Rezension: MIO: Memories in Orbit (Switch 2)

Androidin Mio versucht in MIO: Memories in Orbit die langsam verfallende Arche zu retten und die Existenz der Roboter zu bewahren.
Nachdem Douze Dixièmes bereits mit Shady Part of Me einen kreativen und atmosphärischen Puzzle-Platformer veröffentlicht hat, widmet sich das französische Indie-Studio mit MIO: Memories in Orbit dem beliebten Metroidvania-Genre. Dabei stellt sich die melancholische Geschichte von Androidin Mio, die versucht die Arche und die dortigen Roboter vor dem Verfall zu bewahren, als erste große Überraschung des Jahres 2026 heraus. Besonders Fans von herausfordernden Metroidvanias wie Hollow Knight: Silksong könnten Gefallen an MIO: Memories in Orbit finden. Dabei setzt Douze Dixièmes auf einen künstlerischen Grafikstil und punktgenaues Gameplay.
Verlassene Arche
MIO: Memories in Orbit erzählt die interessante, melancholische Geschichte recht spärlich und kryptisch. Etwas, das Metroidvania-Fans von so manchem Genrevertreter gewohnt sind. So bleiben manche Details – etwa wer Mio genau ist und weshalb sie die Aufgabe erhält, das als Arche oder Gefäß bezeichnete Raumschiff zu retten – lange im Dunkeln. Gleichzeitig werden immer wieder diffuse Hinweise gestreut oder geheimnisvolle Andeutungen in den Spielverlauf eingebaut. Verwirrend ist die Geschichte deshalb aber nicht. Vielmehr wird ausreichend Klarheit geschaffen, während gleichzeitig vieles mysteriös bleibt. Das sorgt für Spannung und trägt zur dichten Atmosphäre sowie dem fesselnden Spielgefühl bei.
Die verschiedenen Charaktere, denen Mio während der Erkundung des Raumschiffs begegnet, tragen ihren Teil zu Geschichte und Atmosphäre bei. So können regelmäßig kurze Gespräche mit Robotern geführt werden. Diese sind zwar nicht essentiell, verleihen der Spielwelt aber mehr Tiefe. Weitaus wichtiger sind die zentralen Dialoge mit wichtigen Figuren. Darunter auch die als Perlen bezeichneten Verwalter des Raumschiffs. Diese zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben von Mio. Allerdings haben sie aus verschiedenen Gründen ihren Dienst eingestellt und es ist nicht leicht, sie zu erreichen. Hier spiegelt sich nicht nur die melancholische Grundstimmung wider, sondern zugleich kommt die zwar seltene, dafür aber hochwertige deutsche Vertonung zum Einsatz. Die meisten Texte und Dialoge sind allerdings ohne Sprachausgabe, dafür aber sehr gut auf deutsch geschrieben.
Erkundung und neue Fähigkeiten
Beim Gameplay bleibt MIO: Memories in Orbit dem grundlegenden Konzept des Metroidvania-Genres treu. Als Mio erkundet ihr die zusammenhängende Spielwelt aus der 2D-Seitenansicht komplett ohne Ladezeiten. Dabei stoßt ihr immer wieder auf Hindernisse, die erst mit der richtigen Fähigkeit überwunden werden können. Entsprechend ist es wichtig genau diese neuen Fertigkeiten von Mio zu finden und korrekt einzusetzen. Das ist überaus motivierend, was auch an der hervorragend gestalteten Spielwelt liegt. Überall lassen sich kleine Geheimnisse oder Abkürzungen entdecken, wodurch ihr bestimmte Orte anschließend schneller erreicht als zuvor. Zusätzlich könnt ihr Speicherpunkte für Schnellreisen untereinander nutzen. Sehr praktisch. Die Karte wird allerdings erst aufgezeichnet, wenn ihr einen der Speicherpunkte besucht, was mitunter die Herausforderung beim ersten Erkunden eines Bereichs wirklich alles zu entdecken erschwert.
Da sich Mio angenehm flott und direkt spielt, gehen die häufigen Kämpfe genauso leicht von der Hand wie die regelmäßigen Geschicklichkeitsabschnitte. Es ist sogar unabdingbar, die Steuerung zu erlernen, da der Schwierigkeitsgrad ziemlich fordernd ausfällt. MIO: Memories in Orbit ist zwar nicht so fordernd wie Hollow Knight: Silksong, richtet sich aber eindeutig vor allem an Genreveteranen. Egal ob Sprungpassagen mit Trail-and-Error-Anleihen oder knackige Bosse, es erfordert einiges an Übung und Können, um erfolgreich zu sein. Dabei bleibt es kaum aus, dass ihr für Bosse mehrere Versuche benötigt oder eine Geschicklichkeits-Passage nicht sofort schafft. Geduld und das Lernen der Bosse beziehungsweise Herausforderungen ist gefragt, um erfolgreich zu sein. Sogar manche Standardgegner können euch anfangs bereits einiges abverlangen und wirken bei ihrem ersten Auftritt gar wie Minibosse. Hier ist es wichtiger, die Angriffsmuster zu verstehen und gezielt anzugreifen als wild drauf zu schlagen. Zudem sind einige Standardaktionen etwas anders als im Genre üblich. Das gilt besonders für das Ausweichen. Statt eines Dashs entgeht Mio an Ort und Stelle kurz einem Angriff – zumindest wenn ihr im richtigen Moment den erforderlichen Knopf drückt.
Hilfreiche Verbesserungen und Unterstützungsoptionen
Glücklicherweise bietet MIO: Memories in Orbit ein paar Möglichkeiten den Spielverlauf zu vereinfachen. Das fängt bei den Verbesserungen der Androidin an. So lassen sich mit der Zeit weitere Schutzschichten, die als Lebenspunkte für Mio dienen, freischalten. Außerdem können an Speicherpunkten gefundene Mods installiert werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass Mios Speicher noch ausreichend Kapazität hat. Diese lässt sich zwar erhöhen, trotzdem ist es erforderlich, gut zu überlegen, welche passiven Effekte ihr nutzen möchte. Da sogar die Anzeige der Lebensenergie von Mio und den Gegnern jeweils eine Mod ist, kann der knapp begrenzte Speicher bereits für erforderliche Anzeigen verbraucht sein. Das ist spannend und liefert mit einer recht hohen Anzahl an Mods viele Individualisierungsmöglichkeiten. Sofern ihr die Mods in der Spielwelt findet.
Gleichzeitig versucht das Metroidvania zumindest ein wenig Zugänglichkeit für weniger erfahrene Spieler anzubieten. So könnt ihr verschiedene Unterstützungsfunktionen aktivieren. Dadurch erhält Mio eine Schutzschicht mehr, die sich nach einiger Zeit automatisch wieder herstellt. Außerdem könnt ihr einstellen, dass Bosse mit jedem eurer gescheiterten Versuche ein wenig schwächer werden. Wirklich leicht werden sie dadurch aber nicht. Zuletzt besteht die Möglichkeit den Pazifisten-Modus zu nutzen. In diesem greifen euch alle Gegner außer Bosse nur an, wenn ihr diese zuerst attackiert. Das kann durchaus sehr hilfreich sein, besonders wenn ihr nur noch wenige Schutzschichten habt und einfach nur ein Perlmutbecken zur Heilung oder einen Speicherpunkt sucht. Heilitems gibt es in MIO: Memories in Orbit nicht.
Wunderschön und atmosphärisch
Aber das Metroidvania von Douze Dixièmes überzeugt nicht nur spielerisch. Neben dem Gameplay, der interessanten Geschichte, der stimmungsvollen Spielwelt und der dichten Atmosphäre, sticht die wunderschöne Optik heraus. MIO: Memories in Orbit ist in einem Bleistiftschraffur-Aquarell-Wasserfarben-Stil gehalten. Dadurch erhält die Spielwelt eine einzigartige Erscheinung, die viel zur Wirkung des Metroidvanias und der Atmosphäre beiträgt. Zwar lassen sich selten gefährliche Stellen nicht richtig erkennen, wirklich negativ fällt das aber nicht auf. Zumal das Metroidvania von einem ruhigen, abwechslungsreichen und stets passenden Soundtrack untermalt und von einer stimmungsvollen Soundkulisse begleitet wird. Auf der Switch 2 läuft MIO: Memories in Orbit zudem absolut flüssig und ohne Probleme oder Bugs. Hervorragend. Damit ist MIO: Memories in Orbit nicht nur eines der besten Metroidvanias der letzten Zeit und eine hervorragende Alternative für alle Genrefans, die nach Hollow Knight: Silksong etwas Neues suchen, sondern einer der ersten großen Geheimtipps des Jahres 2026.
Fazit
Schon die ersten Trailer-Szenen von MIO: Memories in Orbit haben mein Interesse an dem Metroidvania von Douze Dixièmes geweckt. Der malerische Grafikstil verströmt eine dichte Atmosphäre und zieht mich gemeinsam mit dem wunderschönen Soundtrack in seinen Bann. Als Metroidvania-Fan war ich zudem gespannt, was mich beim Gameplay erwartet. Dieses fällt zwar wie üblich aus, zeigt aber einige kreative Ideen sowie eine nahezu perfekte Spielbarkeit. Gerade letzteres sorgt dafür, dass sich MIO: Memories in Orbit von anderen Genrevertretern absetzt und sich selbst vor dem großen Genre-Hit Hollow Knight: Silksong nicht zu verstecken braucht. Lediglich der hohe Schwierigkeitsgrad hat mich einige Nerven gekostet. Daran ändern auch die Unterstützungsfunktionen leider zu wenig. Trotzdem war ich immer motiviert weiterzuspielen und wenn ich dann nach zahlreichen Versuchen endlich einen Boss besiegt oder eine schwierige Stelle geschafft habe, ist das überaus zufriedenstellend. Für mich ist MIO: Memories in Orbit der erste große Überraschungshit des Jahres 2026. Genre-Fans sollten dem Metroidvania von Douze Dixièmes unbedingt eine Chance geben.
Kurzfazit: Atmosphärisches Metroidvania, das mit malerischer Spielwelt, erstklassigem Gameplay und forderndem Schwierigkeitsgrad fesselt. Der erste Überraschungshit und Geheimtipp des Jahres!
Vielen Dank an Focus Entertainment & Douze Dixièmes für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von MIO: Memories in Orbit!
Details
Titel: MIO: Memories in Orbit
Genre: Metroidvania
Publisher: Focus Entertainment
Entwickler: Douze Dixièmes
Spieler: 1
Syteme: Switch 2 (getestet), PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC, Switch
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2026
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