besiegt werden, ihr wechselt zwischen den beiden Ebenen und versucht wie in Mario Bros. alle Level zu schaffen. Eines der besseren Virtual-Boy-Spiele, auch wenn es auf Dauer an Abwechslung und Tiefe mangelt.

 

Mario’s Tennis

Wenn in einem Virtual-Boy-Spiel der stereoskopische 3D-Effekt essentiell ist, dann in Mario’s Tennis. Das Sportspiel lässt uns ganz klassisch in Tennis-Matches mit den Charakteren des Mario-Franchises antreten. Runde für Runde versucht ihr den Gegner auszutricksen, zu punkten und den Sieg zu holen. Zwar wird kaum mehr als typische Arcade-Tennis-Kost geboten, das ist aber durchaus kurzweilig und ausreichend spaßig.

 

Red Alarm

Wer Red Alarm zum ersten Mal sieht, könnte an ein minimalistisches Star Fox erinnert werden. In dem Shoot’em Up steuert ihr ein Raumschiff durch Tunnel, weicht feindlichem Beschuss aus und vernichtet eure Feinde. Dabei setzt Red Alarm auf Wire-Frame-Modelle statt auf solide 3D-Grafik. Bedeutet: Es werden keine vollständigen Modelle, sondern nur deren Konturen angezeigt. Das ist optisch durchaus beeindruckend und verleiht Red Alarm Wiedererkennungswert. Gleichzeitig kann die Optik aber auch zu Lasten der Übersicht gehen. Unterhaltsam ist das Shoot’em Up trotzdem.

 

Teleroboxer

Der Titel deutet bereits an, in Teleroboxer geht es um Boxen mit Robotern. Auf Grundlage von Nintendos Punch-Out!! kämpft ihr mit eurem leicht durchsichtigen Boxer gegen verschiedene Roboter-Gegner. Es gilt, Schläge zu platzieren, auszuweichen und abzuwehren, um euren Gegner entweder KO zu schlagen oder nach abgelaufener Zeit mittels Punkten zu besiegen. Obwohl die Umsetzung inklusive Steuerung besser sein könnte, ist Teleroboxer durchaus kurzweilig – wenn auch nur für kurze Zeit.

 

The Mansion of Innsmouth

Das auf den Werken von H.P. Lovecraft und dem Cthulhu-Mythos basierende The Mansion of Innsmouth ist ein klassischer Dungeon Crawler und eines der komplexesten Virtual-Boy-Spiele. Es ist eure Aufgabe, das titelgebende Herrenhaus zu durchforsten, um den Ausgang jeder Etage sowie den dafür benötigten Schlüssel zu finden. Leider fällt es schwer, die Übersicht zu behalten. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad mit wenig Munition, geringem Leben und strenger Zeitbegrenzung sehr hoch, was zu Frust führen kann. Könnt ihr euch damit anfreunden, erhaltet ihr aber einen grundsoliden Dungeon Crawler.

 

Virtual Boy Wario Land

Warios Abenteuer ist das wahrscheinlich beste Spiel für den Virtual Boy. Dabei erinnert Virtual Boy Wario Land stark an Wario Land: Super Mario Land 3. Als Wario durchstreift ihr klassische Jump & Run-Level, erhaltet die Wario-typischen Power-ups und sammelt Schätze. Lediglich die Tiefenebene mit Abschnitten im Hintergrund zeichnet die Besonderheit des Virtual Boy aus, würde aber auch ohne den stereoskopischen 3D-Effekt funktionieren, wie Spiele wie Donkey Kong Country Returns Jahre später bewiesen haben. Gleichzeitig ist Virtual Boy Wario Land wirklich spaßig und trotz der eher kurzen Spielzeit ein vollwertiger Teil der Reihe.

Kommende Spiele

Neben den neun bereits erhältlichen Spielen sollen in Zukunft noch fünf weitere ursprüngliche Virtual-Boy-Spiele und zwei komplette Neuveröffentlichungen folgen. Dabei handelt es sich um:

  • Jack Bros.
  • Vertical Force
  • Virtual Bowling
  • Space Invaders Virtual Collection
  • V-Tetris
  • D-Hopper (Erstveröffentlichung)
  • Zero Racers (Erstveröffentlichung)

Ob noch weitere Virtual-Boy-Spiele ihren Weg in den Service für Switch und Switch 2 finden, ist aktuell unsicher bis unwahrscheinlich. Besonders Titel mit einer Lizenz wie Waterworld dürften kaum umsetzbar sein. Mit insgesamt sechzehn Spielen ist die absehbare Virtual-Boy-Spiele-Auswahl relativ klein. Deshalb lohnt sich das Angebot vor allem für Nintendo-Fans, die in Nostalgie schwelgen wollen, schon immer den Virtual Boy ausprobieren wollten oder die Peripherie sowieso ihrer Sammlung hinzufügen möchten.